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Motivation von Schülern: "Jeder hat das Potenzial für eine Eins"
DPA

Knorrige Despoten und autoritäre Antreiber sind als Lehrer nicht mehr gefragt - aber wie dann die Schüler anspornen? Eine neue Studie zur Motivation im Klassenzimmer stellt überraschend einfache und billige Maßnahmen vor, die jeder Pädagoge nutzen kann.

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BettyB. 11.03.2014, 12:09
1. Tolle Idee

Nur dumm, wenn die Schüler nicht dumm sind und sich verarscht fühlen...

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jochenobst 11.03.2014, 12:15
2. Gute Worte und ernst gemeinter Ansporn

werden meiner Meinung nach in unserem Schulsystem und generell in der Gesellschaft gnadenlos unterschätzt. Viel zu viele Lehrer schmettern etwas problematischen Schülern wesentlich zu oft Plattitüden wie:"Du kannst doch mit deiner 4 noch glücklich sein" entgegen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung.
Die daraus resultierenden Probleme greifen tiefer als man vielleicht auf den ersten Blick denkt, denn Schüler die sich selbst keine Chancen auf gute Noten ausrechnen und klein gehalten werden werden diese natürlich auch nicht erreichen. Auf meinem Blog habe ich einige Überlegungen zu diesem Thema angestellt, ich freue mich dort über jeden Besucher!

http://graustufen1989.blogspot.de/2014/01/von-schreienden-nachbarn-und-die-mar.html

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Suppenelse 11.03.2014, 12:15
3. Zustimmung und Zweifel

Wenn man den Artikel so liest, kommen einem manche Gedanken.
Einerseits Zustimmung - vieles klingt nachvollziehbar und logisch.

Anderseits aber auch Zweifel. Erstens: Wenn die Schule auf das spätere Leben vorbereiten soll (insbesondere das Berufsleben), sind Vorschusslorbeeren nach dem Motto "Jeder kriegt zunächst eine Eins", ist das dann wirklich die richtige Art der Konditionierung? Vielleicht in frühen Schuljahren, aber irgendwann wird man zu dem übergehen müssen, was im Rest des Lebens auf die Leute wartet, und das sind eben gerade keine Vorschusslorbeeren.

Zweiter Gedanke: Die Überschrift "Jeder hat das Potenzial für eine Eins" mag kuschelig klingen, aber es stimmt einfach nicht. Die Menschen sind unterschiedlich. Unterschiedlich intelligent, unterschiedlich leistungsfähig, unterschiedlich begabt. Manches lässt sich durch Fleiß auszugleichen, manches aber auch nicht. Man tut Kindern keinen Gefallen, wenn man ihre Unterschiede auszublenden und wegzudiskutieren versucht. Mit dieser Erkenntnis wären uns wahrscheinlich einige Schul-Experimente vergangener Zeiten erspart geblieben.
Insofern sehe ich in der Studie - die vom Artikel hoffentlich richtig und halbwegs umfassend wiedergegeben wird - positive Denkansätze, aber auch Gefahren.

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DenkZweiMalNach 11.03.2014, 12:31
4. irreführende Überschrift

Förderung von Schülern ist immer gut, aber es ist grober Unfug behaupten zu wollen, dass jeder ein "Eins" schreiben könne.
Dann brauchte es gar keine Zensuren mehr. Die sollen aber nicht nur den Leistungswillen und Motivation (bei grösseren Schülern) sondern auch deren Möglichkeiten abbilden. Intelligenz ist nun einmal verschieden.

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mgoedert2603 11.03.2014, 12:33
5. Gewolltes Versagen ist an der Tagesordnung

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz bzgl. der Benotung von Schülern: Es dürfen nicht alle gleich gut sein! Wenn eine Klasse in einem Fach durchweg gute Noten erhält wird der Lehrer zum Gespräch gebeten. Eine Verteilung über den gesamten Notenschlüssel ist gewollt.

[IRONIE]Wo käme wir denn hin, wenn plötzlich jeder Schüler die Voraussetzungen fürs Gymnasium erfüllt[/IRONIE]

Und das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern von praktizierenden Lehrern erfahren...

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pescador 11.03.2014, 12:33
6.

Zitat von BettyB.
Nur dumm, wenn die Schüler nicht dumm sind und sich verarscht fühlen...
Eben! Grundregel der Motivation: "jede extrinsische Motivation vermindert die intrinsische Motivation". Bedeutet: durch motivierende Maßnahmen werden die bereits von sich aus motivierten Schüler demotiviert. Und genau dieser Effekt wird bei vielen Motivationsstudien indirekt gemessen: Da die Leistung der "guten" absinkt, scheint die Leistung der "schlechteren" anzusteigen. Bei absoluter Leistungsmessung (wo möglich) zeigt sich das relativ deutlich.

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kfp 11.03.2014, 12:34
7. Kontraproduktiv

Allen eine 1 zu geben und ihnen zu sagen, dass sie dafür kämpfen müssen, diese nicht zu verlieren, hat meiner Ansicht nach genau den entgegengesetzten Effekt wie erwünscht: Es ist nicht motivierend zu wissen, dass man nur verlieren kann oder bestenfalls das Niveau halten.

Neulich gab es doch hier auf SPON einen Artikel zur Kindererziehung (nicht in der Schule, sondern im Elternhaus), wo erklärt wurde, dass ehrliches Lob aufgrund eines konkreten Sachverhalts viel motvierender ist immer alles "toll" zu finden. Dieser Artikel schien wesentlich hilfreichere Beobachtungen und Tipps vorzustellen. Wäre in der Schule auch nicht verkehrt: Einfach aufmerksam sein, wenn Schüler sich ehrlich bemühen, und ihnen dafür Anerkennung zeigen (bzw. dort und nur dort Hilfestellung anzubieten, wo es hapert) ist viel effektiver und motivierender, als erst mal allen eine 1 zu geben und dann einen nach dem nächsten mit dem "Abstieg" zu "bestrafen", wenn er nicht genau Schablone X folgt.

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neolibby 11.03.2014, 12:34
8. das ganze scheitert in Deutschland daran, dass es in Deutschland fast keine Lehrer

Zitat von Suppenelse
Wenn man den Artikel so liest, kommen einem manche Gedanken. Einerseits Zustimmung - vieles klingt nachvollziehbar und logisch. Anderseits aber auch.....
mehr gibt, der Artikel suggeriert hier immer etwas anderes. Es gibt nur noch Lehrerinnen - und das ist das größte Manko in Deutschland.

Lehrerinnen können eine männliche Persönlichkeit bei jungen Menschen NICHT ersetzen - die haben ein Problem, weil sie selbst in der Regel als Mütter versagen und zuhause einen Milchreisbubi am Rockzipfel durchbringen. Außerdem neiden sie jedem anderen Kind, wenn es intelligenter ist, als das eigene.

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knightsurfer 11.03.2014, 12:35
9. Lernumfeld

Natürlich kann ein gutes Lernumfeld bessere Leistungen hervorbringen. Die genetische Disposition kann jedoch nicht durchbrochen werden, d. h. die kognitiven Fähigkeiten lassen sich nicht beliebig steigern. kurz: Halt hier Grenze. Die Lernungerechtigkeit in Deutschland kann vielleicht ein wenig abgemildert werden, der Aufwand steht jedoch in keinem Verhältnis zum Ertrag. Arbeiterkinder kommen nicht seltener an die Uni, weil sie ausgeschlossen werden, sondern weil Intelligenz erblich ist. Es ist eine unangenehme Wahrheit, aber die Unterschicht wird Unterschicht bleiben, weil ihr die Voraussetzungen fehlen. Natürlich sollte man versuchen das Potenzial aller auszuschöpfen, aber wo nichts ist lässt sich nichts schöpfen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde neu gewürfelt und die vorher starren Standesgrenzen konnten für Ausreißer durchbrochen werden. Durch die Jahrhunderte währende Ständeordnung in Deutschland konnte sich in allen Schichten Potenzial ansammeln, was sich dann den Weg nach oben suchte, nur scheint dieser Prozess jetzt dem Ende zuzugehen. Es wurde nach Befähigung neu sortiert.

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