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Massenproteste in Québec: Eine Stadt sieht rot
REUTERS

Aufstand in Montreal: Aus Studentendemos gegen steigende Gebühren hat sich eine veritable Demokratiebewegung entwickelt. Die deutsche Doktorandin Anna Sigg ist dabei und erklärt, warum sie täglich mit dem Kochlöffel auf einen Topf einschlägt und was sie und die Québecer so zornig macht.

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botschinski 08.06.2012, 15:51
1.

- meist steckten keine Studenten dahinter, sondern Mitglieder des Schwarzen Blocks.
Also gibt es im Schwarzen Block keine Studenten? Woher nimmt die Dame dieses Wissen?

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Kai Denker 08.06.2012, 16:33
2. Ermüdungserscheinungen

Das Topfschlagen schläft in einigen Stadtvierteln allerdings wieder ein, z.B. in Hochelaga-Maisonneuve, wo ich derzeit lebe. Am Anfang war es sehr verhalten, dann bebten die Straßen Abends um Acht und nun sieht man nur noch vereinzelte Topfschläger. Ich fürchte fast, die Rechnung der Regierung, das Gesetz durchzudrücken und dann einfach einige Wochen auf Stur zu schalten, geht durch und ermüdet die Proteste.

Ein Grund für die niedrigeren Gebühren in Québec ist übrigens, dass nach der stillen Revolution die Regierung auch den ärmeren Frankophonen Zugang zur universitären Bildung verschaffen wollte. Vorher waren die hochqualifizierten Jobs praktisch ausschließlich den Anglophonen vorbehalten (Geschäftssprache war de facto Englisch). Seit dem Loi 101 (La charte de la langue française von 1977) ist die Geschäftssprache de jure Französisch, wodurch nicht nur einige Unternehmen nach Toronto abgewandert sind, sondern auch die Frankophonen, die es teils aus politischen Gründen ablehnen, ordentlich Englisch zu lernen, Zugang zu den besser bezahlten Jobs erhielten. Nachdem die Einkommensunterschiede zwischen anglophoner und frankophoner Bevölkerung zurückgegangen sind (aber keineswegs verschwunden sind!), scheint der Druck, Bildung auch wärmeren Menschen zugänglich zu machen, zu schwinden. Vor diesem Hintergrund muss man auch sehen, dass die links-nationalistische Parti Québécois die Studenten unterstützt. In Québec scheint es bei jeder politischen Auseinandersetzung immer auch im die grundsätzliche Frage nach der Identität Québecs zu gehen.

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a.montreal 08.06.2012, 17:29
3. optional

Es ist nett zu sehen, dass Frau Sigg viel Spass hat.
Als jemand, der seit 10 Jahren in Montreal lebt und arbeitet, moechte ich einige Anmerkungen hinzufuegen:
1. Es handelt sich um einen Boykott, nicht um einen Streik.
2. Die Bevoelkerung ist mehrheitlich gegen den Boykott und die taeglichen Demonstrationen.
3. Die Studenten and den englischsprachigen Universitaeten nehmen ueberwiegend nicht teil.
4. Studenten, die nicht am Boykott teilnehmen wollen, wurden gewaltsam am Betreten der Hoehrsaele gehindert. Die Abschlussfeier an der McGill - Universitaet muss wegen Drohungen verlegt werden.
5. Demonstrationen sind demokratisches Grundrecht, Strassenblockaden, Noetigungen und Rauchbomben in der Metro nicht.
6. Gewalttaeter und Gessetzesbrecher sowie deren Unrterstuetzer sind gegen Vermummungsverbote.
7. Quebec erhaelt jeahrlich 8 Mrd $ aus dem Finanzausgleich. Zugleich haben wir die hoechsten Steuersaetze in ganz Nordamerika und marode Infrastruktur.

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Kai Denker 08.06.2012, 17:54
4. Regierungspropaganda?

Schade, dass manche der Regierung dermaßen auf den Leim gehen. Dass die Proteste eine breite Unterstützung haben, konnte man noch vor kurzem leicht selbst besichtigen: Kurz nach dem Beschluss von loi 78 standen fast 500.000 Menschen auf der Straße – zum größten zivilen Ungehorsam in der Geschichte Kanadas. Und an der McGill haben 12.000 Studierende formal beschlossen, an den Streiks teilzunehmen. Gewalttätige Spinner gibt es auf beiden Seiten: Man kann natürlich auch den Überfall der Polizei auf die Bar St-Bock auf dem Plateau erwähnen oder den ebenso unprovozierten Angriff von Constable 728 auf friedliche Demonstranten auf der Rue St-Catherine Ende Mai. Aber wollen wir gleich die ganze Polizei von Montréal in Sippenhaft nehmen? Nein? Wieso dann die Studenten?

Den Finanzausgleich anzuführen, halte ich übrigens für gewagt. Angesichts der ganzen Baukorruptionsskandale der Provinzregierung oder des offenbar gehörig versemmelten Plan Nord könnte man vielleicht diese Milliardengräber diskutieren, bevor man ärmere Bevölkerungsschichten vom Studium ausschließt.

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zila 08.06.2012, 18:54
5. Wenig Verstaendnis

Quebec hat schon die guenstigsten Studiengebuehren und die Anhebung ist ja jetzt auch deutlich moderater als was z.B. in UK beschlossen worden ist.
In Kanada hat man die Moeglichkeit als Eltern ab Geburt des Kindes Foerderungen fuer's Studium in Anspruch zu nehmen. Man kann pro Kind im Jahr bis zu 2500$ zuruecklegen in einem RESP und bekommt 20% vom Staat geschenkt. Da komm ich in 13 Jahren fast auf 39,000$, ich glaube da ist die foerderung dann ausgereizt. Zinsertraege und Dividenden sind im RESP uebrigens steuerfrei. Fuer Geringverdiener gibt es auch noch weitere Programme der Studienfoerderung, d.h. wenn man ich glaube es sind unter $75,000 im Jahr, was jetzt auch kein schlechtes Gehalt ist.
Rechne ich das gegen die genannten Schuldenberge waere die Situation weniger dramatisch, aber manchen Eltern war Disneyland wohl wichtiger (meine eigene Beobachtung an Fallbeispielen).

Das Einkommensniveau ist in Montreal sicherlich niedriger als in Toronto, aber dafuer sind die Hauspreise dort auch niedriger, es sollte der Mehrheit also nicht ganz unmoeglich sein, 100$ bis 200$ im Monat zurueckzulegen.

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a.montreal 08.06.2012, 19:24
6.

Zitat von Kai Denker
Schade, dass manche der Regierung dermaßen auf den Leim gehen. Dass die Proteste eine breite Unterstützung haben, konnte man noch vor kurzem leicht selbst besichtigen: Kurz nach dem Beschluss von loi 78 standen fast 500.000 Menschen auf der Straße – zum größten zivilen Ungehorsam in der Geschichte Kanadas. Und an der McGill haben 12.000 Studierende formal beschlossen, an den Streiks teilzunehmen. Gewalttätige Spinner gibt es auf beiden Seiten: Man kann natürlich auch den Überfall der Polizei auf die Bar St-Bock auf dem Plateau erwähnen oder den ebenso unprovozierten Angriff von Constable 728 auf friedliche Demonstranten auf der Rue St-Catherine Ende Mai. Aber wollen wir gleich die ganze Polizei von Montréal in Sippenhaft nehmen? Nein? Wieso dann die Studenten? Den Finanzausgleich anzuführen, halte ich übrigens für gewagt. Angesichts der ganzen Baukorruptionsskandale der Provinzregierung oder des offenbar gehörig versemmelten Plan Nord könnte man vielleicht diese Milliardengräber diskutieren, bevor man ärmere Bevölkerungsschichten vom Studium ausschließt.
Kein Zwiefel daran, dass Milliarden durch Korruption verloren gehen... oeffentliche Bauten sind 30% teurer als in anderen Provinzen. (Das ist ueberhaupt ein Grundproblem hier: Korruption oder Separatismus). Der Plan Nord hat noch kein Geld gekostet und ist eher Ausverkauf denn Umverteilung.

Aber: Das Geld ist nicht da, die einzige Moeglichkeit zur Beschaffung sind Steuererhoehungen. Darueber kann man abstimmen. Dafuer gibt es Wahlen (...das nennt sich Demokratie). Eine Minderheit, die eine Stadt Geisel nimmt, ist etwas anderes.

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declinator 08.06.2012, 21:04
7. Warum Studiengebühren nicht abschaffen?

Zitat von zila
Quebec hat schon die guenstigsten Studiengebuehren und die Anhebung ist ja jetzt auch deutlich moderater als was z.B. in UK beschlossen worden ist.
Sie meinen wohl: Quebec hat die niedrigsten Studiengebühren in *Nordamerika*. Nach meinem letzten Kenntnisstand ist ein Erststudium in den meisten deutschen Bundesländern gebührenfrei - und auch dafür gibt es gute Gründe.

Es ist eine Frage an die Gesellschaft, wer sich wie an der Finanzierung der Universitäten beteiligen soll (Steuern, Gebühren oder eine Kombination), und es gibt ausreichend Argumente für beide Seiten. Am Ende entscheiden die jeweiligen Parlamente darüber, wie sie Steuergelder ausgeben wollen. Für Quebec würde eine Abschaffung der Studiengebühren rund 700 M$ pro Jahr kosten. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren haben die verschiedenen QC-Regierungen Steuererleichterungen in Höhe von 5000 M$ pro Jahr beschlossen. Quelle: IRIS

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letie 08.06.2012, 22:10
8. antwort fuer zila

rrsp in kanada sind nicht steuer frei sondern verzoegert. ab 70 muessen sie reduziert werden und auf dem mbetrag steuer zahlen

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Newspeak 09.06.2012, 02:48
9. ...

Polizisten sind in solchen Situationen immer Antidemokraten...weil sie hirnlose Erfüllungsgehilfen ihres Staates sind.

Demokratie ist nur gewollt, wenn die Bürger ihre demokratischen Rechte möglichst nicht beanspruchen. Regierungen an sich sind das Problem.

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