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Neue Professuren an der TU Dresden: Forscher ohne Grenzen
DPA

Zehn Stellen, mehr als 1300 Interessenten: Als die TU Dresden neue Professoren suchte, wurde sie mit Bewerbungen überhäuft. Kein Wunder - denn die Uni macht den neuen Hochschullehrern kaum Vorgaben.

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mrotz 11.11.2014, 09:13
1.

Daran sieht man doch die Misere in der Wissenschaft: es gibt praktisch keine Stellen.
Und wenn jemand eine Stelle in Deutschland kriegt, war er zuvor schon Professor.
Da auf jede Umbesetzung zwei Stellen für 1 Jahr brach liegen, verschärft dies dann zusätzlich die Stellenknappheit.

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The Geek 11.11.2014, 10:18
2. Rundum positiv

"Typologien des terroristischen Monsters im Gegenwartskino." Da wäre ich auch "rundum positiv gestimmt", wenn ich für so einen Blödsinn ein leistungsloses Spitzengehalt mit Pensionsanspruch kassieren könnte. In der Tat "so etwas wie ein Lottogewinn": Jede Menge Kohle und keine Arbeit. Na ja, uns geht's ja gut in Deutschland, wir ham's ja. Aber ab und zu sollte man vielleicht auch an die vielen Idioten denken, die wie ich jeden Tag zur Arbeit gehen, damit so ein dekadenter Irrsinn überhaupt möglich ist.

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gisela.schwan 11.11.2014, 10:32
3. Die Idioten sollen an sich selbst denken

Zitat von The Geek
Aber ab und zu sollte man vielleicht auch an die vielen Idioten denken, die wie ich jeden Tag zur Arbeit gehen, damit so ein dekadenter Irrsinn überhaupt möglich ist.
und bei der nächsten Wahl vielleicht mal un-idiotisch jemanden wählen, der sie nicht systematisch ausnutzt.

Die Situation in Dresden ist nur die Spitze des Eisbergs. Oder warum glauben Sie, dass in D zig Mrd Steuergelder pro Jahr in Hochschulen gesteckt werden, deutsche Akademiker und Forschung aber oft nur noch zweitklassig ist? Da bedienen sich ganz viele Leute, die auch nie etwas anderes vorgehabt hatten. Deutsches Beamtentum, das ist das Arkadien in dem Milch und Honig fließen.

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Sique 11.11.2014, 10:42
4.

Zitat von gisela.schwan
Die Situation in Dresden ist nur die Spitze des Eisbergs. Oder warum glauben Sie, dass in D zig Mrd Steuergelder pro Jahr in Hochschulen gesteckt werden, deutsche Akademiker und Forschung aber oft nur noch zweitklassig ist?
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass andere Hochschulen noch deutlich mehr Geld haben? Die drei Spitzenuniversitäten der USA Havard, MIT und Stanford haben gemeinsam mehr Geld als alle deutschen Universitäten zusammen.

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Jakobskaffee 11.11.2014, 10:51
5. enge fachliche Korsetts eigentlich nicht notwendig

Es ist immer wieder ein Irrsinn zu beobachten, wie eigentlich Selbstverständliches als große Innovation gefeiert sind. Die Gewährleistung der Freiheit von Forschung und Lehre ist Aufgabe von Staat und Hochschulen. Es ist nur nach meiner Erfahrung leider so, dass grade die Fakultäten die Besetzung von Lehrstühlen mit sehr eng gefassten Denominationen wünschen. Dabei gibt es dafür keine Rechtsnorm und auch keine Notwendigkeit. Außerhalb der Lehrerbildung und der Staatsexamensstudiengänge gibt es auch keine fachinhaltlichen Vorgaben für die Gestaltung von Studiengängen. Die Hochschulen und dort insb. die Fakultäten müssen sich nur endlich vom Klebstoff des Diplomzeitalters lösen...

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jetbundle 11.11.2014, 11:29
6. Toller Job

Gut, dann bekommt ein Spitzengenie, oder jemand mit hinreichend Vitamin-B und Sozialkompetenz einen dieser Posten, und er wird vom hochqualifizierten Wissenschaftler zum ungelernten Abteilungsleiter befördert.

Auch das Mißverhältnis an Bewerbern zeigt es: Die Misere in Deutschland ist dass es zu wenig feste Professorenstellen gibt, und im Gegenzug die Lehrstühle viel zu groß sind. Die einzelnen Professoren nehmen nicht mehr im Tagesgeschäft der Forschung teil sondern machen nur noch Mittelanwerbung, Verwaltung und ein bisschen Lehre. Die eigendlichen Forscher und Hochschullehrer sind hingegen fast alle befristet, und die wenigen unbefristeten nicht eigenständig. Somit wird kein wirkliches fachlichs know-how aufgebaut.

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kfp 11.11.2014, 11:30
7.

Zitat von The Geek
"Typologien des terroristischen Monsters im Gegenwartskino." Da wäre ich auch "rundum positiv gestimmt", wenn ich für so einen Blödsinn ein leistungsloses Spitzengehalt mit Pensionsanspruch kassieren könnte. In der Tat "so etwas wie ein Lottogewinn": Jede Menge Kohle und keine Arbeit.
Ich bin leider nicht vom Fach, so dass ich das genaue Fachgebiet nur marginal beurteilen kann. Aber ich frage mich schon, warum es z.B. ganz selbstverständlich als höchst wichtig angesehen wird, die Nazi-Propaganda in allen Aspekten zu analysieren, aber die kritische Beleuchtung Terroristen-Propaganda, die unsere Gegenwart beherrscht, als "Blödsinn" abqualifiziert wird...

Und wie kommen Sie auf die Idee, einfach mal unbesehen zu unterstellen, dass dieser Prof. für seine Stelle "keine Arbeit" leistet? Er musste sich vermutlich gegen Hunderte Mitbewerber durchsetzen, indem er z.B. eine hohe Anzahl von qualitativ hochwertigen Publikationen in allgemein anerkannten Werken vorweist, erfolgreich Studenten betreut hat, Vorlesungen u.a. Veranstaltungen abgehalten hat usw. Wer so ein Auswahlverfahren gewinnt, arbeitet i.d.R. weit mehr als 40h/Woche, wozu es genügend eigenem Antrieb bedarf, dass man diese Arbeitsmoral dann auch nicht ablegt, wenn man irgendwann nach Jahrzehnten endlich eine sichere Stelle hat... (Eher im Gegenteil, denn dann muss man sich wenigstens endlich nicht mehr ständig neben der Arbeit noch Gedanken um die nächste Anschlussstelle machen.)

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gisela.schwan 11.11.2014, 12:03
8. Das sind private Gelder

Zitat von Sique
Die drei Spitzenuniversitäten der USA Havard, MIT und Stanford haben gemeinsam mehr Geld als alle deutschen Universitäten zusammen.
Deutsche Beamtenuniversitäten kümmern sich Null um Alumni und bekommen deswegen auch viel weniger Spenden, Erbschaften usw. Selbst Schuld.

Am Geld liegt es m.E. in Deutschland weniger. "Bad attitude" ist eher das Problem. Arrogante Verwaltungen, abgehobene Professoren - sind ja verbeamtet und genießen so Narrenfreiheit. Guter Nachwuchs sucht oft das Weite. Und von außen kommen meistens Jasager, denen es nur um ein Visum geht.

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gisela.schwan 11.11.2014, 12:06
9. Dichtung und Wahrheit

Zitat von kfp
... hohe Anzahl von qualitativ hochwertigen Publikationen in allgemein anerkannten Werken vorweist, erfolgreich Studenten betreut hat, Vorlesungen u.a. Veranstaltungen abgehalten hat usw. ...
Hohe Anzahl qualitativ minderwertiger Publikationen in Werken bei denen Freunde im Auswahlkomittee sitzen, immer die gleichen Vorlesungen und lieber Kontakte pflegen statt Studenten betreuen.

90% funktionieren so. Beim Rest ist es eher Zufall, wenn sie doch Mal zum Zug kommen.

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