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Lehrergeständnis zum neuen Schuljahr: Warum einige Lehrer so lasch benoten
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Viele Lehrer scheuen sich davor, schlechte Noten zu geben - und das liegt nicht an den guten Schülern. Sondern daran, dass sie beliebt sein wollen, keinen Ärger mögen und sich gern wenig Arbeit machen.

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Influxx 01.09.2017, 11:09
100.

Tja, und all die Empörten sind bestimmt die Ersten, die vor Gericht ziehen, wenn ihr Sprössling nicht zu den auserwählten Einserkindern zählt.

Das Schreckliche ist, dass die Noteninflation an der Uni nicht aufhört. So schmücken sich immer mehr Menschen mit akademischen Titeln, die nicht einmal einfachste Rechtschreibregeln beherrschen. Und dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Studenten von heute die Lehrer von morgen sind.

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Echt jetzt 01.09.2017, 11:09
101. Beliebtheitswettbewerb

Auch bei uns gab es sie schon: die Lehrer, bei denen man seine Ausgleichsnote sicher hatte. Besonders oft in obskuren Nebenfächern wie Erdkunde oder Religion. Das war als Schüler durchaus angenehm, denn mal ehrlich: für diese Fächer wollte sich nun wirklich keiner anstrengen.

Aber: besonders in den Hauptfächern waren wir auch durchaus dankbar für Lehrer, die zwar streng waren, bei denen man aber auch was gelernt hat. Getreu dem Motto: wer es hier schafft, der schafft es überall. Und im Unterschied zu ersten Kategorie wurden diese Lehrer dann auch respektiert.

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schwarzlichtgestalt 01.09.2017, 11:11
102.

Ich halte es ein wenig für Sophisterei zu sagen, dass man Schülern mit schlechten Noten etwas Gutes tut. Das kann ich mir nicht einreden. Denn selbst wenn sie später das Studium nicht schaffen sollten, hätten sie zumindest das Abitur. Und wenn es so wäre, dass schlechte bzw. dem Leistungsstand entsprechende Noten geradezu HEILSAM wären, dann müsste sich diese Erkenntnis doch erst einmal bei den Eltern Bahn brechen. Hat man aber schon je erlebt, dass Eltern sich beim Lehrer BEDANKT haben, dass er dem Kind schlechte Noten gab? Das hat man nicht, und wahrscheinlich auch zu Recht.

Aber das ist eigentlich gar nicht mein Kernproblem. Es ist vielmehr dies, dass ich mit der widersprüchlichen Lehrerrolle nie wirklich klargekommen bin. Ich hätte grundsätzlich kein Problem damit, schlechte (meinetwegen auch "angemessene") Noten zu verteilen .- wenn ich nicht gleichzeitig die Rolle des Helfers und Unterstützers spielen wollte oder müsste. Ein Pädagoge, wie ich die Rolle begreife, darf seinen Schülern keinen Schaden zufügen. Und das tut er, wenn er dafür verantwortlich ist, dass jemand die Schule oder die Klassengemeinschaft verlassen muss. Sicher ist im Normalfall nicht der Lehrer "schuld" an den schlechten Leistungen, da haben Sie schon recht, aber ein wirklich vertrauensvoller Umgang zwischen den Schülern und den Pädagogen will sich unter diesen Umständen trotzdem nicht ergeben, jedenfalls nicht so, wie ich mir das vorstelle.

Um konkret zu werden: Mir wäre es viel lieber, ich könnte Arbeiten von Schülern bewerten, die ich nicht selbst unterrichte. Da könnte ich objektiv und durchaus auch streng urteilen; gegenüber Schülern, die ich kenne und die mir ans Herz gewachsen sind, ist mir diese Aufgabe jedesmal ein Graus.

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nadennmallos 01.09.2017, 11:11
103. "... sollen sie Schüler aburteilen"??

Zitat von schwarzlichtgestalt
Es ist sicher einiges richtig daran, was der Kollege schreibt. Aber es gibt eben auch seit eh und je die Diskrepanz, dass Lehrer einerseits Pädagogen im besten Sinne sein wollen und auch sollen und andererseits sollen sie Schüler aburteilen. Letztlich schade ich meinen Schülern aber, wenn ich ihnen schlechte Noten gebe, das kann keine Rhetorik ("Wiedergabe des Leistungsstandes") glaubhaft verschleiern. Das macht die Rolle des Lehrers als Pädagoge, als Helfer und Unterstützer, nicht glaubwürdiger. Ich fände es deshalb besser, wenn die Noten extern ermittelt würden. Mit einem solchen Verfahren könnte man auch die Leistungen der Lehrer besser vergleichen.
Wie bitte, es geht doch um die faire Beurteilung einer Leistung und diese Beurteilung ist ein wichtiger Bestandteil der Pädagogik. Woher soll denn der Schüler sonst wissen wo er steht, wenn ihm keine Ehrlichkeit entgegengebracht wird? Sorry, aber das ist für mich Glaubwürdigkeit! Der Lehrer hat es in der Hand, niemand sonst.

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schwarzlichtgestalt 01.09.2017, 11:13
104.

ch halte es ein wenig für Sophisterei zu sagen, dass man Schülern mit schlechten Noten etwas Gutes tut. Das kann ich mir nicht einreden. Denn selbst wenn sie später das Studium nicht schaffen sollten, hätten sie zumindest das Abitur. Und wenn es so wäre, dass schlechte bzw. dem Leistungsstand entsprechende Noten geradezu HEILSAM wären, dann müsste sich diese Erkenntnis doch erst einmal bei den Eltern Bahn brechen. Hat man aber schon je erlebt, dass Eltern sich beim Lehrer BEDANKT haben, dass er dem Kind schlechte Noten gab? Das hat man nicht, und wahrscheinlich auch zu Recht.

Aber das ist eigentlich gar nicht mein Kernproblem. Es ist vielmehr dies, dass ich mit der widersprüchlichen Lehrerrolle nie wirklich klargekommen bin. Ich hätte grundsätzlich kein Problem damit, schlechte (meinetwegen auch "angemessene") Noten zu verteilen .- wenn ich nicht gleichzeitig die Rolle des Helfers und Unterstützers spielen wollte oder müsste. Ein Pädagoge, wie ich die Rolle begreife, darf seinen Schülern keinen Schaden zufügen. Und das tut er, wenn er dafür verantwortlich ist, dass jemand die Schule oder die Klassengemeinschaft verlassen muss. Sicher ist im Normalfall nicht der Lehrer "schuld" an den schlechten Leistungen, da haben Sie schon recht, aber ein wirklich vertrauensvoller Umgang zwischen den Schülern und den Pädagogen will sich unter diesen Umständen trotzdem nicht ergeben, jedenfalls nicht so, wie ich mir das vorstelle.

Um konkret zu werden: Mir wäre es viel lieber, ich könnte Arbeiten von Schülern bewerten, die ich nicht selbst unterrichte. Da könnte ich objektiv und durchaus auch streng urteilen; gegenüber Schülern, die ich kenne und die mir ans Herz gewachsen sind, ist mir diese Aufgabe jedesmal ein Graus.

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Currie Wurst 01.09.2017, 11:13
105. Klasse Idee

Zitat von curiosus_
Warum nicht einfach die Note auf den Schnitt normieren und zusätzlich diesen Wert angeben?
Würde ich sofort unterschreiben. Eine ganz simple Variante mit sehr hoher Aussagekraft. Jeder Lehrer würde sich selbst an den Pranger stellen, wenn er eine Zwei plus vergibt und daneben schreibt, dass der Durchschnitt Eins minus ist.
Die Idee ist so einfach, dass man annehmen muss, dass die auch anderen schon gekommen sein muss, aber sie dank zu vieler Interessengruppen nie umgesetzt wurde.

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g_bec 01.09.2017, 11:13
106. Quatsch.

Zitat von rst2010
das klappt nicht. 50% richtig entspricht dem durchschnitt, der liegt bei 4; es können nicht alle schüler einer klasse überdurchschnittlich sein. d.h. die noten müssen entsprechend skaliert werden. biss die mehrheit bei der 4 ist.
Das ist Quatsch. Im globalen Maßstab mag das so sein. Aber in einer Klasse sitzen nun mal Individuen. Und da gibt es Klassen, in denen der Leistungsstand tatsächlich höher ist als in der Parallelklasse. Und die sollen jetzt rasiert werden? Wie soll das in z.B. Mathematik gehen? Alle Aufgaben richtig gelöst mit richtigem Lösungsweg, d.h. volle Punktzahl, aber "wegen Gauß und so" bekommen trotzdem 50% eine Vier? Und in der Parallelklasse haben alle nur die Hälfte der Aufgaben richtig, trotzdem gibt es für 40% der Schüler eine Eins bis Drei? Und was machen wir an Spezialschulen, die ausweislich der Eingangstests nur überdurchschnittliche leistungsstarke und -willige Schüler aufnehmen? Egal, laut Gauß erhalten trotzdem 50% 'ne vier?
Das ist ja schlimmere Gleichmacherei, als es sich die Kommunisten es jemals erträumten.

Der Teich war im Durchschnitt einen Meter tief, trotzdem ist die Kuh ersoffen. Na dann.

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nadennmallos 01.09.2017, 11:14
107. Dann sollten Sie sich anständigerweise ...

Zitat von tekula
im finstersten Teil des Ostens kann dazu nur anmerken: Ich werde einen Teufel tun, meine Benotungen der Realität anzupasse. Ich habe absolut keinen Bock darauf, mich von unverschämten Eltern und deren Advokaten drangsaliern zu lassen, nur um mich dann auch noch diversen Schikanen der feigen, elternhörigen Schulaufsicht ausgesetzt zu sehen.
... einen neuen Job suchen.

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furanku 01.09.2017, 11:16
108.

Zitat von Currie Wurst
Darf ich daraus schließen, dass Sie "damals" Ihren Deutschlehrer verklagen mussten, um Ihren potenziellen Schaden zu minimieren? Oder wie meinten Sie das?
Das dürfte Null Aussichten auf Erfolg haben, da die Richter in 99% aller Fälle sich nicht in die inhaltlichen Aspekte der Notengebung einmischen, sondern rein formal urteilen. Das können dann z.B. Dinge, wie nicht geführte Klassen-/Kursbücher sein oder verpasste Fristen für Nachschreibetermine, die zur Aufhebung einer Note führen. Aber kein Richter macht sich lächerlich indem er ein Urteil a la "Ein sehr schöner Aufsatz, das ist keine Vier sondern eine Zwei" oder gar "Ich finde, für so eine Mathearbeit sollte es mindestens eine Drei geben, die war doch ganz schön schwer" fällt. Das ist lediglich ein Wunschtraum von sich ungerecht beurteilt fühlenden *Eltern*.

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Nobody X 01.09.2017, 11:16
109. Lasche Benotung ist grundsätzlich an der Tagesordnung

Das beginnt in der Grundschule und zieht sich bis hin zum Arbeitszeugnis - warum durch eine realistische Bewertung Ärger riskieren, wenn es auch einfacher geht? Und in der heutigen Zeit, in der sich jeder Dämel als diskriminiert betrachten kann, wird sich das auch nicht ändern.

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