Forum: Leben und Lernen
Massenansturm auf den Master: Bologna, sprich [to:hu:va:bo:'hu:]

Wo der Geist von Bologna wehen sollte, müffelt es nach Uni-Bürokratie und Studentenfrust. Oft reicht der Bachelor kaum für den Berufsstart, also stauen sich Bewerber vor dem Masterstudium. Aber gut ist nicht gut genug - an vielen Hochschulen gehen sogar Bewerber mit Bestnoten leer aus.

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jim_nihilist 24.11.2010, 15:52
60. Am besten

man geht überhaupt gleich ins Ausland. Meine Freundin hat ihren Bachelor in den Niederlanden gemacht. Aus meiner Sicht hat sie da eine exzellente Ausbildung erhalten. Sehr Praxisorientiert und tief greifend.
Momentan arbeitet sie in Deutschland und schmeißt da das Marketing für einen Mittelständler. Wissenstechnisch gab und gibt es nichts zu bemängeln. Als Berufsstarter kann man nicht alles wissen, wichtig ist aber das man alles was wichtig ist mitbekommen hat. Das hat sie. Und wenn sie einen Master machen will, dann geht sie einfach wieder nach Holland und erspart sich das deutsche Theater.

Mag sein das das Bachelorstudium in Deutschland nicht angesehen ist oder das es vielleicht sogar nicht gut ist an manchen Standorten, aber im Ausland ist das i.d.R. unproblematisch.
Und diese deutsche Masterchose.... ich muss sagen da schäme ich mich für Deutschland. Man hat Bologna von anfang an total verkackt. Das dauert nun schon Jahre und man kriegt es nicht hin. Das lässt mich etwas zweifeln an den Koryphäen an unseren Unis. Kann es denn so schwer sein?

Bis dahin würde ich sagen: Huup, Holland, Huup.

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problematix 24.11.2010, 15:55
61. Klausuren sowie Seitenzahl überbewertet?

Zitat von Muwikuma
Da kann ich als B. Sc. nur voll und ganz zustimmen! Ich frage mich bei solchen Diskussionen immer, wie ich überhaupt an eine Arbeitsstelle kommen konnte, da ich ja "nur" Bachelor habe. Aber das waren auch 3 1/2 Jahre Studium mit 5 bis 7 Klausuren zu jedem Semesterende, Praxissemester, 50-Seiten Abschlussarbeit in einem Betrieb außerhalb der Hochschule und Verteidigung der Arbeit! Wer wollte mir nochmal was über den Dipl.-Ing. erzählen? Bitte vortreten!
Es ist naiv, das Diplom ist einfach besser und damit auch das Einstiegsgehalt.
Machen Sie den Master oder bilden Sie sich in mehreren Jahren Berufspraxis weiter, dann reden wir über Vergleichbarkeit der Gehälter.
Wer lange im Beruf ist, mag eine Chance haben, ein höheres gehalt zu erreichen, vor allem im mittelständischen Bereich.
Oder reden alle nur über Konzerne und deren Gehaltsvorstellungen und Gehaltsentwickklungen?

Aus 6 oder 7 Semestern macht man kein Diplom (oft 11 Semester, sehr selten 8) und keinen Master (je nach Fach natürlich), das ist doch einfach zu verstehen, die Ansprüche an die Abschlussarbeiten sind auch nicht zu vergleichen.

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Helidorst 24.11.2010, 17:06
62. Massenansturm auf den Master: Bologna, sprich (to:hu:va:bo:hu:)

Seit vielen Jahren ist das Desaster "Bachelor" und "Master" in Uni-Kreisen bekannt. Das wurde aber meist durch die schwammigen "Exzellenz- " und sonstigen Lockmittel für die Studis übertüncht. Und immer mal wieder - es scheint sich von Dekade zu Dekade zu wiederholen - stellt sich unser gesamtes "Bildungssystem" als hoffnungsloses Bürokratiemonster dar. Anscheinend hat noch niemand bemerkt, dass wir auf einen echten Fachkräftemangel zusteuern und zwar hauptsächlich im Handwerk und bei Dienstleistungen wie im gesamten Pflegebereich.Es gibt sehr viele Berufe, die auch ohne Uni-Abschluss bewältigt werden können und für die hauptsächlich soziale Intelligenz und ein gesunder Menschenverstand benötigt werden. Und hier findet man die wirklich wichtigen Berufe, ohne die ein Land nicht existieren könnte. --Helidorst

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Epimetheu$ 24.11.2010, 17:10
63. Ich find Bologna super!

Tag zusammen
Immer dieses Rumgehacke auf den neuen Abschlüssen. Die Abschlüsse sind gut so wie sie sind und erfüllen ihren Zweck mit Einschränkungen. Und die Einschränkungen kann man ja in Zukunft konstruktiv beseitigen sodass das gesamte System eine runde Sache wird.
Bachelor reicht gerade mal fürs unbezahlte Praktikum?? Solche Aussagen schüren doch nur Angst, sodass sich keiner der Bacheloretten traut sich um einen "richtigen" Job zu bewerben. In der Übergangszeit ist es natürlich schwieriger, aber das wird sich auch wieder einschwingen. Aber eines ist doch offensichtlich: Was früher die Leute mit den schlechteren Abschlüssen waren, sind heute die Leute mit Bachelor und schlechterem Abschluss. Aber auch von diesen Leuten wurden damals wie heute welche eingestellt. Wenn alle Masterabsolventen vom Markt sind, schauen sich die Unternehmen beim nächst Besten um.

Wer wirklich glaubt, dass bei einer Quote von "50% der Studenten bekommen einen Masterplatz", die anderen 50% auf der Straße landen, dem kann nicht mehr geholfen werden. Dies würde nur geschehen wenn auch der Absolventenbedarf der Unternehmen um 50% einbrechen würde, was sicherlich nicht der Fall ist.

Es sollten sich vielleicht alle mal etwas beruhigen und die Probleme nach und nach aus dem Weg schaffen. Wenn ein Medizin Bachelor keinen Sinn macht, dann sollte man den nicht anbieten. Macht der wohl Sinn (evtl. mal im Ausland schauen), dann sollte man auch Stellen schaffen für solche Absolventen. Das Gleiche bei Jura und Lehramt. Aber das hat nichts unmittelbar mit Bologna zu tun, sondern mit der Unflexibilität der Arbeitgeber.

Grüße

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E.Cartman 24.11.2010, 17:43
64. ...

Zitat von Freifrau von Hase
Freut mich für die Kollegen, bringt mir aber nix, wenn ich in naturwissenschaftlichen Fächern überall eine 5 hatte und diese nach der 10. Klasse samt und sonders abgewählt habe (zu meiner Zeit ging das noch halbwegs. :-P) Es sei .....
Das ist ja alles schön und gut. Aber wenn Sie etwas das im Verhältnis zum Arbeitsmarkt stark überlaufen ist "nach Neigung" studieren wollen, werden Sie damit rechnen müssen deutlich überdurchschnittliche Leistungen im Vergleich zu Ihren Mitstudenten oder sehr viel Glück zu benötigen, um ein Bein auf den Boden zu kriegen. Wenn der Auswahlmechanismus dabei derzeit der Zugang zum Master ist, wäre mit einem "Master für alle" eben 1,X Masternote oder die Doktorarbeit. Ich hätte zumindest nicht davon gehört, dass es in den Bereichen die sich am lautesten beschweren reihenweise offene Stellen gäbe, für die die Masterabsolventen einfach nicht ausreichen. Wenn doch, dann möge man mich korrigieren.

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solarfighter 24.11.2010, 18:13
65. Katastrophe mit Ansage

Wer die Entwicklung unserer Hochschullandschaft und die Einführung der Bologna-Reformen in Deutschland verfolgt hat, der konnte sich an fünf Fingern abzählen, dass es zu diesen Problemen kommen würde.

Die vorgegebene Marschrichtung der Politik war hierbei klar: Der Bachelor sollte ein marktfähiger Abscluss sein, der mit einem verkürztem Studium erworben wird. Der Master sollte für eine kleine Auswahl der Absolventen ein Aufbaustudium sein, welches als akademische Vertiefung gedacht ist. Die Hochschulen sollten bei der Wahl ihrer Master-Studenten einerseits frei wählen können, anderseits sollten „gleichwertige Abschlüsse“ auch gleiche Zulassungschancen beinhalten. Die Kluft zwischen Uni und FH sollte damit aufgehoben werden.

Wer versucht, einen Masterabschluss mit dem alten Diplom zu vergleichen, der befindet sich auf dem Holzweg. Obwohl die Anzahl der Semester von Bachelor + Master ungefähr der Anzahl Semester der alten Diplom-Studiengänge entspricht, sind allein schon durch den hohen Praxisanteil des Bachelors, die Studieninhalte recht unterschiedlich.

Hieraus ergibt sich schon das erste Problem: Einige Universitäten haben dazu tendiert, die alten Diplom-Studiengänge einfach in der Mitte zu zersägen, um die alten Lehr- und Forschungspläne nur geringfügig anpassen zu müssen. Dies sollte einerseits die ungeliebten FH-Absolventen auf Distanz halten, da es für die FH’s sehr schwierig sein würde, die auf den Uni-Bachelor-Abschlüssen aufsetzenden Voraussetzungen für den Master zu erfüllen. Andererseits sollten die nicht marktfähigen Uni-Bachelor-Absolventen für den Master an den Universitäten gehalten werden. Diese Universitäten haben sich wohl bei der Einschätzung der Politik verkalkuliert.

Eine grundsätzliche Krankheit der Bologna-Reformen in Deutschland ist der Unwillen/die Unfähigkeit der Politiker, sich mit den Folgen ihrer Beschlüsse auseinanderzusetzen. Wir haben ein starkes Duales-Ausbildungssystem, welches in dieser Form in den meißten anderen Ländern nicht vorhanden ist. Der Bachelor konkurriert mit den Absolventen dieses Systems. Wo steht der Absolent im Vergleich zu den Facharbeitern, Meistern oder Technikern? Wer hier alleine den Markt entscheiden läßt, der produziert eine Menge Bildungsverlierer. Durch die Aufweichung der formalen Unterschiede zwischen Uni, FH und privaten Bildungseinrichtungen wird es immer schwieriger, die Qualität eines Abschlusses zu beurteilen. Statt der klaren unterschiedlichen Profilierung bekommen wir eine Bildungssuppe serviert, bei der, bis auf einige bekannte „Elite-Bildungseinrichtungen“ nur Verlierer produziert werden. Wer merkt sich schon, wo die spezielle Bildungseinrichtung im Absolventenjahr xy beim Studiengebiet z gelegen hat? (Zumal ja auch die Rankings nicht universelle Gültigkeit haben.) Da kann man nur sagen: Setzen 6!

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hank_from_hell 24.11.2010, 19:38
66. auch mit B.Sc. glücklich

Jetzt muss ich auf mal meinen Senf dazugeben. Ich bin B.Sc. im Informatik-Bereich und habe wirklich gute Jobangebote bekommen zu einem gutem Gehalt. Nun habe ich eine ausgeschriebene Dipl. Stelle angenommen.
Es ist allerdings wirklich so, dass man nicht mehr nach Neigung studieren kann sondern man muss leider eiskalt kalkulieren was der Markt benötigt.
Kritisch sehe aber auch ich die untschiedlichen Bachelor-"Versionen". Ich habe in 8 Semester Regelstudienzeit meinen B.Sc. gemacht, da einfach der Diplom-Studiengang in 8 Semester reingedrückt wurde. Wenn ich an Kollegen denke die in 6 Semester ihren Bachelor haben, finde ich das auch ein wenig ominös.
Ich kann aber aus beruflicher Sicht sagen, dass auch der Ruf der Hochschule/Uni bei Einstellungen eine wichtige Rolle spielt. Denn wo früher die guten Diplomanten herkamen, kommen heute gute B.Sc./M.Sc. her.

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Parkettpolitur 24.11.2010, 23:16
67. ...

Wie schon in einem anderen Thread gesagt: Es geht doch einfach nicht an, dass deutsche Unis den bisherigen Regelabschluss (Diplom/Magister) durch den Bachelor ersetzen, der jenem nicht einmal in punkto Studienlänge entspricht. Der reguläre, in zehn Semestern erworbene Abschluss ist der Master. Es ist nichts als verständlich, dass Studenten auf einem Abschluss insistieren, welcher dem früheren Standard äquivalent ist und sich nicht mit einem Schmalspur-BA abspeisen lassen.

Nochmals zur Situation in der Schweiz: Das BA wird hier als neuartiger Abschluss behandelt (der es ja auch ist), und er Master ersetzt das Lizentiat. Zugangsschwellen zum Master gibt es keine; die Aufnahme eines Masterstudiums nach dem BA wird ermutigt, wenn nicht erwartet. Ich selber hätte mich mit dem BA nie und nimmer zufriedengegeben.

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random42 24.11.2010, 23:17
68. Kommt ganz drauf an

Es kommt ganz auf das Studienfach an...ich mache momentan in Informatik meinen Master und hatte null Probleme einen Platz zu bekommen...habe Kommilitonen die mit 2,x einen Platz bekommen haben..und ich bin sogar an einer sogenannten "Elite"-Universität...

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Niamey 25.11.2010, 06:41
69. Massenansturm auf Master

Zitat von solarfighter
Wer die Entwicklung unserer Hochschullandschaft und die Einführung der Bologna-Reformen in Deutschland verfolgt hat, der konnte sich an fünf Fingern abzählen, dass es zu diesen Problemen kommen würde. Die vorgegebene Marschrichtung der .....
Tja, da muss ich Ihnen nicht nur leider recht geben. Genau das habe ich in anderen Worten schon vor Jahren geschrieben. Deutschland reformiert sein Bildungssystem (auch das Duale)kaputt, damit WIR vergleichbare Abschlüsse vorweisen können. Klar kann man Müll mit Müll vergleichen. Aber es gibt immer noch feine Unterschiede. Die angeblich ach so nach diesen Standards und Abschlüssen lechzende Industrie, scheint offensichtlich jetzt ja ganz anderer Meinung zu sein. Jetzt merken die nämlich weltweit, dass unser Ausbildungssystem führend war, nachdem sie in anderen Ländern eben keine qualifizierten (oer nur schlecht qualifizierten) Arbeitnehmer finden. Und was glaubt ihr Leute wer das nun wieder richten soll? Na klar, Vater Staat mit dem Geld der Steuerzahler, damit wir weiter konkurenzfähig bleiben und schön viel exportieren können. Das hätten wir auch einfacher und billiger haben können, gell liebe Politik?!

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