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Moocs für Studenten: Onlinekurse machen Bildung doch nicht gerechter
Corbis

Hochschulbildung für alle, kostenlos und zugänglich auf der ganzen Welt: Mit diesem Versprechen sind Unis mit Onlinekursen für Studenten angetreten. Hat es sich erfüllt? Der Faktencheck.

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keksguru 14.12.2015, 14:17
1. in der 1. Welt nutzlos....

man wird da mit solch einem Abschluß ausgelacht oder als Titelbetrüger angezeigt. In Ländern in denen irgendiene Qualifikation besser als garkeine ist, da ist ein MOOC sicherlich hilfreich... solange sich der Student a) den Computer und b) die Zeit zum Studieren leisten kann. Mit einem 50$ Tablett wird man da vermutlich nicht allzuweit kommen. Hätte ich gewußt daß in bildungsfernen Ländern wie in den USA ein Abitur in den USA schon wie ein halbes Studium angesehen wird, wär ich schon 91 nach Kalifornien gegangen.

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spon-facebook-1293013983 14.12.2015, 14:23
2. Hätte ich auch vorher schon sagen können.

Moocs sind super, aber für jemanden ohne bereits einen gewissen akademisches Bezug ist das nichts, egal ob Arbeiter oder Akademiker-Kind. Man ist Einzelkämpfer, der Stoff ist nicht selten trocken und einen richtigen Abschluss gibt es ja auch nicht.

MOOCs sind super als Ergänzung zu einem bestehenden Studium oder als Weiterbildungsmaßnahme für bestimmte Themen, aber das schränkt die Zielgruppe schon massiv ein. Der Maurer oder Zimmermann, wird da natürgemäß weniger passenden Stoff finden, als der Jurist oder Informatiker.

Trotzdem: Voller Erfolg! Gerne mehr davon.

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AundZwanzig 14.12.2015, 15:03
3. Die beiden wesentlichsten Punkte haben Sie gleich am...

Zitat von spon-facebook-1293013983
...Man ist Einzelkämpfer, der Stoff ist nicht selten trocken...
...Anfang genannt. Hinzu kommt noch, dass jeder, der noch keine Übung im Umgang mit diesen Online-Kursen hat, mit der Informationsmenge je Minute seine Probleme bekommen wird. Einer der Autoren des "Drachenbuches", Jeffrey Ullman, sagte in seinem 2012er Kurs "Automata" (via Coursera), dass in den Videos die ganzen "äähhh", "oohhh" und andere Unterbrechungen herausgeschnitten sind, so dass 15 Minuten Video durchaus 30 Minuten bis einer Stunde Vorlesung entsprechen.

Hinzu kommt noch, speziell bei abstrakten Problematiken, die von Ihnen genannte Einzelkämpfer-Situation. Zwar kann man über Foren schriftlich über ein Problem "diskutieren", aber das ist natürlich etwas völlig anderes, als wenn man persönlich mit Teilnehmern zusammen sein würde.

Wesentlich im Zusammenhang mit "bildungsfernen Schichten" ist jedoch der Zeitaufwand, den ein Teilnehmer investieren muss. Dieser kann bei anspruchsvollen Kursen durchaus beträchtlich sein (beispielsweise gibt Coursera für den Kurs "Probabilistic Graphical Models" 15 bis 20 Stunden je Woche an, was erfahrungsgemäss ein Minimalwert ist). Da man als Teilnehmer an diesen Kursen allein an seinem Computer sitzt, entfernt man sich während dieser Zeit gegebenenfalls von seinem sozialen Umfeld - eventuell über Monate.

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AundZwanzig 14.12.2015, 15:23
4. Das ist inzwischen nicht mehr so, da die Kurse...

Zitat von keksguru
In Ländern in denen irgendiene Qualifikation besser als garkeine ist, da ist ein MOOC sicherlich hilfreich... solange sich der Student a) den Computer und b) die Zeit zum Studieren leisten kann.
...für die man Zertifikate erhalten kann, oft nicht mehr kostenlos angeboten werden, sondern durchaus einige hundert Dollar kosten. Dadurch scheiden viele ursprünglich genannte Zielgruppen aus. Beispielsweise wird eine Spezialisierung zum Thema "Data Science" angeboten, die 413€ kostet (https://www.coursera.org/specializations/jhudatascience).

Auch von deutschen Hochschulen werden/wurden schon Angebote unterbreitet. Ich erinnere mich beispielsweise daran, dass die LMU-München für Ärzte und Krankenpfleger/-schwestern Fortbildungen im Zusammenhang mit Unfalleinsätzen angeboten hat - wie das über das Web funktionieren soll, hat sich mir allerdings nicht erschlossen.

Einen unvergleichlichen Vorteil bieten diese MOOCs allerdings, jedenfalls boten sie das während der ersten Jahre 2011 bis 2013: Diverse hochrangige Spezialisten hielten Kurse ab, die man normalerweise sonst nicht erhalten hätte.

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Hardin 14.12.2015, 15:24
5.

Habe selbst einige MOOCs in den Semesterferien belegt und fast alle, die sich an Diskussionen etc. beteiligen, sind tatsächlich Studenten oder Akademiker. Ich glaube eigentlich nicht, dass der Stoff zu schwer für andere Bildungsklassen ist (gibt genügend Einsteigerkurse), allerdings hapert es scheinbar oft an der Disziplin - wenn die 3-4h pro Woche nicht investiert werden, dann kommt man früher oder später eben nicht mehr mit. Außerdem wage ich mal die Behauptung, dass Arbeiter in Bildungsfernen Berufen leider oft auch keinerlei Interesse daran haben, ihr Wissen über das zu erweitern, was sie während ihrer Arbeit benötigen.

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G.Real 14.12.2015, 17:28
6. Differenzierung tut Not...

Online courses (auch eLearning und eTeaching) sind denkbar als papierlose Alternative in Fernstudiengängen und als Ergänzung in Präsenzstudiengängen. In beiden Fällen kann tatsächlich ein weltweiter Adressatenkreis erreicht werden - jedenfalls wenn der Kurs in englischer Sprache abgehalten wird.
Beiden Fällen gemeinsam ist der Irrglaube, ein schlechter Hochschullehrer sei quasi über Nacht in der Lage, einen mitreißenden Onlinekurs herzustellen. Die rd. 400 Stunden Videomitschnitt von herausragenden Wissenschaftlern aus Berkeley sind ein hinreichend abschreckendes Beispiel.
Ich kenne Fernstudiengänge mit einem ausschließlich elektronischen Angebot, die ich für schlicht überragend halte.
Die spannende Frage ist: wieso kommt überhaupt jemand auf die Idee, dass Onlinekurse in der Lage sind, die sozio-ökonomische Zusammensetzung der Hörer zu ändern oder gar deren Studienerfolg zu verbessern? Gewiß: es gibt excellente Visualisierungen, Animationen, Videos, die in wenigen Minuten klar und deutlich erklären, was in stundenlangen Vorträgen nur schlecht deutlich gemacht werden kann. Aber: das Vermittlungsmedium kann nicht wirklich die intellektuelle Herausforderung des gewählten Fachs - da gibt es Unterschiede - und die menschliche Herausforderung für den Studenten - da gibt es kaum Unterschiede - mildern. Ich halte es für niederschmetternd: der Studienerfolg hängt zu einem von vielen Poliltikern weithin geleugnetem Ausmass von Erziehung und Umwelt in frühester Kindheit ab. Onlinekurse können diese Situation nicht ändern: nach meiner Kenntnis gibt es in Deutschland keine einzige Untersuchung über einen Zusammenhang zwischen Studienerfolg und Vermittlungsmedium. Offenbar stören harte Untersuchungsfakten die subjektive Überzeugung, die unreflektierte Meinung und den Wunsch hipp und modern zu sein.
In der Tat: ein Studium ist trocken (gut wg. der Bücher und der Elektronik!) und ausgespochen frustrierend, die subtile Belohnung winkt erst nach langen, ermüdenden Jahren. Irgendwie schade!

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spon-facebook-512598660 14.12.2015, 17:32
7. Unis abschaffen

könnte man mit der gleichen Argumentation folgern. Diese verstärken schließlich die Ungleichheit, da sie meistens von bildungsnäheren Schichten belegt werden.

Jede Bildung ist sinnvoll!

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Newspeak 14.12.2015, 18:57
8. ...

Zitat von G.Real
In der Tat: ein Studium ist trocken (gut wg. der Bücher und der Elektronik!) und ausgespochen frustrierend, die subtile Belohnung winkt erst nach langen, ermüdenden Jahren. Irgendwie schade!
Wenn überhaupt.

Jeder, der in Deutschland studiert, sollte jedenfalls nicht darauf hoffen, für seine Leistungen jenseits der akademischen Welt auch nur irgendwie wertgeschätzt zu werden. Wir leben in einem wissenschaftsfeindlichen Land.

Ansonsten kann man sagen, daß Deutschland schon mal ein gerechtes Bildungssystem hatte. Ungefähr von 1945 bis 1989. Also solange es noch keinen Turbokapitalismus gab, nach dem sich alles richten durfte.

Moocs werden es also auch nicht richten. Wobei die Idee prinzipiell ja gut ist. Aber es bleiben eben unbeantwortete Fragen. Warum soll ein durchschnittlicher deutscher Professor einen Mooc anbieten, wenn Spitzenleute aus Harvard etc. das bereits zum selben Thema getan haben? Warum soll man einen sowieso kaputtgesparten Mittelbau bezahlen, wenn man einen Onlinekurs nur einmal aufzeichnen muß? Vielleicht wird man aus Kostengründen auch demnächst die Praktika abschaffen oder "outsourcen". Dann könnte man sich die Unis eigentlich direkt sparen. Nur Wasserköpfe an Verwaltung und Pressestellen, die die tollste neue Forschung kommentieren reicht doch eigentlich auch. Schon heute bekommt man eher eine Dauerstelle, wenn man Bull...jobs im Umfeld der Wissenschaft macht, als in der Wissenschaft selber arbeiten möchte. Wir brauchen mehr Pressestellen und mehr Berater und mehr Leute in der Verwaltung!

Akademische Lehre ist eben nicht nur eine Pflichtveranstaltung. Die besten Leute haben aus der Lehre auch immer Inspiration für die Forschung gezogen. Dazu gehört aber die Interaktion mit den Leuten, auch die "dummen" Fragen der Studenten. Ob Moocs das leisten können, und wie, das sollte man zumindest debattieren.

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territrades 14.12.2015, 19:08
9. Schon vor den MOOCS

Schon vor den MOOCS gab es genügend Möglichkeiten für jedermann sich kostenlos weiterzubilden. Im Internet gibt es Unmengen Ressourcen, in den Deutschen Bibliotheken sind Fachbücher kostenfrei einsehbar, einscanbar oder ausleihbar. Wer in Deutschland ungebildet ist, ist entweder unfähig oder unmotiviert. Die Anerkennung der so erlangten Bildung ist schwieriger, fast alle anerkannten Zertifizierungen kosten gut Geld. Da sollte im Zweifelsfall vielleicht das Amt die Kosten übernehmen, wenn beispielsweise ein Autodidakt die Meisterprüfung als Externer ablegen will.

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