Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnis: Schulausflüge sind die Hölle
DPA

Lehrer sind für die Sicherheit ihrer Schüler verantwortlich. Doch wer es genau nimmt mit den Vorschriften, kann eigentlich nur im Schulgebäude bleiben.

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weltgedanke 31.07.2017, 17:13
1.

Ich würde meine Kinder immer lieber einem Lehrer mitgeben, bei dem sie etwas erleben, bei dem ihre Neugierde geweckt wird, ihr Forscherdrang, bei dem sie frei sind, Dinge ausprobieren dürfen, und wo sie spüren, dass ihnen vertraut wird und ja, wo auch mal etwas schiefgeht und sie lernen, damit umzugehen.
Sie jemandem "anzuvertrauen", der sie mit übertriebenen und leblosen Regeln drangsaliert (ob nun direkt oder indirekt), würde bei mir ein flaues Gefühl hinterlassen. Wie sollen sie da lernen, ihr Leben zu genießen und etwas daraus zu machen?

Das Schwierige ist halt, dass es unmöglich ist, alle Regeln zu befolgen, die irgendwo stehen, ohne einen an die Klatsche zu kriegen. Das liegt daran, dass viele Regeln nie den Sinn hatten, irgendetwas zu verbessern, sondern sie haben nur den Sinn, dass ein paranoider Bürokrat sich absichert.
Die Frage ist also gar nicht, ob man Regeln ignorieren muss, sondern wann und wo da die persönliche Schmerzgrenze liegt. Daran, wie man da für sich die Linie zieht, zeigt sich halt, wie viel Bürokrat man selbst ist oder anders gesagt: Wie wichtig es einem selbst ist, sich abzusichern.

Kann man natürlich auf die Spitze treiben, jeder ist da sicher auch anders, aber irgendwann dürfte einem eventuell auffallen, dass man dabei seine Seele verkauft. Man lebt nämlich nicht mehr, sondern man wird gelebt. Oder anders gesagt: Man fühlt sich zwar womöglich sicher, aber es ist gar nichts Schützenswertes mehr da.

Das dürfte ein ziemlich deprimierender Zustand sein, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich würde annehmen, dass jemand, der davon befallen ist, depressiv wird und keinen Sinn mehr im Leben sieht. Wie soll man auch, wenn gar kein Leben da ist, sondern nur Überleben?

Mit dieser Frage komme ich zurück zum eingangs Gesagten: Wenn ich meinen Kindern etwas beigebracht wissen will, dann Leben.

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jujo 31.07.2017, 17:28
2. ...

Ich begleitete die Klasse meiner Tochter auf einen Fahrradausflug, 6te Klasse,
ein Mädchen stürtzte, stark blutende Kniewunde, beide Lehrer leisteten erste Hilfe. Das Ziel war nahe, die Kinder kannten sich aus, Meine Halt! Rufe würden überhört, mir blieb nur hinterher fahren mit meinem alten Drahresel ohne Schaltung, Die Kinder sausten Innen durch eine scharfe Linkskurve, währe ein Auto gekommen, keine Chance. Ich atmete tief durch, nichts war passiert. Die Lehrer wären verantwortlich gewesen, hätten aber null Chancen gehabt einzugreifen.

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kritischer321 31.07.2017, 17:33
3. Ausflüge?

Auf keinen Fall. Sobald irgendetwas passiert ist der Lehrer in der Verantwortung und wird von seinen Vorgesetzten und dem Kultusministerium alleine gelassen.
Außerdem wird die Mehrarbeit auch nicht entlohnt, sonder oft müssen die Lehrer ihre Kosten sogar noch selber tragen.

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hagr 31.07.2017, 17:37
4. Schöne Hysterie

Einmal passiert was. Alle überbesorgten steigen auf den Hysteriebandwagon. Pooitiker eilen zur Unterstützung und Gesetze und Richtlinien werden verschärft. Das Ende vom Lied: Auf einen der arbeitet kommen fünf die seine Fehler suchen und seine Dokumentationen prüfen. 2/3 seiner Arbeitszeit gehen mit dokumentieren drauf. Jeder, der überhaupt noch etwas tut, steht ständig mit einem Bein im Gefängnis. Keiner traut sich mehr etwas oder ergreift gar Initiative, alle gehen lieber, so weit es geht, auf Nummer sicher. Traditionelle Feste fallen aus, weil sich keiner mehr den Brandschutz leisten kann.
Zum Grünärgern.

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widastandiszwäglos 31.07.2017, 17:37
5. @1 weltgedanke

Diese Meinung haben Eltern genau so lange, bis etwas trotz größter Sorgfalt passiert. In der Regel ist dann die Lehrkraft dran, insbesondere dann, wenn tatsächlich gegen Regeln verstoßen wurde, und seien sie noch so sinnlos. Es geht hier um die Existenz von Lehrern, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt etliche Aktivitäten, die ich mit meinen Kindern unternehmen würde. Aktivitäten, die ich für sicher halte. Aber mit Schülern? Bei der hiesigen Rechtsprechung niemals! Das Ding mit dem Kanuführerschein ist das perfekte Beispiel. Seit Jahren bin ich privat mit dem Kanu unterwegs, habe aber keinen Führerschein. Ich werde den Teufel tun und ohne den Schein mit Schülern eine Fahrt unternehmen.

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womo88 31.07.2017, 17:40
6. Man kann es auch übertreiben ...

Ich bin Jahrzehnetlang mit Kindern und Jugendlichen unterwegs gewesen, Ski fahren in Österreich, Höhlenklettern in den Karsthöhlen der südl. Cevennen, Kanufahren auf Ardêche und Hérault inkl Baden, mit dem Rad ans Mittelmeer und an den Atlantik, Reiterfreizeiten in Deutschland etc. und ich habe für nix einen Schein gehabt. Ist Risiko, ich weiß, aber anders würde es auch den Jugendlichen keinerlei Spaß machen, wenn sie nichts dürfen.

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Benjowi 31.07.2017, 17:43
7. Weltfremd und risikoscheu

Zitat von kritischer321
Auf keinen Fall. Sobald irgendetwas passiert ist der Lehrer in der Verantwortung und wird von seinen Vorgesetzten und dem Kultusministerium alleine gelassen. Außerdem wird die Mehrarbeit auch nicht entlohnt, sonder oft müssen die Lehrer ihre Kosten sogar noch selber tragen.
Zu genau so einer Situation führt die weltffremde Eselei, die sich Juristen, Bürokraten und zahlungsunwillige Versicherungen mit ihrem albernen Vorschriftenkonglomerat zusammengetan haben-getrieben von Helikoptereltern. Heraus kommen weltfremde für nichts in der realen Welt vorkommende Dinge vorbereite Schüler, obendrein risikoscheu bis zum Abwinken. Und mit einer solchen Haltung soll es gelingen, den höchsten Lebensstandard der Welt zu erhalten? Lächerlich!

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phthalo 31.07.2017, 17:43
8. @weltgedanke

Ich bin selbst Lehrer und würde die Kinder gerne wie Sie es beschreiben lassen, alles erleben lassen.
Nur: Wenn was passiert und eben nicht alle Vorschriften eingehalten wurden die eine Klassenfahrt in ein enges Korsett zwängen - raten Sie mal, wer dann Schuld ist und zur Verantwortung gezogen wird. Da können die Eltern noch so sehr irgendwelche Schriftstücke unterschreiben, dass es immer auch mal Unfälle geben kann.
Da kein Lehrer Lust hat darauf, da es nun mal Helikoptereltern gibt und Lehrer immer sofort zur Rechenschaft ziehen, wird eben alles streng nach Vorschrift gemacht.

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felertoifel 31.07.2017, 17:46
9. So ist es.

Ich war 1977 mit einer Schülergruppe in Eilat. Wenn ich daran denke, wie selbstverständlich die damals ins Meer stiegen und herumgeschwommen sind, wird mir heute noch ganz schlecht. Ich war damals 30 Jahre alt und hätte bei einem Unfall ("Haie") vermutlich meinen Job verloren. Gott sei Dank (wirklich und buchstäblich) ist nichts passiert.

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