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Medizinprofessor: Uni deckelt Nebeneinnahmen auf 25.000 Euro
DPA

Zoff an der Medizinischen Hochschule Hannover: Die Uni hat einem Professor alle Nebeneinkünfte über 25.000 Euro jährlich verboten. Der Arzt zog vors Arbeitsgericht.

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mazzeltov 24.10.2016, 15:38
50. Durchgehende juristische Pferde?

Zitat von hackebeilchen
"Entgegen der weit verbreiteten Meinung können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern durch Standard-Formulierungen im Arbeitsvertrag (z.B. Nebentätigkeitsverbot) nicht generell die Aufnahme von Nebenjobs verbieten. Der Chef kann dem Mitarbeiter daher nicht einfach eine Nebentätigkeit verbieten, auch wenn das im Arbeitsvertrag steht. Auch die Formulierung "Eine Nebentätigkeit darf nur dann ausgeübt werden, wenn sie vom Arbeitgeber vorher genehmigt wurde" verstößt gegen das Grundrecht auf freie Berufswahl. Grundsätzlich gilt: Ein vertraglich vereinbartes generelles Verbot von Nebentätigkeiten ist unwirksam, und der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer nicht kündigen, nur weil er auch noch woanders arbeitet. Ein Arbeitnehmer kann daher grundsätzlich in seiner Freizeit einem Nebenjob nachgehen. Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.dehttp//www.finanztip.de/nebenjob/#ixzz4NypL24hP "
Ich denke, es ist mir gelungen, den Artikel zu finden, auf den Sie verlinken wollten... (http://www.finanztip.de/nebenjob/print.html)

Im weiteren Verlauf, den Sie leider nicht mehr zitiert haben, finden sich folgende interessante Sätze:

Außerdem darf durch den Nebenjob auch nicht die gesetzliche Höchstarbeitszeit überschritten werden. Nach dem Arbeitszeitgesetz (§ 3 ArbZG) darf die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann aber in Ausnahmefällen auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. [b]Nebenjobs sind daher in erster Linie etwas für Teilzeitbeschäftige.[b] (Hervorhebung: Mazzeltov)

Es erschien mir etwas unfein, dem werten Professor per Default zu unterstellen, dass eine Professur ja wohl keine vollwertige Arbeitsstelle, sondern halt nur ein Teilzeitjob ist. Das klingt irgendwie so nach billigem Vorurteil, fand ich. Faule Lehrer, noch faulere Profs...?

Aber nun gut, wenn das die Rechtfertigung sein soll... Was sagen denn andere Professoren so zu dieser Argumentation? Lesen hier welche? Auch alles lauter Teilzeitarbeitnehmer?

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Hamberliner 24.10.2016, 15:42
51. Drittmittel

Zitat von smsderfflinger
Es sollte ein Gericht auch einmal die Drittmittel, die in der Regel vom Lehrstuhlinhabern "eingeworben" werden unter die Lupe nehmen und entsprechend begrenzen. D
Das ist gut gemeint, aber wahrscheinlich hast Du noch nie als drittmittelfinanzierter Wissenschaftler an der Uni gearbeitet und weißt nicht, was Drittmittel sind. Das sind nämlich normalerweise nicht die pöhsen Bestechungsgelder von der pöhsen Wirtschaft, sondern die an konkrete Forschungsprojekte gebundenen Fördermittel hauptsächlich staatlicher Geldgeber wie z.B. DFG oder Bundesministerien. Also alles was nicht aus dem regulären Haushalt der Uni (Landesmitteln) stammt. Und damit praktisch die gesamte Forschung. Möchtest Du wirklich die Forschung "entsprechend begrenzen"? Einwerben hat auch weniger mit Werbung (Reklame) oder Bewerbung zu tun sondern eher mit Förder-Anträgen, die ohne triftigen Grund gar nicht abgelehnt werden dürfen. Drittmittel werden in der Regel auch nicht von Lehrstuhlinhabern eingeworben, sondern von deren wissenschaftlichen Mitarbeitern, wobei die Lehrstuhlinhaber nur korrekturlesen und ihre Unterschrift drunter setzen.

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Msc 24.10.2016, 15:58
52.

Zitat von binismus
Verstehe ich nicht? Teilweise Nebeneinkünfte von 1 Mio Euro? Wozu braucht ein solcher Professor noch eine Universität? Wo er doch Geld genug hat eine eigene zu gründen?
Ohne Universität darf sich Herr Professor nicht mehr Professor nennen. Anders als der Doktortitel ist Professor kein akademischer Grad sondern Berufsbezeichnung. Man ist nur Professor solange man an einer Universität (im weitesten Sinne) angehört. Ehrentitel ausgenommen. Klingt aber super, welcher reiche Privatpatient würde nicht lieber von einem Professor behandelt werden als nur von so einem popeligen Doktor. Insofern sollte klar sein, warum diese Ärzte noch an Universitäten rumgeistern.

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paul_werner 24.10.2016, 16:06
53. Das nennt man wohl evidenzbasierte Medizin

Zitat von caty24
Die Pharmaindustrie macht die Menschen nur kränker Cuba hat keine.Die Menschen rauchen dort wie die Schlote und saufen Rum ohne Ende. Und werden trotzdem 127.
Da werfen Sie am besten ein Handvoll Globoli gegen ein. Hilft wunderbar bei irrigen Meinungen.

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gladwyne 24.10.2016, 16:40
54. Um was gehts hier eigentlich?

Der Universitaet oder jedem anderen Arbeitgeber kann es nur um zwei Sachen gehen
1. Besteht ein Interessenkonflikt
2. Ist der Arbeitnehmer ausgeruht genug um die volle Leistungskraft zu erbringen?
Eine Deckelung einer bereits erlaubten extramuralen Einkommensquelle schliesst die Befuerchtung eines Interessenkonflikts eigentlich aus. Jetzt ist es also viel wichtiger zu wissen, was fuer eine Konsultationsstunde verlangt wird. Sind das 300 bis 400 Euro pro Stunde, nicht gerade viel fuer einen Weltexperten, dann sind das gerade 124 Stunden Konsultation im Jahr, also zehn Stunden pro Monat. Das kann man durchaus leisten. Wenn die Universitaet bei Ausschluss eines Interessenkonflikts etwas deckeln sollte, dann die Stundenzahl. Wieviel der dann pro Stunde raushandelt geht die Uni eigentlich nichts an.

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hackebeilchen 24.10.2016, 19:10
55. Netter Versuch

Zitat von mazzeltov
Ich denke, es ist mir gelungen, den Artikel zu finden, auf den Sie verlinken wollten... (http://www.finanztip.de/nebenjob/print.html) Im weiteren Verlauf, den Sie leider nicht mehr zitiert haben, finden sich folgende interessante Sätze: Außerdem darf durch den Nebenjob auch nicht die gesetzliche Höchstarbeitszeit überschritten werden. Nach dem Arbeitszeitgesetz (§ 3 ArbZG) darf die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann aber in Ausnahmefällen auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. [b]Nebenjobs sind daher in erster Linie etwas für Teilzeitbeschäftige.[b] (Hervorhebung: Mazzeltov) Es erschien mir etwas unfein, dem werten Professor per Default zu unterstellen, dass eine Professur ja wohl keine vollwertige Arbeitsstelle, sondern halt nur ein Teilzeitjob ist. Das klingt irgendwie so nach billigem Vorurteil, fand ich. Faule Lehrer, noch faulere Profs...? Aber nun gut, wenn das die Rechtfertigung sein soll... Was sagen denn andere Professoren so zu dieser Argumentation? Lesen hier welche? Auch alles lauter Teilzeitarbeitnehmer?
Mein Posting bezog sich auf folgenden Teil Ihres Beitrages:
"Für jeden normalen Arbeitnehmer mit einer Vollzeitstelle ist es Usus, dass Nebentätigkeiten laut Arbeitsvertrag wenigstens zustimmungspflichtig, im Allgemeinen aber schlicht untersagt sind."
Das ist schlichweg falsch , s. die von mir zitierte Quelle und die hier zitierte Quelle weiter unten. Zumal Sie (bewusst oder nicht) unterschlagen, dass nach § 3 Abs. 2 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) auch Samstage Werktage sind. Und "Zack" haben Sie schon mal Samstag mit 8 h , ggf. 10 . Macht im Monat 32 - 40 h. Dazu nehmen wir noch die +2 h über die tägl. 8 h (in Ausnahmefällen möglich, der hier diskutierte Arbeitsvertrag liegt mir leider nicht vor) . Macht nochmal 10 h pro Woche und somit 40 pro Monat. Haben Sie max. 80 h /Mon. Setzen Sie einfach mal (weil sich´s so schön rechnet und an die Durschnittssätze der Anwälte angelehnt ist s.hier http://www.soldaninstitut.de/fileadmin/Downloads/Upload/PDF/AnwBl07-06.pdf) 180 Euro /h. Wären 172.800 Euro /Jahr.
Und um sich arbeitsrechtlich hinsichtlich der von Ihnen gemutmasste Zustimmungspflicht durch den Arbeitgeber bzw. der ebenfalls nur gemutmasste "schlichte Untersagung" einer solchen auf Stand zu bringen empfehle ich noch https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2005-04/FAQ/Was-muss-man-bei-Nebentaetigkeiten-beachten-.jsp . P.S. Nein ich bin weder Angestellter, noch Beamter, noch Professor o. vgl.bares.Nicht mal Teilzeitarbeitnehmer.
[Was ein schöner Knochen an dem Sie sich nun wieder abarbeiten können :-)]

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martin_feyerabend 24.10.2016, 21:57
56. Paßt doch alles ............

Wo ist das Problem?
Seine Stelle wird doch eh von der Pharmaindustrie bezahlt, da gibt es doch keinen Interessenkonflikt, der Mann ist doch eh schon gekauft.
Das Letztere ist der eigentliche Skandal:
Es ist für die Öffentlichkeit nicht transparent, inwiefern im universitären Medizinbetrieb noch unabhängige Forschung stattfindet mit wissenschaftlich unabhängigen Experten.
Die Qualität der Forschung und auch der Therapie in den Krankenhäusern geht den Bach runter, wenn nur noch private Gewinninteressen die Abläufe und Ergebnisse dominieren.

Nicht die Höhe des Gehaltes ist zu kritisieren, sondern die Tatsache, dass der Staat sich keine unabhängigen und gut bezahlten Experten leisten kann oder will.

Als ehemaliger Krankenhausarzt hatte ich da genügend Einblicke, die mich erschreckten.
Wer wie alle vergangenen und sicher auch zukünftigen Regierungen die Privatisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens vorantreibt, untergräbt die Qualität von Forschung und Therapie.
Auf der Strecke bleibt zuerst der Patient, dem zweifelhafte Medikamente oder auch operative und nicht operative Therapieverfahren schmackhaft gemacht werden, deren Langzeitwirksamkeit häufig nicht ausreichend bekannt ist, dank einseitig lancierter "wissenschaftlicher" Erkenntnisse sich jedoch gut verkaufen lassen.

De Arzt ist nicht mehr unabhängiger Berater und Behandler des Kranken, sondern er muss ein Produkt (Gesundheitsleistung) in gewisser Menge verkaufen (Patienten acquirieren), damit er für die Geschäftsführung ein guter Arzt ist und entsprechend mehr oder weniger gut bezahlt wird.

Die Ärzteschaft ist leider zu sehr zerstritten und durch divergente eigene oder auch fremde Partikularinteressen beherrscht, als dass sie dieses Problem auf Standesebene (Ärztekammern) lösen könnte.
Hier kann nur durch staatliche und politische Vorgaben eine Kursänderung zum Guten erfolgen, leider mangelt es an geeigneten Politikern in allen Parteien!

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_gimli_ 24.10.2016, 23:05
57.

Zitat von Msc
Ohne Universität darf sich Herr Professor nicht mehr Professor nennen. Anders als der Doktortitel ist Professor kein akademischer Grad sondern Berufsbezeichnung. Man ist nur Professor solange man an einer Universität (im weitesten Sinne) angehört. Ehrentitel ausgenommen. Klingt aber super, welcher reiche Privatpatient würde nicht lieber von einem Professor behandelt werden als nur von so einem popeligen Doktor. Insofern sollte klar sein, warum diese Ärzte noch an Universitäten rumgeistern.
Was Sie hier erzählen ist falsch. On und wann ein Professor seinen Titel nach Abgang von der Uni führen darf, ist Ländersache und im Hochschulgesetz festgelegt. In Bayern darf der Titel z.B. auf Lebenszeit weiter geführt werden, wenn der Prof. mindestens 6 Jahre als Prof. tätig war. In NRW sind es 10 Jahre. Einfach mal informieren, bevor man was postet:
https://www.academics.de/wissenschaft/kann_der_professorentitel_nach_ausscheiden_aus_der _hochschule_weitergefuehrt_werden_31021.html

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mrotz 25.10.2016, 04:35
58.

Zitat von mazzeltov
Ich denke, es ist mir gelungen, den Artikel zu finden, auf den Sie verlinken wollten... (http://www.finanztip.de/nebenjob/print.html) Im weiteren Verlauf, den Sie leider nicht mehr zitiert haben, finden sich folgende interessante Sätze: Außerdem darf durch den Nebenjob auch nicht die gesetzliche Höchstarbeitszeit überschritten werden. Nach dem Arbeitszeitgesetz (§ 3 ArbZG) darf die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann aber in Ausnahmefällen auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. [b]Nebenjobs sind daher in erster Linie etwas für Teilzeitbeschäftige.[b] (Hervorhebung: Mazzeltov) Es erschien mir etwas unfein, dem werten Professor per Default zu unterstellen, dass eine Professur ja wohl keine vollwertige Arbeitsstelle, sondern halt nur ein Teilzeitjob ist. Das klingt irgendwie so nach billigem Vorurteil, fand ich. Faule Lehrer, noch faulere Profs...? Aber nun gut, wenn das die Rechtfertigung sein soll... Was sagen denn andere Professoren so zu dieser Argumentation? Lesen hier welche? Auch alles lauter Teilzeitarbeitnehmer?
Ein Professor ist kein Arbeitnehmer.
Genauso schert sich die das Arbeitszeitgesetz auch nicht um Selbständige.

mfg

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smsderfflinger 25.10.2016, 09:39
59.

Zitat von Hamberliner
Das ist gut gemeint, aber wahrscheinlich hast Du noch nie als drittmittelfinanzierter Wissenschaftler an der Uni gearbeitet und weißt nicht, was Drittmittel sind. Das sind nämlich normalerweise nicht die pöhsen Bestechungsgelder von der pöhsen Wirtschaft, sondern die an konkrete Forschungsprojekte gebundenen Fördermittel hauptsächlich ......
Sie haben Recht, ich habe > 35 Jahre als einfacher Chirurg an nicht universitären Kliniken gearbeitet. Und natürlich haben Sie ebenfalls Recht mit Ihrer Belehrung, dass Drittmittel die Gelder sind, die nicht aus dem regulären Haushalt der Uni stammen.
Offensichtlich erfüllen in diesem Fall die 100 000 Euro , die Merz Pharma zu dem Gehalt des Profs "spendet" , und die anzunehmen offensichtlich der Uni keine ethischen Probleme bereitet, Ihre Definition.
Die haben offensichtlich erst dann ethische Bedenken, wenn es um die Einkünfte anderer geht.
Drittmittel werden also von wiss. Mitarbeitern eingeworben und der Prof setzt nur noch seine Unterschrift darunter? Einverstanden. Wieviele dieser Drittmittel würden wohl fliessen, wenn der Prof seine Unterschrift n i c h t daruntersetzen würde? Können Sie mich erhellen? Sie sind doch in der Materie zu Hause.

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