Forum: Leben und Lernen
Nachhilfe für gute Schüler: Lasst Eure Kinder auch das Scheitern lernen
Corbis

Selbst gute Schüler werden von ihren Eltern zur Nachhilfe geschickt. Doch das schadet ihnen fürs Leben mehr, als es nützt - denn die Kinder lernen dabei vor allem eines: Dass sie nicht scheitern dürfen.

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silke-lotz 27.01.2016, 21:25
40. Nachhilfe/ Leistungswahn

Mich kotzt es an, wenn ich lesen muss, wie die heutige Generation der Schüler schon in der Grundschule mit Nachhilfe und Termin,- sowie Notendruck gequält werden.
Leider ist das ja nicht der erste Schritt im Leben der Kinder.
Es fängt ja schon im Kindergarten an:hier wird den Kids mit vier oder fünf Jahren schon Lesen. Schreiben und Rechnen beigebracht und wenn es dann noch nicht reicht auch noch Englisch. Das ist in meinen Augen Wahnsinn. Auch ich bin in den Kindergarten gegangen und in die Grundschule sowie in weiterführende Schulen. Ich habe auch Lernen müssen, bin aber im Gegensatz zu heutigen Kindern anstatt vor der Glotze oder dem PC zu sitzen, draußen in der Natur zum Spielen gewesen. Außerdem hab ich dreimal in der Woche als Kind und später als Jugendliche Reittraining gehabt, aber weil ich es wollte. Nachhilfe hab ich nie gebraucht, weil meine Eltern noch ne gute Allgemeinbildung und gesunden Menschenverstand hatten und vor allem noch Zeit für uns hatten, trotz das beide berufstätig waren. Bei mehreren Kindern ging das auch in den siebzigern und achtzigern nicht anders. Der gesamte heutige Leistungsdruck macht unsere Kinder zu Fällen für den Psychodoc. Meine Devise heißt: Kind soll Kind bleiben und Erfahrung durch Spielen und sinnvoller Freizeitgestaltung machen. Es kann eben nicht jeder studieren, sondern es gibt auch noch andere spannende Tätigkeiten. Denkt mal darüber nach.

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Ultras 27.01.2016, 21:36
41. Danke!

Vielen Dank für diesen Kommentar, Frau Greiner! Ein absolut richtiger und heutzutage - leider - auch mehr als notwendiger Kommentar. Ein Kind, das unter dem ständigem Druck steht, es müsse sehr gute Leistungen am Fließband produzieren, wird weder als Kind noch als Erwachsener eine gesundes Selbstbild haben.

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pheapria 27.01.2016, 21:41
42. leider wahr

ich höre in den Nachrichten: Michael Schumacher erreichte einen enttäuschenden 2. Platz...
was zur Hölle soll das? 2. Platz gleich 1. Verlierer. genau solche Sätze und Ansichten machen unsere Gesellschaft kaputt. ich hatte in der uni ein Praktikum belegt und hab mich riesig über eine 2.0 gefreut. alle haben mich angeschaut, als wäre ich bekloppt. selbst der tutor, der nur die Note verkündet hat, tat so, als sei das die Welt schlechteste Nachricht und hat sich wahrscheinlich schon innerlich vorbereitet, dass ich Anfänge wie ein schloss Hund zu heulen.
eine 3 heisst befriedigend und 4 ausreichend. 4 gewinnt sag ich nur. klar ausreichend ist kein gut aber reicht halt. dieser Leistungsdruck macht die Menschen kaputt. siehe Asien. siehe Helikopter Eltern usw. ein kleines Kind wird heute sowas von mega gefördert, wo ich mir denke, ein Kind ist doch keine Maschine.
geht mir alles auf die nerven. siehe Sport. Bayern München gewinnt easy die Meisterschaft, so dass es nix mehr wert ist. nein CL Titel muss her. oder der Trainer fliegt. Bayern München ist zum siegen verdammt... wenn man bedenkt wieviel spitzen Mannschaften um die Krone kämpfen und dass man gegen Ende, vielleicht gute Spieler nimmer hat, dann ist es ein reines Glücksspiel, bzw. es muss alles passen.
klar wollen Eltern, dass ihre Kinder mehr verdienen und es besser haben. aber genau dann wenn ein Kind erfolgreicher Eltern mit weniger zufrieden ist, gibt es ein Weltuntergang.
ich hasse das Prinzip unserer gesellschaft höher schneller weiter...
hey Apple hat Umsatzeinbußen. Oh jeee fette Schlagzeile. na wer mal zu Ende denkt, dem war es doch klar dass es nicht immer aufwärts geht. meine güte.
warum fallen wir? damit wir wieder aufstehen... das ist das leben. ein ständiges auf und ab. es gibt keine Leistungslinie sondern eine Leistungskurve. manche Arbeitnehmer kappieren das einfach nicht...

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Allessenf 27.01.2016, 21:41
43. Wir Eltern sind's nicht immer

Nur weil auch hier im Forum schon wieder kommt: das sind die Eltern, Druck auf die Kinder, unbedingt Abitur blablabla...
Meine Tochter geht völlig freiwillig auf ein humanistisches Gymnasium, lernt nach eigener Wahl Latein und Altgriechisch. Ich habe noch nie eine Hausaufgabe kontrolliert, mit ihr gelernt oder sonst was. Sie hat keine 4 im Zeugnis.
Ich müsste eigentlich ein glücklicher Vater sein. Blöd nur, dass sie seit diesem Jahr (10. Klasse) von ihren Freundinnen, die alle super ehrgeizig sind, völlig verrückt gemacht wird und eigentlich täglich rumheult, weil sie nur eine 2 hat oder sich nur bis abends 9 vorbereitet hat.
Ich frage mich langsam, ob die Menschen um uns herum alle verrückt sind ...

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dr.psych333 27.01.2016, 23:26
44. Scheitern einmal praktisch

Der ideale und auch klassische Zeitpunkt zu Scheitern ist die 8. Klasse. So eine schöne 5 oder 6 in Latein oder Mathe, vielleicht auch 2 mal. Ab der Oberstufe ist das leider sinnlos, wenn man sich bestimmte Chancen in puncto Studiengänge nicht zupflastern will. Denn mehr als 50% der Studiengänge sind zulassungsbeschränkt! Leider hat die gesamte Mittelschicht eine gehörige Abstiegsangst. Das allein den Eltern anzulasten ist sehr kurz gedacht und den Eltern gegenüber zutiefst ungerecht. Vielleicht recherchieren sie das mal liebe SPON-Redaktion im Bereich der Sozialwissenschaften und klären uns auf?

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telos 27.01.2016, 23:41
45. Sozialdarwinismus praktisch angewandt

In einer Wohlstands- und Leistungsgesellschaft gibt es anscheinend keine Verlierer, alle müssen Gewinner sein und mit allen anderen konkurieren zu können. Schon in der Schule wird um den zukünftigen Studienplatz gekämpft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Selbst Interventionen seitens der Eltern werden gestartet, sollte die Note den Vorstellungen nicht entsprechen. Lehrer können davon ein Lied singen. Zudem wird meines Erachtens den akademischen Berufsfeldern zu viel Wertigkeit beigemessen. Was nützt es, wenn 5 Fachleute darüber disputieren, wie eine Sache in die Praxis umgesetzt werden kann, schlußendlich aber niemand mehr da ist, der es tatsächlich tut bez. fachlich überhaupt noch umsetzen kann. Handwerkliche Berufe ranggieren in der Wertigkeit sicherlich nicht an oberster Stelle gleich neben dem Facharzt, und ich hege die Befürchtung, dass durch diese einseitige Fokusierung auf akademische Berufe zu Lasten der nicht akademischen Tätigkeiten es immer weniger junge Menschen gibt, die körperlich überhaupt noch den beruflichen Anforderungen in den mit den Händen arbeitenden Berufen, entsprechen - sprich die geforderten Leistungen gar nicht mehr erbringen können. Übrigens im Begriff Begreifen steckt das Wort greifen, das Verstehen einer Sache über das Greifen mit den Händen, und nicht nur über den Kopf allein! Das sind trübe Aussichten! Und wer macht dann schlussendlich wieder die Arbeit, vor der sich alle drücken weil alle dafür zu hoch qualifiziert sind? Natürlich wieder die Dummen oder diejenigen, die von der Arbeit ihrer Hände leben müssen. Eben wieder einmal die modernen Sklaven aus Osteuropa, oder wo auch immer sie herkommen. In was für einer arroganten, elitären und spießigen Gesellschaft leben wir? Für mich sind alle arbeitenden Menschen gleich viel wert, egal welche Tätigkeiten sie ausüben, vergleichbar dem menschlichen Körper. Da gibt es zwar auch Hierarchien, aber was macht der Kopf ohne die ausführende Hand? Jeder Schlaganfallpatient mit anschließender Halbseitenlähmung könnte darüber eine Disseration schreiben. Die gegenseitige Wertschätzung fehlt eben in unserem Gemeinwesen fast gänzlich und das fängt schon im Kindergarten an und führt über Schule bis in die Hochschulen. Solange der persönliche Vorteil auf Kosten anderer das Ziel unseres Handelns bleibt, wird es in unserem Land, in Europa, in der Welt nicht besser.

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fragel 27.01.2016, 23:53
46. Gescheitertes Schulsytem

Die Kinder sind die Opfer des gescheiterten Schulsystems.
Bei den Ausfallstunden durch fehlende Lehrer, den zusammengestrichenen Stundeplan, die Fächer betreffend, ist es kein Wunder. Die Lehrer halten Unterricht, wann es ihnen passt und die Kinder müssen Selbststudium betreiben, natürlich ohne anleitung. Arbeiten und Prüfungen werden aber von der Kindern verlangt, ohne diese fehlzeiten zu berücksichtigen.
Es geht in der ersten Klasse schon los. Schreiben lernen , so wie man spricht, bzw so wie man es hört. Bisher wurde jedoch nocht nicht geprüft, ob der dafür Zuständige geistig normal ist. Damit wurden ganze Schülergenerationen regelrecht versaut, wie jeder an der Leseschwäche und somit an der Rechtschreibschwäche dieser betroffenen Kinder sehen kann.
Die Nachhife, diesen Unsinn zu korrigieren, ist eines der Hauptgründe, warum die Kinder gequählt werden.

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leser_66 28.01.2016, 00:25
47. Nur mal ein, zwei Fragen ...

Liebe Frau Greiner,

Sie schreiben über Eltern, Schule und Kinder.
Sind Sie Mutter schulpflichtiger Kinder?
Oder schreiben Sie eher über Ihre Erfahrungen in der eigenen Schulzeit?
Als ich zur Schule ging - das ist schon viele Jahre her - hat wirklich kaum ein Schüler in meiner Schule Nachhilfestunden benötigt. Warum das so war? Ich denke weil Lehrer und Eltern von Anfang an Druck gemacht haben. Schon in der 1. Klasse konnte man sitzenbleiben.
Heute werden mangelnde Leistungen bis zu drei Jahren (Schuleingangsphase) verschleiert. Die ersten zwei bis drei Jahre Grundschule bestehen zu gefühlt 50% aus "Spaßveranstaltungen".
Irgendwann kommt dann aber die Stunde der Wahrheit - und der Nachhilfelehrer oder man gibt als Elternteil selbst den Nachhilfelehrer.
Danke liebe Reformpädagogen - danke!!!

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Sixpack, Joe 28.01.2016, 00:45
48. Mittelalterlichen Schulsystem mit Notenwahn!

Schauen Sie nach Schweden, Finnland und die Niederlande, und es ist klar dass Sie 100% Recht haben. Leider sind Sie in Deutschland mit einem mittelalterlichen Schulsystem und eine extreme Notenwahn! (Sprechen wir nicht von den Beamten die uns dass alles vorschreiben.

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JJll 28.01.2016, 00:50
49. Das Bewertungssystem...

Das Problem liegt meiner Meinung nach eher beim Schulungssystem, oder eigentlich bei der deutsche Gesellschaft.
Will ich an der Uni studieren, brauche ich gute Noten. Will ich einen guten Job, brauche ich eine gute Ausbildung, Diplom (oder mehrere), lueckenfreien Lebenslauf mit am besten Auslandssemester, Praktika, etc. Ansonsten habe ich keine Chancen.
Ein Steve Jobs oder Mark Zuckerberg wurde niemals bei Siemens anfangen dürfen und auch kein Startkapital von Deutsche Bank für eine eigene Firma...

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