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Medizinstudium: Numerus clausus? Es geht auch anders
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Unis sollen ihre Medizinstudenten ab 2020 anders auswählen, damit nicht nur die Abi-Besten eine Chance auf einen Studienplatz haben. Einige Unis machen das bereits. Wie läuft's?

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Finjen 28.12.2018, 11:43
50. Begrenzte Studienplätze

Egal, wie man es dreht und wendet- das Problem ist, dass so lange es mehr Bewerber als Plätze gibt, muss immer eine Selektion erfolgen. Natürlich garantiert ein gutes Abitur nicht, dass ein Student ein guter Arzt wird. Dennoch denke ich, dass die Chancen, das Studium erfolgreich abzuschließen, erhöht werden. Auf der anderen Seite schließt ein schlechtes Abitur aber ebenfalls nicht aus, dass der einzelne Student ein guter Arzt werden kann.
Aus meiner (persönlichen) Erfahrung kann ich berichten, dass es Leuten, die länger auf einen Studienplatz warten mussten, schwerer fiel, sich vor allem durch die Vorklinik durchzubeißen. Ich glaube, dass in diesem Abschnitt weniger die Fähigkeiten gefragt sind, die sich eine Pfleger, Rettungsassistenten etc bereits angeeignet haben, als vor allem naturwissenschaftliche Grundlagen. Hier glänzen meist die guten Abiturienten, die sich idealerweise ihre Leistungskurse bereits so gewählt haben. Ich denke aber dennoch, dass in dem momentanen System die Wartezeiten insgesamt zu lang werden und somit das Wiederlernen des Lernens für die, die bereit waren zu warten, immer schwieriger wird.

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19flu60 28.12.2018, 11:44
51. Ganz was Neues...

Ich habe mich 1980 beworben. Die Diskussion, ob der Abiturschnitt das einzige Kriterium sein sollte, das über die Zulassung zum Medizinstudium entscheidet, war zu der Zeit allerdings schon mindestens 10 Jahre alt. Damals war das Neueste, dass ein gewisser Prozentsatz der Bewerber für einen zusätzlichen Test ausgelost wurde. (Mich traf es nicht). Mit einem Abischnitt von 1,9 war ich im normalen Verfahren nahezu chancenlos.
Was mich wirklich schockiert, ist, dass wir uns heute im Prinzip immer noch in der identischen Diskussion befinden, ohne dass sich substantiell irgendetwas geändert hätte. Das ist eine Blamage - für die Universitäten.

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nomen49 28.12.2018, 11:49
52. Burnout

Empathie wird hier als zentrale Eigenschaft für einen guten Arzt-Aspiranten genannt. Es ist aber definitiv wichtiger, nicht mit dem Patienten zu leiden, sondern Sachzusammenhänge abrufbereit zu haben und anwenden zu können. Empathiker werden vor allem schneller als ihnen lieb ist, selber Patienten mit einem Burnout: Weil sie verantwortlich in einem organisierten Gesundheitswesen arbeiten, das viele Probleme NICHT lösen kann!

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grandpalais 28.12.2018, 11:52
53. Natürlich geht es anders!

Aber am Ende des Tages wird es wieder jemanden geben, der mit traurigen Kulleraugen in die Fotokameras der Spiegel-Reporter schaut und sagt, dass er so gern Medizin studiert hätte und jetzt verzweifelt ist. Wir haben zu wenig Studienplätze und zuviele Bewerber, Punkt, fertig, aus. Wo der Cut gemacht wird, ist zweitrangig. Und warum gibt es zu wenig Studienplätze? Weil ein Studienplatz Geld kostet, und da hört beim föderalen Bildungssystem der Spaß auf. Solange nicht mehr Geld reingepumpt wird, gibt es keine neuen Studienplätze. Und mal ganz losgelöst davon: von Auseahlgesprächen kann ich nur sringend abraten. Kleinen Unis können das leisten - sobald alle Plätze über Auswahlgespräche vergeben weesen, ist das kapazitätstechnisch nicht zu schaffen.

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jo126 28.12.2018, 11:55
54. Völlig richtig

Zitat von fatherted98
...bei der Auswahl fähiger Ärzte unsinnig....aber man sollte nicht vergessen das das Medizinstudium äußerst anspruchsvoll ist.....da werden viele aufgeben müssen, die sich das Wissen einfach nicht erarbeiten können. Das sollte man im Hinterkopf behalten...Arzt werden ist nicht so einfach wie viele glauben.
Das gilt allerdings auch für viele andere Studienfächer. Ich vermute, für alle MINT Fächer, aber auch etwa BWL. Wir haben vom Studienbeginn bis zum Abschluss etwa zwei Drittel der Kommilitonen verloren. Nicht wenige schon vor dem Vordiplom, gescheitert vornehmlich bei Mathe und Statistik.

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u_w_hh 28.12.2018, 12:47
55. Boy's Networks

Der große Vorteil des Numerus Clausus war, dass dieses programmgestützte Verfahren die Bewerber und insbesondere die Bewerberinnen nicht subjektiven Vorstellungen von "Kompetenz" unterwarf, sondern ein leicht prüfbares Kriterium zur Anwendung brachte. Davon haben die jungen Frauen profitiert, die seit 1998, als sie die Hälfte der Medizinstudierenden stellten, ihren Anteil auf nun 64,5% aller Studierenden im Fach Allgemeinmedizin steigern konnten. Das wird u.a. von den Ärzteverbänden nicht gerne gesehen - man befürchtet, dass das Prestige und der Einfluß der Ärzteschaft abnimmt. Merke: Ein RICHTIGER Arzt ist keine Ärztin! Ich bin mir sicher, dass mit dem neuen Verfahren die Frauen wieder zurückgedrängt werden können und da es weniger objektiv ist, stehen ihre Chancen schlecht, gegen diese subtile Diskriminierung zu klagen. Glauben Sie wirklich, dass die Männer mit dem schlechteren Abitur die besseren Ärzte werden?! Dann hat Ihnen auch der Weihnachtsmann die Geschenke gebracht...

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murksdoc 28.12.2018, 13:07
56. Intelligent?

@u_w_hh, #55: die Ausbildung zum "Facharzt für Allgemeinmedizin" schliesst sich, wie alle anderen Facharztausbildungen auch, der Approbation zum Arzt an, das heisst: geschieht NACH Abschluss des Medizinstudiums. Es gibt deshalb keine "64% Studierende des Faches Allgemeinmedizin", weder Männliche, noch Weibliche. Dafür gibt es einen hohen Prozentsatz von von Sachkenntnis ungetrübten Forumsbeiträgen. Ihrer gehört übrigens dazu.

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d45gts 28.12.2018, 13:20
57. Zu wenig Ärzte?

Wir haben Sie nur schlecht verteilt.
"Die Ärztedichte der niedergelassenen Mediziner liegt im Landkreis Starnberg damit aktuell bei rund 341 Einwohnern pro Arzt. Im bayernweiten Durchschnitt waren es mehr Einwohner, die sich einen ambulanten Arzt teilen mussten, exakt 532 Einwohner. Insgesamt reicht die Ärztedichte der niedergelassenen Mediziner in Bayern derzeit von weniger als 300, erreicht in den Städten Rosenheim, München und Würzburg, bis zu mehr als 1100 Einwohnern pro Arzt, erreicht im Kreis Coburg."

https://www.merkur.de/lokales/starnberg/landkreis/anzahl-aerzte-patienten-landkreis-besonders-versorgt-79267.html

Das wird auch mit mehr Ärzten, die sehr gut verdienen wollen und dann auch in die lukrativen Gegenden gehen, nicht besser.
Die Anzahl Ärzte /10.000 Einwohner sagt zumindest nichts über Ärztemangel.
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/LaenderRegionen/Internationales/Thema/Tabellen/Basistabelle_Aerzte.html
Relativ wahllos:
Deutschland 42,
Belgien 30,
Dänemark 37,
Frankreich 32,
Schweiz 42,
Spanien 39,
Finnland 32,
Österreich 52,

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Phil2302 28.12.2018, 13:42
58. Schwierig

Ich bin für Aufnahmetests an den Universitäten, da das Abitur zu unterschiedlich bewertet wird. Die sollten es dann aber auch in sich haben und für sich noch einmal den Schwierigkeitsgrad des Abiturs erreichen. Was ich viel kritischer sehe sind diese Essays, wie es sie in Amerika gibt. Das ist doch ein einziges Gesülze und Schwadronierei vor dem Herren. Gefährlich finde ich auch: "Und es gibt nochmal Fragerunden mit ethischen Fragestellungen wie: "Dürfen Eltern ihren minderjährigen Kindern eine Nasen-OP spendieren?" Ja was denn nun? Muss man da etwa eine bestimmte Antwort geben? Werden also nur Leute zu Ärzten ausgebildet, die das Weltbild vertreten, was den Herren dort passt? So etwas soll doch in der Familie geklärt werden. Meine Tochter dürfte auf jeden Fall eine haben, wenn sie mit ihrer Nase extreme Probleme haben sollte.

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flohzirkusdirektor 28.12.2018, 13:59
59. Schade

Dass man hier keinen "thumb up" geben kann!

Ihre Erfahrungen pssen so ziemlich zu meinen Erfahrungen beim Benoten von Klausuren in meinem PJ-Wahlfach - ja wir Wahlfach-PHler durften auch mitbenoten ...

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