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Maschinenbau: Professor will Klausuren abschaffen - 50.000 Euro Förderung
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Die Prüfung angehender Maschinenbau-Ingenieure geht an der Arbeitsrealität vorbei, kritisiert ein Professor der Hochschule Niederrhein. Nun bekommt er 50.000 Euro, um die Klausuren abzuschaffen.

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sasranitz 06.01.2017, 09:55
10. Uni != Praxisorientierung..und das ist gut so

Ein sehr interessanter Beitrag. Etwas kurz vielleicht mit zu wenig Hintergrundrecherche.
Z.B. um welches Semester handelt es sich? Welches Fach?
Es ist sicher gut die Art der Aufgabenstellung in einer Universitätsklausur den Entwicklungen der Arbeitswelt anzupassen. Ich selbst als frührerer Student der Elektrotechnik und nun in der Branche beruflich tätig möchte zwei Dinge angerken:
1. Ja, in zwei Stunden lässt sich kaum ein komplexeres Thema bearbeiten. Darum sind zwei Stunden auch zu wenig. An meiner Fakultät waren für Klausuren üblicherweise fünf Stunden angesetzt. Das entstrpicht etwa einem guten normalen Arbeitstag. Warum also nur zwei Stunden bei Herrn Gennat?
2. Die Aufgabe der Uni ist es NICHT PRIMÄR Praxistauglichkeit zu vermitteln. Dafür sind die Fachhochschulen, Technischen Hochschulen und ggfs. Praktika im Rahmen des Studiums da.
Es ist die ureigene Aufgabe der Universitäten, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu generieren und zu fördern. Nicht dem Studierenden den Umgang mit Excel beizubringen.
Aber vielleicht ändert sich das mit der Zeit und die Universitäten werden noch weiter verschult.

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ruhepuls 06.01.2017, 09:58
11. Realitätsfremd

Viele Studiengänge - und deren Prüfungen - sind völlig realitätsfremd. Die "Denke" stammt noch aus der Zeit, als ein Student eine wissenschaftliche Tätigkeit anstrebte. Das sind aber heute nur noch Minderheiten. Schaut man sich beispielsweise an, wie viele Prüfungen im Medizinstudium als Multiple Choice vorgelegt werden, dann fragt man sich schon, was das mit der späteren Arbeit eines Arztes zu tun hat. Auswendig lernen statt nachdenken...
Das gilt natürlich keineswegs nur für Mediziner.

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capote 06.01.2017, 10:03
12. Die nächste Reform....

Die erste durchgreifende Reform war das MINT-Studium ohne Bücher, die Studenten brauchen keine mehr und Deutschlands renomierteste Ingenieurbuchhandlung seit 100 Jahren, Boysen und Maasch ist verschwunden, bzw. eine kleine Ecke in einer Thalia-Buchhandlung geworden. Ergebnis: es werden 4 bis 6 mal mehr Ingenieure diplomiert (oder sagen wir besser mit Diplomurkunden versorgt) als wir je brauchten und brauchen.

Um die Zahl der Ingenieurabsolventen noch einmal zu steigern nun die nächste Reform, die Abschaffung von Prüfungen mit einem richtigen oder falschen Ergebnis und statt dessen nur noch Geschwätz. Auch in der Industrie wird in der Entwicklung schon zunehmend mehr auf try-and-error statt Berechnung gesetzt.

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Newspeak 06.01.2017, 10:08
13. ...

50k Euro und Mitarbeiter braucht er auch noch? Also entweder gehen die Personalkosten extra oder da kommen mal wieder Dreimonatsverträge auf Drittelstellen bei rum.

Abgesehen davon, versteht der Mann das Grundkonzept nicht. Die Uni SOLL theoretische Grundlagen legen, nicht um Fakten abzufragen, sondern um Denken zu lernen, die Industrie dann die Praxis vermitteln. Nur weil die Industrie sich aus dieser Verantwortung herausstiehlt, kommt es jetzt zu solchen Projekten. Dann schafft doch die Unis gleich ganz ab. Am Ende hat man nämlich weichgespülte Absolventen, die genau mit diesem Excel-Sheet Ansatz umgehen können, oder sich später auch nach dem Modellkran zurücksehnen, die aber nicht selbständig denken und ihre Arbeit einschätzen und bewerten können.

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AxelSchudak 06.01.2017, 10:14
14. Prüfungssituation und -gründe...

Eine Klausur ist die Abfrage eines Leistungsstandes. Man will wissen, ob bestimmte Fähigkeiten vorhanden sind oder nicht.
Der Fehler, der hier unterstellt wird, ist doch eher, das man angeblich von dieser Einzelleistung auf die Fähigkeit zur komplexen Problemlösung schliesst.
Eine komplexe Problemstellung läßt sich grundsätzlich nicht in Klausursituationen umsetzen, da alleiner der Zeitdruck und die fehlende Rücksprache mit einem Team (Sprich: Klausurbedingungen) die Situation unrealistisch machen. Ohne das kann man aber nicht auf die Einzelleistung schliessen. Für dergleichen gibt es übrigens schon Projektarbeiten, die einzeln oder in Gruppen bewältigt werden.

Das "Abschaffen" von Klausuren würde demnach nur dazu führen, das man keine verlässlichen Informationene über die Kenntnis von Standardverfahren hat. Es gibt Branchen, in denen sowas keine gute Idee ist. Ob man die abschliessende Berufsbefähigung eines Studenten nur anhand der Klausurergebnisse bewerten kann, ist natürlich fraglich.

PS: 50000 zur Entwicklung von Software, die komplexe Aufgabenstlellung simuliert? Viel Erfolg...

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Klaffke 06.01.2017, 10:14
15. Ist das wirklich so neu?

Um es vorweg zunehmen: Nein, diese Prüfungsform ist nicht gerade neu, aber 50.000 Euro sind als Fördermittel dafür sicher gut angelegt um Prüfungsformen in sehr tradierten Fächern zu überarbeiten. Der angesprochene Inhalt bezieht sich aber auf die Elektrotechnik und ist dort im Bereich der Automatisierungstechnik angesiedelt. Mit solchen Modellen als Prüfungsgrundlage arbeiten wir als Institut der TUHH schon mehr als 20 Jahren. So haben wir neben der angesprochenen Containerautomation, praktische Prüfungsszenarien mit pneumatischen regelungstechnischen Modellen sowie Modellen zur Heizungssteuerungen als Prüfungsgegenstände im Einsatz. Ergänzt werden diese Inhalte sogar mit Exkursionen zu realen beruflichen Einsatzfeldern. Die Studierenden des Lehramtes für Berufliche Schulen im Fach Elektrotechnik entwickeln bei uns Lernstationen und diese werden sowohl nach fachpraktischer Umsetzung als auch berufswissenschaftlicher Konstruktion bewertet. Klausuren sind bei uns schon lange nicht mehr die hauptsächliche und einzige Beurteilungsform.

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entertainerin 06.01.2017, 10:17
16. Passt zu anderen Entwicklungen

Ach ja, man kann damit beginnen, dass dieser Vorschlag ausgerechnet aus NRW kommt. Gerade dort ist ja das Schulwesen bereits mit tollen Ideen ganz weit vorn. Abschaffen von Grundlagenwissen und tiefergehenden Kompetenzen, nur noch Bedienen von Taschenrechnern oder "Tools" am Computer - keiner weiß mehr, was er wirklich macht. Letztendllich führt das zu crashenden Marssonden, zu kurzen Rolltreppen auf Flughäfen und vielem mehr. Aber der direkte Zusammenhang ist natürlich nicht gegeben und daher ist man ersteinmal froh, dass Studenten mit Daddeln am Computer ein Kraftwerksproblem lösen können. Vielleicht kann man daraus dann auch noch eine tolle Power-Point-Präsention machen. Adieu hoch geachtetes deutsches Ingenieurwesen.

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nickleby 06.01.2017, 10:20
17. Irrweg

Wer Prüfungen abschaffen will, will Leistung abschaffen. Gerade in einer erfolgreichen Leistung verwirklicht sich der Mensch. Er sieht sich und seine erbrachte Leistung. Prüfungs-und Leistungsabschaffung sind in ihrem ethischen Wert dem äußerst fragwürdigen bedingungslosen Grundeinkommen gleichzusetzen, weil beide nichts fordern, sondern das geben, was andere erarbeitet haben. Damit stehen beide auf dem Niveau eines Kostgängers, der es ablehnt, für die Gesellschaft positiv tätig zu werden. also schmarotzt.

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scxy 06.01.2017, 10:34
18. Universität ungleich Fachhochschule (Niederrhein)

Zitat von sasranitz
2. Die Aufgabe der Uni ist es NICHT PRIMÄR Praxistauglichkeit zu vermitteln. Dafür sind die Fachhochschulen, Technischen Hochschulen und ggfs. Praktika im Rahmen des Studiums da. Es ist die ureigene Aufgabe der Universitäten, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu generieren und zu fördern. Nicht dem Studierenden den Umgang mit Excel beizubringen. Aber vielleicht ändert sich das mit der Zeit und die Universitäten werden noch weiter verschult.
Hier geht es um einen Studiengang der Fachhochschule Niederrhein. Fachhochschulen und Universitäten sind nach § 3 des Hochschulfreiheitsgesetzes NRW unterschiedliche Aufgaben zugewiesen.

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mantrid 06.01.2017, 10:46
19. Fischer oder Fisher?

Liebe SPON-Redaktion, Fischer-Technik kommt aus Deutschland und hat rein gar nichts mit Fisher(Price) zu tun. Fischer-Technik wird schon seit vielen Jahren an Hochschulen eingesetzt, um Modelle zu bauen. Ein Lob an den Professor, der erkannt hat, dass die Findung praktischer Lösungsansätze für einen Ingenieur das Maß der Dinge ist. Mathematische Kompetenz ist da nur der notwendige Werkezugsatz.

Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.

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