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Maschinenbau: Professor will Klausuren abschaffen - 50.000 Euro Förderung
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Die Prüfung angehender Maschinenbau-Ingenieure geht an der Arbeitsrealität vorbei, kritisiert ein Professor der Hochschule Niederrhein. Nun bekommt er 50.000 Euro, um die Klausuren abzuschaffen.

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murksdoc 06.01.2017, 12:10
30. Frage

"Innerhalb von Zwei-Stunden-Klausuren können Sie eine so komplexe Aufgabe nicht auf Papier abarbeiten, sondern nur Teilprobleme lösen. Doch das hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun: In der späteren Arbeit kommt auch nicht der Abteilungsleiter und sagt, ich habe ein Problem am Kraftwerk festgestellt, könnten Sie hiervon bitte mal die mathematische Ableitung machen". Soll das heissen, in der Praxis löst man so ein komplexes Kraftwerksproblem innerhalb von 2 Stunden?

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mr.andersson 06.01.2017, 12:16
31.

als ich seinerzeit Mathematik studierte, waren an meiner Uni Klausuren verpönnt. Man löste seine Zettel in offizieller Teamarbeit und das war es bis zu den Vordiploms - und Hauptdilpomsprüfungen. Für die musste man eh den gesamten Stoff vollständig verstenaden haben. Hatte super funktioniert.

Dann kam als Innoviation/internationale Angelichung das Bachelor/Master system und die Studenten müssen jetzt auf bestimmte Klausuren pauken und es geht nicht mehr zwangsläufig um das Gesamtverständnis.

Jetzt kommt ein anderer Studiengang auf die Innovation die sinnbefreiten Klausuren abzuschaffen und erhält dafür einen Förderpreis.Sei ihm gegönnt. Gut ist die Idee allemal. Klausuren sind ab einem Gewissen Level für Studenten sinnlos. Weder im Beruf noch in der Forschung kommt man in eine Situation, die der Klausursituation auch nur annähernd gleicht.

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nici_d 06.01.2017, 12:32
32. objektiv betrachtet

Was der Herr Gennat da beschreibt ist nichts anderes als eine Arbeit im Rahmen eines Praktikums Mess-Regel-Steuertechnik. Wenn die Studis so eine Praktikumsaufgabe angehen, dann sollten sie einiges an theoretischem Rüstzeug bereits haben, sonst wirds zu trial and error oder noch besser: er beschreibt ja, dass das alles in Teams bearteitet wird. In der Regel wird dann schon einer von den vier oder fünf Studis beim klassischen Frontalunterricht aufgepasst und auf die Klausur gelernt haben. Der wird dann im Team den großteil der Arbeit leisten, weil er sich durch die anderen die Note nicht versauen lassen will. Die Schwierigkeit besteht für den Prof dann darin, dem einzelnen Studi die Leistung zuzuordnen, denn nach den Prüfungsordnungen sind Gruppennoten nicht erlaubt und m.E. auch nicht sinnvoll. Ich will das nicht schlechtreden, es kann dabei was richtig gutes herauskommen. Die Digitalisierung der Lehre ist eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten. Nach meiner Vorstellung müssten dann als Zulassungsvoraussetzung für die Teamarbeit zunächst klassisch Aufgaben gelöst werden. Nur wer bewiesen hat, dass er die "kleinen 2 Stunden Aufgaben" zuverlässig lösen kann, der wird dann auch für die Teamaufgabe zugelassen.

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noalk 06.01.2017, 12:52
33. wie damals

Als ich studierte, lebte ich in einem Wohnheim mit Studenten aus MB, BI und WI-MB zusammen. Die mussten zwar Klausuren schreiben, sich aber ansonsten in Seminaren und Studienarbeiten mit Problemen beschäftigen, an die mich die Fragestellungen des Herrn Prof. Genat erinnern. Ist das also wirklich so neu?

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Profdoc1 06.01.2017, 13:15
34. Olle Kammellen

Das ist ja sehr zu unterstützen, da hinlänglich bekannt ist, dass in den Technikwissenschaften zumindest in den höheren Semestern klassische Klausuren kein adäquates Prüfungsmittel sind. Deshalb werden seit Jahren an verschiedenen Hochschulen (unabhängig vom Hochschultyp) Strategien des problemorientierten wissenschaftlichen Lernen in Form von Projektgruppen, die eine Aufgabenstellung sowohl theoretisch als auch praktisch lösen, durchgeführt. Vielleicht ist so etwas an der Hochschule Niederrhein (nehme an, dass ist eine Berufsakademie o.ä.) Neuland, aber an sich ist das "kalter Kaffee". Und, mit Verlaub, mit 50.000 EUR kann ein durchdachtes Konzept kaum aufgesetzt werden. Dazu ist weitaus mehr notwendig - weiß ich aus eigener Erfahrung heraus.

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7eggert 06.01.2017, 15:09
35.

Zitat von koem
endlich mal ein gelungener Ansatz um diese Marionettenprüfungen, wie Sie auch in Schulen praktiziert werden abzuschaffen. Entscheidend ist vor allem das Argument, dass es fernab der Arbeitsrealität ist! Das gilt im Übrigen auch für den fehlenden Einsatz der digitalen Tools, welche im Arbeitsleben gang und gäbe sind, in der Schule oder Ausbildung aber nur stiefmütterlich eingesetzt werden. Herr Gennat erkennt den Teufel im Detail sehr treffend: "Für Professoren ist das sehr angenehm, einfach eine ausgedachte Aufgabe zu stellen und hinterher eine Ja-Nein-Entscheidung über die Leistungen zu treffen. Aber für die Studierenden ist das in Bezug auf die Arbeitsmarktfähigkeit nicht die beste Prüfungsform. In den Klausuren wird nur festgestellt, ob sie vorgegebene Rechenschritte durchführen können"
Dann mache man doch eine Prüfung, die sich an der Arbeitsrealität anlehnt. Wenn die Fertigkeiten nicht mal zum Berechnen einer Musterlösung reichen, dann steht das Werk des Architekten auf tönernen Füßen. Was kann er dann? Bauruinen designen, falls er nicht abkupfern kann?

Es muß auch nicht unbedingt eine Musterlösung aus dem Lehrbuch sein. Gerade bei Architekten ist eine Übertragung auf neue Aufgaben wohl eher die Norm.

Auch einfaches Ja-Nein zeigt eher, daß der Professor - gemessen an meinen Schullehrern - nicht richtig in der Lage ist, gute Klausuren zu erstellen. Ja-Nein hörte bei uns nach den Diktaten "Fu ruft Utta" (falsch!) oder den Abfragen von Addition und Subtraktion auf.

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tailspin 06.01.2017, 15:20
36. Ernsthaft jetzt?

Die vom Professor gestellten Aufgben klingen eher wie Themem fuer Sesterarbeiten, aber nicht fuer Klausuren. Die Klausuren sind deshalb wichtig, wel diesen eine hochkonzentrierte Vorbereitungszeit von etwa 6-8 Wochen (Semesterferien) in kleinen Gruppen vorausgeht , wo der Unterrichtsstoff geuebt und verinnerlicht wird. Ohne diese Zeit wuerden die Semester so vor sich hin plaetschern. Keine Ahnung was das Ergebnis sein wuerde.

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Sympathisant1 06.01.2017, 15:47
37. Learning by Doing !

ist jetzt keine neue Erfindung Hr.Gennat ! Aber Grundsätzlich ist Ihr vorhaben zu begrüßen. Weil Studenten müssen im späteren Berufsleben sich die Frage gefallen lassen, wer ist für den Arbeitgeber mehr wert... Der Handwerksmeister oder der Dipl. Ing. ??

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sasranitz 06.01.2017, 15:57
38.

Zitat von _gimli_
Mehr als 80% der Uni-Abgänger in den MINT-Fächern arbeiten letztendlich in der Wirtschaft. Schon dieser Fakt konterkariert Ihre Aussage, Unis würden für die Wissenschaft ausbilden. Und die Uni-Absolventen haben überhaupt keinen Bock darauf, am Ende ihrer anspruchsvollen Ausbildung im Wettbewerb um begehrte Arbeitsplätze in der Wirtschaft gegen Fachhochschul-Absolventen zu verlieren (das ist in den vergangenen 5 Interview-Runden, die ich geführt habe, 4 Mal so geschehen), weil ihnen der Praxisbezug fehlt.
Dankeschön für den Einwand. Diese Zahlen sind sicherlich ein Argument. Haben Sie eine Referenz dafür? Grundsätzlich bin ich der Meinung, Universitäten sollten keine Ausbildungsstube für die Wirtschaft sein, dafür gibt es bessere und günstigere Wege. Aber vielleicht ist die Uni heutzutage auch nur eine bessere Berufsschule und ich bin zu altmodisch in meinen Ansichten ;)

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hello_again 06.01.2017, 16:03
39. Zum Titelbild.

Automatisierungstechnik kann sogar eine Vertiefungsrichtung des Studiums der Umweltwissenschaften sein :P

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