Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnisse: Eure Gier nach guten Noten nervt
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Arne Ulbricht ist gerne Lehrer - aber ihn nerven Eltern, die für die Kinder per Brief gute Noten einfordern, ihn nerven Schüler, die wegen Noten heulen und pöbeln. Ein Lehrergeständnis über quälende Debatten.

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SBK-L 25.09.2014, 10:18
80. Solange

Während meiner gesamten Schulzeit wurde mir vor allem von Lehrern vermittelt, wichtig gut Noten sind. Besonders wichtig war immer die Note im jeweils gerade unterrichteten Fach. Etwas interessierte mich ernsthaft, also fragte ich detailliert nach. Aber meine Lehrer meinten dann es würde zu weit führen. Irgendwann Ende der 9. Klasse begann ich auch über jeden Note zu diskutieren. Wie kam es wohl dazu? Ach übrigens heute ich bin sehr erfolgreiche Personalberaterin und beurteile Menschen nicht nach Noten. Bildung und Können, Menschlichkeit und Glaubwürdigkeit sind mir wichtiger. Diese Erkenntnis stammt nicht aus der Schule....

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eigene_meinung 25.09.2014, 10:18
81. ...

Wenn ich mir ansehe, wie Lehrer Noten vergeben, wundere ich mich, dass Schüler und Eltern nicht längst einen Aufstand gemacht haben. Da werden nachweisbar richtige Antworten als falsch gewertet (z.B. weil der Lehrer es im Unterricht anders, nämlich falsch, gelehrt hat, oder weil der Lehrer nicht lesen kann). Da werden Punkte von Lehrern falsch addiert und auf dieser Basis zu schlechte (oder für Lieblingsschüler zu gute) Noten vergeben. Da werden Wiederholungs- oder Folgefehler mehrfach bewertet. Manchmal verwechseln Lehrer auch ihre Schüler und geben dem falschen eine schlechte bzw. gute Note. Wenn dann ein Schüler (oder im nächsten Schritt ein Elternteil) sich beschwert, wird er niedergemacht.
Liebe Lehrer, hört auf zu meckern und zu heulen, werdet besser!

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Avantime2000 25.09.2014, 10:20
82.

Zitat von hobbyleser
Ja, im Grunde sollten wir uns darauf beschränken, nur noch BWL als Schulfach zu belassen. Alles andere ist eh Zeitverschwendung. Wer braucht schon Fremdsprachen und Geschichtskenntnisse?
Vorsicht, als Betriebswirt machen Sie mehr Geld, wenn Sie sich mit Ihrem Geschäftspartner in seiner Landessprache unterhalten können und über etwas mehr reden können als Ihren Produktekatalog.

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sonicprisma 25.09.2014, 10:20
83.

Zitat von Olaf
Ja, ich schäme mich auch wirklich, mich für die Leitungen meiner Kinder interessiert zu haben. Wie man sieht, könnte Schule so toll funktionieren, wären da nicht die Kinder und deren Eltern.
Wenn man Pantomime für lächerlich, Spaß am Lernen für was Schlechtes und Privatschulen für das Nonplusultra hält, kann ich mir das gut vorstellen.

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ancoats 25.09.2014, 10:22
84.

Seit ich bereits in den 90ern an der Uni reihenweise Student/innen erleben durfte, die trotz Spitzenbenotung in Deutsch keinen graden Satz schreiben konnten (vom "Inhalt" mal ganz zu schweigen), interessieren mich Noten nur noch am Rande. Viel entscheidender ist, ob ich im Einstellungsgespräch den Eindruck gewinne, das der/die Betreffende engagiert, offen und kommunikativ ist, sich für sein zukünftiges Arbeitsfeld wirklich interessiert und über gute soziale Kompetenzen verfügt; alles andere lässt sich im Zweifel on the job lernen. Leider gehen aber zumindest meiner Erfahrung nach inflationäre gute Benotung und (z.T. extrem) übersteigertes Selbstbewusstsein wie Anspruchsdenken oft Hand in Hand - da läuft definitiv etwas falsch in der schulischen und universitäten Ausbildung. Da das die meisten Firmen offensichtlich ebenso sehen, kommt man als Bewerber/in ohne ausführliches Assessment kaum irgendwo mehr in einen Job, trotz guter Noten.

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reinerunfug 25.09.2014, 10:24
85. Als ehemaliger Lehrer

kann ich das nur bestätigen.
Nie fragt ein Schüler: Kann ich das?
Sondern nur: Welche Note kriege ich?
Auch bei Eltern ist das so. Ich gab ab und an Nachhilfe. Langfristiges Arbeiten und richtiges Lehren war kaum möglich. Es ging immer nur kurzfristig um Noten.
Aber auch den Kollegen muss ich sagen: Gebt nicht so viel auf!! Viele Aufgaben (Mathe) sind oft unnötig.
Zudem muss man sich intereinander absprechen,damit der Hausaufgabenberg nicht zu groß wird.
Außerdem gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass die mündlichen Leistungen kaum zählen. Ich halte sie meist für aussagekräftiger als die schriftlichen.
Zu meiner Zeit als Schüler war das noch so, dass die mdl. Leistungen mit einbezogen wurden, Auch ich hielt das so.

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geode 25.09.2014, 10:24
86.

Zitat von Zitrone!
...Man darf aber Noten nicht für die letzte, absolute Wahrheit halten. Das geben sie nicht her. Wenn zuviel von den Noten abhängt, z.B. der gewünschte Studienplatz und damit letztlich die gesamte Lebensplanung, dann muss das zu solch verzweifeltem Verhalten führen.
Wenn es im Oberstübchen nicht reicht, dann kann der/die SchülerIn eben nicht studieren. Nur um zur Uni gehen zu können, sollen die Lehrer bessere Noten als verdient verteilen? Das kann doch nicht richtig sein. Es gibt auch Berufe, für die man kein Studium braucht.

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frank34584 25.09.2014, 10:25
87. Hallo Herr Ulbricht,

Kinder lernen natürlich für die Noten, und zwar weil die Noten später in ihren Bewerbungsunterlagen erscheinen! Nicht jeder will Lehrer werden, manche Kinder wollen Medizin studieren oder an eine ausländische Hochschule gehen. Auch dafür sind gute Noten wichtig. Und das finden Sie nervig? Sie sollten es unterstützen, wenn Ihre Kinder nach guten Noten streben. Sie sollten sich Zeit nehmen für Reklamationen der Benotung - vielleicht haben ja ausnahmsweise Sie etwas übersehen und können dann die Note nach oben korrigieren, wäre doch schön, oder etwa nicht? Noten sind heutzutage unglaublich wichtig. Ob das gut ist oder nicht ist eine andere Frage. Aber sie sind SEHR wichtig. Lehrer sollten das respektieren und nicht davon genervt sein. Die Kinder leiden unter dem Notendruck schon genug, da brauchen sie nicht noch Lehrer die genervt sind, wenn man um Überprüfung einer Benotung bittet.

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jujo 25.09.2014, 10:25
88.

Zitat von parsimony
Berufskolleg, Geschichte und Französisch... Ich könnte mir leider vorstellen, dass die Geschichts- und Französischkenntnisse der Schüler_innen nur im Ausnahmefall für den weiteren Lebensweg (um nicht Karriere zu sagen) von Interesse sind. Läge es nicht vielleicht auch am Lehrer die Bedeutung aufzuzeigen? Dass jemand in seinem Bewerbungsgespräch nach seinen Geschichtskenntnissen gefragt worden wäre, habe ich zumindest noch nie gehört. Ob jemand wirklich etwas kann, tritt leider auch in vielen Fällen hinter die Noten zurück. Dass dieser Trend nicht unbedingt zu begrüßen ist, ist hingegen wohl unstrittig. Wenn ein Schüler sich ungerecht behandelt fühlt, könnte es auch sein, dass er ungerecht behandelt wurde oder dass ihm die gut begründete Notenvergabe nicht ausreichend vermittelt werden konnte.
Es kann und darf nicht sein, das man nur noch Fachidioten "züchtet"!
Bewundern kann man diese bei "Wer wird Millionär"
Da können simpelste Fragen, Allgemeinbildung betreffend, von jungen Leuten nicht beantwortet werden! Keine Kevins oder Chantals sondern von Studenten.

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meinemeinung: 25.09.2014, 10:31
89. Leistungsdruck schadet allen

Wenn man das Thema Lehrer im SPON verfolgt, bekommt Ich den Eindruck das Lehrer Menschen sind die trotz aller Mühe Unmengen an Frustrationen ausgesetzt sind.
Dies mag in mancher Hinsicht verständlich und zutreffend sein. Wenig beachtet werden dabei Mängel im Schulsystem die für alle Seiten belastend sind. Dazu finden sich auch kaum kritische Berichte über das Verhalten von Lehrer. Stattdessen wird immer wieder auf das vermeintliche Fehlverhalten von Schülern und Eltern hin gewiesen. Insgesamt halte ich die Berichterstattung für extrem einseitig.
Besonders wichtig wäre es aus meiner Sicht den enormen Leistungsdruck in der Schule und die Folgen für die Schüler zu thematisieren. Noten sind ein Teil dieses Leistungsdrucks.
Das es auch anders geht, dafür hier ein Beispiel:
http://www.clubofrome.de/schulen/schulen/presse/070411_frye.pdf

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