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Medizinstudium: Numerus clausus? Es geht auch anders
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Unis sollen ihre Medizinstudenten ab 2020 anders auswählen, damit nicht nur die Abi-Besten eine Chance auf einen Studienplatz haben. Einige Unis machen das bereits. Wie läuft's?

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mentor54 28.12.2018, 10:45
40.

Zitat von singularitaet
Ansonsten empfehle ich Ihnen die heutigen Lehrpläne für gymnasiale Oberstufen zu lesen und diese mit Ihrer Schulzeit zu vergleichen. Es könnte sein, dass Sie sehr überrascht wären und das Abitur nicht oder nur schlecht bestehen würden.
Stimmt! Ich habe 1974 Abitur noch nach dem alten System gemacht, hätte aber rückwirkend auch lieber mehr (Ab)Wahlmöglichkeiten gehabt. Dann hätte ich z.B. Mathematik und Physik als Leistungskurse nehmen können und mir meinen Abischnitt durch ungeliebte Pflichtfächer wie Latein nicht nach unten ziehen lassen müssen. Und der Schock in der ersten Mathevorlesungen an der Uni (ich bin Ingenieur) wäre nach der Absolvierung eines heutigen Matheleistungskurses wahrscheinlich auch geringer gewesen, denn dort werden teilweise bereits Inhalte behandelt, die ich dann erst an der Uni in den ersten zwei Semestern in einem Affenzahn nachholen musste.

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foje1 28.12.2018, 10:47
41. @o5897468

Hallo. Zunächst wünsche ich als „alter Hase“ in der Medizin wirklich alles gute und Erfolg im Studium. Aber wenn Sie/Du die Lesermeinungen durchliest stellst Du fest, dass ich mit dieser Auffassung nicht alleine bin. Und: bis zum Physicum ist häufig noch alles ok. Aber zieh mal Bilanz am Ende des Studiums. Da lichten sich die Reihen derer, die nicht direkt nach der Schule auf Grund guter Abinotej studiert haben. Bei mir war das so und ich habe viele kennengelernt, die aus Pflege oder Medizintechnik ins Studium kamen. Am Ende arbeiteten alle, wirklich alle wieder in ihrem alten Beruf und nicht als Arzt. Einzig ein Kollege, der sich eingeklagt hatte könnte sich durchsetzen und schnell Karriere machen (der Vater hatte eine große Praxis genau im selben Fachgebiet).
Ich bleibe dabei: der Job ist ein Haifischbecken, und nur wer sich schon zu Schulzeiten durchgesetzt hat wird zurechtkommen. Ob das Studium intellektuell herausfordernd ist oder nicht sei dahingestellt. Meiner Meinung ist es das schwierigste Fach außerhalb der reinen Naturwissenschaften.
Ich hatte übrigens eine schlechte Abiturnote. War aber unter den allerbesten des Medizinertestes in Deutschland und konnte mir aussuchen wo und wann ich studieren wollte. Aber repräsentativ ist das eben nicht.

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Kritiker#1 28.12.2018, 10:47
42. Falsche Vorstellung vom ärztlichen Beruf

Im Forum werden teilweise falsche Vorstellungen vom Beruf vermittelt. Ich bin als Oberarzt und Hochschullehrer in einem chirurgischen Fach tätig. Natürlich gehören psychologische und Kommunikationsfähigkeiten zum Beruf. Ein Großteil der für den Beruf notwendigen Fähigkeiten basiert jedoch auf naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Insbesondere als Chirurg ist man heutzutage nicht mehr ein "Handwerker" in der Medizin. Eingehende Kenntnisse in Chemie und Pharmakologie, in der Physik (Kreislaufsystem, Beatmungstechniken, Radiologie...) sind essentiell. Was hat der Patient davon, wenn man nur empathisch ist aber die Therapie nicht beherrscht? Zudem arbeitet man als forschender Arzt häufig auf zellulärem oder subzellulärem Niveau. Das ist knallhart Naturwissenschaft. Mein Interesse für die Medizin wurde im Bio-LK und im Chemie-Unterricht gesteigert. Wenn
man da (zusätzlich zu seinen Kommunikationsfähigkeiten) keine Interessenschwerpunkte hat, wird man es in der Medizin schwer haben. Gute Noten in diesen Fächern weisen auf wahrscheinlichen Erfolg im Studium (und auch im Beruf) hin. Zudem gibt es extrem wichtige medizinische Bereiche ohne direkten Patientenkontakt (z.B. Pathologie, Labormedizin). Da sind ganz andere Fähigkeiten benötigt. Wir brauchen nicht nur empathische Hausärzte. Und auch die müssen als Vertreter eines wissenschaftlichen Faches arbeiten können.

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mr_t 28.12.2018, 11:02
43. Medizinstudium ist nicht nur Arzt werden wollen...

Grundsätzlich befähigt das Medizinstudium zu verschiedenen Tätigkeiten, wenngleich auch die kurative Tätigkeit (vor allem als Hausarzt) vor dem Hintergrund der gegenwärtigen sozialpolitischen Lage wiederholt betont wird. Aus meiner eigenen Erfahrung während des Medizinstudiums, das jetzt auch schon etwas zurückliegt, kann ich berichten, dass Kommilitonen mit zwischenzeitlich abgeschlossener Ausbildung nicht selten "anders" als Direktabgänger von der Schule waren. Erstere wirkten auf mich stets weniger "akademisch" und interessierten sich sehr oft für den praktischen Aspekt der Medizin und weniger für die Wissenschaft. Diese Absolventen arbeiteten dann häufig an peripheren Krankenhäusern. Studierende, die direkt von der Schule das Studium aufnahmen, mögen zwar weniger Lebenserfahrung gehabt haben, waren aber nicht selten besser im Lerntrott. Auch während meiner Zeit als Uniprofessor, als ich selbst junge Kollegen ausgebildet und supervisiert habe, konnte ich dies beobachten. Und es zeigte sich auch bei den vielen Auswahlgesprächen, die ich durchgeführt habe. Anders ausgedrückt, man muss wissen, wo die Reise hingehen soll. Wenn das Medizinstudium nur noch auf den kurativen Bereich der Medizin vorbereiten soll, dann mag der Anteil der mit Berufserfahrung und Empathie durchaus steigen. Wenn aber auch eine intellektuelle, wissenschaftliche Ausbildung mitangestrebt wird, wird auch die Abiturnote ihre Daseinsberechtigung weiterhin haben...

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keine-#-ahnung 28.12.2018, 11:12
44. "nicht eine gute Note ...

Zitat von jkleinmann
...sind entscheidend, nicht eine gute Note, sprich (in vielen Fällen) lediglich die Fähigkeit, Wissen zu reproduzieren. Die klassische 24-jährige Einser-Abiturientim, die bis nach dem Studium......
... sprich (in vielen Fällen) lediglich die Fähigkeit, Wissen zu reproduzieren."
Dieses Wissen "vorhalten" und auf einen jeweiligen Erkrankungs- resp. Verletzungsfall runterbrechen, analysieren und bewerten zu können, ist aber eine essentielle Grundvoraussetzung, um den Job verantwortlich ausüben zu können. Das muss u.U. auch mal in Minutenfrist und bei einer spritzenden arteriellen Blutung oder einem Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgen. Da ist keine Zeit zum googlen ... :-)

Und dieses Wissen bekommt man in der Vorklinik zu einem grossen Teil tatsächlich nur stumpf eingepaukt, um es dann später wieder für komplexere Themen abrufen zu können. Das wird man einem humanoiden Kollegen auch nie ersparen können ... bis dann mal der Kollege Robot übernimmt :-)
Während meines Studiums gab es den geflügelten Spruch: "Was ist der Unterschiede zwischen einem Jura- und einem Medizinstudenten? Wenn man beide beauftragt, dass Telefonbuch von München auswendig zu lernen, fragt der Jurastudent "Warum?" und der Medizinier "Bis wann?""
Dass das kein wirklicher Witz ist, habe ich wohl erst im Nachgang begriffen ... :-)

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mentor54 28.12.2018, 11:12
45.

Zitat von Kritiker#1
Im Forum werden teilweise falsche Vorstellungen vom Beruf vermittelt. Ich bin als Oberarzt und Hochschullehrer in einem chirurgischen Fach tätig. Natürlich gehören psychologische und Kommunikationsfähigkeiten zum Beruf. Ein Großteil der für den Beruf notwendigen Fähigkeiten basiert jedoch auf naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Insbesondere als Chirurg ist man heutzutage nicht mehr......
Ich wundere mich ebenfalls über die auch hier teilweise vertretene These, dass das Medizinstudium bzw. der Arztberuf intellektuell nicht weiter anspruchsvoll sei. Aber wahrscheinlich kommt es wie immer darauf an, was man im konkreten Einzelfall macht. Mein Neffe ist Professor für Nuklearmedizin und Chefarzt, der viel in der Forschung aktiv ist und ein interdisziplinäres Mitarbeiterteam leitet, welches neben weiteren Fachärzten auch Physiker, Chemiker, Molekularbiologen, Informatiker, Statistiker u.a. beinhaltet, und in seiner Leitungsfunktion muss er zumindest ansatzweise auch deren Arbeit verstehen und beurteilen können. Trivial ist das bestimmt nicht.

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thommy2130 28.12.2018, 11:31
46. Meine Tochter

wollte Medizin studieren (Abi Note 1,5). Keine Chance. Sie hätte mehrere Wartesemester akzeptieren müssen.
Man kann auch auf einen Studienplatz klagen. Kostet einige tausend Euros. War es mir nicht wert. Warum ein korruptes System auch noch nähren. Sie hat dann Jura studiert. So ist wieder Mediziner verloren gegangen.
Armes Deutschland.

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fatherted98 28.12.2018, 11:32
47. Der NC ist sicher...

...bei der Auswahl fähiger Ärzte unsinnig....aber man sollte nicht vergessen das das Medizinstudium äußerst anspruchsvoll ist.....da werden viele aufgeben müssen, die sich das Wissen einfach nicht erarbeiten können. Das sollte man im Hinterkopf behalten...Arzt werden ist nicht so einfach wie viele glauben.

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Spr. 28.12.2018, 11:42
48. Viel ändert sich nicht!

Das bisherige Auswahlverfahren hat dazu geführt, dass wir heute zu viele (Fach-)Ärzte der am besten bezahlten Fachrichtungen haben, die nur daran interessiert sind, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen. Die Patienten und deren Bedürfnisse sind bei solchen Ärzten nebensächlich.

Nun sollen also 10% der Medizin-Studenten nach Eignung statt nach Beweis des fleißigen Lernens des Abi-Stoffs ausgewählt werden. Dazu kommen noch die Idealisten, die es trotz NC in ein Medizin-Studium geschafft haben, und von den Karrieristen herablassend belächelt werden. Bleibt immer noch eine übergroße Mehrheit von zukünftigen Ärzten, von denen eher keiner z.B. den Ärztemangel auf dem Land lindern wird, sondern an der letzten freien Mülltonne in der hippen Großstadt eine weitere überflüssige Praxis eröffnet, um dann über die mangelnden Verdienstmöglichkeiten zu jammern, die ihn nicht umgehend zum Millionär machen, denn schließlich hat sie ja fleißig studiert.

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o5897468. 28.12.2018, 11:42
49. @foje1

Erstmal vielen Dank für Ihre guten Wünsche!
Dass Sie mit dieser Ansicht nicht der einzige sind, habe ich bereits feststellen können.
Trotzdem müssen Sie mir einräumen, dass ich skeptisch verbleibe - sei es auch nur aufgrund eigener Erfahrungen.
Selbstverständlich stellt das Physikum nur eine erste Hürde dar, und ich kann als Student im klinischen Abschnitt auch noch keinen Rückblick machen wie Sie. Zumindest bisher hatte ich jedoch schon das Gefühl, dass der Großteil der etwas "Lernunwilligeren" in der Vorklinik aussortiert wurden/werden. Möglicherweise gab es da auch im Laufe der Jahre eine Veränderung? - bisher kann ich mir noch nicht vorstellen, dass ca. die Hälfte meines Semesters noch aussortiert werden wird (s. auch die anderswo erwähnten niedrigen Abbrecherquoten).
Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es früher "andersherum" funktionierte? Dass Menschen aus Pflegeberufen dachten, eigentlich sei es auch nicht schlecht Medizin zu studieren - und heutzutage eher von guten Abiturienten noch eine Ausbildung als Lückenfüller zwischendurch gemacht wird? Da begebe ich mich aber ins Reich der Spekulationen..
Ich musste meinen guten Abischnitt mit einem guten Medizinertest, einem FSJ und einem sehr guten StEX als Rettungsassistent aufbessern, um einen Studienplatz zu bekommen.
Damit lagen bei mir zwischen Abitur und Studiumsbeginn auch vier Jahre, was sicherlich den Anfang schwieriger gemacht hat, als so manchen Kommilitonen, der das Lernen vom Abitur noch "gewohnt" war.
Drücken Sie mir die Daumen, ich möchte ehrlich gesagt den Rest meines Daseins nicht wieder als Rettungsassistent fristen müssen ;)
Ich wünsche auch Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute!

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