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Lehrergeständnisse: Kaum ein Schüler braucht später Physik
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Jan-Martin Klinge weiß, dass seine Schüler später wenig aus dem drögen Physikunterricht erinnern werden. Außerdem würde der Lehrer viel lieber Themen behandeln, die Spaß machen. Doch die Vorgaben aus dem Ministerium sind strikt - und unrealistisch.

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regentrude 30.10.2014, 09:55
90.

"Keiner braucht Physik" heißt "Keiner nutzt Physik", nichts sonst. Solche Leute sagen auch, man bräuchte keine Manieren. Aber es wählen tatsächlich kaum noch Kinder Physik, stattdessen nehmen sie Bio, wo man mit Auswendiglernen weiterkommt. Bloß nicht selber denken müssen. Eine Tragödie! Sie bleiben blind, tapsen blind durchs Leben. Physik ist alles um uns rum, und die begeisternde Erkenntnis, dass die Welt aus Mathematik besteht, sollte man Kindern nicht vorenthalten! Sie kann Leben verändern. --- Meines Erachtens ist die Schule auch dazu da, den Kindern Angebote aus verschiedenen Fachrichtungen zu machen, sie dort jeweils auch herauszufordern, um ihnen die Entscheidung, was sie später vertiefen und studieren wollen, zu überhaupt ermöglichen. Wenn irgendjemand im Vorhinein beschließt, was sie "brauchen", und sie dann auch nix anderes kriegen, dann nimmt er ihnen diese Wahl weg. Das ist nahezu ein Verbrechen in meinen Augen. Hätte ich BWL studiert (oder irgendwas anderes als Physik), wäre ich heute ein sehr unglücklicher Mensch.

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realheadache 30.10.2014, 10:01
91. Klasse Idee

solche Physiklehrer Stellungnahmen über die Notwendigkeit von Physikwissen im realen Leben zu haben. Falls es bisher noch nicht oft genug wiederholt wurde: Es gibt eigentlich nichts was nicht etwas mit Physik zu tuen hat.
Und wenn es der blöde Bremsweg ist. Wäre ja ganz praktisch zu wissen warum bei Nässe mein Schadensfreiheitsrabatt dauernd verschwindet... im Trockenen klappt das ja und warum wird der Bremsweg nicht proportional zur Geschwindigkeit länger. Oh laut W=1/2 mV^2 steigt die Energie quadratisch ? Hätte ich mal in Physik aufgepasst, oder einen besseren Lehrer gehabt. Nicht alles was man wissen sollte muss einem einfach zufallen oder im eigenen Interessenbereich liegen. Wenn das so gewesen wäre hätte ich mit meiner 'Lust' auf Mathe in der Schule niemals mein Studium überlebt.
Deutschland, Exland der Ingenieure.

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treczoks 30.10.2014, 10:08
92. Brauchen oder Gebrauchen?

Viele Menschen sind der irrigen Meinung, sie bräuchten die Erkenntnisse der Naturwissenschaften nicht im "realen" Leben. Das klingt eher nach einem prolligen "Ich bin doof und das ist gut so".

Denn viele Probleme in unsere heutigen Zeit kommen daher, dass die Betroffenen vorhandene Erkenntnisse aus den MINT-Fächern nicht anwenden. Die lassen sich bei der Bank über den Tisch ziehen, weil sie nicht in der Lage sind, einfache Prozentrechnungen durchzuführen, oder vergiften sich, weil sie zwei verschiedene Reinigungsmittel ins Klo schütten. Viele Youtube-Videos über irgendwelche dämlichen Unfälle lassen sich nur durch einen erheblichen Mangel an fundamentalen Physik-Kenntnissen erklären.

Merke: Naturwissenschaften zu kennen und die Kenntnisse täglich anzuwenden ist ein gutes Mittel, nicht in der nächsten Folge von "Ups, die Pannenshow" oder gar im Krankenhaus zu landen.

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takeltakel 30.10.2014, 10:12
93. Physiknerds

So läuft das gerne in Deutschland. Da erscheint ein solcher Artikel und viele erinnern sich mit ausgebuchter Fachkompetenz an ihre Physikkenntnisse. Hauen dann noch ein paar Formeln zur Belegung raus und schliessen damit, dass der Lehrer eigentlich entlassen werden sollte. Woooow. Großartig. So kann unser Bildungssystem nur gewinnen.
Eine Empfehlung: Nehmen Sie sich Zeit und besuchen Sie mal in Ihrer örtlichen Schule den Physikunterricht. Ich weiß, da brauchts auch Empathie. Und dann lesen Sie bitte den Artikel KOMPLETT durch. Da steht was von fehlender Ausstattung, von fehlender Zeit. Aber auch von Spaß an Physik mithilfe aktueller Themen.
Da gibt es einen Lehrer der sich öffentlich hinstellt und sich Gedanken macht, wie er mehr Schüler für Physik begeistern kann. Mutig mutig. Und da wird bei vielen Kommentaren schwadroniert dass es einem übel wird. Respekt liebe Mitkommentatoren täte Ihnen gut. Und ich bin kein Lehrer. Ich interessiere mich nur.

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mont_ventoux 30.10.2014, 10:13
94. Arme Schüler

Zunächst bedauere ich alle Kinder, die auf einen derart unqualifizierten Lehrer wie Herrn Klinge treffen.

Physik bestimmt in jedem Augenblick unser Leben, angefangen von der Schwerkraft mit all ihren Konsequenzen bis hin zu elektromagnetischen Gesetzmäßigkeiten, ohne die z.B. kein Smartphone funktionieren würde. Dieses den Kindern beizubringen, wäre eigentlich die Aufgabe von Herrn Klinge. Ich habe festgestellt, dass Kinder bereits im Vorschulalter großes Intersse an physikalischen Experimenten entwickeln. Jüngstes Beispiel war ein mit einfachsten Mitteln hergestellter Solarzeppelin, den wir aufsteigen ließen.

Wenn Herr Klinge meint, im Physikunterricht gehe es um die Vermittlung von Wissen, das später keiner mehr braucht, unterstreicht dies nur seine Einfältigkeit sowie seine nicht vorhandene Qualifikation. Neben der Wissensvermittlung hat der Physikunterricht einen erheblichen Wert darin, dass er methodisches Vorgehen lehrt, frei von Ideologie und Zeitgeistmacken ist und eine gute Basis für vielfältige berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet, sei es in der Grundlagenforschung, in der Medizintechnik oder im Ingenieurbereich.

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pejoachim 30.10.2014, 10:17
95. Freude in der Schule, Spaß gibt es woanders

... ich weiß nicht, von wem der Spruch stammt, aber er stimmt. Die Welt der Physik kennenzulernen, ist das nicht wichtig? Alles am "Nützlichen" zu messen ist armseelig. Sind Literatur und Musik nützlich? Ist die Auseinandersetzung mit Religion und Kunst nützlich?

Wer als Lehrer nicht Freude an seinem Beruf hat und nicht davon überzeugt ist, dass er etwas Wichtiges unterrichtet, hat seinen Beruf verfehlt. Aber vielleicht weiß ich das auch nicht richtig: Ich war nur 40 Jahre lang Lehrer und in der Lehrerausbildung tätig.

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010001110 30.10.2014, 10:18
96. Physik

Physik ist ein überaus wichtiges Fach, in dem man auf jeden Fall zumindest die Grundlagen vermittelt bekommen sollte. Und wenn man es später eben nicht braucht, dann ist das halt so, aber da gibt es noch zig andere Fächer, bei denen es viel unwahrscheinlicher ist, dass man diese jemals wieder anrührt (siehe Musik, Kunst, Religion, etc.). Aber auch diese Fächer sollte man nicht einfach streichen, sondern den Stoff ausmisten (z.B. nicht 2 (!) Jahre lang allen Mist über Mozart und Beethoven lernen, denn das braucht nun wirklich kein Mensch mehr) und dann hätte man auch weitaus mehr zeit, um in Physik mal einen Film zu analysieren. Aber ich finde es durchaus erschreckend, dass ein Physiklehrer in der eh schon sehr knapp bemessenen Zeit für Physik, Filme schaut. Denn was nützt es den Schülern Spaß im Unterricht gehabt zu haben, dann aber das Abitur, oder andere Tests zu versauen? Außerdem gibt es auch Möglichkeiten für Spaß im Unterricht zu sorgen, ohne gleich einen 2h Film zu schauen. Sieht für mich eher so aus, als ob der Lehrer auch keinen Bock auf Unterricht hätte. Wie man so jemanden überhaupt einstellen kann, wüsste ich auch gerne.

PS.: Das wurde aus der Sicht eines Schülers geschrieben, der zur Zeit in die 11. Klasse geht.

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derHamlet 30.10.2014, 10:19
97.

Zitat von anderermeinung
Erziehung nur noch für die Spaßgesellschaft? MINT-Fächer gleich gar nicht mehr lehren, weil sie keinen Spaß machen? Armes Vaterland.
Guten Morgen anderermeinung,

was ist falsch daran "Spaß" zu haben, sich mit einem bestimmten Tun zu beschäftigen, was einem Vergnügen und Freude bereitet.
Wodurch lernen Sie effektiver, schneller und nachhaltiger, wenn Sie lernen wollen oder lernen müssen?

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U. Haleksy 30.10.2014, 10:19
98. Wie die Erinnerung doch täuscht

Die Schüler werden mit Sicherheit nichts aus dem Physikunterricht erinnern. Die Schüler werden SICH höchstens an nichts aus dem Physikunterricht erinnern. Aber doch hoffentlich an etwas aus dem Deutschunterricht, denn "erinnern" ist ein reflexives Verb.

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ohgottogott 30.10.2014, 10:22
99. Physik Lehrer

Mein Prof an der Uni hatte mal das Erlebnis, denselben Studenten zum wiederholten Male in einer mündlichen Prüfung Physik vor sich scheitern zu sehen. Erst mehrfach bei einer Vordiploms-Prüfung, dann bei einer Prüfung für Lehramt Sekundarstufe II. Was den Probanden aber nicht sonderlich zu erschüttern schien, sondern zu dem Kommentar, dass er dann halt auf Lehramt Sek I wechseln wolle

Daraus folgerte unser Prof ziemlich entgeistert, dass ja da wohl bei Physik-Lehramts-Studenten teilweise so eine Art negativer Auslese stattfinden würde. Wer kein Diplom hingekam, mache eben Lehramt. Wenn das immer noch zu anspruchsvoll war, halt Lehramt Sek I

Das war unter den Studis allerdings schon eine ohnehin verbreitete These... und wird im Artikel letztlich auch bestätigt. Der Herr Lehrer ist also nicht in der Lage, normalen Stoff interessant aufzubereiten und ohnehin der Meinung, die meisten Schüler bräuchten eh kein Physik. Das spricht Bände über seine eigene Einstellung zum Fach

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