Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnisse: Ehre, wem Ehre gebührt
Corbis

Manche Schüler erscheinen hoffnungslos, wenn familiäre Katastrophen oder pubertäre Unlust die Noten in die Tiefe reißen. Da helfen gute Lehrer weiter. Aber wer dankt es ihnen? Eine Hauptschullehrerin erhielt eine überraschende Antwort.

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liborum 11.06.2014, 15:44
60. Himmel

Um Himmels Willen.

Wird es in Deutschland schon strafbar "Danke" zu sagen?

Sind Freundlichkeit und Höflichkeit mit einer Art Pest, überflüssig und hoch ansteckend, gleichzusetzen?
Seid ihr nur noch funktionierende Roboter. Manchmal habe ich in der heutigen Gesellschaft von nicht Wenigen den Eindruck.

Wundert euch dann nicht, wenn man euch bei "nicht mehr modern und nützlich " verschrottet!

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zuckett 11.06.2014, 17:10
61. Ein Lehrerleben

Volksschulabschluss einer 8klassigen Schule. 3 Jahre Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. 8 Jahre Bundeswehr. Zulassung zum Studium aufgrund einer Begabtensonderprüfung. Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. 30 Jahre als Lehrer an Real-, Haupt- und Gesamtschule. Nach langer Psychiatrischer Behandlung und Krankenhausaufenthalt wegen Burnout mit 60 Jahren frühpensioniert. Was habe ich falsch gemacht? Oder stimmte etwas an den Belastungen in den 30 Jahren nicht?

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ondrana 11.06.2014, 17:16
62.

Zitat von stasy
Deshalb nochmal: AUGEN AUF BEI DER BERUFSWAHL anstatt sich hinterher hinzustellen und zu jammern. Ich habe hohen Respekt vor der Leistung der (engagierten) Lehrer. Ich möchte den Job nicht machen. Aber es ist schon sehr auffällig, wie häufig der Berufsstand -ob in der Kneipe oder in der Presse- der Allgemeinheit sein Leid klagt. Von anderen Berufsständen wie Bäckern oder Klempnern, um bei dem Beispiel zu bleiben, kennt man das nicht.
Das hat wohl mehrere Gründe, von denen ich drei nennen möchte:

1. Eine Lehrkraft steht immer und zu jeder Sekunde in der Schule mit ihrer Person zur Disposition. Weder Schüler/innen noch die meisten Eltern sind in der Lage, Sache und Person voneinander zu trennen. Ein Mathematiklehrer, der klein Mäxchen mit seinen Methoden nicht erreicht, ist immer "der Idiot", "das A****loch", etc. Und ja, auch Eltern benutzen diese Worte freigiebig.
Dass das dann auf Dauer ganz besondere Empfindlichkeiten entwickeln, ist einfach verständlich.

2. Das sogenannte "Gejammere" ist meistens nur eine Abwehrreaktion auf unqualifiziertes Gelaber der Nichtlehrkräfte. Typische Situation:
- "Lange nicht gesehen, wie geht's?"."
- "Ein wenig müde. Ich habe gerade eine Klassenfahrt mit 30 Zehntklässlern hinter mir."
- "Na da Klassenfahrt, das ist doch wie Urlaub! Das hätte ich auch gerne! "
- "Ähm... das ist eigentlich ziemlich anstrengend, weil...."
- "Immer dieses Gejammer! Typisch Lehrer!"

3. Das meiste, was als "Gejammer" abgetan wird, ist eigentlich nur ein deutliches Bewusstmachen von grundlegenden Missständen gesellschaftlicher Art. Da geht die Kritik gegen die mangelnde finanzielle Ausstattung von Schulen, es geht um das Rumgepfusche von Politikern an unseren Schulsystemen und Lehrplänen, die Unfähigkeit der Gesellschaft, Intetration zu leisten und diese stattdessen an die Schulen abzugeben,, um HelikopterEltern, Wohlstandsverwahrlosung oder eben richtige soziale Verwahrlosung.

Man sollte erwarten, dass diese Probleme millionenfach angesprochen werden, dass die Bevölkerung aus Selbsterhaltungstrieb den Politikern Beine macht, leider kommt da herzlich wenig.

Die Lehrkräfte an den Schulen erkennen und benennen erste soziale Verwerfungen, lange bevor sie von einem dieser Dummschwätzer wie Prechtl und Konsorten bei Günther Jauch in die große Relativismustrommel gerührt werden. Leider haben wir da das Schicksal der Cassandra aus der Mythologie: Sie sah Dinge deutlich voraus, allerdings hörte nie jemand auf sie.

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cehpat 11.06.2014, 18:04
63.

Der Bäcker freut sich, wenn man seine Arbeit lobt, genauso wie der Lehrer sich darüber freut.
Nur arbeitet der Lehrer mehrere Jahre mit seinem Material ( den Schülern) und er muss auch dann mit ihnen arbeiten, wenn diese ihn ablehnen und respektlos behandeln.

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isses_so 11.06.2014, 18:22
64. Ein zufriedener Schüler

gleicht für mich ein Vielfaches der Gleichgültigkeit aus, die in meinem langjährigen Lehrerleben Dutzende von Eltern nicht nur mir, sondern auch ihrem Kind gegenüber gezeigt haben. Von Eltern, die noch nicht einmal zur Abschiedsfeier zur Schule kommen und sich mit ihrem Kind über das Erreichte freuen. Wenn ein Schüler dann ins Gästebuch der Schule schreibt: "Die Zeit bei euch war die beste meines Lebens" weiß ich, dass meine Kollegen und ich nicht allzu viel falsch gemacht haben.

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lachina 11.06.2014, 21:36
65.

Zitat von stasy
Warum wird hier dauernd über den Berufstand "Lehrer" berichtet? Und dann noch mit derart selbstbeweihräuchnden Artikeln? Jeder muss im Job Leistung bringen - die Leistung der Lehrer ist halt, die schulische Erziehung von Kindern. Das ist das Berufsbild. Und wo sind die Berichte über den Bäcker, der sich beklagt, wie schwer es ist schöne Brezen zu backen? Oder der Bericht über den Klempner, der schildert, wie schwer es war, das verstopfte Abflussrohr wieder frei zu bekommen?l
Genau das ist der Denkfehler. Ein Lehrer kann viel mehr kaputt machen als der Klempner oder der Bäcker. Habe zumindest noch nie von einem Amoklauf früher gemobbter Brötchen gehört ;)

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krylon 11.06.2014, 22:10
66. Ich bin schon alt

und habe, wie andere aus meiner damaligen Klasse auch, immer noch Kontakt zu meiner Lehrerin.

In unserer Gegend war 1950 eine riesige Flackkaserne zur Obdachlosenunterkunft umgewidmet worden. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine Häuserzeile mit Spätaussiedlern und wir lebten in einer Siedlung, die überwiegend durch Eigenarbeit gebaut wurde. Heute würde man es "sozialer Brennpunkt" nennen. Wir nannten es früher Lager, Pollackensiedlung und Siedler.

Sie hatte uns alle im Griff. Als die Lehrerin unserer Parallelklasse ernsthaft krank wurde, wurden beide klassen zusammengelegt und wir waren plötzlich 87 Schüler. Si teile die Klasse und machte vormittags u. nachmittags Unterricht, bis der Vertretungslehrer kam.
Hatte ein Kind aus der Wohnunterkunft Geburtstag und keine Geschenke bekommen, so organisierte sie aus dem Stand eine Überraschung und wir feierten mit dem Kind in der Klasse.
Sie hatte uns nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch soziale Kompetenz. Solche Lehrer (er)warten keinen Dank, sie bekommen ihn unaufgefordert.

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teneny 12.06.2014, 02:40
67. Sehr guter Beitrag...

Zitat von hzj
Der Lehrerjob an normalen Hauptschulen und Sek. 1 Schulen ist leider nicht mehr nur, Wissen und schulische Bildung zu vermitteln. Die Lehrer müssen die Unfähigkeit vieler Eltern zur verantwortungsvollen Erziehung und frühkindlichen Bildung ausgleichen. Um beim Vergleich mit Klempnern zu bleiben: Wenn Sie sich Ihre Rohre und Rinnen erst selbst schnitzen und schmelzen müssten, bevor sie diese einbauen, wäre das ein wenig näher an der Realität. Je nach Schule sind 20 bis über 50% der Schülerinnen einer 5. Klasse sozial gestört, psychisch krank, verwirrt, ohne altersentsprechende Sprachkompetenz, mit mangelhafter Feinmotorik, weder körperlich noch geistig fit, schulunfähig. Und viele Eltern ebenso. Und dann kommen noch Politiker, die den Wahnsinn zu verantworten haben, Eltern, die mangels eigener Bildung auch ihre Kinder nicht erziehen, Medien, die nur die nächste Sau durchs Dorf treiben wollen, Städte, die ihre Schulen vergammeln lassen, und Klempner, die meinen, man muss nur 2 Rohre ineinander stecken, weil sie das im Unterschicht TV so gesehen haben.
Sie beschreiben den Beruf, so wie er sich in der Realität leider oftmals darstellt, sehr gut. Ich gehöre zwar selbst nicht zur Lehrerzunft, aber meine Eltern sind/ waren Grund-und Hauptschullehrer. Alles was Sie aufzählen, kenne ich aus den Berichten meiner Eltern und deren Kollegen.
Gerade die Politik, die immer mal wieder den Stein der Weisen findet,
verschlimmbessert, durch das Herumschrauben am System, die ohnehin schon schwierigen Bedingungen unter denen Lehrer heute Ihren Beruf ausüben.

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veronika.franz01 18.09.2014, 17:18
68.

Ich kann Sie verstehen, dass Sie auch von den SchülerInnen ein Dankeschön erwartet hätten, aber wenn es nicht kommt, sollten Sie nicht traurig darüber sein. Die Mutter des Schülers hat sich bei Ihnen bedankt, denn gemeinsam mit den anderen Lehrern haben Sie es geschafft, dass der junge Mann einen Schulabschluss hat und somit eine echte Chance auf eine Ausbildung, einen Job, eine Familie. Auch das sollte sie mutig stimmen ;)
Und Sie sollten wissen, dass ein Dankeschön nicht in allen Berufen üblich ist. Ich persönlich erwarte das von vornherein nicht, sondern bin zufrieden, wenn meine Bemühungen oder meine Arbeit Erfolge erzielt. Vielleicht hilft Ihnen auch diese Sichtweise: Leider musste ich - trotz erzielter Verbesserungen - auch die Erfahrung machen, einen fetten Tritt in den Allerwertesten von "undankbaren Schülern und Schulleitern" zu kassieren.

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austenjane1776 19.09.2014, 15:39
69. Respekt. Sie haben 30 Jahre durchgehalten.

Zitat von zuckett
Volksschulabschluss einer 8klassigen Schule. 3 Jahre Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. 8 Jahre Bundeswehr. Zulassung zum Studium aufgrund einer Begabtensonderprüfung. Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. 30 Jahre ......
Das muss man erstmal schaffen. Nochmal Respekt. Und alles Gute für die Gesundheit.

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