Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnis zum neuen Schuljahr: Warum einige Lehrer so lasch benoten
Getty Images/fStop

Viele Lehrer scheuen sich davor, schlechte Noten zu geben - und das liegt nicht an den guten Schülern. Sondern daran, dass sie beliebt sein wollen, keinen Ärger mögen und sich gern wenig Arbeit machen.

Seite 23 von 24
irgendeinleser 02.09.2017, 10:50
220.

Zitat von widower+2
Mein Abitur liegt fast 40 Jahre zurück und die Datenschutzrichtlinien waren damals anders bzw. nicht vorhanden.
Zu meiner Schulzeit (ca ein Jahrzent nach Ihnen) gab es auch noch keine Regelungen zum Datenschutz, da wurden zumindest mündliche Noten von manchen öffentlich verlesen. Allerdings kennt man als Schüler ohnehin die mündliche Beteiligung der Mitschüler.

Ein Lehrer in der Oberstufe hat zum Ende der Halbjahre die Namen der Schüler angeschrieben, uns aufgegeben unser Einschätzung der mündlichen Leitung zu ergänzen und den Raum für einige Minuten verlassen. Wieder zurück hat er unsere Einschätzung mit seinen Notenbüchlein verglichen und die (wenigen) Differenzen mit und diskutiert, was in Einzelfällen zu Notenanhebungen bei ihm führte. Er erzählte uns, das er unsere Fähigkeit zur Leistungseinschätzung bei uns selbst und anderen fördern wolle.

Wir Schüler haben sicherlich in den Grenzfällen strategisch benotet. Unbeschadet dessen empfand ich bezüglich transparenter Notengebung sein Vorgehen als vorbildlich, zumal die Endnote aus 60% mündlich und 40% schriftlich allgemein vorgegeben war und bei so mancher anderer Lehrkraft der dominierende mündliche Teil stark nach Nasenfaktor benotet erschien.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ir² 02.09.2017, 11:13
221.

Vor 40 Jahren hatte ich schon einen Fachkundelehrer der die Diskussion um Noten schnell beendete. Er fragte welche Note jeder haben möchte und vergab die dann – mit der Bemerkung dass wie jetzt noch genau so dumm sind wie vorher. Wer etwas lernen möchte sollte bleiben, wer nur eine Zahl auf dem Papier sehen will könne ja jetzt machen was er wolle, diese Leute interessierten ihn nicht mehr. Danach wurde gelernt und Schulnoten waren von da ab kein Thema mehr, sie interessierten niemanden, die meisten hatten verstanden warum sie zur Schule kamen....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
trevi 02.09.2017, 11:57
222. Gutes Forum..

für mich als Außenstehenden (nicht Lehrer) sind diese Kommemtare wohltuend zu lesen. Bestärken sie mich doch
in meiner Meinung, dass hier einige der letzten guten (Lehrer)Pädagogen zu Wort kommen und nicht wieder die üblichen Phrasen "die Eltern soll..", "mehr Lehrer, mehr Geld f.Schulen" als Erklärung (faule Ausreden) verwandt werden. Ein entscheidender Grund für die Inkosequenz (Bequemlichkeit) vieler Lehrkräfte liegt m.M.nach auch in der Verbeamtung , mit der jedweder Druck oder Leistungswille unterlaufen wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
widower+2 02.09.2017, 12:40
223. Das sehe ich anders

Zitat von trevi
für mich als Außenstehenden (nicht Lehrer) sind diese Kommemtare wohltuend zu lesen. Bestärken sie mich doch in meiner Meinung, dass hier einige der letzten guten (Lehrer)Pädagogen zu Wort kommen und nicht wieder die üblichen Phrasen "die Eltern soll..", "mehr Lehrer, mehr Geld f.Schulen" als Erklärung (faule Ausreden) verwandt werden. Ein entscheidender Grund für die Inkosequenz (Bequemlichkeit) vieler Lehrkräfte liegt m.M.nach auch in der Verbeamtung , mit der jedweder Druck oder Leistungswille unterlaufen wird.
Ein nicht verbeamteter Lehrer wird sich doch dem Druck von Seiten der Schüler und Eltern viel eher beugen und eher nicht konsequent die Linie durchziehen, die er für richtig hält.

In Bezug auf die Bequemlichkeit mögen Sie in manchen Fällen recht haben. Aber in Bezug auf die Konsequenz bei der Notengebung?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
austenjane1776 02.09.2017, 12:43
224. IQ hat nichts mit Leistung zu tun

Zitat von hwy2001
Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass die Intelligenzleistung pro Generation um 15 Punkte steigt. Das sollten Lehrer und Journalisaten inzwischen wissen. https://de.wikipedia.org/wiki/Flynn-Effekt
Manch können vor IQ nicht mehr laufen. Man braucht eine ausgeglichene, motivierte und gebildete Person -
keine IQ-Bestie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
austenjane1776 02.09.2017, 12:55
225. Danke für den Beitrag.

Zitat von jakk-hammer
Ich bin an einer FOS/BOS Bayern - außerhalb kennt ihr diese Schulart wahrscheinlich nicht. Man macht dort ebenfalls Abi auf 2-3 Jahre, entweder nach der Realschule/Wirtschaftsschule (dann folgt FOS) oder nach einer Berufsausbildung (dann folgt BOS). Wenn ich in Deutsch einen Schnitt über 4,0 habe, muss sie in der Tat vorgelegt werden bei der Schulleitung. Und die Fachschaftsleiterin erkennt dann auch plötzlich von Zauberhand, dass die Schwierigkeit zu hoch war. Bei 3,99 wäre sie nicht zu schwer gewesen. Und der einzige Grund ist der, dass man für das nachfolgende Schuljahr genug Anmeldungen für die BOS13 braucht, damit das Budget vom Kultusministerium nicht gekürzt wird oder Klassen zusammengelegt werden müssen. Sagt ihr mir doch mal, die nicht Lehrer sind: Wie würdet ihr euch verhalten? Wenn ich die Noten gebe, die ich als gerechtfertigt sehe, bin ich bis zum Schuljahresende der Außenseiter, der die Klasse und die Schwierigkeit seiner Arbeit nicht einschätzen kann. Also jede Klasse hochkorrigieren und mit dem Strom schwimmen. Als Beamter kann man nichts gewinnen, indem man auf irgendeine Weise herausragt, da das Wort "herausragen" als Lehrer nicht existiert. Es gibt nur "auffallen", und das ist stets negativ. Also ein Leben lang unter dem Radar bleiben und alles ist gut.
"Beruhigend", dass es in Bayern auch so ist - in NRW gilt jedenfalls "keine Wiederholer" (teuer) und "jeder muß es schaffen" (ExMP Kraft).
Ich kenne als Lehrer "Einläufe" vom Schulleiter wegen zu hoher Abbrecherzahlen. Dafür darf ich auch Durchschnitte von einmal 5,3 durchziehen - es gibt nun mal sehr schlechte und faule Klassen.

Man muß dann schon sagen, dass man im Zweifel oft die 4 gibt. Kein Problem mit dern Begründung - die Klausuren sind dann meist 5 und die Eltern haben nix zum Argumentieren. ----------Dieses Elend hört dann auf, wenn die Leute eine Ausbildung wollen. Da zählt dann Leistung.
Daher machen viele mit Fachabi oder Abi eher ein Studium, weil sie keine Ausbildung kriegen. Toll, Deutschland.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Guido3 04.09.2017, 09:39
226. Noten abschaffen

Zunächst einmal deckt der Autor ungewollt ein typisches Problem der Lehrerschaft auf, nämlich dass von subjektiven Eindrücken auf die Allgemeinheit geschlossen wird. Er unterfüttert seine subjektiven Theorien keineswegs mit Fakten sondern belässt es bei seinen von Frustration geprägten Einlassungen. Dass die Beweggründe für Unterschiede in den Mittelwerten noch andere Gründe als die im Text genannten haben könnte, wird nicht erwähnt.
Es ist ein Fakt und dieser ist in repräsentativen Studien belegt, dass Benotung, so wie sie in Deutschland durchgeführt wird, die im Artikel benannten Funktionen wie "Rückmeldung über die Leistung" nicht erfüllen kann. Der bewertende unterliegt vielen Fehlern bei seiner Bewertung. So wird die Arbeit eines Schülers, dessen Namen auf die Herkunft aus einem sozialschwachen Milieu hindeutet, im Durchschnitt eine Note schlechter bewertet als die eines Schülers mit "akademischen" Namen bei gleicher Leistung. Um nur ein Beispiel zu nennen. Diesem Fehler unterliegt der Kollege, der schlechtestenfalls eine drei gibt schonmal, wenn überhaupt, nur in geringerem Ausmaß.
Und mal ganz prinzipiell, die Leistung eines Menschen, die Komplexität seiner Kompetenzen in einem bestimmten Kontext, lassen sich doch nicht wirklich in einer Zahl ausdrücken. Eine deutlich differenziertere Rückmeldung wäre mehr als angemessen.
Anstatt also Kollegen zu verunglimpfen und das Bild des faulen und unfähigen Lehrers weiter zu befördern, sollten sie sich Gedanken machen, was man ändern könnte. Ein Weg aus der Misere wäre nicht, wieder "härter" zu bewerten, sondern endlich dieses unsägliche System abzuschaffen, nicht quantitativ sondern qualitativ zu bewerten. Das wäre dann für alle Beteiligten wirklich fairer. Dann könnte man auch gleich das Sitzenbleiben abschaffen, von dem man auch schon seit langem weiß, dass es, wenn überhaupt nur einen negativen Effekt auf die Leistungen der betroffenen Schüler hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mol1969 04.09.2017, 13:04
227.

Zitat von tekula
im finstersten Teil des Ostens kann dazu nur anmerken: Ich werde einen Teufel tun, meine Benotungen der Realität anzupasse. Ich habe absolut keinen Bock darauf, mich von unverschämten Eltern und deren Advokaten drangsaliern zu lassen, nur um mich dann auch noch diversen Schikanen der feigen, elternhörigen Schulaufsicht ausgesetzt zu sehen.
Sorry, aber dann haben Sie ganz einfach den Beruf verfehlt.

Ich verurteile das Gezetere mancher Eltern übrigens genauso wie Sie. Aber da es weder in meiner noch in Ihrer Macht steht, das abzustellen, dann bleibt nur Widerstand.

Wenn Sie dazu nicht den Schneid haben, dann hätten Sie lieber Sachbearbeiter im Einwohnermeldeamt werden sollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mol1969 04.09.2017, 13:15
228.

Zitat von g_bec
Das ist Quatsch. In Bayern gibt es nur immer noch zu viele Eltern, die glauben, was ihnen die Obrigkeit, hier: die Lehrer, erzählen. "Ihr Kind ist nur für die Realschule geeignet." wird oftmals gar nicht hinterfragt. Zudem ist die "Legende" des superschwierigen bayerischen Abiturs noch so stark, dass viele Angst vor der eigenen Courage haben. Weil der Herr/Frau ....(
Vielleicht haben die Lehrer ja Recht mit ihrer Einschätzung?
Glauben Sie ernsthaft, die Entscheidung der Eltern, welche Schulart ihr Kind besuchen sollte, sei fundierter als die der Lehrer?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spon-1310763933732 06.09.2017, 09:50
229.

Nur noch eine kurze Ergänzung dazu: Auch die Schulleitungen haben Interesse an "geschönten" Zensuren. In meinem Kurs durften Schüler ohne Rücksprache mit mir klammheimlich in den Sommerferien den Kurs wechseln um bessere Noten zu bekommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 23 von 24