Forum: Leben und Lernen
Massenansturm auf den Master: Bologna, sprich [to:hu:va:bo:'hu:]

Wo der Geist von Bologna wehen sollte, müffelt es nach Uni-Bürokratie und Studentenfrust. Oft reicht der Bachelor kaum für den Berufsstart, also stauen sich Bewerber vor dem Masterstudium. Aber gut ist nicht gut genug - an vielen Hochschulen gehen sogar Bewerber mit Bestnoten leer aus.

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Julsoe 24.11.2010, 09:08
1. Spaghetti Bolognese

Mein Gott, was bin ich froh ein Diplom zu haben und aus dem Unibetrieb heraus zu sein. Dieses Chaos ist wirklich beschämend für den selbsternannten "Wissenschaftsstandort" Deutschland"...

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k4l 24.11.2010, 09:12
2. nt

jede generation wird iwie gequaelt... mein vater wurde mit dem nc verarscht und der voran gegangenen generation will man gar nicht reden.

aber warum muss sich dieses "quaelen" der juengeren stehts durch die neuzeitliche geschichte der brd durchziehen? sollte es nicht gerade anders herum sein?

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malaki 24.11.2010, 09:17
3.

Ich muss gestehen den Artikel nicht ganz gelesen zu haben, aber wer Politik und Theaterwissenschaften oder Psychologie studiert darf sich nicht wundern wenn er Arbeitslos wird...

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Lecturer 24.11.2010, 09:18
4. what's new?

Zitat von sysop
Wo der Geist von Bologna wehen sollte, müffelt es nach Uni-Bürokratie und Studentenfrust. Oft reicht der Bachelor kaum für den Berufsstart, also stauen sich Bewerber vor dem Masterstudium. Aber gut ist nicht gut genug - an vielen Hochschulen gehen sogar Bewerber mit Bestnoten leer aus.
Was ist denn daran neu? Das haette man sich alles schon in England oder den USA anschauen koennen wie das mit dem bachelor und master ist, und dass man einen Master haben muss um im Beruf voranzukommen (fuer den sind natuerlich gute Noten erforderlich). Die Anerkennung der Pruefungsleistungen von einer Uni zur anderen ist dabei durchaus auch nicht notwendigerweise gegeben (Die Uni Oxford wird wohl kaum einen bachelor-Absolventen der University of South-Kent aufnehmen..).

Zudem: Bei dem deutschen System wurde die berufsbegleitende Ausbildung (die in England und USA zentraler Bestandteil des Systems sind) und die zum Titel 'Chartered' (England) bzw. 'Professional' (USA) engineer, accountant oder was auch immer fuehren NICHT uebernommen...

Schliesslich: die positiven Aspekte des angelsaechsischen Systems (Selbstaendigkeit der Lecturer / ass. Porfessors in Lehre und Forschung) wurden schlicht vergessen. man hat sich also die schlechtesten Teile gezielt rausgepickt und wundert sich nun...

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Michael Giertz 24.11.2010, 09:31
5. Der Diplomingenieur - Markenzeichen und Qualitätsbegriff

Zitat von Julsoe
Mein Gott, was bin ich froh ein Diplom zu haben und aus dem Unibetrieb heraus zu sein. Dieses Chaos ist wirklich beschämend für den selbsternannten "Wissenschaftsstandort" Deutschland"...
Jap, so sieht's aus. Ich hab zwar kein Diplom, bin ja nichtmal studiert, aber für mich macht ein "Diplomingenieur" irgendwie mehr Eindruck als irgendein "Bachelor" oder "Master".

Richtig kritisch ist meiner Meinung, dass es für jeden schulischen oder akademischen Werdegang einen Abschluss gibt - auch wenn der völlig wertlos weil realitätsfern ist. Vor 20 Jahren mag ein "Hauptschulabschluss" für viele Ausbildungsberufe ausreichend gewesen sein, heute ist vielen Arbeitgebern schon der Realschulabschluss fast nicht mehr ausreichend. Und der Bachelor fällt in die gleiche Kategorie: ein toller, aber meistens völlig unsinniger Abschluss, der nur des Abschluss wegen existiert und als Voraussetzung für den Master dient. Lustigerweise bieten aber nicht alle Unis für ihren Bachelorstudiengang den Masteraufsatz an und andere haben Masterstudiengänge ohne Bachelorbasis - wozu? Man sollte den Unis reihenweise den Begriff "Volluniversität" ankreiden, wenn sie keine durchgängigen Studiengänge Bachelor-Master anbieten können.

Ansonsten bin ich aber sowieso dafür, dass wieder deutsche Diplomingenieure auf die Menschheit losgelassen werden sollten; dieser akademische Titel kommt mit einem Klang, er ist ein Markenzeichen für die Fähigkeiten des Titelträgers. Ein Master hat dagegen zumindest hier in Deutschland nicht diesen Klang und selbst im Ausland ist ein "german dipl. ing" irgendwie gefragter als ein "master" ...

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quabah 24.11.2010, 09:40
6. Ich war naiv.

Ich bin davon ausgegangen, dass der Master als Regelfallabschluss jedem Durchschnittsabsolventen offensteht und nur mit Bachelor, die abschließen die schon eine Berufsausbildug haben, oder die die ein Zweitstudium machen und die die spät merken, dass sie das Falsche studiert haben oder sehr leistungsschwach sind. Gut dass mich dies Bachelorzeugs nicht getroffen hat.

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Michael Giertz 24.11.2010, 09:51
7. Noch zwei, drei Worte

Zitat von Lecturer
Was ist denn daran neu? Das haette man sich alles schon in England oder den USA anschauen koennen wie das mit dem bachelor und master ist, und dass man einen Master haben muss um im Beruf voranzukommen (fuer den sind natuerlich gute Noten erforderlich). Die Anerkennung der Pruefungsleistungen von einer Uni zur anderen ist dabei durchaus auch nicht notwendigerweise gegeben (Die Uni Oxford wird wohl kaum einen bachelor-Absolventen der University of South-Kent aufnehmen..).
Wenn man so drüber nachdenkt, scheinen Bachelor und Master allein dazu zu dienen, wieder das Sieb zu schütteln und die Rosinenpickerei zu erleichtern.
Warum?
Im Moment herrscht ein Wettrennen um einen möglichst hohen Stand von Akademikern. Je mehr das Abi (das College, wha'ever) haben und studieren gehen, desto besser! Die nötige Auslese in "Genies" und "geistige Energiesparlampen" soll eigentlich schon in der Schulzeit erfolgen, dafür gab es irgendwann mal die Volksschule (Hauptschule), die Realschule, das Gymnasium. Es war einfach "normal", dass nur ein winziger Prozentsatz den Sprung vom Schulleben ins Unileben geschafft und gemacht haben.

Und heute? Jeder, der irgendwo die Nullpunkte einer Funktion bestimmen kann schafft das Abi, Kuschelnoten in Norddeutschland sei dank. Wer's in München nicht schafft, in Kiel kommt er mit einem guten Zweier-Schnitt durch. Also geht effektiv jeder Halbgewalkte auf die Uni; das Gros landet in Jura oder BWL/VWL - Studiengänge, die relativ wenig Aufwand aber eine lukrative Karriere versprechen.

Inzwischen findet der Auswahlprozess, der eigentlich in der Schule hätte realisiert werden sollen, an der Uni statt: wer kein Durchhaltevermögen hat, hat nur den Bachelorabschluss, nur die "Harten" schaffen es bis zum Master. Und weil ja nun wirklich jeder Depp studieren geht, muss mit einer Verknappung des Angebots für Masterstudienplätze dafür gesorgt werden, dass eine ganze Menge Leute mit dem Bachelor ihre akademische Karriere beenden - und auf dem Arbeitsamt neben Hauptschülern um einen Termin beim Berater betteln müssen.


Wenn schon "Auswahlprozess", dann bitte an der Schule und nicht erst an der Uni. Da ist's zu spät. Dann lieber nur 10% Akademiker pro Jahrgang, die dafür gut betreut und ausgebildet - das bringt der Gesellschaft und Wirtschaft mehr, als 40, 50 oder 60% Akademiker pro Jahrgang, die effektiv aber eigentlich garnicht die Voraussetzungen zum Studium mitbringen.

P.S. bin froh, mein Abi geschmissen & Realschule gemacht zu haben - ansonsten wäre ich wohl heute beim 10. unbezahlten Praktikum.

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wiuwiuwiu 24.11.2010, 09:53
8. aha

ich weiß ja nicht, wer von euch gerade drin steckt, aber uns wurde damals mehrmals(!) versprochen(!) wer einen notendurchschnitt von 2,5 oder darunter schafft, bekommt garantiert(!) einen masterplatz. Davon, dass bei dieser fülle der prüfungen und vorallem ihrer art (auswendig lernen, es gab kaum eine möglichkeit jemals mit verständnis oder hintergrundwissen zu punkten) ein durchschnitt von 2,5 garnicht mehr so einfach ist, wie er klingt mal ganz abgesehen.
Das jetzt wieder ganz andere kriterien gelten und auf einmal doch wieder abinoten, motivationsschreiben oder oder oder in betracht gezogen werden können ist grober vertrauensbruch und missbrauch der machtstellung. und im prinzip sind das doch auch wieder nur neue einfall tore um, sollte es zu viele bewerber geben, man einfach mit irgendwelchen vorgeschobenen gründen die jetzt zum "bewerber" degradierten ablehnen zu können.

im übrigen möchte ich der ansicht massiv wiedersprechen, es gäbe genug masterplätze. das mag vereinzelt vielleicht für dieses semester stimmen- aber das liegt nur daran, das viele(die meisten) nicht gerade sehr scharf darauf sind, noch einmal als versuchskaninchen herhalten zu dürfen. den was das bedeutet, haben diese menschen schon alle am eigenen leib als erste BA studenten erfahren: prüfungsordnungen die nicht fest stehen und einfach mal jederzeit irgendwas geändert werden kann- meist zum nachteil der studenten, und wenn doch einmal zum vorteil, dann natürlich nicht rückwirkend, mitarbeiter der studentenkanzlei, die absoult nicht qualifiziert sind und keine ahnung haben wie die antwort auf die gestellte frage ist, und meistens nichtmal die frage verstanden haben... ach ja und ein unbezahltes pflichtpraktikum zu finden klappt auch total gut, wenn die erste frage lautet: haben sie ein vordiplom? nein, das gibt es nichtmehr, es gibt jetzt eine GOP. eine was? BA! Äh... ja dann wissen wir ja garnicht, was wir mit ihnen machen sollen... sie hören von uns...

in diesem sinne

ade

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quarto 24.11.2010, 09:58
9. Bitte?

Zitat von Michael Giertz
Ein Master hat dagegen zumindest hier in Deutschland nicht diesen Klang und selbst im Ausland ist ein "german dipl. ing" irgendwie gefragter als ein "master" ...
Welchen Klang hatte der "german dipl. ing." nochmal 11 Jahre nach seiner Ersteinführung in Deutschland und der Welt? Sowas bildet sich doch nicht innerhalb einer Dekade, zudem ja alle immer die neuen Abschlüsse schlechtreden. Wenn den Bachelor/Masterabsolventen die Chance gegeben werden würde, sich zu beweisen, sähe deren Ruf ganz anders aus. Nämlich deutlich besser. Nur dazu müsste man diese Chance erstmal geben.

Der Unwille zur Veränderung bzw. Anpassung an andere Gegebenheiten ist ganz offenbar nicht nur bei den (die Studiengänge konzipierenden und dann rumweinenden) Professoren, sondern auch bei Unternehmen vorhanden. Unternehmen, die pauschal behaupten, dass Bachelorabsolventen ihre Anforderungen nicht erfüllen müssten dringend ihre Verbindungen zur Realität wieder herstellen. Ich kenne genügend Bachelorabsolventen, die gute Jobs erhalten haben - ordentlich bezahlt.

Wäre es nicht ein Vorschlag, generell Berufserfahrung für die Zulassung zum Masterstudium zu verlangen? Mal abgesehen von Studiengängen wie Lehramt (bei denen der Gesetzgeber aber auch geschlampt hat - sowas darf es nicht geben).

Natürlich wurden mit Bologna Fehler gemacht - aber diese sind vor allem durch den absoluten Unwillen zur Veränderung auf Seiten der Umsetzenden entstanden, nicht zwangsweise aus dem Konzept selbst. Wenn Dozenten sich vor ihre Studierenden in einem Bachelorstudium stellen und erklären, dass "sie dumm sind, weil sie im Bachelor studieren", dann läuft irgendetwas schief...

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