Forum: Leben und Lernen
"Mein Kind first": Wie Eltern gute Schulen verhindern

Sie wollen gute Schulen und eine gerechte Gesellschaft - aber nur, wenn's dem eigenen Kind nützt. Eltern sind die größten Bremser im Schulsystem. Sie bekämpfen erbittert Reformen und grenzen sich nach unten hin ab: bloß keinen Kontakt zur Unterschicht.

Seite 1 von 57
Andreas Heil 12.06.2009, 11:33
1. So so.

Zitat von sysop
Sie wollen gute Schulen und eine gerechte Gesellschaft - aber nur, wenn's dem eigenen Kind nützt. Eltern sind die größten Bremser im Schulsystem. Sie bekämpfen erbittert Reformen und grenzen sich nach unten hin ab: bloß keinen Kontakt zur Unterschicht.
Bei dem gegenwärtigen Zustand des Schulsystems kann ich den Artikel nur als Frechheit empfinden.

Was der Autor nämlich geflissentlich vergisst, ist, dass man gegen Mitte der Schulkarriere nicht nur nicht mehr an irgendwelche positiven Refomfolgen (kennen wir ja auch aus allen anderen Politikbereichen) glaubt, die man am Anfang noch bestmöglich unterstützt hat, man hat gelernt, dass man sich mit Engagement besser zurückhält und man kann sich inzwischen sicher sein, dass die noch vor einem liegende Zeit garantiert noch schlimmer wird.

Blöd nur, dass die zehn Jahre verkorkste Schulzeit die Kinder auszubaden haben, die haben nämlich nur ein Leben und eine Chance. Schön, wenn 2020 vielleicht wirklich irgendetwas von dem funktioniert, was reformiert wurde, wahrscheinlicher allerdings, dass bis dahin entweder alles wieder zurückgedreht wurde oder sich jeder die Bildung kauft, die er sich leisten kann.

Beitrag melden
Yagharek 12.06.2009, 11:38
2. Re

Das Problem ist, dass es viele in der "Unterschicht" gibt, denen Bildung nicht viel zählt. Hauptsache das Kind ist erstmal außer Haus und ich habe meine Ruhe. Daher gibt es aus dieser Richtung auch wenig Kampf für ein besseres Bildungssystem.

Die, die sich für oder gegen dass aktuelle Bildungssystem einsetzen, sind halt die Eltern, die Angst haben, ihr Kind könnte schlechtere Noten bekommen. Und da diese Eltern den Großteil der Wählerschaft im Bildungssystem stellen, ist es für die Politik auch so verdammt schwer, etwas sinnvoll zu ändern.

Beitrag melden
earthling90 12.06.2009, 11:41
3. Einseitige Schuldzuweisung?

Zuerst einmal ich bin Schüler an einem Gymnasium.
Ich erlebe seit knapp 12 Jahren die Segnungen unseres Schulsystems aus der ersten Reihe.

Ich habe viele Freunde an Gesamt- / Real- Haupt- / Berufsschulen und was es nicht noch alles gibt und kenne daher auch grob die Situation von vielen anderen Schulen.

Das Problem sind nicht primär die Eltern oder die Lehrer, sondern das ganze System.
Das deutsche Bildungssystem ist einzigartig in Europa und zwar im negativen Sinne.
Überfüllte Klassen,Unterfinanzierung, mangelende individuelle Förderung, veraltete Materialien, hohe versteckte Kosten (u.a. Bücher, Kopien, Lernhefte, Nachhilfe etc).
Das schlimmste von allem ist jedoch die soziale Auslese, die nach der 4. oder 6. Klasse stattfindet, einem Zeitpunkt an dem kein Kind fertig entwickelt ist.
Diese Aufteilung in schlau, durchschnittlich, dumm ist genauso kontraproduktiv wie unfair!
Die einzige gerechte Lösung wäre eine Schule für alle, an der wir gemeinsam lernen können. Dies funktioniert in ganz Europa - warum nicht in der BRD? Weil es in den 50er Jahren als kommunistisch abgestempelt wurde! Heute nur noch lächerlich!

In der nächsten Woche werden wir als Schüler zeigen, was wir fordern. Mit einer Aktionwoche vom 15. - 19. Juni werden wir mit Streiks, Demos und vielen anderen Aktionen zeigen, was wir vom Schulsystem halten und wie wir es uns vorstellen.

http://www.schulaction.org/

Achtet einfach mal am 17. Juni auf die Nachrichten!

mfg

Beitrag melden
a.kadu 12.06.2009, 11:50
4. Schulsystem

In einer Gesellschaft in der die Lust zu lernen und zu lehren von Jahr zu Jahr abnimmt, braucht die Schule einen neuen "besseren" Stellenwert.

Beitrag melden
hepdepaddel 12.06.2009, 11:50
5. Klar blockieren Eltern. Ich auch!

Osterhasenunterricht - interessanter Name. Da sehe ich meinen Sohn ganz entspannt, der wird seinen Weg schon machen. Egal, was sich Schulideologen alles ausdenken. Und "Osterhasen"pädagogik betreibe ich selbst, wenn wir als Unternehmensberater die Kunden ihre Konzepte selbst entdecken lassen. Der Ruf als Berater ist eh', man sammle nur Konzepte vom Kunden. Da bin ich zufrieden, wenn der nicht merkt, wo man ihn leicht vorwärts geschubst hat. Osterhasenpädagogik. Klasse Sache.

Ich möchte mich also bewusst nicht mit Eltern solidarisch erklären, die krampfhaft ihren Nachwuchs zu fördern meinen. Warum ich dennoch blocke? Weil es eine Lüge ist! Kein Politiker interessiert sich für die Bildung oder die Kinder. Es geht um Kosten. Und so positiv ich die Idee finde, alle Kinder immer oder mindestens länger gemeinsam in einer Klasse zu unterrichten - es wird nicht gleichzeitig mit Sparprogrammen laufen. Da sitzen dann 30 Kinder unterschiedlichsten Niveaus vor Lehrern, die "Moderation" mit "Machen lassen" verwechseln.

Eine Schule für alle wäre auch mein Traum. Eine Klassengemeinschaft, die gemeinsam Wissen erarbeitet. Zu meinen Uni-Zeiten habe ich in Vorlesungen die Studenten immer selbstständig Fragestellungen erarbeiten, im Plenum diskutieren und bewerten lassen. Aber in der Schule mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten funktioniert das nur, wenn Schülern mit Schwächen in einem bestimmten Fach auch individuelle Unterstützung zuteil wird. Und das wird mit 1:30 nicht klappen.

Und verhaltensauffällige Schüler - die wahrlich nicht alle nur aus der "Unterschicht" kommen - bekommt auch niemand bei 1:30 in den Griff.

Liebe Bildungspolitiker: Sie überzeugen vermutlich viele Eltern, wenn Sie die Gesamtschule mit einer Relation 1:10-15 einführen. Wenn Sie Förderunterricht bieten, der den Namen verdient, kostenlose Schulspeisungen und modernes Equipment. Aber "pädagogisch wertvolles Sparen" überzeugt niemanden.

Gruß

Hepdepaddel

Beitrag melden
i_have_mh 12.06.2009, 11:52
6. .

@earthling90
wo siehst du denn bitteschön bei der Nachhilfe versteckte Kosten??? Soweit ich es weiß, ist Nachhilfe freiwillig.
Und die Kosten für Kopien liegen bei ca. 5 € pro Halbjahr.Das sind keine hohen Kosten. Und dass man alle Schulen zusammenlegen soll, ist jawohl total schwachsinnig. Neben unserem Gymnasion liegt eine Hauptschule. Jedes Mal auf dem Schulweg wird man von Hauptschülern angepöbelt. Gymasiasten und Hauptschüler, das passt einfach nicht. Die müssen getrennt voneinander lernen, da die Hauptschüler oft auch gar kein Bock auf Schule haben.

Beitrag melden
maxweber 12.06.2009, 11:52
7. Meine Kinder...

..sind mir tatsächlich das Wichtigste im Leben. Und ich werde es nicht zulassen, dass sie wegen der verfehlten Einwanderungs-, Integrations- und Bildungspolitik dieses Landes Nachteile erleiden. Wieso sollten sie darunter leiden müssen, dass viele Migranten-Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult werden? Ich befürworte es deshalb, dass Kinder mit Defiziten frühzeitig auf Schulen kommen, wo man sich intensiv um sie kümmern kann. Da in unserem Schulsystem, wie ja schon fast überall in der Gesellschaft, der langsamste das Tempo bestimmt, wären sonst die intelligenteren, leistungswilligen Kinder benachteiligt. Ich möchte auch nicht, dass meine Kinder auf eine Schule gehen, wo in den Pausen und auf dem Schulweg Gewalt, Anmache, Abziehen und Erpressung an der Tagesordnung sind. Und das ist nun einmal in Schulen mit hohem Migranten-Anteil oft der Fall. Das ist die politisch unkorrekte, unbequeme Wahrheit.

Beitrag melden
i_have_mh 12.06.2009, 11:54
8. ,

Wenn Schüler streiken, tuen dies doch nur, um nicht zur Schule zu müssen...

Beitrag melden
ohmscher 12.06.2009, 11:57
9. Others first?

Zu allererst wollte ich da den Autor selber erleben, wenn sein Kind Nachteile haben sollte.

Beitrag melden
Seite 1 von 57
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!