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Mangel an Pädagogen: Warum in Deutschland so viele Lehrer fehlen
Hendrik Schmidt// DPA

Grund- und Berufsschulen spüren es besonders stark: Bundesweit fehlen Lehrer. Woran liegt das? Wie steuern die Länder gegen? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

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Europa! 04.08.2019, 14:37
1. Frust

Könnte es sein, dass sich viele Lehrer aus Frust über ständige "Reformen", übermäßige Belastung durch "schulferne" und aggressive Zöglinge und fragwürdige Vorschriften über die Behandlung derselben frühzeitig und krankheitshalber zurückziehen? Ich meine, das in den letzten Jahren immer öfter gelesen zu haben.

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brux 04.08.2019, 14:38
2. Frage

Man fragt sich, wer das Plakat geschrieben hat.
Wegen erfordert den Genitiv.
Was war zuerst da: Der Lehrer- oder der Bildungsmangel?

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lilalaunebär_123 04.08.2019, 14:39
3. Unattraktive Einstellung als Angestellter

Es ist völlig unattraktiv für junge Lehrer, die wie in BaWü nur Zeitverträge für die Zeiträume zwischen den Ferien erhalten. Sie werden zum Schuljahresbeginn eingestellt und die Befristung läuft immer zu Ferienbeginn aus (bei allen Ferien). Die Arbeitszeit reicht nicht einmal aus, um während der Ferien Arbeitslosengeld zu beantragen. Die Zeit in der sie arbeiten ist einfach weniger als 18 Monate. Daher müssen die während der Zeit ALG2 beantragen. Völlig krankes System.

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sozialismusfürreiche 04.08.2019, 14:40
4. ich bin nicht ganz im Bilde ...

War nicht jahrelang die Diskussion die Lehrer-verbeamtung abzuschaffen? Wurde das gemacht? Und wenn ja, verdienen die nicht verbeamteten Lehrer viel schlechter und müssen länger pro Woche arbeiten? Wenn das so wäre, dann sehe ich dort die Erklärung warum der Nachwuchs fehlt.

Wer nicht verbeamtet ist sollte wirklich wesentlich mehr verdienen als verbeamtete Lehrer aber auch nicht unbedingt sehr viel mehr pro Woche arbeiten müssen. Und hören wir bitte mit dem Lehrer-Bashing bzgl. Arbeitszeit und Schulferien auf. Das ist für mich keine ernsthafte Diskussionsgrundlage ...

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bazzu1234 04.08.2019, 14:41
5. Zwei Aspekte fehlen:

1. An vielen Schulen bestehen bis zu 70% der Stellen aus Teilzeitlehrkräften. Viele davon werden aus der Arbeitslast heraus in die Teilzeit getrieben, da eine volle Stelle kaum noch zu bewerkstelligen ist.

2. Die gesellschaftliche Ächtung, die zunehmende Abkopplung von der allgemeinen Lohnentwicklung und die stetig wachsenden Aufgabenbereiche machen den Job einfach unattraktiv.

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Jimi 04.08.2019, 14:41
6. Tja....

Flexibilität zwischen Ländern und Schulformen ist sicherlich hilfreich. Aber das deutsche Bildungswesen ist leider keine Firma... da kann man schonmal bis Juni auf die Zahlen warten, wenn Inventur im September ist. Föderalismus tut sein Übriges. Bildungsqualität gibt’s halt nicht umsonst - aber mit Klassenfrequenzen um die 30, Gehaltshirarchien nach Schulformen, zahllosen unbesetzten Leitungsstellen (...komisch, woran das wohl liegt?) und geringem Respekt vor der Arbeitsleistung der Lehrer wird das Schiff wohl noch sehr lange weiterschlingern.

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kenterziege 04.08.2019, 14:45
7. Jetzt mal ganz ehrlich.....

Ein Berufsschullehrer sollte neben einer Ingenieurqualifikation, wenn es um den technischen Bereich geht auch eine Lehre in einem Handwerk abgeschlossen haben. Und dann sitzt er in Berufsschulklassen in denen vom Hauptschüler bis zum Abiturienten alles vorhanden ist. Niemand kann durch innere Differenzierung diese Spanne ausgleichen. Dazu kommt, daß es in Berufsschulen Sprach- und Disziplindefizite gibt. Solche Leute müssten im Gegensatz zu Lehrern im Schonraum Gymnasien mindestens eine Besoldungsstufe höher liegen. Macht der Staat aber nicht. Dann bekommt er keine Lehrer, die sich noch dazu immer und dauernd weiterbilden müssen.
So wird das berühmte duale System kaputt gemacht. Da gehört Geld ins System und keine Gendertheorie!

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bananaropa 04.08.2019, 14:45
8. Dauerhafte Fehlplanungen

Schon lange kritisiert die GEW die Zustände im gegliederten Schulsystem: Eine Schule für Alle wäre die logische Konsequenz. Andere Länder machen es uns vor: Wertschätzung für Lehrkräfte, "normales" Arbeiten mit geregelten Arbeitszeiten, kleinere Lerngruppen, gleiche bundeseinheitliche Bezahlung bei gleicher Ausbildung, Zulassung von Lehrkräften mit einem Fach - all das führt zu mehr Lehrer*innen und besseren Schulleistungen. PISA und andere Studien beweisen das. Aber gute Bildung kostet eben...

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zudummzumzum 04.08.2019, 14:46
9. Wir waren immer zu viele

Ich gehöre zu den geburtenstarken Jahrgängen, habe aber schon in meiner Schulzeit erlebt, dass die Bedarfsplanung anders herum funktioniert. Wenn es darum geht, Stellen zu streichen, kann die Politik recht gut vorherplanen. Und so waren wir immer zu viele - Klassengrößen bis zu 40 Leute. Aber wir hatten trotzdem Lehrer, die sich durchsetzen konnten. Die heutige Lehrergeneration ist eine Ansammlung von Fußföhnern und Schattenparkern, die sich nicht "aus Berufung" durchs Studium quält, sondern mit der Aussicht auf den sicheren Job und die gute Pension. Wir sollten mit jedem erdenklichen Misstrauen Menschen begegnen, die ein Masterstudium abschließen, um hinterher auf Holzstühlen zu sitzen oder Schiefertafeln zu beschreiben. Wir haben seit Jahrzehnten in Bezug auf die Lehrer eine Negativauslese. Von den Lehrern, die wir heute haben, werden wir niemals genug bekommen. Die suchen sich selbst ihre Nischen und Beschäftigungen. Und falls doch mal (aus Versehen) ein guter Lehrer dabei ist, wird der befördert. Der Lohn dafür ist weniger Unterrichtsverpflichtungen, aber mehr Geld. Das ganze System ist einfach nur krank und die Politik sollte sich hüten, da noch Geld reinzustecken. Das ist, wie Wasser in die Wüste zu kippen.

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