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Nach 16 Befristungen: Gericht spricht wissenschaftlichem Mitarbeiter Festanstellung z
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Erfolgreiche Klage nach 16 befristeten Arbeitsverträgen: Weil ein Mitarbeiter über ein Landesprojekt finanziert wurde, erkannte ihm das Arbeitsgericht Gießen eine Festanstellung zu. Das Urteil könnte bundesweit Folgen haben.

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Hamberliner 01.08.2014, 18:16
1. NichtKettenverträge und Befristungen, sondern Berufsverbote sind das Problem.

Zitat von sysop
Erfolgreiche Klage nach 16 befristeten Arbeitsverträgen: Weil ein Mitarbeiter über ein Landesprojekt finanziert wurde, erkannte ihm das Arbeitsgericht Gießen eine Festanstellung zu. Das Urteil könnte bundesweit Folgen haben.
Ich hatte Mitte der 1990er nach 8 Jahren erfolgreicher Forschung an der Uni quasi ein gesetzliches Berufsverbot. Hätte ich dies nicht gehabt, wär ich gerne wissenschaftlicher Mitarbeiter geblieben, die Befristungen hätten mich nicht gestört. Diese waren allerdings immer Verträge über mehrere Jahre, dem Forschungsprojekt entsprechend. Im vorliegenden Fall waren die Befristungen entschieden zu kurz.

Ich habe nichts gegen Kettenverträge, ich habe davon glücklich und gut gelebt und gearbeitet.

Die beiden falschen Ideologien, die mich stören, sind
a) Der Irrglaube, der Beruf des wissenschaftlichen Mitarbeiters (mit Promotion) sei so eine Art Ausbildung, die irgendwann einmal zuende sein müsse und
b) Arbeit sei auch in der Forschung ein amorphes, begrenztes Gut, das gerechterweise auf möglichst viele verteilt werden müsse, egal wie gut oder schlecht diese qualifiziert sind.

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Drake_De 01.08.2014, 18:24
2. wer jetzt denkt

,dass viele Wissenschaftliche Mitarbeiter auf einmal festangestellt werden, der täuscht sich. Es gab schon einmal ein ähnliches Urteil, dass dann dazu geführt hat, dass Mitarbeiter, sobald die Frist abgelaufen ist, einfach entlassen werden. Es kommt ja genügend Material von unten nach.
Das fördert nicht die Qualität der Forschung sondern sorgt nur dafür dass automatisch Leute nach x Jahren nicht mehr verlängert werden, egal ob das Projekt fertig ist oder nicht, Hauptsache die Frist ist eingehalten!
Diese ständigen Kurzfristigen Verträge die zu dem jetzigen Zustand und Urteil geführt haben, sind übrigens ein Resultat des ersten Urteils.

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jujo 01.08.2014, 18:27
3. ...

Zitat von sysop
Erfolgreiche Klage nach 16 befristeten Arbeitsverträgen: Weil ein Mitarbeiter über ein Landesprojekt finanziert wurde, erkannte ihm das Arbeitsgericht Gießen eine Festanstellung zu. Das Urteil könnte bundesweit Folgen haben.
Mit Verlaub Herr Richter, Zeitverträge über 10 Jahre sind nicht problematisch sondern eine Sauerei gegenüber den abhängig Beschäftigten

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bernimausi 01.08.2014, 18:46
4. so einfach ist es nicht

Wissenschaftlicher Mitarbeiter auf Dauer (auch mit Promotion) ist ja nun kein Berufsziel! Diese Stellen sollen immer auch der Qualifikation dienen (Promotion und früher auch Habilitation) und haben die wichtige Funktion dem Nachwuchs eine Chance eben darauf zu bieten. Eine Einstellung auf Dauer widerspricht diesem Ziel fundamental! Die Wissenschaft kommt nicht durch in Ehren ergrauten wissenschaftlichen Mitarbeitern weiter, sondern durch jungen Nachwuchs mit frischen neuen Ideen.

So und nun bitte alle über mich herfallen!!!!

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st_ivo 01.08.2014, 19:26
5. Pyrrhussieg

Wenn solche Zeitverträge nach 10 Jahren automatisch Festanstellungen werden, wird es sie in Zukunft eben nicht mehr geben, d.h. die Leute werden nach 5 Jahren durch andere ersetzt. Den Universitäten kann man das nicht vorwerfen - Dauerstellen, die sie nicht haben, können sie auch nicht besetzen.

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bumminrum 01.08.2014, 20:40
6. Für mich steht die

wissenschaftliche Leistung vieler Hochschulen usw. sowieso in Frage. Wer glaubt denn ernsthaft mit dem System der Jungakademiker ohne Berufserfahrung direkt nach dem Studium könnte wissenschaftliche Höchstleistung erzielt werden. Das ist ein Witz!!! Gute Ergebnisse kommen von Instituten mit langjährigen hochqualifizierten Mitarbeitern und einem Stammpersonal im technischen Unterstützungsbereich. Dazu noch die Parallelforschung am gleichen Thema in den Bundesländern. Alles auf Mittelmaß getrimmt.

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Dr.Fuzzi 01.08.2014, 22:49
7. Och Joh!

Zitat von jujo
Mit Verlaub Herr Richter, Zeitverträge über 10 Jahre sind nicht problematisch sondern eine Sauerei gegenüber den abhängig Beschäftigten
Unabhängig von der realen Sauerei, schreiben sie fast nebenbei das entscheidende Wort, das diese Mitarbeiter scheinbar daran hindert, sich anderswo ein kommodes Auskommen in Festanstellung oder Selbständigkeit zu suchen und zu finden - ABHÄNGIG.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Jahre benötigt habe, meine seinerzeitige Partnerin davon zu überzeugen, das ein berufliches Leben auch außerhalb des eher mager bezahlten universitärem Betriebs mit Professoren im Gutsherrenwahn existiert.

Scheinbar existiert tatsächlich eine gewisse Abhängigkeit der betreffenden Personen, immer wieder einen max. mittelfristigen Vertrag zu mageren Konditionen einzugehen, statt sich einmal selbständig anderweitig zu orientieren - irgendwie wird damit ja oft tatsächlich auch die Bindung zum gewohnten Umfeld der letzten Ausbildung beendet.

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Hamberliner 01.08.2014, 23:45
8. Re: so einfach ist es nicht

Zitat von bernimausi
Wissenschaftlicher Mitarbeiter auf Dauer (auch mit Promotion) ist ja nun kein Berufsziel! Diese Stellen sollen immer auch der Qualifikation dienen (Promotion und früher auch Habilitation) und haben die wichtige Funktion dem Nachwuchs eine Chance eben darauf zu bieten. Eine Einstellung auf Dauer widerspricht diesem Ziel fundamental! Die Wissenschaft kommt nicht durch in Ehren ergrauten wissenschaftlichen Mitarbeitern weiter, sondern durch jungen Nachwuchs mit frischen neuen Ideen. So und nun bitte alle über mich herfallen!!!!
Aus Deinem einzigen früheren Posting schließe ich: Du bist Hochschullehrer. Zur Information: o.g. Unsinn hätte mich fast das Leben gekostet. Der Ölpreis lag bei 16$/barrel, also herrschte in meiner Branche Investitions- / Forschungs- / Wissenschaftler-Einstellungsstop. Es gab keine Jobs zu meinem Fach in der Industrie, als das Berufsverbot nach §57HRG mich zum Gehen zwang, die gab es erst 10...20 Jahre später wieder. Wenn ein Prof. darauf hinwirkt, dass Wissenschaftler nach wenigen Jahren ihren Job verlieren, macht er sich dafür verantwortlich, dass diese Leute auf ihrem Gebiet von der Industrie übernommen werden und kann nicht einfach Forschungs- oder Promotionsthemen vergeben, bei denen nicht klar ist, welche Unternehmen den Kandidaten nach der Promotion oder nach dem FuE-Projekt aufgrunddessen unbedingt übernehmen möchten.

Und zwar meine ich damit die Ingenieurwissenschaften.

Wer als Hochshullehrer absichtlich Taxifahrer oder Langzeitarbeitslose produziert, an dessen Händen klebt das Blut derjenigen, die erst summa cum laude promovieren und dann keinen anderen Ausweg sehen als "Schluss" zu machen.

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LapOfGods 02.08.2014, 01:23
9.

5 Jahre? Wissen die wie lange 5 Jahre sind?

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