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Lehrergeständnisse: Kaum ein Schüler braucht später Physik
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Jan-Martin Klinge weiß, dass seine Schüler später wenig aus dem drögen Physikunterricht erinnern werden. Außerdem würde der Lehrer viel lieber Themen behandeln, die Spaß machen. Doch die Vorgaben aus dem Ministerium sind strikt - und unrealistisch.

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cobaea 30.10.2014, 08:53
60. mit Spass dabei

Zitat von mailo
Bei solchen Lehrern wundert mich das, was heutzutage in den Ausbuldungsbetrieben ankommt wenig. Weiß er eigentlich was er da den ganzen Tag in der Schule macht, bzw. machen soll? Flaschenzug, Hebelgesetze, Elektrizität.... Alles Unfug, was?
Man wird's nicht glauben, aber mir hat Physik bis ins 12. Schuljahr Spass gemacht. Im letzten Schuljahr war's dann (für meine Vorlieben) zu viel höhere Mathematik.

Das was dieser Lehrer hier beschreibt ist doch prima: Er nimmt mit den Schülern genau das durch, was Sie hier fordern. Nur eben mit Beispielen aus Action-Filmen. Wenn man Schüler/innen bei der Stange halten kann, indem man Hebelgesetze, Flaschenzug, Gewicht, Masse, Geschwindigkeit, Verhalten von Flüssigkeiten, Arbeitsweise von Motoren etc. am Beispiel von Superhelden lehrt, ist das doch sinnvoller, als wenn sie abschalten und zum Fenster raus schauen, weil sie von der Textaufgabe "wie lang muss der Hebel sein, damit Arbeiter A die Masse B anheben kann?" gelangweilt sind. Sie rechnen dann genau das anhand von Superman (oder einem anderen) aus, der irgendeine unrealistische Leistung vollbringt. Indem sie rausfinden, welche Kraft dazu wirklich notwendig wäre. Dagegen kann man doch eigentlich nbichts haben - es sei denn, man meint, lernen müsse spassfrei erfolgen.

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mantrid 30.10.2014, 08:54
61. Alltag voller Physik

Der ganze Alltag ist voller Physik, egal ob ich einen Türdrücker benütze, den Wasserhahn laufen lasse oder ein Frühstücks-Ei koche. Beispiele gibt es alsom genug. Was die vollgestopften, praxisfremden Lehrpläne angeht, muss ich dem Lehrkörper Recht geben. Erst mal das 1x1 sicher beherrschen und dann erst englischsprachige Quellen nutzen.

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mjv 30.10.2014, 08:55
62.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Das meiste, was ich im Studium gelernt habe brauche ich in meinem Job nicht.
Aber hätte ein Schmalspurstudium gereicht? Sicher nicht.
Wer braucht im späteren Leben Kunst, Biologie oder Chemie, von Latein ganz zu schweigen.
Schülern soll eine umfassende Bildung vermittelt werden, damit sie später mal, entsprechend Ihren Neigungen, einen Beruf auswählen können.
Da kann man nicht in der Mittelstufe vermeintlich nicht benötigte Fächer aussortieren.
Allerdings ist der Artikel auch mal wieder ein Beispiel, wie mit einer Überschrift Stimmung gemacht wird, die sich aus dem Artikel so nicht ergibt.
Ich verstehe Lehrer, die frustriert über die starren Vorgaben aus den Ministerien sin. Daraus aber. Zu schließen, das entsprechende Fach sei überflüssig ist quatsch.

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michael sh 30.10.2014, 08:56
63. unfassbar

Das ein Lehrer für Physik so eine Aussage trifft (wenn r sie denn so getroffen hat) ist schon traurig.
Es geht bei Physik u.a. auch um Zusammenhänge, Dinge einschätzen zu lernen und mit Logik an Dinge heranzutreten.
Geht man denn davon aus, dass eh keiner mehr einen produktiven oder handwerklichen Beruf erlernen möchte und alle nur Bänker, ITler oder Arbeitslose werden?
Merkwürdig.

Mir hat Physik eine Menge Verständnis für mein Umfeld vermittelt und ich bin dankbar dafür.

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KVPMD 30.10.2014, 08:57
64. Mehr..

Ich benötige fast jeden Tag Englisch, meist über Schulenglisch hinausgehend.
Ich benötige alle paar Wochen Schulmathematik (im Beruf, im Alltag sicher öfter).
Meine Muttersprache natürlich täglich.
Ich benötige Physik, vor allem Elektrik, regelmäßig.

Man muss ja nicht gleich alles täglich brauchen, damit es sich lohnt. Oder darf man auch nur nen Hammer und Schraubendreher haben, wenn man täglich hämmert?

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PeterPanzky 30.10.2014, 08:58
65. Schule soll Allgemeinwissen vermitteln

Selbstverständlich müssen die wenigsten von uns wissen, was ein Pantoffeltierchen ist und wie eine PH-Wert Analyse abläuft. Aber neben diesen speziellen Dingen, haben wir ganz nebenbei eine Menge über die zugrunde liegenden Prinzipien aus Biologie, Chemie, Physik, Wirtschaft etc. gelernt.

In der Schule soll uns Allgemeinwissen vermittelt werden. Damit wir darauf aufbauend später - im Beruf, wie im Privatleben - neues lernen können.

Und leider scheint diese einfache Tatsache nicht einmal den dafür verantwortlichen Lehrern (ich pauschalisiere hier einfach mal) klar zu sein.

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Schralau 30.10.2014, 09:03
66. Kein Wunder ...

das ein Physiklehrer mit diesem Selbstverständnis Probleme hat: Beschweren, dass in Deutsch Grundlagen fehlen, aber selbst keine Grundlagen vermitteln wollen. Weil die heutige Leherergeneration genau wie dieses Lehrerbeispiel nur Spaß haben will, und vergisst, dass man sich "Spaß" erst einmal erarbeiten muss, bleiben diese Menschen dauerhaft unzufrieden und unerfüllt. Der Mensch muss lernen und Fähigkeiten erwerben; er wird nun einmal ohne Alles geboren! Und was man nicht lernt, kann man nicht nutzen. Übrigens Herr Lehrer: Wenn Sie sich nicht mal mit Physik hätten beschäftigen "müssen", wüssten Sie wie Ihre Schüler überhaupt nicht, dass Supermänner ...

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strixaluco 30.10.2014, 09:08
67. Bitte??

Es wäre definitiv schön, wenn sich mehr Menschen _beim Autofahren_, also jeden Tag im Verkehr, an ihren Physikunterricht erinnern würden.
Dann würden sie nämlich ganz bestimmt nicht so fahren, wie sie das gerade zu großen Teilen tun, weil ihnen klar wäre, dass sie sich selbst und Andere damit in Gefahr bringen.
Ansonsten gibt es auch reichlich Gelegenheiten für Nicht-Physiker, bei denen das Thema wichtig ist: Heizen, Kochen, Fernsehen, Internet, Heimwerken, sonstwas. Es macht schon wirklich Sinn, wenn man ein bisschen Ahnung davon hat, wie sich Strom verhält, welche Kräfte grob wo wirken könnten, vor welchen dieser Kräfte man besser Respekt haben sollte und welche man sich zunutze machen kann...

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Argi 30.10.2014, 09:12
68. Woanders kann es besser sein

Warum ich meine Kinder an die Waldorfschule schicke?

Die Schule muss sich unterjährig nicht an das staatliche Curriculum halten. Dadurch gibt s auch ein anderes Ziel: Nicht das Durchhetzen vorgegebener Lehrpläne, in denen alles vielleicht mal irgendwie angesprochen wird, sondern die Förderung der Entwicklung junger Menschen. Die Vermittlung von Fachwissen ist hier nicht das Ziel, sondern das Werkzeug.

Ein Beispiel: In der dritten (!) Klasse wurde ein Bauprojekt durchgeführt. Die Schüler mussten sich auf ein Ziel einigen, in dem Fall wurde es ein großes Spielgerüst auf dem Schulhof. Es mussten Pläne gemacht werden, von dem Objekt und vom Ablauf. Es musste Geld besorgt werden, zum Beispiel über einen Spendenlauf und einen Verkaufsstand. Die jungen Leute mussten sich damit beschäftigen, wie man Hölzer verbindet und wann ein Gerüst stabil ist. Es musste geklärt werden, welche rechtlichen Anforderungen es gibt und wer so ein Gerüst abnehmen und freigeben kann, damit es auch legal und versichert ist. Helfer mussten organisiert werden, in dem Fall vor allem Eltern. Das Baumaterial musste besorgt und rechtzeitig vor Ort sein.

Am Ende stand ein wunderschönes Gerüst mit TÜV-Abnahme auf dem Schulhof. Die Gemeinschaft zwischen den Schülern und auch den Eltern war deutlich gewachsen - man hat etwas gemeinsam geschaffen. Es wurden viele 'interdisziplinäre' Kompetenzen geschult, wie Initiative, Selbstorganisation, Koordination. Dazu fachliche Inhalte, vor allem in den Bereichen Gestaltung, Werken und nicht zuletzt rechnen. Alle haben davon profitiert.

Die Schule übertifft regelmäßig den Zentralabitur-Durchschnitt. Die Absolventen haben eine eigene, begründete Meinung und kennen ihre Stärken. Man kann ihnen eine Aufgabe anvertrauen, und sie arbeiten sich selbständig ein und lösen sie gut.

Der vor allem auf die Vermittlung von Fachwissen abzielende Ansatz hingegen dürfte in vielen Fällen Fachidioten, gelegentlich aber durchaus auch verschlissene Persönlichkeiten hervorbringen. Sollte man das mittragen?

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xenoxx 30.10.2014, 09:13
69. Moderne Zeiten?

Geboren im Jahr 1951 bin ich sehr froh darüber, dass zu meiner Schulzeit Physik nicht in Frage gestellt wurde. Gerade in diesem Fach erreichte ich gute bis sehr gute Noten - dank anschaulichen Unterrichtes und engagierter Lehrer.

Sowohl während des Studiums wie im Berufsleben konnte ich auf mein so erworbenes Basiswissen zugreifen.

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