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Mythos und Wahrheit: Das Abitur wird immer leichter - stimmt's?
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Immer mehr Abiturienten, immer bessere Noten - da kann doch was nicht stimmen: Wird der höchste Schulabschluss verwässert? Der Fakten-Check.

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sternenfuchs 29.10.2015, 18:00
60. Mythos und Wahrheit: Das Abitur wird immer leichter - stimmt's?

"Es bleibt vollständig offen, inwiefern die getroffene Auswahl repräsentativ für die zeitliche Entwicklung der Aufgabenqualität ist und nach welchen Kriterien diese Auswahl getroffen wurde", schrieben zwei Hamburger Professoren in einem Kommentar. Anders ausgedrückt: An willkürlich herausgegriffenen Aufgaben lässt sich so ziemlich alles demonstrieren - dass die Ansprüche steigen, sinken, konstant bleiben, wie es beliebt. Ganz abgesehen von der Frage: Was ist eigentliche eine schwere, was eine leichte Abituraufgabe? Die Autoren der Hamburger Mathe-Studie haben da wohl eher auf ihr Bauchgefühl vertraut. Aristoteles Irrtum: Aristoteles behauptete , dass schwere Objekte schneller zu Boden fallen als leichte .
Angenommen , man bindet das leichtere Objekt auf dem schwereren fest , so sind beide zusammen schwerer und sollten also schneller zu Boden fallen als jedes alleine . Wenn aber das leichte oberhalb des schweren eigentlich langsamer fällt , sollte es den gemeinsamen Fall bremsen ,sodass beide Objekte zusammen langsamer zu Boden fallen müssten als das schwere alleine . Da beide Folgerungen einander widersprechen , muss also Aristoteles´Ausgangsannahme falsch sein . Wenn man sich ein schweres und ein leichtes Objekt einmal in ruhigem Wasser und einmal im Sturm fliegend vorstellt , was bestimmt wohl die Geschwindigkeit des Falles ? Natürlich der Kontex ( Wasser oder Sturm ) und nicht die Schwere der Objekte . Weil solche Kontexteinflüsse immer mehr oder weniger stark existieren , kann die Grundannahme von Aristoteles nur falsch sein.
Prinzip des Widerspruchs :
Weil einzig die Veränderung konstant ist , ist auch der Widerspruch konstant .

In diesem Sinne :-) !

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Rooo 29.10.2015, 18:01
61. Hat nichts mit Intelligenz zu tun.

Kein intelligenter Mensch würde behaupten, dass das Abitur direkt oder verlässlich die Intelligenz von Menschen widerspiegelt. Dafür müsste man das Abitur in Form eines Intelligenztests gestalten. Daher sind sämtliche Kommentare, die von irgendwelchen Glockenkurven der Intelligenzverteilung berichten völlig am Thema vorbei.

Andersherum geht ja auch. Sie können so intelligent sein, wie Sie möchten. Damit können Sie auch unglaublich glücklich werden. Den IQ-Test können Sie sich auch 100 mal ausdrucken und an die Tapete nageln. Wenn Sie das Abitur trotzdem nicht bestehen, weil sie ADHS haben, einfach nur superfaul sind oder von den drögen Lehrern die Schnauze voll haben, dann nützt Ihnen das für das Abitur gar nichts.

Der Artikel trifft eigentlich den Kern der Sache: Jeder hier glaubt, er wisse genau warum immer mehr Menschen das Abitur machen, obwohl das absolut niemand auch nur halbwegs beweisen kann, da es hunderte gesellschaftliche, wirtschaftliche, biologische und sonstige Faktoren geben kann und wohl auch gibt, die auf die Abiturientenquote Einfluss haben.

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lini71 29.10.2015, 18:02
62. Ähmm

Zitat von Paddel2
Ein Verteilungsannahme hat immer einen relativen Charakter. Gleiches gilt jedoch auch für die Rolle von Hochschulen. Die Hochschulbildung passt sich ebenfalls mit der Zeit an und wir lehren heute andere Inhalte als noch vor 30 Jahren. Was bleibt ist jedoch ihre Rolle für aktuelle Forschung und damit orientiert sie sich stets an ungelösten Problemen und zielt damit immer ....
Also geben Sie mir recht:
Ein Mensch der vor 30 Jahren in den Top 20% war, wäre dies evtl. heute nicht mehr, da die Ansprüche gehoben/geändert wurden?
Ich sage ja nur:
Wer vor 30 Jahren zu den Top 20% gehörte, wäre heute vielleicht nur in den Top 40, trotzdem wäre er nicht dümmer, oder?
Nur halt relativ zur Peer Group nicht mehr so gut.

Und eben das ist die Fragestellung des Artikels:
Ist die Basis eine andere, oder sind mehr Menschen schlau?

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lini71 29.10.2015, 18:08
63. Machen Sie

Zitat von waldemar
... beim Kelleraufräumen habe ich meine alten Vorbereitungsbücher für die mittlere Reife Anfang der 80er gefunden. ..... Am Ende hat sie mir leidgetan ...
mal dem umgekehrten Test.
Also versuchen Mathematik, Englisch und Deutsch Aufgaben, die jetzt gefragt werden..

Ein Versagen auf der ganzen Linie wird es werden....
Weil dei Aufgabenstellungen sind ganz andere.
Übrigens in den 80er Jahren gab es noch Schreibbüros und keine Computer...

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lini71 29.10.2015, 18:12
64. Sind das dieselben

Zitat von olebjoernmose
...schauen Sie sich doch heute mal die Leute an, die in die Betriebe mit Abi kommen. Rechtschreibung mies, Mathe ne Katastrophe. Allgemeinbildung übel. Nicht alle, aber viel mehr als früher. Wer braucht da ne Studie?
die den anwesenden Menschen, dann in Excel, Outlook und Word behilflich sein müssen, weil die Stammbelegschaft damit nicht gut umgehen kann?

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Orthoklas 29.10.2015, 18:18
65. @ #5, Darkace82

Bei allem Respekt vor Ihrer Meinung - allein: sie scheint bloßes Bauchgefühl zu sein. Als Lehrer, der jeden Tag dutzende Schüler unterrichtet und schließlich zum Abitur führt, kann ich nur das Gegenteil behaupten. Es ist sehr wohl ein beachtlicher Leistungsrückgang zu beobachten - in allen Bereichen. Die Schulen arbeiten unter Volllast, meine Kollegen und ich 60 Stunden die Woche. Dazu Inklusion und G8. Demnächst Flüchtlingsklassen. Das Niveau bei Abiturprüfungen sinkt seit Jahren. Und Sie erzählen hier, dass etwas mehr Motivation, die die Lehrer herauszaubern sollen, die Wende bringe. Sorry, das ist - leider - absoluter Unsinn. Das Problem ist unser System - der Fisch stinkt vom Kopf her, wenn Sie verstehen...

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gandalfderdumme 29.10.2015, 19:06
66. klare Sache

Fragen Sie doch mal die Lehrer und Betriebe SPON: Das Niveau der Schüler nimmt dramatisch ab, Inhalte von vor 5-10 Jahren aus der Realschule werden heute von Gymnasiasten nur ebenso bearbeitet. Die ausbildenden Betriebe senken jedes Jahr ihre Anforderungen und passen Einstellungstests an - es wird dadurch keiner besser, aber der Azubi mit einer heutigen 1 war vor ca. 5 Jahren im Bereich 5-6 anzusiedeln.
Heutzutage werden in Jahrgang 5 ca. 60% der Schüler aufgenommen, aber nur ca. 30% machen heute Abitur. Wo bleibt der Rest? Der wird "abgeschult" und besucht die Real- und Hauptschule.
Man versucht zwar krampfhaft immer mehr Fächer so zu entschärfen, dass dort kleiner mehr eine 5 oder schlechter bekommt (z.B. Englisch durch das wunderbare "Hörverstehen"), aber gegen alle Dummheit ist noch kein Kraut gewachsen und so landen zum Glück nicht alle beim Abitur.

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dull77 29.10.2015, 19:11
67. Internet machts möglich

Ich habe in den letzten Jahren zwei Schüler auf ihrem Weg zum Abitur begleiten dürfen (meine Kinder). Ohne ständige Recherchen im Internet hätten beide wohl das Abitur bestanden - nicht aber mit den von ihnen erreichten Druchschnittsnoten.

Da liegt für mich die Antwort auf die gestellte Frage. Das was Lehrer versäumen können die Schüler heute im Internet "nachholen" und das tun sie oft und gerne ...!

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alasiaperle 29.10.2015, 19:15
68.

Es ist nicht einfacher geworden, weil man jetzt in mehr Fächer "gut" sein muss als früher. Dadurch fehlt, ganz klar, der Tiefgang der einem zum "Besten" macht.

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syracusa 29.10.2015, 19:26
69.

Zitat von rolf.piper
Ja, Syrakusa, sie haben recht! Bei uns sah das dünnemals ähnlich aus. Aber das damit entstehende Problem haben sie ausgeklammert: etwa 4/5 der Schüler sind gescheitert: wissen sie, wie das auf einen jungen Menschen wirkt, festzustellen, ich bin eine Flasche? Das Bildungssystem darf nicht solche Menschen hervorbringen!
Ja, ich gebe Ihnen da uneingeschränkt recht. Dass ich die damalige extreme Auslese in Bayern erwähnte, diente nicht dem Zweck, diese zu verteidigen.

Ich bin durch und durch ein "68er" und denke immer noch, dass diese Kulturrevolution unser Land mehr als alles andere zum Besseren verändert hat (und ich denke, dass der wesentliche Unterschied zwischen Wessies und Ossies genau der ist, dass die Ossies kein "68" hatten). Eine der großen Errungenschaften ist die noch immer nicht vollendete Chancengleichheit aller Kinder aus allen sozialen Schichten. Noch immer haben es Unterschichtenkinder bei gleichem IQ sehr viel schwerer als Akademikerkinder, einen guten Bildungsabschluss zu erreichen. Aber wir arbeiten dran.

Übrigens mit ich anders als viele anderen 68er trotzdem kein Verächter elitärer Ausbildungsgänge. Aber das muss natürlich eine Elite sein, die sich nicht durch Geld und Abstammung begründet, sondern eine Elite, die sich durch Talent, Wissbegierde und soziale Leistungsbereitschaft begründet.

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