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Masterarbeit über Abituraufgaben: Mathe-Abi ist in Berlin leichter als in Bayern
Mike Wolff / Der Tagesspiegel

Sind die Abituraufgaben in Bayern besonders schwer? Ein Mathematikstudent bezweifelte das - und rechnete für sein Fach nach. Er kam zu einem überraschend klaren Ergebnis.

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deppjones 22.08.2018, 16:57
1. Ist wohl so

Ist wohl so absolut gesehen. Als ich damals bei der Marine als Wehrpflichtiger mit bayrischen ehemaligen Abiturienten drüber diskutierte, war der aha-Effekt bei den Bayern allerdings groß, als ich erzählte, dass ich nur ein Semester aus vieren ausschließen konnte, welches nicht in der Prüfung vorkommen sollte. Mir hat man damals erzählt, dass sich die Abiturienten exakt zur Prüfung auf ein Thema vorbereiten mussten, welches dann allerdings auch schwerer sein konnte als jene Themen, die ich in Niedersachsen bewältigen musste.

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olivervöl 22.08.2018, 16:58
2. Toller Experte

Die Abi-Aufgaben mögen je nach Bundesland einfacher oder schwieriger sein, für sich allein sagt das noch nichts aus. Entscheidend ist, wie kritisch die Lösungen bewertet werden. Theoretisch kann auch eine schwierigere Aufgabe großzügiger benotet werden, oder es könnten andere Faktoren in die Bewertung einfließen. Ein realistischer Vergleich zwischen Bundesländern ist schwierig.

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danubius 22.08.2018, 17:06
3. Ursache und Lösung

Weg mit dem unsäglich föderalen Kultus aus den Bundesländern, der unseren Kindern eine Ungleichheit in den Berufschancen gibt. Ich plädiere für ein zentrales Kultusministerium, das bundeseinheitlich Lehrpläne und -inhalte sowie Prüfungsaufgaben und Notenschlüssel für Grund- und weiterführende Schulen sowie Hochschulen und Universitäten vorgibt. Die Ferienzeiten könnten dabei in Abstimmung weiterhin von den Bundesländern festgelegt werden. Die für z.B. die Harmonisierung von Lehrplänen / Prüfungsaufgaben eigentlich seit 1948 zuständige Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihren ganzen Jahren nichts Nennenswertes zustande gebracht ausser einem - schwäbisch gesagt: "Rechtschreibreförmle" und einer inhaltlichen Zentralisierung von drei Abitur-Prüfungshauptfächern - hat aber dafür jede Menge Spesen und damit Geld des Steuerzahlers ausgegeben.

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brux 22.08.2018, 17:12
4. Föderaler Unfug

In diesem Bereich ist Föderalismus einfach Quatsch.
Ich musste nach dem Wechsel des Bundeslands ein Jahr länger bis zum Abitur warten. Mir fehlten 2 Sportarten während der letzten 2 Klassen. Das musste nachgeholt werden, obwohl Sport im Abitur gar nicht vorkam.

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ernestobecker 22.08.2018, 17:20
5. Das war schon früher so

Als ich Abitur machte, bekam ich als erstes Abituraufgaben (Physik-LK + Mathe-LK) aus Bayern in Hände und war schockiert, dass ich nicht den Hauch einer Chance hatte, diese zu lösen. Im Abitur erzielte ich dann in meinen Leistungskursen in Baden-Württemberg 15 und 13 Punkte.

Später bekam ich dann noch Aufgaben aus Hessen in die Hände. Ich möchte den Niveau-Unterschied (minimal überspitzt) so ausdrücken: Hessen war wie Mittlere Reife, Baden-Württemberg wie Abitur und Bayern ein Niveau fast wie im Studium (ich habe Physik-Diplom incl. Mathematik-Grundstudium).

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grotefend 22.08.2018, 17:31
6.

Zitat von danubius
Weg mit dem unsäglich föderalen Kultus aus den Bundesländern, der unseren Kindern eine Ungleichheit in den Berufschancen gibt. Ich plädiere für ein zentrales Kultusministerium, das bundeseinheitlich Lehrpläne und -inhalte sowie Prüfungsaufgaben und Notenschlüssel für Grund- und weiterführende Schulen sowie Hochschulen und Universitäten vorgibt. Die Ferienzeiten könnten dabei in Abstimmung weiterhin von den Bundesländern festgelegt werden. Die für z.B. die Harmonisierung von Lehrplänen / Prüfungsaufgaben eigentlich seit 1948 zuständige Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihren ganzen Jahren nichts Nennenswertes zustande gebracht ausser einem - schwäbisch gesagt: "Rechtschreibreförmle" und einer inhaltlichen Zentralisierung von drei Abitur-Prüfungshauptfächern - hat aber dafür jede Menge Spesen und damit Geld des Steuerzahlers ausgegeben.
Im Grunde haben Sie ja recht. Dann aber nur, wenn man das beste Schulsystem für alle übernimmt. Doch dann stellt sich die Frage: was ist das beste Schulsystem?
Letztlich scheitern gute Bildungsreformen oftmals am Geld. Auch ist Bildungspolitik für die Landesregierungen nicht interessant, da sich ihr Erfolg (oder Misserfolg) erst nach vielen Jahren zeigt und u.U. andere Parteien die Lorbeeren ernten könnten.
Ein einheitliches Schulsystem würde allein daran scheitern, dass man sich nicht auf etwas Einheitliches einigen könnte. Die einen wären nicht bereit, mehr Geld zu investieren, die anderen würden sich gegen bestimmte Inhalte oder Methoden sperren bzw. mit Gewalt daran festhalten wollen. Alles nicht so einfach....

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grotefend 22.08.2018, 17:34
7. Studienplatz

Problematisch wird das System spätestens bei der Vergabe der Studienplätze, wenn streng nach NC ausgesiebt wird - bei Eignungstests sieht es anders aus. Beim NC haben u.U. die das Nachsehen, die im anspruchsvolleren System ihr Abitur gemacht haben, obwohl sie vielleicht qualifizierter wären als andere. Gerade in Zeiten, in denen die Abiturquote immer weiter anzieht, ist hier Leistungsgerechtigkeit nicht mehr gegeben.

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mont_ventoux 22.08.2018, 17:34
8. Ungleichbehandlung

Gerade im Fach Mathematik wäre es besonders einfach, ein bundesweites Zentralabitur einzurichten, zumal Mathematikaufgaben wesentlich einfacher zu bewerten und damit zu benoten sind als z.B. Themenstellungen in gemeinschaftskundlichen Fächern oder in Deutsch/Fremdsprachen. Aber ein Zentralabitur würde vermutlich zwangsläufig mit einer Niveauabsenkung einhergehen, da man sich in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen keine Blöße geben möchte. Was ärgerlich ist für die Abiturienten in Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg: Die Numerus-Klausus-Fächer an den Universitäten schauen lediglich auf die Abiturnote, nicht jedoch wo diese Abiturnote erzielt wurde. Das führt mitunter zu klaren Benachteiligungen.

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ziehenimbein 22.08.2018, 17:39
9. @Kommentar #2

Da der junge Mann in Bayern Abi gemacht hat, in Berlin studiert und es sich um eine Masterarbeit in Mathe handelt, ist er womöglich der einzige Experte. Ich glaube schon, dass seine Aussagen Hand und Fuß haben. Wenn weniger Wissen abgerufen wird und man sich die für einen leichtere Aufgabe aussuchen darf, dann liegt die Latte schon nicht allzu hoch, dass dann besonders scharf benotet wird, ist kaum zu erwarten.

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