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Neue Stellen für Forscher: Mit 1000 Professuren gegen die Unsicherheit
DPA

Viele promovierte Wissenschaftler sind jahrelang befristet angestellt - ohne zu wissen, ob sie jemals eine Professur erhalten. Ein neues Förderprogramm soll Abhilfe schaffen.

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doke969 23.05.2016, 17:14
1. Stellen, aber welcher Art?

Stellen im öffentlichen Dienst sind aktuell nur gut (und damit motivierend) bezahlt wenn es Beamtenstellen sind.
Die Schere zwischen Angestellten und Beamten ist soweit geöffnet worden, dass es zukunftsverachtend ist.
Entweder werden alle Forschenden und Lehrenden in Dauerstellen an Universitäten beamtet, oder, noch besser, das gesamte System wird auf Angestelltenbasis umgestellt wie in Schweden. Wirklich gute Leute, und die sollten nicht nur Lehrer an Schulen sondern auch an Hochschulen sein, lockt man nur mit anständiger, grundgesetzkonformer Bezahlung.

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spezialdm 23.05.2016, 17:26
2. Sie lernen es nie...

Warum verhalten sich alle im Bildungsministerium so als wäre Mittelbau so etwas wie ein eitriger Ausschlag? Dort muß es die Veränderung geben, nicht einfach viel Geld für neue Professuren. Das ändert an der Situation kein Stück! In allen anderen Bereichen akzeptiert man es wenn nicht jeder Mitarbeiter CEO/Chef werden will. In der Wissenschaft geht man immer noch davon aus. Das jemand im Mittelbau als wissenschaftlicher Mitarbeiter/Teamleiter glücklich sein kann, scheint in den Köpfen der Verantwortlichen ausgeschlossen.

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rvanpelt 23.05.2016, 17:50
3. Ganz einfach, ...

Zitat von spezialdm
Warum verhalten sich alle im Bildungsministerium so als wäre Mittelbau so etwas wie ein eitriger Ausschlag? Dort muß es die Veränderung geben, nicht einfach viel Geld für neue Professuren. Das ändert an der Situation kein Stück! In allen anderen Bereichen akzeptiert man es wenn nicht jeder Mitarbeiter CEO/Chef werden will. In der Wissenschaft geht man immer noch davon aus. Das jemand im Mittelbau als wissenschaftlicher Mitarbeiter/Teamleiter glücklich sein kann, scheint in den Köpfen der Verantwortlichen ausgeschlossen.
... weil jemand, der NICHT Professor werden will, nicht aus dem "Richtigen Holz geschnitzt" sein KANN. Eitle Egozentriker sehen halt ueberall nur eitle Egozentriker, daher diese Unterstellung durch die Politik.

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nochnbier 23.05.2016, 17:55
4. Herumdoktern an Symptomen

Was soll dieser Unfug nun wieder? Es gibt genügend betroffene, die Dank des unsinnigen WissZeitVG vom Berufsverbot bedroht oder bereits betroffen sind.
Und, es wird den "regulären" Professoren nicht in den Kram passen, weil nun 1000 hinzukommen, die an die Fleischtöpfe der DFG-Fördergelder drängen. Denn unter "erfüllten" Erwartungen wird meist Erfolg beim Einwerben von Drittmitteln verstanden - Lehre und was da geforscht wird spielen da meist gar keine Rolle mehr. Auf einen "Neuen", kommen dann gleich wieder 2-5 prekär und befristet beschäftigte Doktoranden für die es nach Abschluß der Promotion in der Wirtschaft keine Verwendung gibt. Welch' blinder Aktionismus ...

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musorki 23.05.2016, 20:18
5. tenure-track

das sollte sie mal dem geneigten und in den professoralen unterschieden nicht so bewanderten leser erklären. hilfsprofessuren oder juniorprofessuren, wie man sie in deutschland nennt, müssen nach 6 jahren evaluiert -von den werten kollegen- werden. sie sind finanziell auf dem untersten niveau der besoldung und ihnen wird neben forschung und lehre auch noch eine menge anderer aufgaben draufgepackt, auf die die platzhirsche keine lust haben. natürlich erwartet man auch erfolgreiche drittmittel einwerbung. das ist einfach daneben!

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el_grande_reader 23.05.2016, 20:25
6. 2-5 Doktoranden...?

Da können sie hier bei uns in Kiel in der Exellenzinitiative aber getrost eine Null anhängen... oder meinten Sie tatsächlich Promovierte? Anteilig würde das hinhauen... bei promovierten, die hinterher noch was in der Wissenschaft finden allerdings eher nicht...

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radiologe 23.05.2016, 21:06
7. In den USA

"In dem in den USA schon länger üblichen Tenure-Track-Verfahren qualifizieren sich Promovierte für eine Lebenszeit-Professur. Erreichen sie die mit der Uni vereinbarten Ziele in Forschung und Lehre, wird ihre Stelle nach etwa sechs Jahren entfristet. "

Haha - vielleicht in state universities sowie 2d und 3d tiers. Bei den meisten top Unis gibt es kein Tenure. Ca. 90% der Professoren (full, nicht associate) haben kein tenure und werden je nach Leistung verlaengert, weiterhin.

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gumbofroehn 23.05.2016, 22:09
8. Berufsverbot?

Zitat von nochnbier
Was soll dieser Unfug nun wieder? Es gibt genügend betroffene, die Dank des unsinnigen WissZeitVG vom Berufsverbot bedroht oder bereits betroffen sind.
Was haben die maximalen Beschäftigungsdauern des WissZeitVG mit Berufsverbot zu tun? Ich interpretiere die eher als Schutzvorschrift, denn so endet die Beschäftigung in einem Lebensalter, wenn eine berufliche Umorientierung noch einigermaßen möglich ist. Machen wir uns nichts vor, in den meisten Wissenschaftsdisziplinen wird hierzulande weit über Bedarf promoviert und habilitiert. Entsprechend sollten die hoffnungsvollen Nachwuchswissenschaftler sich spätestens nach Abschluss der Promotion genau überlegen, ob sie eine realistische Chance auf eine Professur haben oder ob es Zeit wird, den Wissenschaftsbetrieb zu verlassen. Wer sich versucht, um diese Entscheidung zu drücken, braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn er mit Anfang / Mitte 40 vor dem Nichts steht.

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rvanpelt 23.05.2016, 22:52
9. Forschung des Profits wegen?

Zitat von gumbofroehn
Was haben die maximalen Beschäftigungsdauern des WissZeitVG mit Berufsverbot zu tun? Ich interpretiere die eher als Schutzvorschrift, denn so endet die Beschäftigung in einem Lebensalter, wenn eine berufliche Umorientierung noch einigermaßen möglich ist.
Jemand mit dieser Meinung sollte sich fragen, ob die Gesellschaft daran Interesse hat, dass hochausgebildete Wissenschaftler nur noch fuer Unternehmen forschen koennen. Fuer die Erkenntnisse und Produkte, die dort generiert werden, muss die Gesellschaft teuer bezahlen. Ausserdem werden dort keine Nischenprodukte erforscht, weil eventuell der Markt nicht gross genug ist.

Ist es also sinnvoll, dass hochausgebildete Wissenschaftler an KEINER staatlichen Institution mehr AUS HAUSHALTSMITTELN BEFRISTET angestellt werden duerfen, nachdem IHRE 12 Jahre plus 2 a/Kind abgelaufen sind?

Klar wird man sagen, es ginge ja noch problemlos ueber externe Drittmittel, die ja 2 oder 3 Jahre laufen. Die muss ja nur irgendjemand, der an einer staatlichen Uni verbeamtet ist, einwerben. In der Regel schreibt dann der wissenschaftliche Mitarbeiter den Forschungsmittelantrag fuer den Prof, der dafuer keine Zeit hat. Mit etwas Glueck (die Foerderquote liegt bei maximal 10%) hat er dann in einem Jahr wieder eine Stelle. Oder man zieht alle 2-3 Jahre um, um irgendeinem Prof das Drittmittelprojekt zu managen. Wer das macht, verliert sein eigenes Profil und wird NIE eine Professur ergattern koennen.

Aber eine Gesellschaft wie unsere bekommt die Wissenschaft, die sie verdient: fehlerhafte, improvisierte Studien, die keinen realen Erkenntnisgewinn darstellen.

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