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Mythos und Wirklichkeit: "Wer in der Schule Latein hatte, gilt als höher gebildet"
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Menschen, die Latein in der Schule hatten, können besser logisch denken und lernen leichter andere Sprachen? Der Soziologe Jürgen Gerhards erklärt, warum beides ein Mythos ist.

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august2019spiegel 02.09.2019, 15:45
50.

Zitat von Papazaca
„Und Latein hilft nicht, Sprachen, besonders lateinische Sprachen besser zu verstehen?“
Welchen Teil von „Wer Latein gewählt hatte, hatte keinen Vorteil gegenüber Schülern, die in derselben Zeit eine moderne Fremdsprache gelernt hatten“ war da unklar?

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timo0105 02.09.2019, 15:45
51. Volle Zustimmung

Zitat von The Restless
Erst während ich Latein lernte, begriff ich die deutsche Grammatik - so ganz nutzlos war der Unterricht nicht.
So ging es mir auch. Erst durch Latein habe ich die deutsche Grammatik begriffe. Dass ich kein Einzelfall bin, sah man damals an den Grammatikarbeiten, die wir im Deutschunterricht schrieben (z.B. zum Konjunktiv). Die "Lateiner" schnitten signifikant besser ab als die "Franzosen".

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skiski-bowski 02.09.2019, 15:46
52. Bildung ist das Thema

Ich beherrsche sowohl Latein als auch Altgriechisch. Daneben auch noch vier lebende Sprachen, außer Deutsch. Haben mir die toten Sprachen geholfen? Ja, aber. Nicht unbedingt, um die Sprachen zu erlernen. Viel wichtiger finde ich die durch die Beschäftigung mit den Sprachen gewonnene Erkenntnis, es hat sich in den letzten knapp 3000 Jahren nichts geändert. Die Menschheit ist genauso verrückt wie früher. Hätte ich diese Erkenntnis auch durch Übersetzungen gewinnen können? Ja, aber. Moderne Übersetzungen weichen in vielen Fällen deutlich von meinem Textverständnis ab. Nachtrag. Die Menschheit ist tatsächlich verrückt, sie läuft sehenden Auges in den Untergang, siehe die gestrigen Wahlergebnisse. Quod erat demonstrandum. Et expectandum.

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smilesuomi 02.09.2019, 15:50
53. Eigentlich ist...

...die wissenschaftliche Aussagekraft dieses Soziologen schon sehr fraglich, da er sich auf Studien bezieht, die einen klar erkennbaren systematischen Fehler haben. Wieso sollte eine Bewerbung mit Latein als Fach einer Bewerbung ohne Latein vorgezogen werden. Das mag im Einzelfall auch mal anders laufen. Statistisch gesehen hat doch logischerweise der einen Bewerbungsvorteil, der "mehr gelernt hat". Also wenn ich mich als Verantwortlicher zwischen zwei nahezu identischen Bewerbern entscheiden muss, dann sollte klar sein, dass der, der mehr gelernt hat, bessere Chancen hat. Es wäre wohl eine größere Aussagekraft, wenn der eine Bewerber Latein und der andere eine moderne Sprache aufweisen könnte (vielleicht eher eine wenig gesprochene (um nicht den Vorteil in die andere Richtung zu offensichtlich zu machen). Bleibt unterm Strich die Frage, warum sollte der Bewerber ohne Latein denn bevorzugt werden, wenn ansonsten alles gleich ist....wie sah es denn mit den Sternzeichen aus....

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exHotelmanager 02.09.2019, 15:50
54. Befremdlich

ist die erste Frage. Mir käme zunächst der berufliche Einsatz einer Fremdsprache in den Sinn, denn Urlaub gibt es nur, wenn man arbeitet. Ist das bei Journalisten anders?

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spmc-12355639674612 02.09.2019, 15:51
55. Ich habe

z. B. Italienisch in ca. 6 Wochen gelernt, WEIL ich sehr gut Latein konnte und immer noch kann (Texte von Cicero fließend zu lesen, also nicht mühsam zu übersetzen, ist für mich kein Problem). Das Upper-Class-English lernt man mit guten Lateinkenntnissen wesentlich schneller. Latein ist DIE europäische Sprache schlechthin, die einzige, in der man Texte der letzten 2000 Jahre durchgehend versteht (das "Deutsch" oder "Englisch" des 12. Jhdt. versteht man ohne Übung praktisch nicht) und ausgesprochen international: selbst in den USA, in Japan, Russland und sogar in China gibt es Leute, die Latein nicht nur lesen, sondern auch sprechen können. Besonders in den USA gibt es immer mehr Gruppen, die das praktizieren. Warum sollte man es also nicht lernen? Und wie sagte Seneca? "Wir lernen für die Schule, nicht für's Leben." (dieser Spruch wurde von wohlmeinenden Pädagogen leider viel zu oft falsch herum zitiert.)

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Sibylle1969 02.09.2019, 15:55
56.

Ich hatte Latein als zweite Fremdsprache (war an unserer Schule Pflicht) und habe es nicht bereut. Ich hätte aber ganz sicher bereut, neben Englisch nicht noch eine weitere lebende Fremdsprache gelernt zu haben. Als dritte Fremdsprache hatte ich Französisch, was mein Leben in vielerlei Hinsicht stark bereichert hat. Mein Lateinlehrer wollte mich dazu überreden, stattdessen Altgriechisch zu nehmen, was bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe. Als vierte Fremdsprache habe ich freiwillig noch Spanisch gelernt. Letztendlich ist Latein auch ein Aussiebinstrument, schon in meiner Klasse scheiterten ein Drittel aller Schüler in Klasse Sieben an Latein. Daher auch die Vorliebe von Eltern für Latein, die sich davon ein höheres Niveau in der Klasse und dadurch eine Abgrenzung nach unten erhoffen. Eine frühere Kollegin wollte allen Ernstes ihre Tochter auf das einzige Gymnasium in Frankfurt schicken, das Latein verpflichtend als erste Fremdsprache anbietet, weil da das Niveau höher sei. Ich hab versucht, es ihr auszureden...

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GyrosPita 02.09.2019, 15:57
57.

Zitat von muellerthomas
Englisch lernt man ohnehin in der Schule und die Zahl der Menschen, die neben Englisch und Latein noch weitere Sprachen lernen, dürfte sich doch sehr in Grenzen halten. Insofern darf m.E. durchaus zu Recht gefragt werden, ob es nicht sinnvoller wäre, direkt neben Englisch noch eine aktuelle Sprache zu lernen. Aber schön, dass Sie als Hochgebildeter jemanden direkt abkanzeln, weil er auf Basis wissenschaftlicher Studien zu einer Ansicht gelangt, die der Ihren widerspricht.
Haben sie überhaupt verstanden was der Forist dem geneigten Leser mitteilen wollte?

Latein ist die Grundlage ALLER romanischen Sprachen sowie in großen Teilen des Englischen. Ich hatte in der Schule neben Latein (ab Klasse 5) Englisch (ab Klasse 7) sowie Französisch (ab Klasse 9). Später gab es noch die Möglichkeit Spanisch oder Italienisch zu belegen. Vor allem in Französisch kamen mir sehr viele Dinge sehr bekannt vor. Die Meinung des Verfassers der Studie teile ich ebenfalls nicht. Nur weil ein paar Pflaumen sich mit Smartphone-Englisch zufrieden geben das man "ohnehin" in der Schule lernt ("press any key") muß der Rest der Welt sich nicht ein Brett vor den Kopf nageln um Chancengleichheit herzustellen.

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apalopta 02.09.2019, 15:58
58. Als ob es nur der Sprache wegen wäre

Ich war an einem neusprachlichen Gymnasium mit Latein/Englisch/Französisch, war nie der Latein-Vollchecker, aber irgendwas hatte es doch:
Wir hatten engagierte Lehrer, die uns noch ein paar Brocken Griechisch (weil da die Römer immer geklaut haben), ein Gutteil des altertümlichen Geschichtsstoffs, Bezüge zur europäischen Entstehungsgeschichte und noch etliches mehr nahegebracht haben.
Es ist vielleicht eine „tote“ Sprache, aber in Europa haben die Römer einen sehr fetten Fußabdruck hinterlassen.
Es wird einfach noch interessanter, wenn man auch sprachlich eintauchen kann.
Abgesehen davon: ja, ich finde es auch total praktisch, Fremdworte mit diesen Grundlagen leichter herleiten zu können.
Im Übrigen kann man trotzdem in Mathe/Physik Abi machen und auch Informatik studieren ;-)
Fazit: Man braucht es heutzutage nicht zum Leben, aber es kann bereichern, wenn man was draus macht.

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spmc-12355639674612 02.09.2019, 16:00
59. @FerrisBueller #4: Programmieren und Latein

Man soll nicht Programmieren STATT Latein lernen, sondern Programmieren UND Latein. Sie werden sich wundern, wie gerne Firmen wie Google und Amazon Programmierer mit sehr guten Fremdsprachenkenntnissen auch Lateinkenntnissen) einstellt. Dasselbe gilt für Chemie: Man muss Chemie UND Physik können! Und um das alles zu lernen, sollte man damit möglichst früh beginnen, nicht erst an der Uni.

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