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Neue Bildungsstandards: Das sollen deutsche Abiturienten können
dapd

Ein Zentralabitur wollen sie nicht, doch wenigstens auf gemeinsame Standards haben sich die Länder geeinigt. Darin wird vorgeschrieben, was Gymnasiasten am Ende ihrer Schulzeit in Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch können sollen. Aber werden die Abschlüsse so wirklich vergleichbar?

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querulant_99 19.10.2012, 18:42
20.

Zitat von mrsa
Aber wie soll man sonst 264 Seiten damit füllen, "Sprechen und Zuhören, Schreiben und Lesen" als Kernkompentenzen zu definieren? Wäre ja noch schöner, einen verständlichen und praktikablen Leitfaden herauszugeben, den könnte ja jemand wirklich verstehen und umsetzen oder vielleicht wegen Banalität in Frage stellen.
Ich verstehe überhaupt nicht, warum es so schwierig ist, gemeinsame Lernziele zu definieren. Es gibt doch sicher in jedem Bundesland Standard-Lehrbücher für jedes Fach und jede Klassenstufe. Zu meiner Schulzeit orientierte sich der der Lehrstoff sehr eng an die benutzten Lehrbücher, d.h. man musste grundsätzlich das beherrschen, was in den Lehrbüchern stand. Wenn man jetzt gemeinsame Standard setzen will, muss man sich doch nur verschiedene Lehrbücher anschauen und dann festlegen, welche Bücher dem gewünschten Lernziel am nächsten kommen.
Schon hat man einen Orientierungsrahmen für den Lehrstoff.
Zusätzlich muss man festlegen, welche Kompetenzen vermittelt werden sollen. Hierzu gibt es doch auch schon Vorlagen, die man vergleichen und bewerten kann.
Wo ist also das Problem?

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systemfeind 19.10.2012, 18:44
21. Merkel ist Physikerin

Zitat von Blaue Fee
Und warum Physik und nicht Biologie oder Chemie? Technik gab es auf dem Gymniasium noch nie als Fach und Informatik war freiwillig. Technik gehört meiner Meinung nach auf die Realschulen, genauso wie Buchhaltung.
UND WARUM ? weil sie ein DDR Abitur hat ! JAWOHL .

( " ich mach was mit Medien , ich bin die Julia aus Eppendorf und Technik ist voll prollig " )

^^

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findetnemo 19.10.2012, 18:47
22.

Zitat von earl grey
Schlechte Nachricht für Bremen, wer soll bei dem Standard dort noch die Abiprüfung schaffen?
Nicht traurig sein, falss Sie das nicht schaffen! Offenbar sind weder die Hypothesenbildung in Deutsch bei Ihnen angekommen, noch die statistischen Grundlagen in Mathe.

Die Probleme in Bremen seien mal unbestritten, aber wer in Bremen zu den Top10% gehört, wäre in Bayern immer noch unter den Top20%. Das ist zweifelsohne schlimm genug.

Dass das Bildungsniveau in diesem Land aber ingesamt recht niedrig ist, kann man an der Diskussion um Bildungsstudien sehen. Da glaubt nun jeder Bayer, er sei cleverer als jeder Bremer. Dass die Ergebnisse in den Bundesländern streuen... egal. Fakt bleibt aber, wer ein Depp ist, ist ein Depp. Ob in Bayern, Bremen oder New York. Und was liegt für einen Deppen näher, als sich zur vermeintlichen Gewinnergruppe zu zählen, auch wenn er eigentlich nicht dazu gehört.

Ich will Sie wirklich nicht zum Deppen erklären, aber Ihre simple Denkweise sollten Sie mal überdenken: Ich bin in Bremen zur Schule gegangen, habe nun ein Unternehmen in Bayern. Ich wäre froh(!) wenn ich hier nur schlaue Leute in Bewerbungsgesprächen vor mir hätte. Ganz ehrlich! Ist leider nix.

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Battlemonk 19.10.2012, 18:56
23.

Zitat von archangel357
nicht alle Menschen Mathematik oder Physik beherrschen müssen, aber doch wohl die meisten in der Lage sein sollten, mit anderen zu kommunizieren; weil das Englisch-Niveau des durchschnittlichen deutschen Abiturienten am besten mit dem englischen "execrable" bezeichnet werden kann; und schließlich, weil - da sind sich Neurologen und Linguisten einig - nichts unseren Horizont mehr erweitert als unsere Sprachkompetenz.
nur dass der tolle abschluss in deutscher sprachtheorie des mittelalters in fachlicher abgrenzung zur neuzeit am ende nix aber auch gar nix wert ist

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Blaue Fee 19.10.2012, 18:58
24.

Zitat von marianne52
Um die Fremdsprachen wird eh zu viel Wind gemacht. Meine Tochter ist an deutschen Unis nicht angenommen worden, wiel sie im IB nur eine Fremdsprache hatte, naemlich Franzoesisch. Das Englisch hatte sie nur als Leistungskurs, aber als Muttersprache, und das zaehlt in Deutschland nicht als Fremdsprache... und Deutsch auch nur als Muttersprache... ich denke, man sollte erstmal die Muttersprachen mit den Fremdsprachen gleich stellen, so dass Kinder mit mehreren Muttersprachen diese auch als Fremdsprachen angeben duerfen.
Aber Sie werden doch nicht leugnen, dass Fremdsprachen sie weiterbringen - egal ob Abistoff oder nicht?
MINT-Fächer sind wichtig und es sollte daran gelegen sein, dass mindestens zwei Fächer pro Tag unterrichtet werden, aber Geschichte oder Erdkunde dürfen ebenfalls nicht vergessen werden.

Vor allen Dingen müssen die Fächer überhaupt unterrichtet werden, wenn ich da an die Fehlstunden im Gymnasium meiner Schwester denke... oh... oh!

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jorgosdergrieche 19.10.2012, 18:59
25. Lachnummer pur

Es ist einfach lächerlich und eine reine Augenwischerei. Die bildungsstarken Länder sollen sich doch nich von den roten bzw. rotgrünen Ländern vorführen lassen. Es werden Kriterien verbindlich festgelegt, die NRW, Bremen und Co. auch in ihre Lehrpläne schreiben werden, die sie aber konkret im schulische Alltag nicht (ich spreche hier aus Erfahrung und denke dabei an Kriterien die einmal für die Fachhochschulreife gemeinsam auf der KMK festgelegt wurden) umsetzen werden.

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Battlemonk 19.10.2012, 19:09
26.

Zitat von Blaue Fee
Aber Sie werden doch nicht leugnen, dass Fremdsprachen sie weiterbringen - egal ob Abistoff oder nicht? MINT-Fächer sind wichtig und es sollte daran gelegen sein, dass mindestens zwei Fächer pro Tag unterrichtet werden, aber Geschichte oder Erdkunde dürfen ebenfalls nicht vergessen werden. Vor allen Dingen müssen die Fächer überhaupt unterrichtet werden, wenn ich da an die Fehlstunden im Gymnasium meiner Schwester denke... oh... oh!
bitte?
wo bringen einem fremdsprachen außer englisch einen bitte weiter?
statt erdkunde gäb es sicher auch einiges wichtigeres zum beispiel dass jeder den Basisumgang mit Computern lernt und Grundwissen der Rechtswissenschaften, damit nachdenkt bevor man teure fehler macht (ich weiß utopisch)

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w.blankschein 19.10.2012, 19:29
27. Berechtigte Anliegen - falsche Lösungen

Die Anliegen, Bildungsstandards den Erfordernissen einer globalisierten Welt anzupassen, Eltern Flexibilität im Wohnortwechsel ohne Nachteile für ihre Kinder zu ermöglichen, SchülerInnen auf ein Studium im internationalen Niveau vorzubereiten ... usw. ... sind vollkommen berechtigt und bedürfen unbedingt Lösungen, die sich von regionaler Beschränktheit und und jeglicher "farblich" beinflusster Idelogisierung der Bildungspolitik befreien. Doch habe ich meine Zweifel, ob die neueste KM-Bereinbarung den richtigen Weg einschlägt; eher erscheint es mir so, als wollten Bildungspolitiker der Öffentlichkeit einen "Erfolg" verkaufen, der im Konkreten dann doch wieder Wesentliches kaum ändert.
Seit Jahren begleite ich in einem nördlichen Bundesland SchülerInnen durchs Abitur, u.a. im Fach Deutsch. Bildungsstandards kennen wir schon länger, sie ermöglichen engagierten Lehrkräften eine noch bessere Orientierung an vereinheitlichten Lernzielen - deshalb sind sie m.E. wichtig. Weshalb aber vereinheitlichte Abitursaufgaben das vereinheitlichte Auswerten erleichtern sollen, verstehe ich nicht. Meine persönliche Erfahrung: Literaturunterricht wird zwangsläufig verengt auf kanonisierte Themenkorridore - vor dem Zentralabi hatte ich weitaus bessere Steuerungsmöglichkeiten und konnte Literatur breiter und tiefer würdigen als heute.
Konkret bereite ich derzeit SchülerInnen auf vier Korridorthemenkreise vor; drei Aufgaben werden in meine Schule geschickt, zwei darf ich auswählen für das schriftliche Abi. Korrigieren werde ich mit einem Zweitkorrektor, wir orientieren uns dann an allgemeinen Standards. Beschlossen haben einige Länder jetzt eine (!) gemeinsame zentrale Aufgabenstellung - die ggf. den SchülerInnen dann gar nicht vorgelegt wird.
Dieses Paradoxon beherrscht gleichfalls die G8-Standards: Lehrpläne für G9 gelten weiter (!!), sie wurden ergänzt durch schulinterne (!!) G8-Fachcurricula - um angeblich mehr "Freiräume in der Ausgestaltung" zu ermöglichen. Wie passen zentrale Abiaufgaben, die ggf. Gar nicht gestellt werden, zu veralteten landesweiten G9-Lehrplänen und schulinternen G8-Fachcurricula?
So ähnlich dürfte der Schulalltag in vielen anderen Bundesländern aussehen. Auswege finden Lehrkräfte in Kooperation mit SchülerInnen und Eltern, indem sie konsequent die euphemistisch versprochenen schulinternen Freiräume wirklich nutzen und sich währenddessen (auch) an vereinheitlichten Kompetenz- und Lernstandards orientieren. Von Politikern erwarte ich grundsätzlich eher, dass sie uns in Ruhe arbeiten lassen.

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Neurovore 19.10.2012, 20:18
28.

Zitat von norfair
Warum werden Sprachen derart hofiert, Mathematik, vor allem aber Physik, Chemie, Informatik, Technik etc. so unter den Tisch fallen gelassen?...
Mathematik, Naturwissenschaften und Technik haben den Nachteil, dass sie logisch aufgebaut bzw. strukturiert sind und inhaltsloses Geschwallere einen da nicht viel weiterbringt. Es steht also zu befürchten, dass Schüler sich dadurch an logisches Denken und rationales Argumentieren gewöhnen könnten. Und das geht ja nun gar nicht, das würde unser komplettes Gesellschaftssystem auf den Kopf stellen.

Und Bildungsexperten würden aussterben...

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#venturi 19.10.2012, 20:52
29.

Zitat von sysop
Ein Zentralabitur wollen sie nicht, doch wenigstens auf gemeinsame Standards haben sich die Länder geeinigt. Darin wird vorgeschrieben, was Gymnasiasten am Ende ihrer Schulzeit in Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch können sollen. Aber werden die Abschlüsse so wirklich vergleichbar?
Persönlichkeitsentwicklung sowie Fähigkeiten mit "Wissen und Erkenntnissen" zu arbeiten finden in den Schulen sowieso nicht statt. Meiner Meinung sind die Methoden die an den Schulen verwendet werden von "Vorgestern".
Erstens mal wird immer noch sehr viel auswendig gelernt. Da Zusammenänge und Hintergründe sehr oberflächlich erörtert werden ist das ziemlich sinnlos. Das Wissen wird bald vergessen. Wenn man Jugendlich nach der Schulzeit fragt was sie von der Schulzeit denn noch wüssten, ist das Achselzucken groß - fast so als ob man ein Jahrzent verschlafen hätte.

Zweitens ist eine Benotung im heutigen Sinn als "Belohnung" kontraproduktiv, da der Fokus immer nur auf die nächste Note ausgerichtet ist. Das ist ein sog. außengesteuerter Prozess, d. h man macht sich zum Sklaven seiner selbst und die "Seele" die im Kleinkindalter noch voller Tatendrang und Leben war, bleibt ein Leben lang gefangen. Im Grunde werden hier die Industriesklaven für das Hamsterrad erzogen.

Und drittens ist es unerwünscht Zusammenhänge zu hinterfragen und zu bewerten. Alles muss so gelernt werden, wie es die Lehrer und Wissenschaftseliten sagen. Dabei hat die Vergangenheit gezeigt, das keine Wissenschaftsbereich, aber wirklich kein einziger von tiefen Umwälzungen verschont geblieben wäre. Es gibt keine allumfassenden, absoluten Wahrheiten sondern immer nur "bedingte" Wahrheiten.

Man braucht sich nur mal kleine Kinder ansehen, wie wissbegierig und emsig sie sind, und man weißt sofort, dass das heutige System wissenschaftlich und menschlich falsch ist.

Aber da Geld die Welt regiert, werden wir wohl noch eine Weile damit leben.

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