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Mitarbeiter des Monats: Wie ein Praktikant der Stadt Hagen fünf Millionen Euro sicher
Fachhochschule Südwestfalen

Kaffeekochen und kopieren? Michael Trampler durfte als Praktikant der Verwaltung von Hagen viel mehr - und dankte es der Stadt mit einem Geldsegen.

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s.haenel 03.05.2016, 14:13
110. Warum?

Warum ist dieser Bürgermeister noch im Amt? Wer es als Profi (und seine Verwaltung sollte aus Profis bestehen) nicht schafft, selbst die elementarsten Dinge wie Fördergelder zu sichern (und somit den eigenen Bürgern auf dem Geldbeutel liegt), scheint nicht gerade eine berufliche Rakete zu sein.

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elmond 03.05.2016, 15:39
111. Der letzte Satz passt!

"oder für größere Bürgerzufriedenheit sorgt."
Das finde ich sogar noch wichtiger als "Einsparungen", denn es geht ja schließlich darum, den Bürgern/Menschen zu "dienen" und ihnen tatsächlich zu helfen.;)

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Thomas Kossatz 04.05.2016, 08:40
112.

Fördermittel sind bereits gezahlte Steuern. Offenbar wurden hier Steuermittel umverteilt, statt Einsparungen zu erzielen. Mehr gibt der Artikel leider nicht her.

In den 70er Jahren baute meine Gemeinde mit umfangreichen Fördermitteln (Zonenrand-Förderung) ein Schwimmbad. Nach 40 Jahren, in denen das Bad seine Abschreibungen nicht verdiente, sind Millionen für die Sanierung erforderlich. Die Gemeinde kann sich zum Buhmann machen und die Einrichtung schließen, oder sie kann 1000 Euro pro Einwohner in die Hand nehmen, das Bad sanieren und damit auf ein Jahrzehnt die Handlungsfähigkeit verlieren, weil die Kommunalaufsicht keine Kredite mehr bewilligt.

Der Praktikant, der das ganze ausgelöst hat ist dann kurz vor dem Rentenalter.

Wenn Kommunen Krchen kaufen, läuft etwas falsch.

Mit Fördermitteln werden Dinge angeschoben, die sich eine Gemeinde aus gutem Grunde nicht leistet, wel es sich eine Landes- oder Bundesregierung angeschoben hat, die dann die Folgerechnungen nicht bezahlt.

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caliper 04.05.2016, 21:39
113.

Zitat von tommachtblau
Hier muss ich die Mitarbeiter mal in Schutz nehmen. Es ist doch nur natürlich, ja geradezu menschlich, dass man in welchen Beruf dazu kommt, dass man mit der Zeit Betriebsblind wird oder wie es der Volksmund sagt vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht. Ich konnte auch mal während eines Praktikums den Syntheseweg für ein Produkt meiner damaligen Firma vereinfachen und dadurch den gesamten Herstellungsprozess verbilligen. Gute(!) Berater von außen, und die Betonung liegt auf Gute, können das auch. Dummerweise weiss man das vorher nicht wenn man McKinsey u. Co. einstellt.
Es ist nicht nur die Betriebsblindheit die sich einstellt. Der Mensch hat auch die Neigung sich eigene Komfortzonen zu sichern und auszuweiten.

Eine gute Führungskraft erkennt das und wirkt dem entgegen. Eine noch bessere schafft es sogar, dass den Mitarbeitern ein gewisses Maß an Komfort übrig bleibt oder dass der Mitarbeiter anderweitig, zum Beispiel mit Spaß am Erfolg, motiviert bleibt und nicht in die "innere Kündigung" abgleitet.

Im öffentlichen Dienst sind diese Führungsmechanismen nur rudimentär vorhanden. Viele Mitarbeiter (und Führungkräfte) haben veritable Komfortzonen und sind trotzdem übel gelaunt. Das kann man am Krankenstand oder in den Gesichtern der Behördenmitarbeiter ablesen. Für so wenig Spaß sind diese Leute dann tatsächlich auch mässig bezahlt.

Ich selber bin in der Industrie angestellt und gebe nebenbei Vorlesungen. Insgesamt seit September zwischen 40 und 70 Stunden pro Woche. Das liegt daran, dass ich kein Problem habe, bei temporären Spitzen, mehr zu leisten. Auch ohne Bezahlung. Überarbeitet fühle ich mich nur in Extremfällen. Krank war ich zuletzt vor drei Jahren als ich unfallbedingt im Krankenhaus lag.

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dickebank 05.05.2016, 06:20
114. prozesse

Zitat von caliper
Es ist nicht nur die Betriebsblindheit die sich einstellt. Der Mensch hat auch die Neigung sich eigene Komfortzonen zu sichern und auszuweiten. Eine gute Führungskraft erkennt das und wirkt dem entgegen. Eine noch bessere schafft es sogar, dass den Mitarbeitern ein gewisses Maß an Komfort übrig bleibt oder dass der Mitarbeiter anderweitig, zum Beispiel mit Spaß am Erfolg, motiviert bleibt und nicht in die "innere Kündigung" abgleitet. Im öffentlichen Dienst sind diese Führungsmechanismen nur rudimentär vorhanden. Viele Mitarbeiter (und Führungkräfte) haben veritable Komfortzonen und sind trotzdem übel gelaunt. Das kann man am Krankenstand oder in den Gesichtern der Behördenmitarbeiter ablesen. Für so wenig Spaß sind diese Leute dann tatsächlich auch mässig bezahlt. Ich selber bin in der Industrie angestellt und gebe nebenbei Vorlesungen. Insgesamt seit September zwischen 40 und 70 Stunden pro Woche. Das liegt daran, dass ich kein Problem habe, bei temporären Spitzen, mehr zu leisten. Auch ohne Bezahlung. Überarbeitet fühle ich mich nur in Extremfällen. Krank war ich zuletzt vor drei Jahren als ich unfallbedingt im Krankenhaus lag.
Es gibt für die Arbeitsabläufe Prozessbeschreibungen. Die müssen stumpf abgearbeitet werden und gut ist. Wer den beschriebenen Prozess nicht den Vorgaben entsprechend bzw. abweichend von den Vorgaben bearbeitet bekommt ein Personalgespräch - in Wirtschaft und Verwaltung. Es ist also überhaupt nicht Aufgabe der Verwaltungsmitarbeiter Prozesse zu bearbeiten, die nicht beschrieben sind. Dafüt haben die Sachbearbeiter in Behörden Sachgebiets-, Sachbereichs-. Fachgebiets- und Fachbereichsleiter oder auch Dezernenten.

Da bei einem Förderantrag mehrere Verwaltungsressorts zusammenarbeiten müssen, ist es folglich Aufgabe ab Fachbereichsleitung, dieses zu tun. Die Fachbereichsleiterebene ist die Stufe, die direkt unter dem Verwaltungsvorstand einer Kommune angesiedelt ist.
Wir reden also im Grunde von Hauptabteilungsleitungen, die direkt an die Geschäftsführung/Vorstand berichten.
Folglich: Fisch stinkt immer vom Kopf her. Macht also überhaupt keinen Sinn auf den einfachen Verwaltungsmitarbeiter einzuprügeln.

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caliper 05.05.2016, 19:35
115.

Zitat von dickebank
Es gibt für die Arbeitsabläufe Prozessbeschreibungen. Die müssen stumpf abgearbeitet werden und gut ist. Wer den beschriebenen Prozess nicht den Vorgaben entsprechend bzw. abweichend von den Vorgaben bearbeitet bekommt ein Personalgespräch - in Wirtschaft und Verwaltung. Es ist also überhaupt nicht Aufgabe der Verwaltungsmitarbeiter Prozesse zu bearbeiten, die nicht beschrieben sind. Dafüt haben die Sachbearbeiter in Behörden Sachgebiets-, Sachbereichs-. Fachgebiets- und Fachbereichsleiter oder auch Dezernenten. Da bei einem Förderantrag mehrere Verwaltungsressorts zusammenarbeiten müssen, ist es folglich Aufgabe ab Fachbereichsleitung, dieses zu tun.
Das Problem besteht doch darin, dass von oben bis unten sich niemand für effiziente Prozesse interessiert oder zu interessieren hat.

Selbstverständlich haben auch viele eigene Prozesse, die nichts mit entfernten Unternehmenseinheiten zu tun haben. Die kann man auch im Team, in der Abteilung oder im Fachbereich ändern.

Im öffentlichen Dienst sind viele Prozesse und Unterschriftenwege auch deswegen ineffizient, weil die große Politik die Verantwortlichkeiten so vorgibt. Gerade im Schulbereich sind viele Prozesse deswegen lang, weil den Schulen kaum Eigenverantwortung und Budget eingeräumt wird.

Ein eigenes Budget pro Schule, mit dem sich auch soziale Härten abfedern könnten, würde schon Wunder bewirken. Stattdessen muss man wegen 2 € 50 Essenszuschuß oder für Landschulheimaufenthalte bedürftiger Schüler zig Dienststellen kontaktieren und einbinden. Wenn das Kind krank wird und das bewilligte Geld nicht abruft geht der Papierkrieg von vorne los. Verwaltungskosten und Prozesskosten sind absolut unantastbar und haben nicht zu interessieren.

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dickebank 06.05.2016, 10:50
116. poltische Verantwortung

Zitat von caliper
Das Problem besteht doch darin, dass von oben bis unten sich niemand für effiziente Prozesse interessiert oder zu interessieren hat. Selbstverständlich haben auch viele eigene Prozesse, die nichts mit entfernten Unternehmenseinheiten zu tun haben. Die kann man auch im Team, in der Abteilung oder im Fachbereich ändern. Im öffentlichen Dienst sind viele Prozesse und Unterschriftenwege auch deswegen ineffizient, weil die große Politik die Verantwortlichkeiten so vorgibt. Gerade im Schulbereich sind viele Prozesse deswegen lang, weil den Schulen kaum Eigenverantwortung und Budget eingeräumt wird. Ein eigenes Budget pro Schule, mit dem sich auch soziale Härten abfedern könnten, würde schon Wunder bewirken. Stattdessen muss man wegen 2 € 50 Essenszuschuß oder für Landschulheimaufenthalte bedürftiger Schüler zig Dienststellen kontaktieren und einbinden. Wenn das Kind krank wird und das bewilligte Geld nicht abruft geht der Papierkrieg von vorne los. Verwaltungskosten und Prozesskosten sind absolut unantastbar und haben nicht zu interessieren.
Es ist Aufgabe der Fachausschüsse der Stadträte entsprechende Vorgaben für die Verwaltung zu machen.
Warum sollte die Verwaltung die Zuschussfähigkeit eines Projektes prüfen, das ihr vom Rat aufgetragen worden ist?

Und wie sollten in Ihrem Beispiel Schulen diese Gelder verwalten? Ihnen ist per Verwaltungsanweisung verboten, eigene Konten einzu richten. Die staatliche Schule ist eine kommunale Verwaltungseinheit. Die Gelder werden im Haushalt eingestellt und auf dem betreffenden Haushaltsunterkonto des Haushaltsplanes verwaltet. "Eigenständige Schule" bedeutet also lediglich, dass die Schule von ihrem Budget Gelder entsprechend der Haushaltstitel freigeben kann, damit die Stadtkasse diese anweist.

Noch bescheuerter wird es, wenn man ihrem Bsp. folgt bei der Beantragung von BuT-Mitteln. Diese werden dem Antragsteller - also den Eltern des betroffenen Kindes - bewilligt. Wir das Kind jetzt krank, müssen die Gelder an den Maßnahmeträger (ARGE oder Sozialamt) zurück erstattet werden. Da im Kostenansatz aber auch die Umlage für die Fahrtkosten (Bustransport) enthalten sind, muss dieser Fixkostenanteil dem Maßnahmeträger nachgewiesen werden, um ihn abziehen zu können. Wird dem nicht stattgegeben, muss der entsprechende Fahrtkostenanteil auf die anderen Schüler umgelegt werden. Da die Schule aber über kein eigenes Konto bei einer Bank verfügt, müssen die Lehrkräfte, die eine Fahrt veranlasst haben, zunächst einmal privat in Vorleistung treten. In Schule gibt es so gut wie keine Prozesskosten, diese Arbeiten müssen nämlich von den Lehrkräften in ihrer unterrichtsfreien Zeit abgearbeitet werden.

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