Forum: Leben und Lernen
Neue Stellen für Forscher: Mit 1000 Professuren gegen die Unsicherheit
DPA

Viele promovierte Wissenschaftler sind jahrelang befristet angestellt - ohne zu wissen, ob sie jemals eine Professur erhalten. Ein neues Förderprogramm soll Abhilfe schaffen.

Seite 2 von 6
rvanpelt 23.05.2016, 23:08
10. Von 'Tuten-und-Blasen' ...

Zitat von gumbofroehn
Entsprechend sollten die hoffnungsvollen Nachwuchswissenschaftler sich spätestens nach Abschluss der Promotion genau überlegen, ob sie eine realistische Chance auf eine Professur haben oder ob es Zeit wird, den Wissenschaftsbetrieb zu verlassen.
Glauben Sie wirklich, dass ein frisch Promovierter abschaetzen kann, welche Chancen er/sie auf eine Professur hat? Nein wie suess, diese naive Sichtweise. Ein Promovierter hat nicht die geringste Ahnung, was danach kommt und welche Erwartungen er/sie erfuellen muss. Es sei denn er/sie hat einen guten Mentor oder Vitamin-B. Leider ist das Mentoring System in diesem Land noch ausbaufaehig.

Ausserdem haengt vieles an der Intransparenz der Berufungsverfahren hier im Land. Bei 80% der Bewerbungen auf eine Professur bekommt man NICHT einmal eine formale Absage, selbst wenn man es auf die "Liste" geschafft hat. Ich selbst warte schon seit 2.5 Jahren auf den formalen Abschluss eines Berufungsverfahrens in einer Stadt namens "There mouth". Natuerlich kommt da nichts mehr. Ein anderes Verfahren liegt ja nur 1 Jahr zurueck (es wird ja noch verhandelt).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
strixaluco 23.05.2016, 23:15
11. Und wer soll dann die Arbeit machen...?

Frau Wanka scheint noch nicht aufgefallen zu sein, dass die Substanz in der Wissenschaft nicht von den Professoren produziert wird, sondern von genau denen, die gerade wie Wegwerfware behandelt werden. Professoren haben nämlich neben Lehre, Verwaltung, Repräsentation und vor allem Mitteleinwerbung nur selten noch Zeit, sich selbst intensiv inhaltlich zu betätigen. Das ist nicht als Vorwurf an die Professoren gemeint...!
Dem Inhalt täte es im Übrigen auch gut, wenn die, die Inhalt produzieren sollen, länger als drei bis fünf Jahre bei der Sache bleiben dürften. Es gibt eben sehr viele Dinge, die definitiv nicht in drei Jahren zu lösen sind, sondern ein Leben lang oder über mehrere Generationen beschäftigen können - eigentlich alles, was ein wirkliches Problem ist, wie die Behandlung von Zivilisationskrankheiten, Klimawandel, neue Technik für Energie und Mobilität - und genauso größere soziale und politische Veränderungsprozesse. So wie es jetzt ist, werden viele sinnvolle Projekte abgebrochen, bevor sie überhaupt richtig in Fahrt gekommen sind. Und der nächste darf dann wieder von vorn anfangen. Das ist nicht nur Frust für alle Beteiligten, sondern auch haarsträubende Geldverschwendung. Mit dem Geld, das gerade für unsinnige Wettbewerbe, Antragswirtschaftm Angeberei, Verwaltung von Kurzzeitverträgen und immer wieder neue Einarbeitung ausgegeben wird, dürfte man leicht die gleiche Zahl von Leuten anständig beschäftigen können. Was man sich im Sinne des Wortes sparen müsste, wäre der Aufwand, - genau, Aufwand! - Leute zu drangsalieren. Es macht einfach mehr Sinn, Leute für echte Arbeit zu bezahlen als fürs Streichen potjomkinscher Dörfer... oder am Ende fürs Harzen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
soNicht!!! 23.05.2016, 23:25
12. Verantwortung sieht anders aus

Mit 1000 neuen befristete Stellen in der Wissenschaft, für die eine langfristige Finanzierung fehlt, setzt sich die wohl bekannte maximale Ausbeutung von mehr als 160.000 wissenschaftlich arbeitenden Menschen in öffentlichen Dienst fort, die das System als sogenannter akademischen Mittelbau tragen.
Tenure-Track-Professuren sind ein Unfug. Wir brauchen für unsere Gesellschaft eine verantwortliche Personalentwicklung im Forschungssektor, die auch langfristige Positionen für die "Arbeitsbienen" unterhalb der Professur vorsieht.
Hier ist die Politik gefordert!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cspersonal 23.05.2016, 23:26
13. Wenn junge, talentierte Menschen...

...mich fragen, ob sie eine wissenschaftliche Karriere anstreben sollen, dann frage ich sie: "Bist Du reich? Hast Du einen Partner der reich ist bzw. einen sicheren Job hat und der Dich notfalls ökonomisch absichern kann?". Und dann sage ich: "Falls Du beide Fragen mit Nein beantwortest, dann nimm die Beine in die Hand und lauf so schnell Du kannst!". Kein verantwortungsvoller Mensch kann jungen Menschen diesen Karriereweg empfehlen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
autocritica 24.05.2016, 01:14
14. Unsinniges System

Zitat von gumbofroehn
Was haben die maximalen Beschäftigungsdauern des WissZeitVG mit Berufsverbot zu tun? Ich interpretiere die eher als Schutzvorschrift, denn so endet die Beschäftigung in einem Lebensalter, wenn eine berufliche Umorientierung noch einigermaßen möglich ist. Machen wir uns nichts vor, in den meisten Wissenschaftsdisziplinen wird hierzulande weit über Bedarf promoviert und habilitiert. Entsprechend sollten die hoffnungsvollen Nachwuchswissenschaftler sich spätestens nach Abschluss der Promotion genau überlegen, ob sie eine realistische Chance auf eine Professur haben oder ob es Zeit wird, den Wissenschaftsbetrieb zu verlassen. Wer sich versucht, um diese Entscheidung zu drücken, braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn er mit Anfang / Mitte 40 vor dem Nichts steht.
Können Sie mir erklären, wieso der berufliche Wechsel zwischen akademischer Welt und Forschung in der Industrie nicht in jedem Lebensalter möglich sein sollte? Das habe ich noch nie verstanden. Gerade im technischen Bereich können erfahrene Wissenschaftler innovative Ideen und Forschungsmethoden in Unternehmen bringen, umgekehrt können erfahrene Dozenten aus der Wirtschaft für mehr Praxisnähe in der Lehre sorgen. Andererseits verstehe ich aber auch das Konzept der Lebenszeit-Professur nicht. Es gibt keinen Grund, dass ein Hochschullehrer ab einem bestimmten Punkt lebenslang an seinem Stuhl kleben muss. Hier sollten die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten in beide Richtungen durchlässiger werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Dumme Fragen 24.05.2016, 01:27
15. Nur Profs und Hausmeister...

Für alle anderen ausserhalb der Verwaltung - dem einzigen Bereich wo nicht gespart wird - gibt es keine festen Stellen. Nicht jede/r will Prof werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
j.weber 24.05.2016, 02:29
16. Neue befristete Stellen erhöhen die Sicherheit?

Das deutsche Tenure-Track-System ist ja nur eine Pervertierung des amerikanischen Systems. Zu Behaupten, es wäre eine Maßnahme gegen die Unsicherheit und würde Perspektiven öffnen... Wenn ich den ersten Absatz des Artikels schon lese. Tausende hangeln sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten. Was sollen denn 1000 weitere befristete Stellen daran ändern? Der Tenure Track ist ja nichts anderes als eine auf 3 bis 6 Jahre befristete Professur mit meist unterirdischen Mitteln. Wenn die 3/6 Jahre rum sind entscheidet die Uni, ob sie die Stelle mit einem billigen Bewerber besetzt, oder ob sie den alten auf eine teurere Stelle hievt. Mit den zusätzlichen befristeten Stellen werden doch eher unbefristete eingespart. Hat man ja schon beim akademischen Mittelbau gesehen, wie das läuft. Es wäre doch sehr interessant zu erfahren, wieviele von den Tenure-Track-Professoren anschließend eine feste Professur an der selben Uni angeboten bekommen. Von dem, was ich so höre, dürfte die Zahl im unteren einstelligen Prozentbereich liegen.

Schönes Zeichen übrigens auch, jetzt die 1 Milliarde für befristete Stellen hinzulegen, aber nicht einmal eine Anschlussfinanzierung für unbefristete Stellen in Aussicht zu stellen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
obreot 24.05.2016, 05:16
17. Bildung lohnt sich?

Nur wenn der Staat in die Tasche greift und wenn es nicht zuviele mit guter Bildung gibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lindenbast 24.05.2016, 07:17
18.

Wieviele Volluniversitäten gibt es in Deutschland? Ca. 40? Das wären dann 25 neue Stellen pro Uni. Wahnsinn.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lindenbast 24.05.2016, 07:23
19.

Zitat von gumbofroehn
Was haben die maximalen Beschäftigungsdauern des WissZeitVG mit Berufsverbot zu tun? Ich interpretiere die eher als Schutzvorschrift, denn so endet die Beschäftigung in einem Lebensalter, wenn eine berufliche Umorientierung noch einigermaßen möglich ist. Machen wir uns nichts vor, in den meisten Wissenschaftsdisziplinen wird hierzulande weit über Bedarf promoviert und habilitiert. Entsprechend sollten die hoffnungsvollen Nachwuchswissenschaftler sich spätestens nach Abschluss der Promotion genau überlegen, ob sie eine realistische Chance auf eine Professur haben oder ob es Zeit wird, den Wissenschaftsbetrieb zu verlassen. Wer sich versucht, um diese Entscheidung zu drücken, braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn er mit Anfang / Mitte 40 vor dem Nichts steht.
Erstens: mit Anfang 40 beruflich umorientieren? Na, dann viel Spaß.

Zweitens: es ist nicht absehbar, wer eine Chance hat und wer nicht. Bei Lehrstuhlbesetzungen spielen enorm viele Zufälligkeiten mit. So einfach "ich bin als Wi8issenschaftler nur zwei plus, da habe ich keine Chance, also mache ich etwas anderes" ist es eben nicht.

Drittens: die maximale Beschäftigungsdauer hat eben auch zur Folge, dass diese hochqualifizierten Leute auch nicht mehr befristet und projektbezogen eingesetzt werden können. Natürlich wollen aber lieber eine feste Stelle, das ist doch klar. Aber vor der Alternative "Hartz IV oder 3 Jahre in einem DFG-Projekt", raten Sie mal, was sie lieber täten. Und wenn man genau das nicht mehr darf, ja, das ist dann tatsäüchlich ein Berufsverbot.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 6