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Lehrergeständnisse: "Lasst mehr Stunden ausfallen!"
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Vertretungsstunden in der Schule sind Quatsch, sagt unser Autor. Er muss es wissen, schließlich ist er selbst Lehrer - und fordert von Kollegen und Eltern mehr Mut zum Unterrichtsausfall.

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swandue 15.10.2018, 14:48
10.

Weitere nicht erwähnte Möglichkeiten, die Zeit besser zu nutzen, wären: Die Schüler machen Hausaufgaben oder lernen Vokabeln. Falls die Klasse von diesem Lehrer in einem anderen Fach unterrichtet wird, könnte er auch eine Stunde in diesem Fach unterrichten. Kann sein, dass Bedarf dafür besteht, kann sein, dass zum Ausgleich demnächst die erste oder letzte Stunde des Tages in diesem Fach ausfällt.

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grotefend 15.10.2018, 14:49
11. Äpfel und Birnen...

Zitat von wauz
Wenn das so stimmte, hätte es vor Bologna auch keine Unis geben dürfen...
Ihnen ist schon bewusst, dass an einer Uni fast ausschließlich volljährige Menschen studieren und an einer Schule Kinder sind, oder? Und die Verteufelung des lehrerzernierten Unterrichts ist genauso unsinnig wie die konsequente Ablehnung offenerer Lernmethoden. Aber einen Hattie sollte man schon einmal zur Kenntnis genommen haben, wenn man sich im Bildungsbereich auskennen möchte.

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widower+2 15.10.2018, 14:51
12. Zweischneidiges Schwert

Der Lehrer hat in vielen Punkten durchaus recht, aber was ist mit dem Schülertransport?

Bei meiner Tochter (11. Klasse) fallen im Moment enorm viele Stunden aus. Manchmal muss sie erst zur dritten Stunde da sein, mal gar zur fünften. Zuweilen hat sie nach der fünften frei. Das Problem dabei ist, dass die Schulbusse nur zur ersten sowie nach der sechsten und achten Stunde verkehren.

Andererseits durfte sie auf der vorherigen Schule in der 10. Klasse während der Pause (90 Minuten) zwischen der 6. und der 8. Stunde das Schulgelände nicht verlassen. Das passt alles nicht zusammen.

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WeissAuchAllesBesser 15.10.2018, 14:51
13. Es nimmt absurde Züge an

Gerade letzte Woche gab es bei meinem Sohn folgende Situation: Der Lehrer für den Unterricht in der sechsten Stunde war krank. Die Lehrkraft für die siebte Stunde hätte ihren Unterricht eigentlich in die sechste Stunde vorziehen können. Stattdessen gab es in der sechsten Stunde eine Vertretung ohne sinnvolle Beschäftigung, denn das Vorziehen des Unterrichts hätte Unterrichtsausfall bedeutet.
Selbst Hitzefrei trauen sich Schulen nur noch in Ausnahmefällen zu geben, denn schliesslich bedeutet auch Hitzefrei ausgefallenen Unterricht.

Schuld daran haben in diesem Fall aber nicht die Schulen, sondern hysterische Eltern. Über Unterrichtsausfall kann man sich beschweren, wenn Lehrkräfte für lange Zeit ausfallen und kein adäquater Ersatz verfügbar sein sollte. Die einzelne, ausgefallene Stunde lässt sich aber auch mit 15 Minuten Selbststudium kompensieren. Im Zweifel ist das Fussballsspielen oder Kaffetrinken in der Freistunde sogar die sinnvollere Beschäftigung.

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Nania 15.10.2018, 14:53
14.

Zitat von Danares
Wenn Fachkollegen sich extra noch in Themen einarbeiten müssen, die eigentlich während des Studiengangs dran gewesen wären, dann kann ich die Misere verstehen. Pädagogik alleine reicht eben doch nicht aus, ohne das Fachwissen ist man nichts weiter als ein besserer Vorleser.
Das Fachwissen selbst ist vermutlich nicht einmal das Problem.
Nehmen wir an, Sie sind Deutschlehrer. Nehmen wir weiterhin an, Sie stehen vor einer 9. Klasse. Nehmen wir an, die Schüler teilen Ihnen mit, dass gerade das Thema "Bürgerliches Trauerspiel" auf dem Programm steht. Nehmen wir weiterhin an, dass Sie zwar mal das Thema gemacht haben, sie aber in diesem Jahr in der 9. Jahrgangsstufe gar keine Klasse haben. Nehmen wir jetzt weiter an, dass diese Klasse "Die Kindermörderin" ließt, Sie aber in Ihren Klassen, wenn Sie denn welche in der 9. haben, generell ein anderes Buch besprechen. Nehmen wir jetzt an, dass wir nicht am Anfang der Unterrichtsreihe stehen, sondern irgendwo in der Mitte.
Sie können also entweder, wenn Sie Glück haben, tatsächlich den Unterricht weiterführen (vermutlich aber nicht), oder aber, sie erzählen den Schülern a) etwas, was sie schon wissen und womit sie sich langweilen oder b) etwas, dass im Plan des Klassenlehrers noch keine Rolle spielt. Sie haben auch die Materialien, die sie bräuchten, um nicht 45 Minuten vorne den Kasper zu spielen, gar nicht dabei, weil, wie schon gesagt, Sie keine eigene Klasse auf dem Level und der Jahrgangsstufe haben.
Das ist so, als kämen Sie unvorbereitet morgens in eine neue Firma (weil ihre Firma morgens entschieden hat, sie wären ein guter Kandidat, da für einen Kollegen einzuspringen, der in dem Thema schon seit Monaten drin ist, der eigentliche Grund ist aber, dass Sie für den Termin nicht anders eingeplant sind) und müssten direkt den Chef spielen.

Es wäre für SchülerInnen sinnvoller, diese Zeit, die durch den Unterrichtsausfall entsteht, adäquat nutzen zu können. Sei es durch Sozialisierung und Austausch mit anderen, Bewegung oder der Möglichkeit, früher nach Hause zu gehen. Das schadet im Endeffekt niemanden.

Und im Übrigen: zumindest bei uns hat es ab der Oberstufe keinen Vertretungsunterricht mehr gegeben. Fehlte ein Lehrer, viel der Unterricht aus, wir konnten/durften/mussten uns selbst beschäftigen. Das Problem ist vor allem eines für die Klassen acht bis zehn (hier Modell G9), in der die Kinder prinzipiell alt genug sind, selbstständig auf dem Schulhof spielen zu können, ohne sich die Haxen zu brechen und vielleicht auch in der Lage sind, selbst den Weg nach Hause zu finden.
Statt irgendeinen alten Film zu sehen (den man dann vielleicht nicht einmal zu ende sehen kann), könnte man die Zeit auch mit was sinnvollerem verbringen.

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Nania 15.10.2018, 14:59
15.

Zitat von supergrobi123
Macht einen sinnvollen Plan für Vertretungsstunden. Fächerübergreifende Aufgaben. Sonderprojekte. All die Themen könnten behandelt werden, für die sonst so wenig Zeit bleibt. Es kann doch wirklich nicht wahr sein, dass ein studierter Pädagoge in gewisser Regelmäßigkeit Zeit für Unterricht mit Schülern erhält, und jedesmal unvorbereitet keine Ahnung hat, was er da nun sinnvolles draus machen könnte! Und in Ermangelung dieser Berufsgrundlagen fordert er gar Freizeit für alle? Uff!
Stimmt! Kinder von Heute müssen früh lernen, dass sie da sind um zu arbeiten! Man ist ja nicht auf der Welt um zu leben!

Ohne Ironie: Generell wären so Projektsachen ja eine schöne Idee. Aber das funktioniert halt nur, wenn langfristig Kollegen ausfallen. Wenn aber immer wieder ein anderer Kollege/Kollegin für ein paar Tage krank ist, vertreten auch immer andere KollegInnen. Und schließlich haben auch nicht alle Klassen gleichwertigen Unterrichtsausfall.
Wenn ich mich da an meine Schulzeit erinnere (ist so etwa 10 Jahre her), dann gab es - je nach Jahr - mal mehr und mal weniger Unterrichtsausfall. Manchmal viel über Monate hinweg nur mal hier oder da eine Stunde aus, manchmal innerhalb von zehn Schultagen gefühlt die Hälfte. Für eine richtige Projektarbeit wäre das schlicht zu wenig dauerhafte "Zeit" gewesen.

Dazu kommt, dass die meisten Vertretungsstunden ja nicht immer vom gleichen Lehrer gehalten werden, sondern auch fröhlich wechseln.

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jula75 15.10.2018, 14:59
16. Vertretungskonzepte

Die meisten Schulen haben doch inzwischen Vertretungskonzepte. (Vielleicht nicht gerade die baden-württembergischen Gymnasien?) Entweder kranke Kollege schickt morgens Aufgaben für seine ausfallenden Stunden oder es gibt an der Schule ein Planarbeitskonzept, das dann auf solche Stunden ausgeweitet werden kann.

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rieberger 15.10.2018, 15:00
17.

Ein weiterer Aspekt: solange die Lehrer als Feuerwehr einspringen und die gröbsten Fehlzeiten ungeschehen machen, umso weniger haben die Schulämter und die Politik Anstrengungenn zu unternehmen, mehr Lehrer auszubilden und einzustellen.
Es kann Sinn machen, ein System kollabieren zu lassen!

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lionffm 15.10.2018, 15:02
18. Genau so

Mut zur freien Zeit. Sehe ich genau so! Und an die Anti Lehrer hier, die mal wieder meinen ihren Hass auf Lehrer hier anzubringen: geht mal zum Arzt, da lief wohl was falsch in eurer Schulzeit. Und Augen auf bei der Berufswahl!

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caipis 15.10.2018, 15:02
19. Falsch am Platze

Na, ich bin selber Lehrer an einer deutschen Auslandsschule und wundere mich immer wieder über die arg gestressten Kollegen aus Deutschland, die über jede Mehrarbeit auf höchstem Niveau jammern. Meine Güte, eine gut geplante Schule kriegt das locker hin mit einem flexiblen Vertretungsplan - nur braucht man halt Kollegen/Kolleginnen, die mitziehen. Und wenn diese Menschen nur rumjammern und ihren Freizeitaktivitäten Vorrang geben, dann sollten die sich mal überlegen, ob sie den richtigen Beruf gewählt haben.

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