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Lehrergeständnis zum neuen Schuljahr: Warum einige Lehrer so lasch benoten
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Viele Lehrer scheuen sich davor, schlechte Noten zu geben - und das liegt nicht an den guten Schülern. Sondern daran, dass sie beliebt sein wollen, keinen Ärger mögen und sich gern wenig Arbeit machen.

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UnitedEurope 01.09.2017, 08:30
1.

Und dann wundert man sich über die Studentenschwemme. Und gleichzeitig wird den Schülern, welche zu unrecht gute Noten bekommen haben ein falsches Bild vermittelt, nämlich dass sie hervorragend sind. Die Ernüchterung kommt dann auf der Uni, dass sie eben doch nur Durchschnitt sind, und dass ein gutes Abi kein Freifahrt Schein ist.

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ralle58 01.09.2017, 08:34
2. Auf der anderen Seite

hat besagter Erdkundelehrer aber auch mehr Arbeit mit einem großen Kurs. Der ehrlich benotende Kollege darf es mit einem kleineren Ensemble entspannter angehen. Besonders in der Kursstufe ein klarer Vorteil.

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gumbofroehn 01.09.2017, 08:39
3. Bemerkenswert ehrliche Analyse

So wie der Autor es schildert, ist es leider. Das zieht sich auch bis in die Hochschulen: Wir haben auch ein paar Kollegen, die die Noten mit dem Füllhorn verteilen. Denen eilt dann auch entsprechender Ruf voraus (bei Kollegen und Studierenden). Wenn man sich dann mit den Studierenden unterhält, stellt man fest, dass sie zwar gerne die guten Noten mitnehmen, aber auch sehr gut einschätzen können, was sich hinter solchem Verhalten verbirgt: Entsprechend gering ist der Respekt, der solchen Notenschleudern entgegen gebracht wird.

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schwarzlichtgestalt 01.09.2017, 08:41
4.

Es ist sicher einiges richtig daran, was der Kollege schreibt. Aber es gibt eben auch seit eh und je die Diskrepanz, dass Lehrer einerseits Pädagogen im besten Sinne sein wollen und auch sollen und andererseits sollen sie Schüler aburteilen. Letztlich schade ich meinen Schülern aber, wenn ich ihnen schlechte Noten gebe, das kann keine Rhetorik ("Wiedergabe des Leistungsstandes") glaubhaft verschleiern. Das macht die Rolle des Lehrers als Pädagoge, als Helfer und Unterstützer, nicht glaubwürdiger. Ich fände es deshalb besser, wenn die Noten extern ermittelt würden. Mit einem solchen Verfahren könnte man auch die Leistungen der Lehrer besser vergleichen.

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territrades 01.09.2017, 08:46
5. Anwalt

Alle Noten die in während der Oberstufe gegeben werden gehen in einigen Bundesländern in den Abischnitt ein, gleichzeitig werden manchmal Noten extrem ungerecht vergeben - wir hatten damals bis zu 2 Notenpunkte Unterschied je nach persönlichen Vorlieben des Lehrers beobachtet, noch schlimmer war nur der Eine welcher schlecht bewertete weil sich der Schüler besser auskannte als sein Lehrer. Da die Abinote für Fächer wie Medizin oder Internationale Beziehungen essentiell ist halte ich in solchen Fällen den Gang zum Anwalt für angebracht, schließlich hat der Schüler einen potentiellen Schaden von vielen Tausend Euro zu befürchten.

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aduke2007 01.09.2017, 08:47
6. Gute Noten - gute Lehrer

An unserer Schule ist es genauso: Gute Noten - gute Lehrer, so sehen es die meisten Schüler und Eltern, dementsprechend inflationieren einige Lehrer ihre Noten - die "3" ist die neue "5", genau so ist es. Im Trend sind es häufiger weibliche, bisweilen auch "erfahrende" Lehrkräfte, häufig SV-Lehrer, die wie im Artikel beschrieben verfahren. Hauptfächer wie Mathe sind weniger betroffen (mehr männliche Kollegen), Deutsch, Englisch, viele Nebenfächer (Religion!) stehen im Fokus - im Sport gibt es die 5 und 6 nur bei offensichtlicher Leistungsverweigerung oder unentschuldigter Abwesenheit.
Einige Lehrer sind leider sehr unsicher, scheuen jegliche Auseinandersetzungen mit Eltern oder, und das ist eigentlich sehr bedenklich, mit minderjährigen, aufmüpfigen Schülern. Als Lehrer sind sie damit in einer zentralen pädagogischen Dimension, eben der Leistungsmessung, ungeeignet. Was sie anrichten ist ein Pädagogikverbrechen und hat ursächlich damit zu tun, dass die Klagen über ungeeignete Studenten oder unbrauchbare Azubis immer lauter werden.
Abgesehen davon ist es absolut unkollegial. Das was die Weichspüllehrer anrichten müssen die objektiven, gerechten Lehrer ausbügeln. Sie müssen sich doppelt für schlechte Noten rechtfertigen. "Bei Frau M. und Frau F. stand ich immer 3 nur bei Ihnen nicht...." - kennt wohl jeder Lehrer, der ehrlich zensiert.

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nesmo 01.09.2017, 08:48
7. Obwohl es sich von selbst versteht,

dass die dauernde Vergabe von Traumnoten absurd ist, wird sie nicht nur eifrig praktiziert, sondern auch noch gerechtfertigt. Faule Lehrer verbünden sich mit faulen Schülern, um vordergründig daraus Vorteile zu erlangen und finden dafür auch noch "wissenschaftliche" Unterstützung von Pseudopädagogen und -Psychologen. Dabei ist es eine Symbiose von Schmarotzern, die auf Kosten der anderen und letztlich sich selbst, nicht einfach nur mal Fünfe grade sein läßt, sondern gezielt Lücken des Systems "Benotung" zum eigenen Vorteil und am Ende zum Absturz des Systems nutzt, und dies nennt man parasitär in der Biologie.

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Martin Ne 01.09.2017, 08:49
8. Klagende Eltern werden mehr

Als Lehrer. Der das gesamte Notenspekrum verwendet, muss man tatsächlich sehr viel Gegenwind ertragen. Von Eltern, die bei 14 (=1) von 15 Punkten (=1+) in der Oberstufe in die Sprechstunde kommen, warum das Kind keine 1+ und stattdessen nur eine 1 hat und das genauestens aufgedröselt haben wollen. Oder im schlechteren Fall, das man von Eltern in der Sprechstunde angeschrien wird, beleidigt und bedroht wird, was letztenendes auch in immer mehr Fällen in Beschwerden und Klagen endet. Es wird immer mehr, dass KollegInnen und Kollegen kreidebleich nach so einer Besprechung im Lehrerzimmer stehen, denn das geht auch einfach an die persönliche Substanz. Daher haben sich wohl leider auch einoge Lehrer entschieden, diese Konflikte zu meiden. Was dabei rauskommt, sieht man dann an der Universität.

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Mesi0013 01.09.2017, 08:56
9. Selbst auf der Uni nicht mehr..

Zitat von UnitedEurope
Und dann wundert man sich über die Studentenschwemme. Und gleichzeitig wird den Schülern, welche zu unrecht gute Noten bekommen haben ein falsches Bild vermittelt, nämlich dass sie hervorragend sind. Die Ernüchterung kommt dann auf der Uni, dass sie eben doch nur Durchschnitt sind, und dass ein gutes Abi kein Freifahrt Schein ist.
Selbst auf den Hochschulen, und da vornehmlich in "Laberberufen", ist doch mittlerweile abenso die Vergabe von Kuschelnoten üblich. Selbst Ingenieurstudiengänge werden zunehmend weichgespült. Meine Erfahrung ist die: sollte ein Bewerber vor dem Studium z.B. eine technische Lehre gemacht haben, dann reflektiert diese zumeist das wirkliche Leistungsvermögen. Was nützt es einer Gesellschaft wenn staatsangestellte Lehrer ihrem Job nicht gerecht werden und letztendlich vielen Menschen so die Zukunft erschwert wird. Ohne Tadel als Gegenpol ist ein Lob verdammt wenig wert...

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