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Neue Stellen für Forscher: Mit 1000 Professuren gegen die Unsicherheit
DPA

Viele promovierte Wissenschaftler sind jahrelang befristet angestellt - ohne zu wissen, ob sie jemals eine Professur erhalten. Ein neues Förderprogramm soll Abhilfe schaffen.

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helmut.alt 24.05.2016, 07:57
20.

Der akademische Mittelbau ist für die Kontinuität von Forschung und Lehre an einer Universität unendlich wichtig und hilft vor allem den Studierenden. Höchste Zeit, dass hier eine Stellenaufstockung kommt, allein schon aufgrund der stark gestiegenen Studentenzahlen.

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IB_31 24.05.2016, 09:15
21.

Zitat von autocritica
Können Sie mir erklären, wieso der berufliche Wechsel zwischen akademischer Welt und Forschung in der Industrie nicht in jedem Lebensalter möglich sein sollte? Das habe ich noch nie verstanden. Gerade im technischen Bereich können erfahrene Wissenschaftler innovative Ideen und Forschungsmethoden in Unternehmen bringen, umgekehrt können erfahrene Dozenten aus der Wirtschaft für mehr Praxisnähe in der Lehre sorgen. Andererseits verstehe ich aber auch das Konzept der Lebenszeit-Professur nicht. Es gibt keinen Grund, dass ein Hochschullehrer ab einem bestimmten Punkt lebenslang an seinem Stuhl kleben muss. Hier sollten die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten in beide Richtungen durchlässiger werden.
Also die eine Richtung (Industrieberufungen) gibt es ja,
die werden aber durch das Tenure-Track Verfahren wohl eher erschwert.

Die andere Richtung Sie nennen es :erfahrene Wissenschaftler in's Unternehmen) Ist schwieriger.

Zum einen sind diese Leute es nicht gewohnt in definierten Zeiten definierte Ergebnisse vorzulegen.

Zum anderen sind sie auch nicht die Art und Weise gewohnt, wie in Entwicklungsabteilungen gearbeitet wird.
(Wahrscheinlich, weil sie die Infrastruktur dazu
von ihrer Uni her nicht kennen).

Hinzu kommt ein schlechter Ruf "(Experten für's Weltfremde").Mag uteilweise ja unberechtigt sein, aber das hat sich nun mal so verfestigt.....

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poster12345kommentar 24.05.2016, 09:15
22. Mehr Chefpositionen für das Land !!!

Na klar, alles was die Unis brauchen ist NOCH MEHR Chefs. NOCH MEHR Konkurrenten um die Fördergelder. NOCH MEHR Antragschreiber und Verwalter.

Ich habe noch (fast) nie einen Prof. gesehen der z.B. ein Praktikum in Physik oder Chemie betreut. Oder tatsächlich selbst Experiment (alias "Forschung" macht).
Denn die Praxis kostet viel Zeit - TÄGLICH. Zeit die solche "Verwalter" nicht haben. Nicht haben können und auch nicht haben sollen/wollen.

In der Industrie gibt es ja auch nicht 1000 Abteilungsleiter für 1 Abteilung...es gibt 1 Abteilungsleiter und 999 "Angestellte".

DARAN sollte man mal arbeiten und nicht noch mehr "virtuelle Abteilungsleiter" produzieren.

Eine idiotische Gesetzesänderung für bereits bestehende idiotische Gesetze....Es lebe die Politik.

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wk1603 24.05.2016, 09:24
23. Ab ins Ausland

Ich bin froh, mich bereits vor 20 Jahren direkt nach meiner Habilitation ins Ausland abgesetzt zu haben, wie übrigens dutzende Kollegen allein in meinem engeren Fachgebiet. Ob in den USA oder Kanada, in Frankreich, in England oder in Japan, überall werden die exzellent ausgebildeten deutschen Akademiker mit Kusshand aufgenommen. Wann merkt die Politik eigentlich dass dieser Exodus ein Problem ist ?

Wenn Deutschland nicht nur exzellente Wissenschaftler ausbilden, sondern später auch von ihnen profitieren will, bedarf es radikaler Änderungen. Ein paar "tenure track" Stellen, von denen wahrscheinlich nur ein geringer Anteil verstetigt wird, ändern nichts an der grundsätzlichen Problematik, dass es zu wenige permanente Stellen in der deutschen Forschung gibt, nicht nur an den Universitäten sondern auch in der Forschungsinstituten. Davon wird u.a. die Zukunft unserer Wissensgesellschaft abhängen.

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nochnbier 24.05.2016, 09:59
24. Das sehe ich anders ...

Zitat von gumbofroehn
Wer sich versucht, um diese Entscheidung zu drücken, braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn er mit Anfang / Mitte 40 vor dem Nichts steht.
Das sehe ich anders, denn das "System" ist derzeit darauf ausgelegt Abhängigkeiten zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Wir leisten uns "Wegwerfakademiker" zu produzieren. Befristung ist eine Sache, aber die Weiterbeschäftigung aus Haushaltsmitteln gänzlich unmöglich zu machen ist was es ist: ein Berufsverbot! Zudem können sie sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie schwer es für die Betroffenen ist einen Ausstieg aus der Wissenschaft zu finden. Es ist richtig, wenn Sie sagen, dass über Bedarf promoviert wird - für die Wirtschaft wohlgemerkt! In der Forschung besteht erheblicher Bedarf an Fachkräften, aber weil die dem Staat zu teuer sind, werden billige Doktoranden eingestellt, denen man leere Versprechungen macht, nämlich, dass "mit eine Promotion Ihnen ja alle Türen offen stehen würden". Weit gefehlt! Diese Bildungspolitik ist einfach nur unredlich. Den Betroffenen die Schuld in die Schuhe zu schieben, man "habe das Falsche studiert" ist etwas zu einfach und trifft den Kern des Problems nicht!

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nochnbier 24.05.2016, 10:16
25. Nein, ich meine die Anzahl an Doktoranden

Zitat von el_grande_reader
Da können sie hier bei uns in Kiel in der Exellenzinitiative aber getrost eine Null anhängen... oder meinten Sie tatsächlich Promovierte? Anteilig würde das hinhauen... bei promovierten, die hinterher noch was in der Wissenschaft finden allerdings eher nicht...
O.K. mag sein, dass an anderen Unis pro Professur mehr Doktoranden eingestellt werden. Aber dass ist ja Kern des Problem. Frau Wanka schafft 1000 Dauerstellen und schafft neue Abhängigkeiten, denn die 1000 Profs werden sich kaum selbst ins Labor stellen, sondern werden nur ihre Forschung verwalten. Die eigentliche Arbeit machen dann die Wissenschaftlichen Mitarbeiter, die natürlich auch irgendwann eine feste Stelle haben möchten. Was Frau Wanka da macht erinnert nicht nur an ein Kettenbrief oder Pyramidenspiel bei denen nur einige wenige den Einsatz der Mitspieler einkassieren.

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nochnbier 24.05.2016, 10:28
26. Transparenz gab es noch nie ...

Zitat von rvanpelt
Ausserdem haengt vieles an der Intransparenz der Berufungsverfahren hier im Land. Bei 80% der Bewerbungen auf eine Professur bekommt man NICHT einmal eine formale Absage, selbst wenn man es auf die "Liste" geschafft hat. Ich selbst warte schon seit 2.5 Jahren auf den formalen Abschluss eines Berufungsverfahrens in einer Stadt namens "There mouth". Natuerlich kommt da nichts mehr. Ein anderes Verfahren liegt ja nur 1 Jahr zurueck (es wird ja noch verhandelt).
bei diesem System. Ich habe in vielen Berufungskommissionen gesessen und man kann eigentlich nur mit dem Kopf schütteln, wenn man sieht wie es dort zu geht. Es gewinnen meist Bewerber aus vollkommen irrationalen Gründen, denn genügend fachlich qualifiziert sind ja fast alle. Oft ist es das Gezänk der etablierten Professoren, das die Entscheidung beeinflusst, geht es doch um Macht(erhalt) und die Zuteilung der knappen Forschungsgelder. Zudem ist ein ein sehr hohes Maß an Seilschaften/Vetternwirtschaft, pardon, "Networking" erforderlich, um in den erlauchten Kreis aufgenommen zu werden, insbesondere MPI-Mitarbeiter stechen/stachen da besonders hervor - die Juniorprofessoren haben da wenig geeändert. Zudem ist es erstaunlich wie schnell sich diese an ihren neuen Status anpassen. Gestern noch selbst von Hartz IV bedroht, morgen Juniorprofessor, und übermorgen lässt man die eigenen Doktoranden die Promotion unter Hartz IV zusammenschreiben. Hier sind tiefgreifende Reformen nötig, das löst man nicht mit läppischen 1000 Stellen.

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zorndeskhan 24.05.2016, 10:43
27. Wer von Haus aus ...

Wer von Haus aus nicht finanziell unabhängig ist und einigermaßen bei Verstand ist wird in Deutschland keine akademische Karriere beginnen. Aus Sicht eines aktuell Promovierenden eignet sich eine akademische Laufbahn nur für Erben, anderweitig Reiche sowie Menschen, die sich aufgrund von "Vitamin B" sicher sein können, dass sie eine Professur ergattern werden - oder eben im "Notfall" noch anderswo unterkommen können. W3-Stellen sind darüber hinaus (in meinen Augen) überaus unattraktiv, weil man im Hamsterrad der Antragsstellerei gefangen ist, da es ohne Drittmittel zu wenig Output gibt. Ohne ausreichenden Output keine Rufe zu anderen Universitäten. Ohne Rufe zu anderen Universitäten keine Gehalts- und Bedingungsverhandlungen. Ohne Bedingungsverhandlungen wiederum (in Relation) weniger Output... Alles in allem eine bemitleidenswerte Laufbahn, selbst wenn man "es geschafft" hat. Für jemanden, der sich "etwas Aufbauen" will völlig ungeeignet. In meinen Augen eignet sich sogar die Professoren-Laufbahn heutzutage nur noch für Erben und anderweitig Reiche.

Mit der Promotion endet meine wissenschaftliche Laufbahn im universitären Bereich und ich bin heilfroh, wenn ich anstelle sinnloser Anträge endlich wieder hauptsächlich produktiv arbeiten darf. Gerne mit Termindruck, gerne besser gestern als heute - Hauptsache 100% Aufwand ergeben zumindest 80% (sinnhaften) Output. Arbeiten im (unteren) "Mittelbau" an einer deutschen Universität ist anstrengend, demotivierend, schlecht bezahlt und größtenteils unsinnig. Die Perspektiven auf eine W3-Stelle sind zum einen schlecht, zum anderen auch wenig erstrebenswert.

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schreckgespenst 24.05.2016, 10:51
28. Blubb

Zitat von IB_31
Zum einen sind diese Leute es nicht gewohnt in definierten Zeiten definierte Ergebnisse vorzulegen. Zum anderen sind sie auch nicht die Art und Weise gewohnt, wie in Entwicklungsabteilungen gearbeitet wird. (Wahrscheinlich, weil sie die Infrastruktur dazu von ihrer Uni her nicht kennen). Hinzu kommt ein schlechter Ruf "(Experten für's Weltfremde").Mag uteilweise ja unberechtigt sein, aber das hat sich nun mal so verfestigt.....
Genau, wir an der Uni haben natürlich keine festen Vorgaben und forschen lustig vor uns hin... Denken Sie tatsächlich, dass die Drittmittelgeber (DFG etc.) keine genauen Vorgaben zu Zwischenschritten etc. machen? Unsere Forschungsprojekte sind genau durchdefiniert, wenn man bis zum XX.XX.XXXX keine Ergebnisse liefert, wird die Gelder der nächsten Förderphase auch nicht frei gegeben.

Meine Erfahrung aus Forschungsprojekten mit Industrieunternehmen ist hingegen folgende: Die Projekte werden i.d.R. vom (mittleren) Management initiiert, weil sie mit den Ergebnissen der eigenen Entwicklungsabteilungen unzufrieden sind. Entsprechend schwer ist auch die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsabteilungen, weil diese die meisten Ideen abblocken und sehr stark darauf fokussiert sind, dass ihnen der Erfolg zugerechnet wird.

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nochnbier 24.05.2016, 11:00
29. Das WissZeitVG hat bei seiner ...

Zitat von gumbofroehn
Was haben die maximalen Beschäftigungsdauern des WissZeitVG mit Berufsverbot zu tun? Ich interpretiere die eher als Schutzvorschrift, denn so endet die Beschäftigung in einem Lebensalter, wenn eine berufliche Umorientierung noch einigermaßen möglich ist.
... Einführung im Jahr 2003 aber sehr viele Wissenschaftler getroffen, die zuvor eine Entscheidung für eine wissenschaftliche Karriere getroffen hatten. Diese Kollegen hat man vollkommen vor den Kopf gestoßen, weil Frau Buhlmann damals keine Übergangsfrist oder Stichtagsregelung festgelegt hat.
Zugleich hat man völlig willkürlich eine Altersgrenze für den Antritt einer Juniorprofessur festgelegt und erst viel später für die "Abgehängten" die Möglichkeit geschaffen, bei der DFG Geld für die eigene Stelle einzuwerben. Damals sind die Antragszahlen für Drittmittel regelrecht explodiert, dennoch hat sich an der Förderquote über die Jahre hinweg nicht viel geändert.
Hätte ich vor meiner Promotion davon gewusst, wäre meine Entscheidung sicher auch anders ausgefallen.

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