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Nach Streit um Matheabitur: Lehrerverband hält zentralen Aufgabenpool für gescheitert
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Eine bundesweite Sammlung von Abi-Aufgaben sollte die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern erhöhen - brachte aber vor allem Ärger. Nun wendet sich der Lehrerverband gegen den Pool von Prüfungsstoffen.

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Gaztelupe 03.06.2019, 19:17
10. Nicht alles, aber etwas war früher schon besser

Ein älterer Lehrer an meiner Grundschule, der seine Schüler noch auf Schiefertafeln schreiben ließ, schickte manchmal einen von ihnen mit etwas Geld in den Laden gegenüber, um ihm Zigaretten zu holen. Für die Eltern war das kein Skandal, eher eine Auszeichung für den Zigaretten-Boten, der somit ganz allein - wohlgemerkt: nicht im Schutz der Gruppe! - eine Aufgabe mit Verantwortung übernehmen durfte.

Der Unterricht an der Grundschule war Schulunterricht, nicht die heute übliche Fortführung der Kita mit anderen Mitteln. Es gab keine Rohrstockdisziplin, aber erhobene Stimmen und Strafarbeiten - eine Maßnahme, die damals noch keine Menschenrechtskommission auf den Plan rief und auch keine empörten Helikoptereltern anrauschen ließ. Es wurde strukturiert und sehr anschaulich unterrichtet. Einmal schleppte ich unseren Kater mit in die Schule, den durch meine Erzählungen in der Klasse prominent gewordenen Mäuse- und Rattentöter. Unsere Lehrerin kam dem Wunsch einiger, dieses Tier mal zu inspizieren, gerne nach. Sie war gut, sie konnte eine Unterrichtsidee sofort erkennen. Der Kater fand das auch ganz in Ordnung. Abwechslung war Abwechslung, noch kein den Lernprozess verödendes Programm.

Die Grundschule hat hier durchaus etwas zu suchen: Weiterbildende Schulen können nicht geradebiegen, was an der Grundschule schief gelaufen ist; auch keine pseudo-progressiven Profiloberstufen, die den gereiften Schülern nicht mehr, sondern letztlich weniger Optionen bieten.

Und schon gar nicht können bundesweit einheitliche Abituraufgaben irgendein Niveau erhöhen, das in den Grundschulen künstlich niedrig gehalten wird: Durch destrukturierten Unterricht, durch Überfrachtung mit Inhalten, durch zu frühe Integration digitaler Medien. Die Grundschule ist es, in der das Lernen gelernt werden muss, wie man so schön sagt.

Und das wird mehr und mehr verhindert.

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bissig 03.06.2019, 19:27
11. Ein zentraler Aufgabenpool

ergibt nur dann einen Sinn, wenn alle Schüler gleiche Voraussetzungen haben. D.h. überall wird der gleiche Stoff behandelt, überall sind die Lehrer entsprechend fähig, und überall wird es gleich wenig Stundenausfälle geben.

Solange wir das nicht haben, wird das nix. Und ich sehe das auch noch nicht in 50 Jahren. Das liegt an ungeeigneten Lehrern, verschiedenen Lehrplänen, verschiedenen Voraussetzungen bei den Schülern, ...
ein zentrales Abitur, welches alle akzeptabel finden, wird sich wohl nur durch Absenkung der Anforderungen umsetzen können - eine Chancengleichheit wird es dann aber auch nicht geben.

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unpolit 03.06.2019, 20:57
12. Wenn Sie das weiter denken,

Zitat von bissig
ergibt nur dann einen Sinn, wenn alle Schüler gleiche Voraussetzungen haben. D.h. überall wird der gleiche Stoff behandelt, überall sind die Lehrer entsprechend fähig, und überall wird es gleich wenig Stundenausfälle geben. Solange wir das nicht haben, wird das nix. Und ich sehe das auch noch nicht in 50 Jahren. Das liegt an ungeeigneten Lehrern, verschiedenen Lehrplänen, verschiedenen Voraussetzungen bei den Schülern, ... ein zentrales Abitur, welches alle akzeptabel finden, wird sich wohl nur durch Absenkung der Anforderungen umsetzen können - eine Chancengleichheit wird es dann aber auch nicht geben.
dann müssen im Studium alle Stunden den gleichen Weg zur Uni haben, über das gleiche Budget, insbesondere auch Zeit-Budget verfügen, um diesen Abschluss vergleichbar hinzubekommen.
Und im Beruf sollten dann natürlich auch gleiche Bedingungen als Voraussetzung für gleiche Leistung vorhanden sein.

Aber das ist doch unrealistisch. Wir alle verfügen über so viele individuelle Merkmale und Rahmenbedingungen, Sie können nur das Ergebnis bewerten. Ja, es ist suboptimal, wenn sich Eltern in der Prüfungs-Zeit Scheiden lassen, jemand stirbt oder schwer krank wird.
Aber oft gelingt es, aus diesen Phasen Kraft zu tanken. Und etwas für sein Leben zu Lernen.
Ich halte eine bundesweit einheitliche Prüfung, basierend auf bundesweit einheitlichen Lehrplänen, für längst überfällig.

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stammtischschreck 04.06.2019, 08:59
13. Warum erst Abitur?

Nachdem man 12 oder 13 Jahre unterschiedliche Konzepte verfolgt hat, will man dann Einheitsprüfungen. Wie soll das funktionieren? Müsste man nicht mit Standards anfangen, die wenigstens nach der 2., 4. 6. Klasse und dann jährlich gelten?
Und auch nicht nur individuell (=Versetzung), sondern auch empirisch (=> Gehaltsbestandteile für Lehrer!?).
Wenn das von unten nach oben durchgängig wäre, ergäbe sich eine Art einheitliches Abitur ja fast folgerichtig.
Aber wahrscheinlich wollen viele Länder diese Vergleiche ja gar nicht, weil dann ja auffiele, welchen pädagogischen Müll sie schon in der Grundschule verzapfen (Schreiben nach Gehör usw....).

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anders_denker 04.06.2019, 09:08
14. lernen lernen lernen

das ist das erfolgsrezept. eigentlich ist es schon peinlich, wenn man erwähnen muss, das es selbst in der türkei für alle einheitliche prüfungen gibt, in deutschland aber jeder landesfürst über die zukunft und oft genug das "verschenken" eines abi entscheidet. es geht nicht darum möglichst viele abiturienten zu produziren, sondern kompetente. und die messlatte ist das abitur, welches schon aus gründen der chancengleichheit für alle die es ablegen gleich zu sein hat und mit gleichen maßstäben bewertet werden muss. alles andere ist schlichtweg betrug an denjenigen die gelernt haben und zu leisten vermögen.

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IsmiraSchlecht 04.06.2019, 12:05
15. Scheitern sollte erlaubt sein

Bei meinem Abschluss in der Realschule vor vielen Jahren kam im Fach BWR (Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen) ein Themengebiet dran, das wir gar nicht im Unterricht besprochen hatten. Der Lehrer, das gab er hinterher zu, hatte es einfach vergessen. Wir haben uns einfach damit abgefunden, dass wir deswegen im Schnitt um eine Note schlechter abgeschnitten haben als der Rest der Schule. Trotzdem kamen die zwei Jahrgangsbesten aus unserer Klasse und soweit ich weiß haben sie auch jeweils gute Ausbildungen angefangen und ich habe über den 2. Bildungsweg studiert. Irgendwie ging das früher. Da musste man nicht mal Abi haben, um etwas zu erreichen, während heute alle, die kein 1,0 Abi haben, arme Schweine sind, aus denen eh nichts mehr Gescheites wird.
Ich finde, das alles geht in die falsche Richtung, besonders dieses nachträgliche Schrauben an den Ergebnissen. Wenn generell die Möglichkeit zur Verbesserung per mündlichen Prüfung eingeräumt wird, dann ist das ja okay, aber nicht nur für ein Jahr und ein Fach, weil die Prüfung vermeintlich zu schwer war. Wir müssen wieder zu einem normalen Maß zurückfinden, wenn wir das Abitur - und damit alle anderen Abschlüsse! - nicht noch weiter entwerten wollen. Eine schlechter(e) Note im Zeugnis muss halt auch mal hingenommen werden. Dann kann man eben kein Medizin studieren (oder nicht sofort). Wollte ich auch, konnte ich nicht, bin auch nicht traurig deswegen und nun zufrieden mit meinem Job in der Informatik. Ich verdiene deswegen nicht schlechter und wahrscheinlich habe ich sogar die besseren Arbeitsbedingungen.
Notfalls muss man sich halt wirklich überlegen, ob nicht einheitliche Zulassungstests von den Unis angeboten werden, bei der die Abiturnote keine Rolle spielt. Dann sollte es völlig egal sein, wie man in der Prüfung abgeschnitten hat.

Trotzdem: die Schüler von heute müssen auch mal wieder das Scheitern lernen, so schmerzhaft es für sie und ihre Eltern auch ist und wie ungerecht die Umstände auch sein mögen. In der Arbeitswelt werden sie auch nicht einfach eine Petition starten können, wenn der faule Kollege vor einem selbst befördert wird, nur weil er gut mit dem Chef kann. Da wird man auch nicht immer genau das Projekt bekommen, das man sich wünscht und vielleicht landet man nicht mal auf dem Posten, den man sich vorher eingebildet hat. Soll hier eine Petition was bringen?
Liebe Schüler, liebe Eltern, erlaubt euch bzw. euren Kindern, auch mal zu Scheitern und dadurch neue Möglichkeiten zu sehen und zu ergreifen. Dann wird man eben nicht der Arzt, der das Heilmittel gegen Krebs entdeckt, aber vielleicht wird man dann der Ingenieur, der das erste Auto baut, das völlig ohne fossile Brennstoffe und Storm fahren kann. Klingt doch auch toll, oder?

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seikor 04.06.2019, 17:49
16. Sofakommentare...

von der Couch aus lässt es sich trefflich spekulieren und besserwissen...
Was muss ich hier im Form lesen: "sogar die Türkei bekommt ein einheitliches Abitur hin". Na, ganz toll. Offenbar muss unser Bildungssystem in D ja bisher fürchterlich schlecht gewesen sein, wenn jetzt schon die Türkei mit ihren blühenden Industrien, ihrer vorbildlicher Demokratie und ihrem hohen Lebensstandard als Vorbild herhalten muss... oh Mann! (oder Frau?)

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seikor 04.06.2019, 17:52
17. was soll eigentlich diese Dauerdiskussion

um Vereinheitlichung der Prüfungen? Nringt das denn nachweislich irgendwas? Es genügt voll und ganz, wenn sich die schlechteren Bundesländer Mühe geben aufzuschließen. Ein einheitliches Abitur drückt doch nur die guten Länder auf einen Mittelwert runter. Nennt sich "Kompromiss".

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holy64 05.06.2019, 09:54
18. Es ist sowieso fraglich,

ob 16 Kultusministerien erforderlich sind. Die Lehrpläne vereinheitlichen. mit Kernbereichen und Spielraum für Individuelles. Und die Ausgaben für 16 Minister sparen.

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holy64 05.06.2019, 09:56
19. Selbst in einem

Bundesland gibt es keine gleichen Voraussetzungen. Meine beiden K i nder an gleichem Gymnasium hatten Lehrer verschiedener Qualität und selbst jeder Schüler geht mit Lehrern anders um.

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