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Lehrergeständnisse: "Lasst mehr Stunden ausfallen!"
DPA

Vertretungsstunden in der Schule sind Quatsch, sagt unser Autor. Er muss es wissen, schließlich ist er selbst Lehrer - und fordert von Kollegen und Eltern mehr Mut zum Unterrichtsausfall.

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Nania 16.10.2018, 13:10
90.

Zitat von Rick73
Sorry aber bei einer 9.Klasse eine Stunde zu vertreten ist in keinem Fach ein großes Problem. Kollege anrufen und sich 1-2 Stunden einarbeiten. Bei Fremdsprachen die nicht beherrscht werden gibt es ebenfalls Möglichkeiten. Bei langfristigen Vertretungen müssen geeignete Fachkollegen ran und Randstunden fallen weg. Ich habe.....
Sie vergessen immer noch, dass Menschen nicht mit Ankündigung krank werden. Und nein, wie jemand anderes schon sagte, es lassen sich nicht einfach die Kompetenzen übertragen. Ich behaupten, dass die meisten Lehrer nicht in der Lage sind, mal eben den Stoff der 9. Klasse in Mathe zu unterrichten, wenn sie selbst Deutsch und Sport haben. Oder den Stoff der 9. Klasse in Deutsch (die nicht aus Diktaten besteht), wenn man seit der eigenen Schulzeit, die 25 Jahre zurückliegt, mit Goethe nichts mehr am Hut hatte.

Sie unterschätzen gewaltig den Stoff, den man z.B. auf dem Gymnasium in der 9. Klass emacht.
Außerdem: Lehrer werden spontan krank, wie alle anderen Menschen auch. Und ich möchte sehen, was Ihr(e) migränegeplate(r) KollegeIn sagt, wenn Sie diese anrufen, um nur mal schnell eine Einleitung in die momentane Stand Ihrer Arbeit zu bekommen. Inklusive eines längeren Einblicks in die Dynamik der Klasse.

Und 1-2 Stunden haben Sie als Lehrer zur Vorbereitung nicht frei, wenn Sie erst morgens bei Schulbeginn mitgeteilt bekommen, in welchen Klassen sie heute vertreten. Das funktioniert NUR dann, wenn Sie lange im Vorfeld Bescheid wissen und wenn der Ausfall länger ist als eine Stunde.
Ich persönlich hatte übrigens im 13. Schuljahr den unschönen Fall, dass mein Leistungskurslehrer krank wurde. Der Ausfall ist nach Wochen dann endlich kompensiert worden mit einem Lehrer einer anderen Schule. Der konnte sich dann aber auch einarbeiten... .

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Nania 16.10.2018, 13:19
91.

An welcher Schule sind Sie tätig?

Ich erinnere mich zudem gut an Lehrer, die meinten, eigenen Fachunterricht in einer Vertretungsstunde zu machen. Dumm nur, wenn man nicht selbst Lehrer der Klasse war, weil man den Stand der Klasse im Fachunterricht ja gar nicht kannte. Und manche Aufgaben waren einfach nur blöde. Und wenn - das darf man auch nicht vergessen - mal eine Stunde ausfiel, dann war das gewissermaßen, wie jemand anders schon schrieb, eine Jokerstunde, in der mal was außergewöhnliches gemacht wurde. Für uns damals als Schüler gab es nichts Blöderes als Fachunterricht von einem Lehrer, der nicht zur Klasse gehörte. Denn es hatte ja auch keine Konsquenzen. War für Klassenarbeiten nicht relevant und wenn man die Aufgabe halt nicht machte, dann war das auch nicht weiter dramatisch. Hat im Endeffekt mehr Unruhe gebracht als alles andere.

Und drehen wir den Spieß mal um: könnten Sie als Geschichtslehrer denn den Physikunterricht der 10. Klasse gestalten? Ich wage es zu bezweifeln. Und auch, wenn grundsolde Geschichtskenntnisse von jedem Lehrer zu erwarten sind, so müssen die nicht in allen Epochen gleich umfangreich sein. Wie viel wissen Sie noch über die Revolution von 1848? Außer ein paar einfacher Stichwörter?

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Luke1973 16.10.2018, 16:58
92. Armutszeugnis

Ich als Vater habe meinen beiden Kindern sehr oft Dinge erklärt, die sie im Unterricht nicht verstanden haben oder ihnen bei der Vorbereitung auf den nachsten GLN geholfen. In allen Fächern. Schließlich habe ich selbst mal Abi gemacht.
Wenn ein Pädagoge nicht in der Lage ist auch mal fachfremd 45 min sinnvoll zu unterrichten, dann fällt mir nix mehr ein. Sorry, liebe Lehrer.
Wo ist das Problem in Englisch einfach zu fragen wo im Buch man grade ist und dann z.B. den Text von der letzten Stunde nochmal zu vertiefen, Vokabeln zu lernen oder Fragen zu dem Text zu stellen? Das ist doch nicht so schwer!
Auch ein Deutschlehrer sollte in der Lage sein in Mathe was Sinnvolles von sich zu geben. Hat er schließlich doch selbst aucb schon Arbeiten drüber geschrieben.
Und wenn man unvorbereitet mitten in die Lektüre geworfen wird, die man selbst vielleicht nicht kennt, kann man ein andere Thema des Deutschunterrichtes wiederholen. Und seien es die Regeln der Kommasetzung. Die sitzen nämlich auch in den höheren Klassen oft nicht.
Und wenn man das alles nicht hinbekommt, kann man immer noch einfach eine Stunde im eigenen Fach einschieben. Selbst wenn es ein Fach ist, das die Klasse noch gar nicht hat.
Mann, Mann, Mann....

Andererseits stimme ich zu, dass Randstunden auch ausfallen können. Bleibt halt oft das Problem des Transportes. Busse fahren oft nur zur sechste, siebten und achten Stunde.

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katja78 16.10.2018, 17:00
93. Konzept und Organisation

Ich verstehe, dass nicht jeder Lehrer fachfremd unterrichten kann. Spanisch in der Oberstufe o.ä. bekäme ich auch nicht hin. Auch in die laufende Lektüre einzusteigen stelle ich mir wenig effizient vor.

Was mich wundert: Die Lehrer haben doch eine Strategie b), wie sie mit solchen Fällen umgehen. Das muss nicht diese ewige Filmguckerei sein. Warum kann ich mir als Lehrer nicht für jede Altersklasse 2, 3 Standardvertretungsthemen zusammensuchen, die ich dann bei Bedarf abspule. Ich denke da eher an Dinge des Alltagslebens, die NICHT im Lehrplan stehen und oft zu kurz kommen. Also z.B. bei den jüngeren "Wie funktioniert eigentlich Mobilfunk? Wie sieht ein Vertrag aus? Was kann so ein Gerät über 2 Jahre kosten?" oder bei den älteren "Was sind brutto und netto, wie funktioniert eine Steuererklärung? Wie sieht ein Arbeitsvertrag aus?" oder technische Dinge Maus-mäßig erklären oder .... da gibt es so viel.

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OhMyGosh 16.10.2018, 19:09
94.

Wenn ich so an meine eigene Schulzeit zurückdenke... es ist - leider, leider! - nur äußerst selten mal ein Lehrer ausgefallen. Vermutlich war Unterrichten damals eher Vergnügen denn bürokratisch durchseuchte Zwangsarbeit?
Falls mich mein Langzeitgedächtnis nicht gänzlich trügt, sind wir dann wohl ins Café oder in die Stadt gegangen. Unsere Direktorin war ein ausgemachter Drachen - in der Großen Pause durften keine Schüler des Nachbargyms uns auf dem Hof besuchen, da war dann "Pyramos und Thisbe"- Getändel über den Schulzaun angesagt. Aber in Freistunden, und das waren vermutlich eben auch die Ausfallstunden, ließ sie uns von der straffen Leine. Und es ist nie irgend etwas passiert. Und das im Musterländle BW.

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Rick73 16.10.2018, 19:50
95. @Nania

Sie verallgemeinern Einzel- bzw. Härtefälle. Natürlich überbrücke ich eine Vertetungsstunde wenn ich erst morgens davon erfahre. Erfahrungsgemäß sind Vertretungen häufiger zu den üblichen Erkältungszeiten und jede Schule kann sich darauf einstellen. Kollegen untereinander erst recht und diese können Verabredungen treffen. Die meisten Ausfälle sind doch durch virale Infekte bedingt und nicht durch Migräneschübe. Langfristige Vertretungen sollten doch erst recht kein Thema sein ein gut aufgestelltes Kollegium gegeben ist. Ich bleibe dabei dass hierbei häufig ein bequemer Weg gewählt wird aus welchen Gründen auch immer. In einer 10. Klasse Prozentrechnung zu wiederholen oder den Dreisatz schadet auch überhaupt nicht wenn ich als Fachfremder Polynomdivision nicht beherrsche oder wie erwähnt aus den eigenen Fächern etwas aus der Kiste zaubern.

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domino3116 16.10.2018, 21:25
96. Keine Ahnung vom Schulbetrieb!Heute

Heute gibt es die kleine wohnortsnahe Schule mit 250 /300 Schülern nicht mehr. Jeden Tag fahren abertausende Kinder in weit entfernte Schulen. Wenn sie dort aussteigen, hat die Schule, respektive die Schulleitung die Aufsichtspflicht. Deshalb darf sie bei Lehrerausfall die Kinder nicht einfach nach Hause schicken. Passiert etwas, dann müssen sich die Schulleiter vor Gericht verantworten. Wenn sie andererseits mehr Personal fordern, bekommen sie abschlägige Antworten.
Ein guter Schulleiter versucht das seinen Kollegen zu erklären, ein autoritärer setzt seine Kollegen im Rahmen der im zustehenden Möglichkeiten ein.
Aber auch schwäbische Lehrer waren früher nicht nur Stundenhalter sondern interessierten sich für das Ganze und sprangen in Notsituationen ein.
Ich habe nicht gezählt, wieviel solche Stunden ich in 40 Jahren Schultätigkeit gehalten habe. Auch war ich nicht immer erfreut, gerade in einer schwierigen Klasse meine Freistunde zu verbringen, wenn ich eigentlich geplant hatte, einen komplizierten Demonstrationsversuch in Physikraum in Ruhe vorzubereiten.
Lieber Westkollege, schauen Sie doch mal wieder den alten Film "Die Feuerzangenbowle" an und lernen Sie daran, dass eine Schule in guten und schlechten Zeiten ein Organismus ist!
Und haben bei Ihnen auch mal Kollegen gestreikt? Dann werden Sie gemerkt haben, dass trotzdem noch die Aufsichtspflicht für die Kinder gesichert sein muss, deren Kinder nicht zu Hause bleiben können. Und dazu braucht man Personal, der Hausmeister mit dem Besen auf dem Schulhof ist nicht berechtigt.

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thinkof-it 17.10.2018, 12:25
97. Vertretungen

Zitat von Rick73
Erfahrungsgemäß sind Vertretungen häufiger zu den üblichen Erkältungszeiten und jede Schule kann sich darauf einstellen. Kollegen untereinander erst recht und diese können Verabredungen treffen. Die meisten Ausfälle sind doch durch virale Infekte bedingt und nicht durch Migräneschübe. Langfristige Vertretungen sollten doch erst recht kein Thema sein ein gut aufgestelltes Kollegium gegeben ist.
Aus unterschiedlichen Gründen muss Unterricht vertreten werden.
1. Krankheitsfall: Virale Intakte und ähnlichen Krankheiten, die bei der spezifischen einzelnen Lehrkraft selten auftreten.

2. Bestimmte Lehrer, die im Unterricht regelmäßig psychosomatische Symptome entwickeln, die auf psychischen Stress zurückzuführen sind, durch Schwierigkeiten bei der Disziplinierung der Schüler.
a) Konflikte mit Eltern, die sich über unangemessenes zu aggressives Verhalten des Lehrers beschweren: Strafarbeiten, Nachsitzen, Bauchschmerzen bei Kindern, Schulangst
b) Lehrer, die sich nicht durchsetzen können und unter dem Terror leiden, den Schüler erzeugen, wenn sie eine Lehrkraft aufgrund mangelnder Kompetenzen nicht respektieren

Symptom: Migräne, Virale Infekte (Immunsystem geschwächt durch psychische Belastung), Depression,...

3. Lehrkräfte, die physische Erschöpfung durch das Unterrichten zeigen
a) Stimme versagt, weil zu viel für diese Stimme am Stück gesprochen werden muss, weil Vertretungsstunden für kranke Lehrer gegeben werden mussten oder die persönliche Stimme schwächer ist.
b) Sehr große Lerngruppen (30) mit zu vielen Schüler*innen, die über asoziales Verhalten Unterrichtsstörungen verursachen, die zu permanenten Versagensgefühlen der Lehrkraft führen und sie in die Rolle eines Psychotherapeuten drängen, der kaum Zeit findet zu unterrichten und für zentrale Prüfungen relevante Inhalte zu vermitteln.

4.) Qualifizierte Vertretung für wochenlang erkrankte Lehrkräfte mit Krankheit wie Krebs, schwere Krankheiten, erhalten Schulleiter erst vom Schulamt/Schulaufsicht, wenn die Lehrkraft kontinuierlich krank geschrieben ist. In der Zwischenzeit muss improvisiert werden, was in den Schulen zuverlässigen Unterricht anderer Lerngruppen belastet.

Problem:
Lehrkräfte, die sehr leistungsfähig sind, werden eher diskriminiert, weil sie die anderen dadurch unter Druck setzen und die Leistungsfähigkeit hängt nicht vom Status ab: Beamter oder Nicht-Beamter sondern von anderen Kriterien.
Die Beamten haben aber die größte Macht in der Schule.
Veränderung ist schwierig, weil die Bezahlung nicht davon abhängig ist und insofern wenig Motivation besteht, diejenigen, die mehr Leistung bringen, zu unterstützen.

Bei der Einzelschule sehr darauf an, wie das spezifische Kollegium zusammengestellt ist, welche Schüler*innen die Schule in dem jeweiligen Ort mit der jeweiligen sozialen Struktur besuchen, welche soziale Reputation aus dem Besuch dieser Schule resultiert.

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thinkof-it 17.10.2018, 12:42
98. Das ist eine zu reduktionistische Sichtweise

Zitat von domino3116
Heute gibt es die kleine wohnortsnahe Schule mit 250 /300 Schülern nicht mehr. Jeden Tag fahren abertausende Kinder in weit entfernte Schulen. Wenn sie dort aussteigen, hat die Schule, respektive die Schulleitung die Aufsichtspflicht. Deshalb darf sie bei Lehrerausfall die Kinder nicht einfach nach Hause schicken. Passiert etwas, dann müssen sich die Schulleiter vor Gericht verantworten. Wenn sie andererseits mehr Personal fordern, bekommen sie abschlägige Antworten. Ein guter Schulleiter versucht das seinen Kollegen zu erklären, ein autoritärer setzt seine Kollegen im Rahmen der im zustehenden Möglichkeiten ein. Aber auch schwäbische Lehrer waren früher nicht nur Stundenhalter sondern interessierten sich für das Ganze und sprangen in Notsituationen ein. Ich habe nicht gezählt, wieviel solche Stunden ich in 40 Jahren Schultätigkeit gehalten habe. Auch war ich nicht immer erfreut, gerade in einer schwierigen Klasse meine Freistunde zu verbringen, wenn ich eigentlich geplant hatte, einen komplizierten Demonstrationsversuch in Physikraum in Ruhe vorzubereiten. Lieber Westkollege, schauen Sie doch mal wieder den alten Film "Die Feuerzangenbowle" an und lernen Sie daran, dass eine Schule in guten und schlechten Zeiten ein Organismus ist! Und haben bei Ihnen auch mal Kollegen gestreikt? Dann werden Sie gemerkt haben, dass trotzdem noch die Aufsichtspflicht für die Kinder gesichert sein muss, deren Kinder nicht zu Hause bleiben können. Und dazu braucht man Personal, der Hausmeister mit dem Besen auf dem Schulhof ist nicht berechtigt.
In Berlin gibt es dies riesigen Schulen, die 8-zügig in einem Jahrgang sind und Lerngruppen 30-35 junge Menschen und wo die Eltern sehr aus der Schule ausgegrenzt sind.
Möglicherweise hat der Osten in dieser Hinsicht ein Trauma wegen der Stasi, wo Schüler-Lehrer-Eltern sich von 1933-1990 gegenseitig bespitzelten.

In vielen mittelgroßen Städten erreichen Schüler auch heute noch bei entsprechender Witterung mit dem Fahrrad die Schule oder gehen sogar zu Fuß, die Schulen sind maximal 6-zügig, häufiger auch 4-zügig mit Klassenstärken um die 20-25 Kinder.
Die Lehrkräfte pflegen guten Kontakt zu den Eltern, was sich gerade in den Schuleintrittsjahren 5./6. Jahrgang (in Berlin 7.Jahrgang außer Gymnasium, diese Kinder verlassen in Berlin die Grundschule eher) durch ein Klassenfest häufigeren Schulkonzerten, Schulveranstaltungen, regelmäßige Elternsprechtage auszeichnet.
Das bedeutet machmal etwas Stress für alle Seiten, aber im Ergebnis fördert es den Zusammenhalte der Beteiligten, besonders wenn der authentischer Kommunikation ausreichend Raum gegeben wird.
Dafür gibt es auch gute Projekte, die Konflikte außerhalb des regulären Unterrichtes mit Lehrern, Schülern, Eltern und Mediatoren lösen wollen.
Wer bereit ist, sich mehr anzustrengen, der hat auch bessere Ergebnisse in Bezug auf Gewaltfreiheit, Konfliktlösung und gleichzeitig qualitativ hochwertigem Unterricht.

Manche Menschen sind veränderungsresistent und wehren alles ab, was ihre festgefahrenen Positionen in Bewegung bringen könnte.
Das sind nicht immer nur Beamte, das können auch Nichtbeamten sein, die verkrustet sind.

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Blaue Fee 17.10.2018, 15:35
99. Geschichte statt Physik?

Zitat von Nania
An welcher Schule sind Sie tätig? Und drehen wir den Spieß mal um: könnten Sie als Geschichtslehrer denn den Physikunterricht der 10. Klasse gestalten? Ich wage es zu bezweifeln. Und auch, wenn grundsolde Geschichtskenntnisse von jedem Lehrer zu erwarten sind, so müssen die nicht in allen Epochen gleich umfangreich sein. Wie viel wissen Sie noch über die Revolution von 1848? Außer ein paar einfacher Stichwörter?
Ich arbeite u.a. an der gymnasialen Oberstufe (IB Diploma) einer privaten technischen Universität im Ausland (und somit auch als Universitätsdozent). Selbstverständlich sind Schüler nicht so reif wie Studenten, aber in der Oberstufe haben sie durchaus die Fähigkeit selbständig zu arbeiten. Wir arbeiten zum Teil projektbezogen und fächerübergreifend und werden zudem angehalten jedes Semester mit anderer Software zu arbeiten. Fehlstunden kommen quasi nicht vor, da man nur gegebene Stunden bezahlt bekommt und 5 Minuten Verspätung als Fehlstunde von der internen Software registriert wird (dies gilt auch für Schüler - bei 10 Fehlstunden gilt das Fach als nicht bestanden). Die Fehlzeiten kann nur von der Direktion verändert werden. Zudem werden wir von unseren eigenen Schülern und Studenten benotet.

Sollte ich z.B. in den Physikunterricht gehen müssen (was in der Praxis noch nie vorgekommen ist), würde ich als Geschichtslehrer (der ich nicht bin, aber Interesse am Thema habe) z.B. über Physiker und ihre Entdeckungen sprechen. Letztes Semester haben zwei meiner Gruppen in einer Projektwoche verschiedene deutsche Nobelpreisträger bzw. deutsche Erfindungen vorgestellt und wurden dabei auch von anderen Lehrern bewertet.

Ich hätte mir z.B. in der Oberstufe viel mehr Musikgeschichte gewünscht als zweimal wöchentlich beinahe ausschließlich mit Mozart und Wagner traktiert zu werden und eine Aversion gegen beide Komponisten zu entwickeln.

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