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Lehrergeständnis zum neuen Schuljahr: Warum einige Lehrer so lasch benoten
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Viele Lehrer scheuen sich davor, schlechte Noten zu geben - und das liegt nicht an den guten Schülern. Sondern daran, dass sie beliebt sein wollen, keinen Ärger mögen und sich gern wenig Arbeit machen.

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bafibo 01.09.2017, 11:44
130. Aber, aber ...

Zitat von Braveheart Jr.
... ein Beitrag auf SPON, in dem Sigmar Gabriel unplugged zu Wort kam. Der Mann hat das 1.te und 2.te Staatsexamen bestanden und dürfte Deutsch und Politik unterrichten - kriegt aber keinen sauber gebauten Satz zustande! Beispiel: "Und jetzt zu der Frage Große Koalition. Martin Schulz will Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden. Wenn mich - hier vorne sitzt ja ihr Kollege vom 'Stern', Herr Krug (Christian Krug, Chefredakteur der Illustrierten 'Stern' - die Redaktion) - wenn der mich fragt: Was sagen Sie eigentlich zur Fortsetzung der Großen Koalition. Soll ich dann sagen: Ist eigentlich 'ne gute Idee. Weil, da kann der Schulz schon mal einpacken, weil dabei wird er dann nicht Kanzler. Nach "Koalition" gehört ein Fragezeichen, außerdem ist das wörtliche Rede, der Satz müßte also komplett in Anführungszeichen gesetzt werden. Ein Satz der mit "wenn" begonnen wird, sollte auch mit "dann" weitergeführt werden ("dann sage ich ..."), hier einfach einen neuen Satz anzufangen ist Blödsinn . Und die Konstruktion mit dem doppelten "Weil" kannte ich bisher nur als Prole-Speak in der Form: "Isch geh' ALDI, weil, isch hab' Hunger, Mann!" Einen Trost kann ich Herr Gabriel spenden: Er ist nicht allein! Als Betriebsratsvorsitzender habe ich in Bewerbungsgesprächen für Managementposten gesessen - und was da von Bewerbern mit "Traumnoten" kam, war zehnmal schlimmer. Oder liegt das daran, daß Herr Gabriel seine Examen bereits Ende der 80er Jahre abgelegt hat?
Bei mündlichen Äußerungen wäre ich ich nicht so streng. Auch in den platonischen Dialogen gibt es reichlich Anakoluthe (grammatisch inkorrekte Fortsetzungen von Sätzen). Es tut allerdings weh, wenn sie gehäuft vorkommen und der Gesprächspartner nicht imstande ist, sich dem von anderen vorgegebenen Niveau (das hoffentlich besser ist) anzupassen.
Und das bemängelte fehlende Fragezeichen nach "Koalition" geht nicht auf das Konto Gabriel, sondern auf das das desjenigen, der den mündlichen Text in Schriftform gebracht hat (egal, wie Gabriels Stimmführung war).

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widower+2 01.09.2017, 11:49
131. Klientel

Zitat von kenterziege
Und dann wundert sich dieses Klientel, wenn die Wirtschaft oft erstmal nur befristete Verträge anbietet!
Ich sehe es Ihnen ja nach, da man inzwischen selbst von Nachrichtensprechern im Fernsehen "das Klientel" hört. Es heißt aber nach wie vor "die Klientel". Da dieser Fehler inzwischen derartig häufig gemacht wird, wird die Dudenredaktion wohl in einer der zukünftigen Auflagen auch "das Klientel" durchgehen lassen.

Aber noch ist es nicht so weit.

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Denkt mal selber nach 01.09.2017, 11:49
132. Also ist das Notensystem gescheitert?

Dann gehört es abgeschafft. Eigentlich auch logisch. Entweder man schafft ein einheitliches, nachvollziehbares messbares und überprüfbares System oder man lässt es gleich. Wenn man jedoch der Willkür des Lehrkörpers ausgesetzt ist, dann sind Noten als Vergleichsinstrument wohl völlig sinnfrei, was dieser Bericht auch belegt.

Wie wäre es also weitgehend notenfrei durch das Schuljahr zu gehen und die Benotung auf von einheitlichen durch mehrere Lehrer überprüfte Klausuren oder mündliche Prüfungen zu beschränken. Das klappt ja beim Abitur auch.
Wenn man so darüber nachdenkt, war/ist der Sport-Unterricht diesbezüglich wohl ein echtes Vorbild. Hier gibt es klare Leistungsziele, die erfüllt werden müssen.

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isar56 01.09.2017, 11:50
133. Da hätten

meine Kollegen und ich schlechte Karten bei dieser Dienstauffassung..... zwar verdienen wir als Sozialarbeiter in Jugendämtern vergleichsweise 500,-- Euro netto weniger, hätten jedoch bei dieser bequemen und faulen Vorgehensweise sehr schnell ein Strafverfahren am Hals. Wir haben die Pflicht, u.a, das sogenannte Wächteramt auszuüben, d.h. Kinder bei akuter Gefährdung zu schützen. Das ist äußerst konkliktbehaftet, manchmal gefährlich und eine Tätigkeit an der Niemand Freude hat. Rettungsaktionen von Kindern finden so gut wie nie Aufmerksamkeit, die kleinsten Fehler können dramatische Auswirkungen auf Kinder haben, bei Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigungen aufgrund von Sucht- oder psychischen Erkrankungen der Eltern. Nur mal eben zum Vergleich, einem von vielen möglichen. Dennoch erlebe ich glücklicherweise nach wie vor sehr engagierte Lehrkräfte.

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Currie Wurst 01.09.2017, 11:53
134.

Zitat von freakacid
Begriffe wie "1er Schwemme" dramatisiseren doch nur rhetorisch. Was ist denn so schlimm an den guten Noten? VIelleicht werden die Schüler einfach auch nur besser? Ja, jetzt kommen wieder die Besserwisser und sagen dass sie diese oder jene Gleichung damals besser gelöst hätten, aber sind Sie vor 50 Jahren schon mit dem Internet klargekommen? Mit der ungemein gewachsenen Bandbreite der (internationalen) Kultur? Junge Menschen von heute haben viel mehr zu verarbeiten, das Leben ist schneller, urbaner, fordernder.
Internet nicht und Handy auch nicht. Gabs schließlich noch nicht. Dafür konnten wir mit Lego noch was anfangen. Glauben Sie mal nicht, dass die wirklich alle besser geworden sind. Das "schnelle, urbane Leben" bietet heute vor allem die Herausforderung, in welcher Bar man am besten abhängen kann und eines der am meisten verwendeten Verben ist CHILLEN. Und das meine ich nicht ironisch.

Ein Freund von mir hatte einen halben Tag lang vier Praktikanten zu betreuen. Einstiegsfrage: wenn 80 Mio Kunden täglich 3 % Störungen haben, wieviel Störfälle sind das dann? Wurde nach etwa 10 Minuten von einer Gymnasiastin mit Abstrichen gelöst. Meine Antwort zunächst: ist nicht repräsentativ. Zum Beweis des Gegenteils habe ich unseren Nachbarjungen (damals Klasse 11) gerufen und ihm die gleiche Frage gestellt. Erste Antwort: Prozentrechnung hatten wir in Klasse 6, ist schon so lange her. Dann ging´s weiter und nach 10 Minuten habe ich ihn gefragt, wieviel denn 1 Prozent von 100 ist. Antwort: 100! Leider kein Witz, sondern Leben live.

Ich gebe inzwischen selbst Mathenachhilfe für meine Tochter und zwei Freunde von ihr. Wir haben letztes Jahr in Klasse 9 angefangen und jedesmal ist die Begrüßungszeremonie folgende: wieviel Liter sind denn 2 Kubikmeter oder davon abgewandelte Aufgaben? Geht immer wieder schief und wird mehr geraten als gewusst. Auch nach dem hundersten Mal, selbst mit Herleiten haben die ein Brett vorm Kopf. Ob die meine Rente alleine aus dem Verkauf von Kosmetika oder so finanzieren können, bezweifle ich stark.

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brucewillisdoesit 01.09.2017, 11:53
135. Problemlösung

Das Problem ließe sich vergleichsweise einfach beseitigen. Die Klausuren werden gemäß Lehrplan von einem anderen (jeweils durch Zufall ermittelten) Fachlehrer an einer anderen Schule erstellt, und auch bewertet. Die mündliche Note wird durch eine mündliche Prüfung des im Lehrplan vorgesehenen Schulstoffes ersetzt und am Ende des Halbjahres von mehreren Fachlehrern abgenommen.
Folge ist, das jeder Lehrer seinen Stoff (gemäß Lehrplan) lehrt, aber die Leistung anderer Schüler bewertet. Somit wird jede Möglichkeit der Schüler außer durch Leistungsunabhängige Mittel Einfluß zu nehmen, oder Neigungen des Lehrers sich Zuneigung durch Noten zu erkaufen ausgeschaltet. In Grunde ist das nur eine Kombination von 4-Augenprinzip und segregation of duty. In der Wirtschaft nicht unüblich.

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g_bec 01.09.2017, 11:56
136. Oder:

Zitat von Currie Wurst
Naja, immerhin gibt es ja Lehrerkonferenzen. Und wenn die alle einhellig der Meinung sind, dass Fritz saudumm ist, dann wird es wohl so sein :-)
Oder Fritz war einfach nur ein Paradiesvogel, der nicht einfach nur kritiklos seine Zeit abgesessen hat und mit dem die Herren Lehrer überfordert waren. Und da Paradiesvögel von den Raben weggepickt werden, hat man ihn eben einhellig als saudumm abgekanzelt. Und ihm aus Unfähigkeit/Desinteresse/was auch immer mal ganz bewusst das schulische Leben versaut.

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serdna 01.09.2017, 12:00
137. völlig irrelevant

Das Thema gibt es schon seit JAHRZENTEN. Bremen benotet lasch, Baden-Württemberg und Bayer hart. Problem: Es gibt keine signifikanten Unterschiede im Leistungsniveau, Abrecherquote etc. im Studium. Es bestehen soviele Bremer, Berliner wie Bayern, Baden-Württemberger. Folglich sagen Schulnoten gar nichts aus, bzw. den intendierten Effekt, Selektion, so dass nur noch die ein Studium aufnehmen, die dafür geeignet sind, haben sie nicht, bzw. nur ganz grob. Jeder weiß am Ende, was ihm liegt und nicht und lässt die Finger von den Fächern, die ihm nicht liegen und nicht interessieren. Wer das nach 13 Jahre Penne immer noch nicht selber weiß, dem ist dann tatsächlich nicht mehr zu helfen, aber das weiß jeder auch ohne Noten. Sinnlose Debatte.

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furanku 01.09.2017, 12:00
138. Hey, SPON ich hätte mal eine Idee ...

... wäre es nicht schön, wenn man den Autor solcher Artikel, die absehbar zu einer gewissen ... sagen wir mal "stammtischhaftigkeit" im Forum neigen, zur aktiven Teilnahme im Forum verpflichten würde?

Mich würde schon mal interessieren, was er/sie denn nun zu den ihm zustimmenden Beiträgen sagt, die doch nur die dumme Vorurteile bis hin zum Schul-, Lehrer- und "Sozi"-haß zum Inhalt haben. Die üblichen "Lebenswelt"- und "Schulsystem"-Erklärer, die ohnehin alles besser wissen? Wer solche Freunde hat, sollte vielleicht seinen eigenen Standpunkt noch mal überdenken!

Oder war das gar die gewollte Reaktion? "Saukontroverse Themen" am Freitag, wie bei den Kollegen von heise?

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Freifrau von Hase 01.09.2017, 12:01
139.

Zitat von Waudel
dass sie, wenn sie keinen Ausbildungsplatz bekommen, eine schulische Weiterbildung beginnen. Heißt das, dass wer zum Elektriker und Installateur nicht fähig ist, weil er eine Montageanweisung nicht versteht, kann immer noch Soziologie, Politologie, Philosophie oder BWL studieren und dann mit oder ohne Abschluss in die Politik gehen?
Nein, die jungen Leute werden da nur geparkt. Das ist eine Win-Win-Situation.
1.) Sie machen was sinnvolles
2.) Sie tauchen nicht in irgendwelchen Arbeitslosen/zu wenig Lehrstellen-Statistiken auf
3.) Vielleicht klappts ja im nächsten Jahr

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