Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnis: "Ich gebe nur noch gute Noten"
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Ist es gerecht, Schülern die Zukunft zu verbauen, weil Lehrer ihnen schlechte Noten geben? Das hat sich eine Lehrerin gefragt - und entschieden: Bei ihr besteht jeder das Abitur.

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zwischen_durch 10.01.2019, 12:04
70. Zustimmung

In einem Punkt hat die Frau meine volle Zustimmung: die Benotung ist der größte Feind eines guten Unterrichts!
Warum? Weil die Fxerung auf die Notenproduktion dazu führt, dass man seinen Unterrcht danach ausrichtet, überprüfbaren Stoff zu vermittelt/über die Schülerinnen und Schüler zu kippen. Sehr oft ergeben sich Situationen, in denen sich durch das aktuelle Geschehen und die Interessen der Schülerinnen und Schüler Unterrichtsthemen aufdrängen, bei denen sie auch eine hohe Eigenmotivation mitbringen. Nur naht dann schon wieder das Ende des Halbjahres, es muss noch eine schriftliche Note produziert werden, wodurch man sich gezwungen sieht ein abfragefreundliches Standardthema zu behandeln.
Wie irrsinnig der Zwang zur Notenproduktion ist, sieht man am Fremdsprachenunterricht. Alle Untersuchungen zu Lernprozessen kommen zum Ergebniss, dass wir Menschen Dinge nur in Zusammenhängen gut lernen können. Das isolierte Lernen einzelner Vokabeln widerspricht also jeder Lerntheorie. Weil es aber die einfachste Variante ist um Noten zu produzieren, führen Sprachlehrer - wider besseres Wissen - regelmäßig Vokabeltests durch.
Diese Tests haben aber nichts mit sinnvollen Konzepten des Lernens zu tun, sondern dienen nur und ausschließlich der Notenproduktion.
Diese Fixierung auf Noten ist völlig pervers, weil sie vordergründig zwar eine Objektivität vorgaukelt, in Wirklichkeit jedoch nur die subjektive Beurteilung der Lehrer verschleiert und in vielen Fällen guten Unterricht verhindert.

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ford_mustang 10.01.2019, 12:04
71. Lob ist nur glaubwürdig. ..

wenn es auch Kritik gibt. Wenn ich jemanden immer lobe, auch wenn er den größten Unsinn fabriziert, ist das kontraproduktiv. Wäre hier nicht zusätzlicher Unterricht in den betroffenen Fächern sinnvoller? So macht sich das die Lehrerin recht einfach, zumal wenn nicht alle Anderen mitziehen, wird ihr "Rezept" nicht klappen. Im Studium oder in der Arbeitswelt fliegt die Sache dann auf. Falls nicht, wieder einer auf einem Posten, der nicht die Kompetenz hat. Schüler wollen nicht gepampert werden sondern nur gerecht benotet werden.

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globaluser 10.01.2019, 12:05
72. @54 peerseh - Mehr als eine Drückerkolonne können Sie nicht haben,

der Vertrieb im Mittelstand bedarf natürlich einer sozialen Kompetenz, aber in der Regel, neben einer kaufmännischen Ausbildung, auch hohen technischen Sachverstand - geschenkt bekommt man das nicht. Das Verhalten der Lehrerin ist unverantwortlich, sie schiebt Verantwortung an die Unis ab und letztlich an die Unternehmen. Hören Sie sich da einmal um, was da so angeliefert wird und nein, früher, war nicht alles besser. Keiner muss alles wissen und jeder hat unterschiedliche Interessensgebiete, aber was den Leuten nicht vermittelt wird, ist eine Methodologie, sich etwas zu erarbeiten. Vielen Lehrern ist das wohl egal, Hauptsache beliebt sein.

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doc007 10.01.2019, 12:07
73. …wenn die Emotion die Fakten ablöst

Ja, es ist wie überall. Faktenbasiertes Handeln ist out, es geht um Gefühl und Gutherzigkeit. Dass nicht jeder Kernphysiker oder Neurochirurg werden kann, wird dabei völlig ausgeblendet. Was ein Schlag ins Gesicht der begabten und fleißigen Schüler, die lernen und sich engagieren.
Und wo bitte möchte besagte Lehrerin die Grenze ziehen? Wie ist es im Studium? Wäre sie Hochschuldozentin, ließe sie dann auch jeden Medizinstudenten bestehen? Wer weiß denn schon, wie sich der Mensch später als Arzt entwickelt?
Solche Lehrer tragen dazu bei, dass das Abitur genau nichts mehr wert ist.

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Freifrau von Hase 10.01.2019, 12:10
74.

War klar, dass jetzt alle über die Lehrerin motzen. Nur: Schule muss sich sowieso von Grund auf neu erfinden im 21. Jahrhundert.
Die vergangenen 150 Jahre galt es als Norm, möglichst viel auswendig zu lernen, Wissen anzuhäufen, ein wandelndes Lexikon zu sein.
Und heute?
Habe ich mit ein paar Klicks das gesammelte Wissen der Menschheit. Und das an so ziemlich jedem Ort der Welt, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Warum dann auswendig lernen mit Noten belohnen/bestrafen?
Lieber lernen, woran man Freude hat und was einen wirklich weiterbringt.

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politkrit 10.01.2019, 12:10
75. Bei einem Richter wäre das Rechtsbeugung!

Würde ein Strafrichter sagen, ich gebe einfach jedem Angeklagten Bewährung, ich darf doch niemandem sein weiteres Leben verbauen, dann wäre das Rechtsbeugung mit einer Mindestfreiheitsstrafe von 1 Jahr. Denn ein Richter ist an Gesetz und Recht gebunden und darf nicht einfach machen, was er will. Nun kann man natürlich einen Schüler, der Leistung bringen soll, nicht mit einem Angeklagten vergleichen, der eine Straftat begangen hat. Aber kann man einen Lehrer nicht ein wenig mit einem Richter vergleichen? Beim Lehrer ist die Aufgabe der korrekten Leistungsbewertung natürlich nur ein Teil seiner Aufgaben. Aber in diesem Bereich muss er gerecht entscheiden. Er muss sich in seinem Bereich genauso an die ihm vorgegebenen Regeln halten wie ein Richter an die seinen. Gerechtigkeit bedeutet vor allem Gleichbehandlung. Deshalb gibt es ja Regeln, an die sich alle zu halten haben. Die Regeln über korrekte Bewertung schützen die Guten, die Fleißigen, die Begabten. Die werden demotiviert, wenn andere am Ende die gleichen Noten bekommen. Wozu soll man dann noch Einsatz bringen? Oder sollen die Schüler schon in der Schule lernen, dass es keine Gerechtigkeit auf der Welt gibt und dass sich Leistung nicht lohnt. Besondere soziale Probleme sollten nicht durch Vorgaukelung guter Leistungen über die Note gelöst werden; sondern man sollte dafür einen Sonderweg schaffen, um Schülern, die von besonderen Problemen betroffen sind, noch eine Chance zu geben.

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dein_idol 10.01.2019, 12:10
76.

Ich stelle mir hier die Frage ob es um mündliche Noten geht? In der Abiprüfung sitzt der Lehrer ja nicht mehr alleine da zur Prüfung. Auch die schriftliche kann nicht irgendeine Pipifax Prüfung sein.

Auch wenn die schriftlichen Tests immer Pipifax waren wird da sicherlich was gegen unternommen werden.

Bei mündlichen Noten finde ich ein "gut" für alle die normal teilnehmen schon ganz angenehm. Wer stört oder sich verweigert sollte auch schlechter bewertet werden.
Aber weil jemand ein Thema gut beherrscht und sich dann in den Vordergrund stellt sollte er nicht doppelt beloohnt werden. Also schriftlich wie auch mündlich. Da sollte der Wille des Lernens bewertet werden, auch wenn man häufig falsche Antworten gibt, sich aber sichtlich bemüht.

Allen ein Freifahrtschein zu geben, also so gute Noten das man auch mit der Abiprüfung nichts mehr falsch machen kann finde ich dann etwas gewagt.

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fasoulaki 10.01.2019, 12:11
77. The New Deal

Gute Noten sind die Lösung aller Probleme. Die Kinder sing begeistert, weil sie nicht lernen müssen und rund um die Uhr mit Ihrem Handy daddeln können. Die Eltern sind begeistert von Ihrem hochbegabten Nachwuchs und können sich ebenfalls ungestört mit Ihrem Handy beschäftigen, statt die ADHS Patienten durch die Schule zu prügeln. Die Lehrer gehen Konflikte mit den Schülern und den Lehrern aus dem Weg und können ebenfalls (hoffentlich nur Nachmittags) ebenfalls Ihrem Handy die nötige Zuwendung geben. Alle sind zufrieden sogar die Chinesen, welche Ihre Position auf dem Weltmarkt mit hochtechnologischen mehr als wettbewerbsfähigen Produkten ungestört weiter ausbauen, während in Deutschland die Fusch- und Schummelmentalität, welche sich schon im Studium bewährt hat, Einzug in die Unternehmen findet.

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mxmx 10.01.2019, 12:12
78. Selbstbetrug

Noten sollen ein Feedback über den Stand von Kenntnissen und Fertigkeiten geben. Inflationär gute Noten sind dann nur ein Selbstbetrug. Denn was nützen gute Noten, wenn die Fertigkeiten dahinter fehlen. Dann darf man zwar studieren, kann es aber nicht, weil die Fähigkeit dazu fehlt. Verschleudert man in der Uni die guten Noten genauso, dann kommt das böse erwachen spätestens im Beruf, denn dann geht es um das echte Leben und nicht mehr um die Noten auf dem Papier.
Zu diesem Zeitpunkt ist aber das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Es muß darum gehen, die eigenen Fähigkeiten möglichst früh einschätzen zu können, um eine Berufswahl möglichst früh in eine Richtung zu lenken, die der jeweiligen Person gerecht wird.

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delta120 10.01.2019, 12:12
79. Dann kommen private Zugangstest

In den USA ist der High School Anschluss schon nichts mehr wert. Im Anschluss legt man meist den privaten Zulassung Test SAT ab, der dann der Leistung Test für diese Person ist und für die Uni meist benötigt wird.

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