Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnis: Ein paar Störenfriede - und die Mitschüler weinen
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Kooperativ, aufgeweckt, interessiert - von solchen Schülern träumen Lehrer. Doch wer zu gut erzogen ist, kann im rauen Schulalltag untergehen. Unser Autor ist Lehrer und sagt: Schuld daran bin auch ich.

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Broko 24.01.2019, 15:17
30.

Wenn ein Land davon träumt, aus jedem Gogomobil einen Ferrari bauen zu wollen, dann kommt sowas dabei herum!

Wann fängt das Land endlich an, sachkompetente Leute einzustellen, die diesen Irrsinn beenden?

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aurora77 24.01.2019, 15:19
31. Liebe Lehrerin,

Sie schreiben, es sei schwer, verhaltensauffällige Kinder loszuwerden. Ihr Text hat mich sehr betroffen gemacht. Haben Sie sich mal gefragt, warum die Kinder verhaltensauffällig sind? Vermutlich weil sie psychische Probleme haben. Vielleicht sind sie zu Hause auch unerwünscht. Vielleicht werden sie sogar körperlich, psychisch oder sexuell misshandelt. Vielleicht werden sie vernachlässigt und sie hatten noch nie jemanden, der ihnen zuhört. Und die Schulen überlegen auch nur, wie sie sie loswerden sollen. Leider hat nicht jeder Mensch das Glück, in die Familie einer Lisa hineingeboren zu werden.

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martine-primus 24.01.2019, 15:23
32. Ja, aber....

Zitat von futtermeister
Ich würde eine Regelung begrüßen, bei der zum Beispiel nach drei Eintragungen wegen Verstößen gegen die Klassenregeln für drei Monate oder länger das Kindergeld gestrichen wird. Das wird sich zeitverzögert ganz sicher auf eine etwas bessere Erziehung auswirken. Es gilt leider, dass gut erzogene Kinder immer benachteiligt sind.
.... das Problem ist doch, wenn Kinder bis zum Grundschulalter noch keine Erziehung genossen haben, weil die Eltern unfähig waren und desinteressiert, dann wird sich dies durch Sanktionen nicht ändern!
Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich weiss auch nicht, wie man an die Eltern herangehen kann oder wie mit diesen Kindern umzugehen ist. Aber Fakt ist: das Kind ist in den Brunnen gefallen! Vielleicht kann man bei dem Einen oder Anderen noch etwas retten, aber wenn die Eltern eh kein Interesse zeigen, von Hartz IV leben, aber dicke Autos fahren...., dann wird eben so erzogen, dass später auch die Kids von Hartz IV leben und sie sich lieber ein "zweites Standbein" aufbauen.... Sollen doch die doofen Anderen arbeiten gehen und Steuern zahlen, während man selbst ausschläft und seine Faulheit bezahlen lässt. Erziehung ist Arbeit, die machen sich viele Menschen nicht mehr. Ich sehe so oft Frauen den Buggy schieben, das Kind ist wach, aber die Mutter hat in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen Hand das Handy! Da wird sich nicht mehr mit den Kindern beschäftigt und ihnen die Welt erklärt/gezeigt/beschrieben - nein, lieber immer online sein, dem Kind nen Keks in die Hand drücken und Ruhe ist!

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Gleichstrom 24.01.2019, 15:24
33.

Zitat von alex1982
...das der im Beitrag erwähnte Störenfried am 1.1. Geburtstag hat und im Zuge der allgemein ansteigenden Buntheit nach Deutschland gekommen ist... wetten dass? Mal ganz ehrlich: Wir lebten friedlich unter Schafen, als der Schäfer sich entschloß, das Gatter für den Wolf zu öffnen und den Hunden verbot ihre Arbeit zu tun. Und jetzt wundert man sich, dass die Schafe unter die Räder kommen? Echt jetzt?
Ach, das ist doch Unsinn!

Wir teilen das Geburtsjahr 1982, richtig? Sind Sie 1989 eingeschult worden? Ich ja. Ich hab das anders erlebt - der asozialste meiner Mitschüler, den ich von der 2. bis zur 6. Klasse ertragen mußte (und danach hin und wieder traf - er war ja nicht weg, nur halt auf ner Blödenschule, auf die man mich zuvor schicken wollte - nebendran, ich kenn meinen IQ, ich hab n Diplom und hab dort NIE hingehört, und es forderte Einiges, das zu verhindern...), war Deutscher. Ostdeutscher.

Einen Moslem gab es damals, der vor Allem dadurch auffiel, daß ihm der Religionsunterricht erspart blieb - ich mußte hin, trotz daß ich weder getauft war, noch je einen Gottesdienst besucht hätte.

Ich will garnicht so tief ins Detail - damals hatten Lehrer eine Menge Macht. Als ich in die erste Klasse kam, hatte ich nichts gegen Lehrer und ging davon aus, ich würd ne Menge interessantes Zeug lernen. Als ich die zweite Klasse begann, hasste ich meine Klassenlehrerin, einige meiner Mitschüler, die Schule und obwohl wir einen ernsthaft psychisch kranken Schläger in der Klasse hatte, der komplett ausrastete, bis er schreiend, weinend, in die Hose pinkelnd um sich schlagend am Boden kollabierte - und das nicht nur ein mal - war ich der Problemschüler, der wegmußte. Weil ich irgendwie anders war. Weniger berechenbar - bei ihm wußte man, wie er austickte, daß das etwa alle 2 Wochen zu voller Blüte gedeihen würde. Ich bin auf dieser Schule genau zweimal ausgerastet - in Gegenwehr gegen den und gegen eine des Pisackens nicht überdrüssig werdende Gruppe, die natürlich meine Schuld bezeugte. Und das wars, Mitte der 2. Klasse gabs den Wechsel.

Der genannte ... Schläger? ... ist allerdings nicht der Bösartigste, den ich oben nenne - der wußte genau, was er tut, rastete nicht aus, bzw konnte dies Vortäuschen und bei Bedarf sofort abstellen, wenn es dazu diente, unschuldig auszusehen.

Ich war wohl einfach kein guter Schauspieler und nicht einfach mit "Das ist eben so!" zufriedenzustellen. Zum Glück ist das nicht anders geworden, daß etwas "eben so sei" reicht mir immernoch nicht.

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ronomi47 24.01.2019, 15:26
34. Diese Entwicklung war absehbar!

Ich habe viele Jahre an der Schule unterrichtet und durfte - dies war in der Schweiz möglich - leistungsstärkste und während den letzten Jahren auch leistungsschwächere Klassen unterrichten. Auch bei uns hat man vor wenigen Jahren die Inklusion im Bereich Kleinklassen/Real-/Sekundarstufe vollzogen.
Als man diese unheilvolle Entwicklung plante, haben viele erfahrene Kollegen gewarnt, dass mehr Schaden angerichtet würde als einzelne vermeintliche Verbesserungen erzielen zu können. Aber erfolglos: Man wurde als konservativ, hinterwäldnerisch und unflexibel tituliert.
Menschen sind unabhängig ihrer wie auch immer gemessenen Intelligenz in Bezug auf Sozialkompetenz (dazu gehören auch Empathie, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit etc) über alle Stufen hinweg gleich, gleich gut und gleich schlecht.
Die grosse Tragik liegt im Menschenbild der "Weltverbesserer" (Ich sage jetzt nicht Linken oder Grünen). Sie gehen von der Rousseau'schen Prämisse "der Mensch ist von Natur aus gut, nur die Umwelt macht ihn schlecht" aus. Eine verheerende Aussage, die seither schon Millionen Menschen das Leben gekostet hat (marxistische Experimente in Kambodscha, im China der Kulturrevolution u.v.a).
Die Verleugnung der Natur des Menschen - Vereinfacht - in jedem steckt "gut" und "böse" lässt besonders heute diesen riesigen Konflikt zu Tage treten.
Die einzige Hoffnung bleibt, dass das Pendel zurückschlägt.

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bluestar2000 24.01.2019, 15:29
35. Schulen zur Durchsetzung des Sozialverhaltens befähigt?

Zitat von georg69
Dass der - durch viele Ausfälle ohne dezimierte - Unterricht nicht durch Einzelne stark beeinträchtigt werden darf, ist offensichtlich. Doch diese negativ auffälligen Kinder müssen die Unterstützung bekommen, die ihnen das eigene Elternhaus - aus welchen Gründen auch immer - offenbar verwehrt. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, Kinder auszusortieren. Das war schon immer problematisch, heute wäre es fatal! Daher kann die einzig sinnvolle Lösung nur sein, mit diesen Kindern das bisher nicht gelernte in der Schule nachzuholen. Dazu müssen die Schulen befähigt werden.
Sie sind ja ein lustiger Zeitgenosse! Das Grundproblem bei dieser Sache ist ja nicht, dass Schule (bzw. die Lehrer) nicht dazu in der Lage sind, eine nErziehungsauftrag auszuführen. (Von Ausnahmen von der Regel möchte ich nicht immer ausgehen!) Des Pudels Kern liegt in den Eltern, die der Schule diesen Auftrag verwehren! Die gesamte verkorkste ICH-Gesellschaft ist es doch, die die Schule torpediert! Und wenn die Lehrer nach Jahren des gelebten Ausbremsens und der "Herrschaft" der ELtern dann die Lust verlieren, nicht Auswirkungen des Handelns der verkommenen Zöglinge zu hofieren, dann, aja dann sind die Lehrer plötzlich unfähig, unwillig und machen ihren Job nicht. Dass der repräsentative Anteil der Eltern den Lehrer aber über Jahre in die Knie gesprungen ist, ignorieren dann gerne alle.
DANKE Ego-Gesellschaft!

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spon-1310712841582 24.01.2019, 15:30
36. Es hört nach der Grundschule nicht auf!

ich unterrichte in Nds. In einer einjährigen beruflichen Vollzeitklasse - auf dem Papier haben alle die mittlere Reife (Sek. 1). Eigentlich könnten theoretisch alle einen Ausbildungsplatz bekommen aber das pünktlich sein und sooooo lange arbeiten ist es hon echt blöd. Lieber Schule und Kindergeld gibt's auch noch. Und Wiederholen kann man das Jahr auch noch. Unter den 20 SchülerInnen sind mindestens 80 % Störer und verhaltensauffällige. Geregelter Unterricht ist nahezu unmöglich. Verbale und auch seltener körperliche Gewalt ist an der Tagesordnung. Die 20 % die dieses Jahr als berufliche Grundbildung bzw. Orientierung - das ist die Idee dahinter - nutzen wollen gegen i. d. R. Total unter. Klassenkonferenzen finden im Woche Rhythmus statt. Die selten anwesenden Elternvertreter sind entsetzt und enttäuscht über die geringen Sanktionsmöglichkeiten für z. B. sich prügelnde Schüler, Mobbing in allen nur denkbaren Varianten, Beleidigung der Lehrkräfte usw. Die härteste Sanktion ist der Ausschluß vom Unterricht für 4 bis 6 Wochen. Denkbar wäre der Schulverweiß. Das scheitert an der Schulpflicht bzw. Daran eine andere Schule zu finden, die einen "Schläger" oder "Schlägerin" aufnimmt. Das Kindergeld streichen funktioniert auch nicht, da die Kindergeldkasse nicht einmal über Fehlzeiten informiert werden darf - Datenschutz.
Wenn SchülerInnen nur in Ruhe lernen wollen ist das in vielen Schulen heutzutage leider sehr sehr schwer bis unmöglich. Sehr traurig.

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marc-julien 24.01.2019, 15:31
37. Kraftlose Schüler

Rüpel und Rüpeleien hat es in allen Schulen der Welt schon früher immer gegeben, geändert hat sich scheinbar nur der Umgang damit. Mir scheint, das ewige Credo der unbedingten Gewaltlosigkeit und der Macht des Geistes/Wortes über den Körper hat uns in eine Sackgasse der Zivilisation geführt. Kinder sollten nicht einfach "wohlerzogen" sein oder wie "Schafe", von denen ein anderer Forist hier geredet hatte, sondern eine Balance zwischen gesunder Körperlichkeit und geistiger Entwicklung sollte meiner Meinung nach das Ziel sein. Mens sana in corpore sano, sozusagen. Dann hätten die meisten Kinder auch weniger Schwierigkeiten, sich gegen Rüpeleien und Gewalt zur Wehr zu setzen und würden zumindest dagegenhalten können. Gemeinsam im Klassenverband bekäme man dann solche Ausreißer auf jeden Fall in den Griff.

Dito übrigens auch für unsere erwachsene Gesellschaft...

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henning bremen 24.01.2019, 15:32
38. Erziehungsspaß?

Nicht umsonst heißt es Erziehungsarbeit und nicht Erziehungsspaß. Nur wollen immer weniger Eltern diese "Last" der Erziehung auf sich nehmen, um für den vermeintlich einfacheren Moment sich für die Zukunft noch mehr Probleme mit ihrem Kind vorzubereiten.
Auch wir haben das Problem: Tochter in der 3. mit chaotischen Jungs, die stets laut sind, schlagen und würgen und sogar Mädchen in der 8. Klasse mit "Poklatschen" sexuell belästigen. Reaktion der Schule: alles nicht so schlimm. Reaktion des Kindes: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schulunlust... und die Sorge, die Lehrerin durch einen Klassenwechsel zu enttäuschen. Gute Kinder sind leider die Verlierer in solchen Klassen.

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madameping 24.01.2019, 15:32
39.

Zitat von cvdheyden
Es geht hier auch mal darum, dass wir unsere Werte: Zuhören, Respekt, Teilen usw. konsequent durchsetzen. Dieses Antiautoritäre hat sich ja nun wirklich überholt. Kinder brauchen Autoritäten, die sie respektieren. Es geht nicht um Druck. Ich habe meine mittlerweile erwachsenen Kinder von einer Grundschule runtergenommen, da es genau da diese Probleme gab. Es geht auch nicht darum mit Gewalt zu agieren aber konsequent. Und das geht nur, wenn die Lehrer entsprechend handeln. Dazu müssten sie allerdings ausgebildet werden und das sind sie nicht. Ich würde nicht ein halbe Jahr warten, ich würde mir das genau 2 Wochen anschauen, dann stände ich da jeden Tag auf der Matte.
Dieses Antiautoritäre hat sich keineswegs überholt. Leider nicht. Inzwischen ist es soweit, dass antiautoritäre Erziehung ein Synonym für "Kinderfreundlich" ist und "Kinderfreundlich" wird von den meisten Leuten mit Nicht-Erziehung verwechselt.
Ich gehe noch weiter. Es wird ausschließlich zwischen zwei Begriffen polarisiert: "kinderfreundlich" und "kinderfeindlich". Als gäbe es nichts dazwischen, keine Feinnuancen, keine Grauschattierungen. Vergleichsweise neu ist der vernichtende Kraftbegriff "Kinderhasser".
Er wird als Beschimpfung benutzt.
Wem ein randalierendes Gör oder überhaupt lautes Kind auf den Keks fällt, der gilt als kinderfeindlich. Nein. Sage ich. Er ist genervt, vor allem ist er verärgert über die Eltern, die das gaaaanz toll finden und glauben, sie besäßen das Recht, über andere zu bestimmen. Hier kommen wir wieder zurück zum Antiautoritären, das an sich für eine gelockerte Erziehung stand, die sich von dem NS-Geist lösen sollte, von den Kategorien des Befehl und Gehorsam-Denkens - und übersah dabei völlig, dass sie mit gleichen Zwangsmaßnahmen, wenn auch nur moralisch, über jene urteilten, die anders dachten. Man übersah - und übersieht bis heute, dass man damit den Zweck der Toleranz herabsetzte. Kurz: wer Toleranz schulmeisternd einfordert, beweist, dass er nicht tolerant ist.
Noch weiter: ansatt zu überzeugen, diskriminiert man lieber.
Im Grund hat sich also gar nichts geändert und die antiautoritäe Erziehung hat sich damit langfristig betrachtet als der selbe Rohrkrepierer wie die autoritäre Erziehung erwiesen.
Und wer muss es ausbaden? Kinder.

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