Forum: Leben und Lernen
Leseschwäche deutscher Schüler: "Auch Lehrer und Eltern müssen gefördert werden"
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Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen, zeigt die neue Iglu-Studie. Wo hakt es, und was kann Deutschland von anderen Ländern lernen? Ein Anruf bei der für die Studie zuständigen Wissenschaftlerin.

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dreizinnen 06.12.2017, 13:03
20. Mit Verlaub

Wenn jetzt einige Foristen die hauptsächliche Verantwortung bei den Eltern suchen ist das sehr billig. Ich bin in ziemlich einfachen Verhältnissen aufgewachsen genauso wie meine Mitschüler. Bücher gab es nicht so viele. Damals in den 80-ern Jahren als ich zur Grundschule ging, gab es strenge und manchmal leider auch sadistische Lehrer. Solche Lehrer gibt es glücklicherweise heutzutage nicht mehr. Dennoch sie verstanden in der Grundschule ihr Handwerk und lehrten uns passables Lesen und Schreiben. Eine Lehrerin werde ich nie vergessen: als Erstklässlerin tat ich mich ziemlich schwer beim Lesen. Meine Klassenlehrerin besuchte mich eines schönen Nachmittags ganz unerwartet bei mir Zuhause und übte mit mir das Lesen. Seit diesem Nachmittag war ich meinen Mitschülern beim Lesen um einiges voraus. Es ging mir sprichwörtlich der Knopf auf. Mit Verlaub es hängt vor allem von den Lehrern ab wie und mit welcher Qualität die Kinder Lesen und Schreiben lernen. Fragwürdige Methoden wie beispielsweise „Schreiben nach Gehör“ führen meiner Meinung nach zu den schwachen Ergebnissen der Grundschüler in Lesen und Schreiben.

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motorraucher 06.12.2017, 13:42
21. Oha...

Wieder mal irgendein Bildungs- oder Kompetenzranking. Ich kann’s bald nicht mehr sehen/hoeren. Vor allem die Diskussion hinsichtlich Konsequenzen (wenn Ergebnis negativ) oder die Selbstbeweihraeucherung von Experten/Politikern (falls das Ergebenis erfreulich ist).
Dabei koennte es so einfach und entspannend sein, wenn jeder seinen Job machen wuerde: Die Eltern sorgen dafuer, dass ihre Kinder Respekt und Anstand beigebracht bekommen. Dazu gehoeren Zuhoeren, Hoeflichkeit und Umgangsformen. Die Lehrer koennen sich dadurch ihrer Kernkompetenz widmen, naemlich der Wissensvermittlung und verprassen ihre Zeit nicht mit von den Eltern versaeumter Erziehungsarbeit.
Und wenn die Protagonisten sich dann noch etwas entspannen wuerden und nicht jede PISA-, IGLU o. a. Studien zum Anlass von Bildungsreformen wird, nicht jede schlechte Note gleich zum familieninternen 9/11 wird, nicht alle, die mit 2 ½ Jahren noch nicht fliessend Chinesisch sprechen, zum Verlierern abgestempelt werden und auch Spaetzuender endlich auch die reelle Chance bekommen, spaeter zu zuenden, dann haetten wir nicht nur ein angenehmes Lernumfeld sondern auf Sicht auch weniger Burn-Out-kranke Kinder bzw. Jugendliche, die zufrieden sind und sich auch mal den 3 F’s (Freunde, Faulenzen und Freizeit) widmen koennten.
So, dass musste mal raus…
Glaubt mir, es gibt Laender, in denen Sch. Ich lebe in Norwegen und den Leuten hier gehen all diese Studien am Hintern vorbei. Man ist mit dem Lehrer per Du und die ersten 8 Jahre gibt es nicht mal Schulnoten. Trotztdem studieren hier die allermeisten.

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Teilzeitalleinerzieherin 06.12.2017, 13:47
22. es fehlt in der Grundschule schon an grundlegenden Voraussetzungen

oder, um es mit Kind Nr. 1 (damals 2 Wochen in der Schule) zu sagen: "Mama, Schule ist wie Kindergarten mit Zahlen und Buchstaben.". Die reale Unterrichtszeit beträgt in den ersten zwei Klassen im Höchstfall 1/3 der Zeit auf dem Papier. Der Rest geht für Bewegungszeit, Herzchenzeit, Frühstückszeit etc. drauf. Den Kindern wird systematisch vermittelt, dass sie eigentlich noch gar nicht in der Lage sind, vernünftig zu lernen. Da gibt es dann das "richtig für Kinder" und "richtig für Erwachsene" in der Rechtschreibung. Und Kinder, die schon etwas weiter und lernwillig sind, werden mit "wir lernen alle im gleichen Tempo" dermaßen heruntergebremst bis ausnahmslos alle sich auf dem Niveau des Klassenschwächsten (meist ein Kind, das früher auf einer Förderschule gelandet wäre) befinden. Schulische Leistung wird in keiner Weise belohnt. Im Gegenteil, z.B. beim Weihnachtsfest von Kind Nr. 1 durften nur die Kinder etwas aufführen, die in den schulischen Fächern nicht so toll sind während die guten Schüler nur als Deko fungierten. Leistungsstarke Schüler müssen auch am Förderunterricht teilnehmen, damit sich die Lernschwächeren nicht ausgegrenzt fühlen, was für alle Beteiligten mehr als frustrierend ist. Das Ergebnis ist dann, dass man in der 3. Klasse vom Klassenlehrer eine freudige Email bekommt, die beginnt mit "da Ihre Kinder ja nun alle lesen und schreiben können....", wobei "können" hier ein sehr dehnbarer Begriff ist.

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manbleibtman 06.12.2017, 13:58
23. @ 17.

die Grundschuldirektorin bei uns hat es mal richtig auf den Punkt gebracht
„ sie, als Eltern, sorgen bitte dafür das die Kinder ausgeschlafen, satt, gewaschen, mit Respekt und vollzähligem Schulmaterial pünktlich erscheinen. Wir als Schule sorgen für das lernen und vermitteln von ( Schul- ) Wissen.
Und ...hat super funktioniert.

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mēdèn ágān 06.12.2017, 15:49
24. Zu eng ...

wird hier nur auf Leseschwäche focussiert. Dafür gibt es wenigstens Fördermassnahmen. Völlig ignoriert hingegen wird eine Rechenschwäche. Keine Förderung, keine Angebote und eine hohe Dunkelziffer an unerkannten Fällen. Das passt kaum zum Digitalen Zeitalter und zukünftigen Fähigkeiten, die jedermann braucht ...

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fpa 06.12.2017, 16:43
25. Iglu

Zitat von Sixpack, Joe
Vielleicht verlieren die Kinder heute den Lust an Lesen gerade wegen Goethe und Schiller! Warum nicht auch mal Marie Curie oder Isaac Newton?
He. Hier geht es um die Lesefähigkeit von Grundschülern!
Ist da Ihre Forderung nach Marie Curie und Newton statt Goethe und Schiller nicht ein bisschen arrogant und weltfremd?

Abgesehen davon ... testen Sie doch einfach mal an Hand des IGLU Testmaterials (https://www.waxmann.com/?eID=texte&pdf=3700Volltext.pdf&typ=zusatztext, z.B. Seite 95-109) Ihre eigene Lesefähigkeit. Ich bin gespannt, ob Sie das durchstehen, oder sich danach vielleicht eher nach Aesop-Fabeln sehnen.

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in-medias-res 06.12.2017, 16:49
26. Zu spät

Leider ist die Vergesslichkeitsquote auch bei SPIEGEL-Lesern nicht niedrig. Sicher, deutsche Schulpolitik trägt ein gerüttelt Maß Verantwortung für das Dilemma unserer Grundschüler, manche Bundesländer mehr (die, wie im SPIEGEL stand, mit dem diversifiziertesten und am häuftigsten reformierten System), manche weniger. Allerdings war unlängst im SPIEGEL auch (wieder) zu lesen, dass die entscheidenden Weichen in den ersten drei Lebensjahren gestellt werden. Das wirft unbequeme Fragen auf. Allerdings zeigen Einzelmaßnahmen (über die in der "Lügenpresse" ARD oder ZDF berichtet wurde) wie die regelmäßige Entsendung von Betreuern/-innen in z.B. Familien, die schon länger von der Grundsicherung leben, dass das hier investierte Geld wesentlich mehr Effekt hat als alle anderen Maßnahmen. Sicher, uns als Eltern kam das Kindergeld auch recht, aber für die Solidargemeinschaft besser eingesetzt wäre es an anderer Stelle gewesen. Auf diese Weise könnten auch Kinder, die nicht nur von der Umwelt vernachlässigt werden, sondern vielleicht auch gentechnisch benachteiligt sind, optimal (ihren Möglichkeiten entsprechend) gefördert werden. - Stichwort "Bücher": Es ist tatsächlich nicht nötig, daheim einen Schrank voller Bücher zu haben (die allerdings auch sinnvolle Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke sein können), wenn die Leihbücherei fleißig genutzt wird. Bei mir zuhause gab es beides - wenige, aber dafür kluge Bücher und meine Wenigkeit, die bereits im Grundschulalter wöchentlich mehrere Bücher aus der Stadtbücherei verschlang. Dafür ist allerdings das Vorbild der Eltern auch wieder wichtig - wie das Vorlesen (auch) in den ersten drei Lebensjahren.

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qewr 06.12.2017, 16:51
27.

Zitat von Kradfahrer
Ich bitte meine Tipfehler zu entschuldigen! Vorstehend sind sie korrigiert.
Weshalb korrigierst du nicht vor dem Abschicken?

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fpa 06.12.2017, 17:17
28. Dyskalkulie ignoriert

Zitat von mēdèn ágān
wird hier nur auf Leseschwäche focussiert. Dafür gibt es wenigstens Fördermassnahmen. Völlig ignoriert hingegen wird eine Rechenschwäche. Keine Förderung, keine Angebote und eine hohe Dunkelziffer an unerkannten Fällen. Das passt kaum zum Digitalen Zeitalter und zukünftigen Fähigkeiten, die jedermann braucht ...
In der Öffentlichkeit ja, in der Fachwelt kann ich das so nicht bestätigen.

Erst mal zur Öffentlichkeit und Medien: Klar, in Sachen Lesen lernen meint jeder mitreden zu können oder sogar selbst ein Fachmann dafür zu sein. Und jeder kann mit seinem Kind Lesen üben und erlebt dabei die Erfolge dieser Übungen an seinem eigenen Kind hautnah.

Bei Mathe ist das ganz anders. Da ist es für viele schon schick zu sagen "Oh, in Mathe war ich in der Schule immer ganz schlecht." Hinzukommt, Rechenschwäche ist ja nicht, nur einfach beim Rechnen etwas länger zu brauchen, etwas nur schwer zu kapieren. Rechenschwäche fängt an beim 10-er Übergang rückwärts. Und da sind dann selbst Diplom Mathematiker wie ich auf einmal völlig hilflos. Wenn für das Kind die Aufgabe "12-3=?" bereits ein bömisches Dorf ist, dann hilft eben reines Üben nichts mehr. Damit man kann man höchstens erreichen, dass dieses Kind bei 17-8=? einen Wutanfall oder eine Panikattacke bekommt.

Nun zur Fachwelt: Die Fachwelt beschäftigt sich schon mit beiden. Dyskalkulie ist heute kein Steifkind mehr gegenüber der Legasthenie. Nur liegen die didaktischen Ansätze dafür sowie die Einschätzungen der möglichen neurologischen Grundlagen für die Rechenschwäche noch weit auseinander. Als Beispiele möchte ich Frau Prof. Inge Schwank in Deutschland und Frau Margret Schmassmann in der Schweiz nennen.

Darf ich fragen, ob Sie persönlich (d.h. in der Familie oder im Freundeskreis) damit konfrontiert? Und fühlen sich allein gelassen? - Wenn ja, dann können Sie mich gerne kontaktieren. Aber ... auch wenn ich mich schon seit 20 Jahren immer mal wieder damit befasse, ich stochere im Grunde immer noch auch nur im Nebel.

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KlausMeucht 06.12.2017, 17:47
29. Nehmt es locker vom Hocker

Vielleicht ist dies nur ein statistisches Problem. Inklusion war in den letzten Jahren ein grosses Thema. Es kann einfach sein dass Schüler, die wir früher in Sonderschulen gelassen haben, nun in normale Klassen integrieren. Dann hat sich nur die Messung geändert aber nicht die Leistung der Schüler.

Deshalb sind Vergleiche mit anderen Länder unsinnig. Vielleicht sind die Russen besser, vielleicht sortieren sie die Schächere einfach vorher aus.

Mag ggf. sein dass zum ersten mal Schwaben daran teilnehmen. Diese Kinder sind hochintelligent aber sie können kein Hochdeutsch.

Solche Studien haben eine geringe Aussagekraft. Diese Messeritis und Vergleiche halte ich nur für krank.

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