Forum: Leben und Lernen
Lehrermangel: Frau Hinkel, 74, unterrichtet wieder
Eckardt Mildner

Eigentlich ist Heidi Hinkel längst im Ruhestand - doch nun arbeitet die pensionierte Lehrerin wieder an einer sächsischen Grundschule. Der Grund: Lehrer sind hier Mangelware.

Seite 1 von 2
mirage122 08.05.2019, 13:02
1. Heidi Hinkel

Diese tolle Lehrerin im Ruhestand hat ihren jüngeren Kollegen/innen gegenüber einen ganz gravierenden Vorteil: Sie liebt ihren Job und hat ihn immer geliebt. Das merken die Kinder und Jugendlichen. Dieses Interview sollte eine Pflicht-Lektüre werden für alle diejenigen, die nur jammern, gestresst und genervt sind. Danke, Heidi!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
territrades 08.05.2019, 13:03
2. Alle verjagt.

Ich kann mich noch an meine Zeit vor 10 Jahren an einem sächsischem Gymnasium erinnern. Die Lehrer wollten Vollzeit arbeiten, bekamen aber nur Unterrichtsstunden für Teilzeit. Dann haben sie sich versucht mittels AG Angeboten der Schulleitung noch ein paar Stunden mehr pro Monat aus dem Kreuz zu leiern, selten mit Erfolg. Wir hatten dann in der Oberstufe ein sehr begabte und ambitionierte Referendarin, die hat auch glatt mit 1.0 abgeschlossen. Nur leider hat sie an Sachsens öffentlichen Schulen keine Stelle bekommen, am Ende ging sie irgendwo andershin, an eine Privatschule. Gleichzeitig beschwerte man sich schon damals über Lehrermangel und musste teilweise Stunden ausfallen lassen. Lehrermangel bedeutete aber nicht Mangel an Personen die als Lehrer arbeiten wollten, sondern Mangel an Geld um diese Lehrerstunden zu bezahlen. Im Übrigen sollte die Schulpflicht in Deutschland nicht nur die Schüler verpflichten zur Schule zu gehen, sondern auch den Staat verpflichten alle Fächer unterrichten zu lassen. Fehlender Musikunterricht für Grundschüler ist schon ärgerlich, aber wenn es an einer höheren Schule keinen einzigen Physiklehrer mehr gibt, dann wird den Schülern die Möglichkeit ganzer Berufsfelder verbaut.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Krokodilstreichler 08.05.2019, 13:38
3.

Schade, dass man viele junge Uniabsolventen zum Grundschullehramt nicht zum Referendariat zulässt, sondern sie auf Wartelisten setzt. Leider stellt man auch nicht alle fertigen Referendare ein, sodass diese in schulfremden Bereichen arbeiten müssen, etwa als mäßig bezahlte Sekretärinnen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Newspeak 08.05.2019, 13:53
4. ....

Ich habe mich vor einigen Jahren als promovierter Naturwissenschaftler in NRW dutzendfach auf Lehrerstellen beworben. Angeblich war der Bedarf so gross. Manche Ausschreibungen klangen verzweifelt. Ich wurde einmal (!) von einem Berufskolleg zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Selbst eine Brennpunktschule, die "ganz dringend" jemand suchte, hat sich nicht gemeldet. Vom Anstand abzusagen, gar nicht zu reden. Mein Fazit: Deutschland ist ein selbstgerechtes, eingebildetes, geiziges Land. Man will alles mögliche, bietet aber nichts. Man behandelt Qualifizierte wie Dreck. Inzwischen arbeite ich im Ausland.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
berthadammertz 08.05.2019, 17:44
5. Nur eine kleine Anmerkung

Erstmal einen sehr freundlichen Gruß an die noch lehrende Kollegin! Alles Gute!
Ich selbst insgesamt habe nach der regulären Pensionierung noch weitere zehn Jahre an meinem ehemaligen Gymnasium unterrichtet (D, L, G) ... und dann selbst aufgehört.
Meine Arbeit als Lehrerin hat mich lebendig, empathisch und gesund gehalten. Dafür Danke ich meinen Schülern (und auch Kollegen)!
Dr. Bertha Dammertz, 82 Jahre

Beitrag melden Antworten / Zitieren
monsieurlechef 08.05.2019, 21:46
6. @Newspeak

Zitat: „Ich habe mich vor einigen Jahren als promovierter Naturwissenschaftler in NRW dutzendfach auf Lehrerstellen beworben. Angeblich war der Bedarf so gross. Manche Ausschreibungen klangen verzweifelt. Ich wurde einmal (!) von einem Berufskolleg zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Selbst eine Brennpunktschule, die "ganz dringend" jemand suchte, hat sich nicht gemeldet. Vom Anstand abzusagen, gar nicht zu reden. Mein Fazit: Deutschland ist ein selbstgerechtes, eingebildetes, geiziges Land. Man will alles mögliche, bietet aber nichts. Man behandelt Qualifizierte wie Dreck. Inzwischen arbeite ich im Ausland.“

Ich bin seit über 10 Jahren in der Schulleitung eines Gymnasiums für die Auswahl von geeigneten Vertretungslehrern verantwortlich und habe unzählige Bewerbungen gelesen und Vorstellungsgespräche geführt. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen...Sie mögen zwar promovierter Naturwissenschaftler sein, jedoch qualifiziert Sie das nicht zwangsläufig zum Unterrichten, da Sie über keinerlei pädagogischen Kenntnisse verfügen. Wenn Sie nicht mit Schülern umgehen können, nutzt Ihnen das beste Fachwissen nichts. Unterrichten ist halt mehr als nur Wissensvermittlung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
egonk 09.05.2019, 03:55
7.

Zitat von berthadammertz
Erstmal einen sehr freundlichen Gruß an die noch lehrende Kollegin! Alles Gute! Ich selbst insgesamt habe nach der regulären Pensionierung noch weitere zehn Jahre an meinem ehemaligen Gymnasium unterrichtet (D, L, G) ... und dann selbst aufgehört. Meine Arbeit als Lehrerin hat mich lebendig, empathisch und gesund gehalten. Dafür Danke ich meinen Schülern (und auch Kollegen)! Dr. Bertha Dammertz, 82 Jahre
Hut ab vor Frau Hinkel und auch vor Frau Dr.Dammertz. Diese aktiven Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter koennen fuer die Gesellschaft immer noch eine wichtigen Beitrag leisten. Und zudem scheint es beiden auch selbt gutzutun. Danke!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dö-dudl-dö 09.05.2019, 09:18
8. Leidgeprüfte gelesen - immer noch unzufrieden

Zitat von mirage122
Diese tolle Lehrerin im Ruhestand hat ihren jüngeren Kollegen/innen gegenüber einen ganz gravierenden Vorteil: Sie liebt ihren Job und hat ihn immer geliebt. Das merken die Kinder und Jugendlichen. Dieses Interview sollte eine Pflicht-Lektüre werden für alle diejenigen, die nur jammern, gestresst und genervt sind. Danke, Heidi!
Na, das sind doch "gute Nachricjten". Aus Sicht eines Schulleitungsmitglieds sieht das Ganze dann etwas bescheidener aus: Es freut mich für die paar Schüler einer Schule, dass sie nun etwas mehr Unterricht bekommen. Aber den strukturellen Lehrermangel - vielleicht sogar an dieser Grundschule - behebt Frau Hinkels Einsatz nicht. Dieser strukturelle Mängel bedeutet an meiner Schule beispielsweise, dass jeden Schultag ca. 10 Prozent Personal fehlen - umgerechnet pro Woche über 70 Unterrichtsstunden nicht gegeben werden können. Das entspricht etwa dem Unterricht von zwei Klassen pro Woche, Klassen die physisch vorhanden sind. Mithin steigen die täglichen Belastungen der Kollegen, um diesem Mangel entgegenzuwirken. Würden diese ihren Beruf nicht bis zur "Selbstverletzung" lieben, müsste noch mehr Unterricht ausfallen. Da kommen Lehrer, die eigentlich ins Krankenbett gehören, arbeiten, damit der Unterricht "ihrer Kids" nicht noch mehr ausfällt - und dann lese ich Ihren Kommentar. Als Konrektor und Lehrer möchte ich dann am liebsten Max Liebermann zitieren. Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht meiner Kollegen, die jeden Morgen engagiert ihrem Beruf nachgehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ondrana 09.05.2019, 20:50
9.

Vielen Dank für Ihren Post. Das Perfide an dieser Diskussion ist, dass diese Missachtung des Einsatzes der Lehrkräfte, der Neid (worauf eigentlich?), das totale Unwissen über die Belastungen und die daraus folgenden Unverschämtheiten nicht dazu beitragen, dass junge Menschen dazu motiviert werden, Lehrer/in werden zu wollen. So schließt sich der Kreis.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2