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Neue Professuren an der TU Dresden: Forscher ohne Grenzen
DPA

Zehn Stellen, mehr als 1300 Interessenten: Als die TU Dresden neue Professoren suchte, wurde sie mit Bewerbungen überhäuft. Kein Wunder - denn die Uni macht den neuen Hochschullehrern kaum Vorgaben.

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rational_bleiben 11.11.2014, 12:55
10.

Zitat von Jakobskaffee
Die Hochschulen und dort insb. die Fakultäten müssen sich nur endlich vom Klebstoff des Diplomzeitalters lösen...
Dieses Diplomzeitalter ist verantwortlich dafür, dass Deutschland heute die wettbewerbsfähigste große Industrienation ist, ohne den Sozialstaat gänzlich abgeschafft zu haben. Ansonsten schaffen das nur Länder mit deutlich geringerer Einwohnerzahl (Schweiz, Schweden...). Es ist nicht alles innovativ was neu und hip ist.

Ich kann auch nicht erkennen, weshalb "Bachelore" (Gesellen) und "Master" (Meister) - wie bescheuert muss man sein um solche Titel einzuführen - besser sind als unsere Diplom-Ingenieure (ich habe übrigens sowohl Dipl.-Ing. als auch M.Sc.). Außer, dass die Industrie die Gesellen, also die akademischen Gesellen und nicht die aus dem Handwerk, mit weniger Geld abspeisen kann als den Dipl.-Ing., der immerhin noch ein grundständiges und vor allem vollständiges Studium absolviert hat. "Master" kommt übrigens vom lateinischen Magister, und den haben wir schon. Es macht auch Sinn, dass der akademische Meister sich vom handwerklichen durch die Bezeichnung in Latein absetzt. Aber wir müssen ja jetzt alles den USA und GB nachmachen. Weil die USA und England nun mal die erfolgreichsten Länder sind und nicht auf dem absteigenden Ast...

Man darf, wenn es um akademische Bildung geht, niemals auf die Industrie hören. Sie hat am meisten vom System profitiert und ist am lautesten, wenn man es abschaffen soll. Sie hat immer nur die nächsten fünf Jahre im Blick, alles andere interessiert einen Vorstand nicht, schon gar nicht das Bild der Gesellschaft in 50 oder 100 Jahren.

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pratter 11.11.2014, 13:31
11. Richtig erkannt

""Aber das ist wirklich so etwas wie ein Lottogewinn. Ich bin rundum positiv gestimmt."

Keine Lehre, ein beklopptes "Thema" und ein mit Steuergeldern finanziertes sorgloses persönliches Einkommen auf Lebenszeit.

Ich hatte die stille Hoffnung, Deutschland hätte aus dem Gender-Scheiss (O-Ton Jürgen v.d. Lippe) an deutschen Universitäten gelernt.

Das kommt davon, dass inzwischen Leute, die selbst nichts Gescheites gelernt oder studiert haben (Soziologen, Politwissenschaftler, "IrgendwasmitMedienWissenschaftler") das Sagen haben.

Ich zitiere mal an dieser Stelle Chr.Lindner von der SPD:

"Deutschland hat nicht zu wenig Geld - es wird nur falsch ausgegeben."

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feenkind 11.11.2014, 15:23
12.

"Besonders positiv sei ihm außerdem "die extrem forschungsfördernde Verwaltung" aufgefallen"

Der Mann muss an einer ganz anderen Uni arbeiten als ich...

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döner.kebab 11.11.2014, 16:44
13. @rational_bleiben

Zitat: "als den Dipl.-Ing., der immerhin noch ein grundständiges und vor allem vollständiges Studium absolviert hat."

Da muss ich dich leider enttäuschen: Während für ein Diplomstudium 160 SWS angesetzt sind, braucht es an einer Universität für einen Bachelor UND Master 200 SWS. So sehr sich auch das Märchen von den gottgleichen Diplomern halten mag - es wird auch durch permanentes Wiederholen nicht wahrer. Viel mehr ist es ein Zeichen zunehmender Verkrustung, nur noch über die Jugend und ihren zunehmenden Verfall zu schimpfen. Lieber User: Der Stoff wird komplexer, der Umfang des Studiums ist gestiegen, die Anforderungen bezüglich Fremdsprachen und Softskills sowieso. Auch wenn es der ehemaligen Elite des Landes, den Diplomern, sicherlich schwer fällt, dies auch tatsächlich so zu akzeptieren.

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Buchbetreuerin 11.11.2014, 16:53
14. Open Topic

Ich finde es hervorragend, dass jetzt zum 1. Mal Professuren ausgeschrieben werden, die nicht mehr streng an ein Themengebiet gebunden sind. Das ist zumindest ein erster Aufbruch aus der Fachidiotie. Häufig ist zu beobachten, dass ausgeschriebene Professuren so eng spezialisiert sind auf ein Gebiet, dass die Anzahl der Bewerber viel zu gering ist - oder man sowieso darauf spekuliert, dass nur 1-2 im voraus ausgeguckte Kandidaten die Kriterien erfüllen. Wir brauchen in der Wissenschaft mehr interdisziplinäres Denken - "Open Topics" sind ein Anfang, um die engen Fachgrenzen und damit Dogmen zu überwinden, um Brücken zu schlagen zwischen verschiedenen Wissensgebieten.

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whostalking 11.11.2014, 19:15
15. Äpfel, Birnen

Zitat von döner.kebab
Zitat: "als den Dipl.-Ing., der immerhin noch ein grundständiges und vor allem vollständiges Studium absolviert hat." Da muss ich dich leider enttäuschen: Während für ein Diplomstudium 160 SWS angesetzt sind, braucht es an einer Universität für einen Bachelor UND Master 200 SWS. So sehr sich auch das Märchen von den gottgleichen Diplomern halten mag - es wird auch durch permanentes Wiederholen nicht wahrer. Viel mehr ist es ein Zeichen zunehmender Verkrustung, nur noch über die Jugend und ihren zunehmenden Verfall zu schimpfen. Lieber User: Der Stoff wird komplexer, der Umfang des Studiums ist gestiegen, die Anforderungen bezüglich Fremdsprachen und Softskills sowieso. Auch wenn es der ehemaligen Elite des Landes, den Diplomern, sicherlich schwer fällt, dies auch tatsächlich so zu akzeptieren.
Beim Diplom waren es die reinen SWS aus Lehrveranstaltungen (je 80 für Grund- und Hauptstudium), also ohne Studienarbeit und Diplomarbeit.

Die SWS für den Master können Sie nur durch Umrechnung der ECTS-Punkte bekommen haben; hier gibt es für Bachelor und Masterarbeit explizite Zuordnungen (meines Wissens 30 ECTS Punkte für die Masterarbeit).

30 ECTS Punkte sind ca. der Aufwand eines Semesters, also genau auch der Umfang einer Diplomarbeit. Bleibt noch die Studienarbeit, die war bei uns mit 3 Monaten angesetzt.

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jetbundle 12.11.2014, 00:19
16.

Zitat von kfp
Und wie kommen Sie auf die Idee, einfach mal unbesehen zu unterstellen, dass dieser Prof. für seine Stelle "keine Arbeit" leistet? Er musste sich vermutlich gegen Hunderte Mitbewerber durchsetzen, indem er z.B. eine hohe Anzahl von qualitativ hochwertigen Publikationen in allgemein anerkannten Werken vorweist, erfolgreich Studenten betreut hat, Vorlesungen u.a. Veranstaltungen abgehalten hat usw. Wer so ein Auswahlverfahren gewinnt, arbeitet i.d.R. weit mehr als 40h/Woche, wozu es genügend eigenem Antrieb bedarf, dass man diese Arbeitsmoral dann auch nicht ablegt, wenn man irgendwann nach Jahrzehnten endlich eine sichere Stelle hat... (Eher im Gegenteil, denn dann muss man sich wenigstens endlich nicht mehr ständig neben der Arbeit noch Gedanken um die nächste Anschlussstelle machen.)
Ganz einfach, weil Studenten die eigendliche Arbeit der Professoren nicht wahrnehmen.

Fakt ist natürlich dass zu einer Auswahl als Professor weitaus mehr gehört als nur fachliche Kompetenz, harte Arbeit und Kreativität. Aber Sie haben recht dass dies hoch qualifizierte Leute sind. Allerdings endet die Forschertätigkeit mit der Berufung. Denn die Administrationsarbeit wird nicht etwa weniger weil man keine Bewerbungen mehr schreiben muss sondern mehr. Statt zu forschen sitzt der Prof dann in lauter Kommitees der universitären Selbstverwaltung um wichtige Dinge wie Fakultätskopierer und verstopfte Toiletten zu diskutieren, darf sich reihenweise Dissertationen und Abschlussarbeiten durchlesen, Mitteleinwerbung betreiben, die Finanzen und das Personal des Lehrstuhls verwalten (mit abstrusen Regularien und Hürden), und nebenbei seine Heerschar an Doktoranden "betreuen" und Lehre betreiben. Ach ja, Networking sollte er auch betreiben, denn sonst klappt die Mitteleinwerbung nicht mehr. Und die Höhe der Drittmittel ist ja das Hauptkriterium wenn es darum geht regelmäßig die zentralen Mittel und Bureauflächen zu verteilen.

Wenn ein Prof dann 5 Jahre lang die gleiche Vorlesung hält und Studentenbetreuung auf seine Doktoranden abwältst ist das das Einzige was die Studenten mitkriegen. Wieviel Arbeit es ist eine Vorlesung zu entwerfen kriegen die Studenten auch nicht mit, sondern nur wieviele Fehler sie enthält.

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