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Neuer Medizinstudiengang: Bitte experimentiert mit uns
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Mehr als 1000 Bewerber, 40 Plätze - und trotzdem ist es kein typisches Medizin-Bewerberungsverfahren: An der Uni Oldenburg startet nun ein neuer, internationaler Studiengang für angehende Ärzte. Gefragt sind Aspiranten mit Einfühlungsvermögen.

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mats123 03.09.2012, 10:07
1. Für Kinder reicher Eltern?

Bei den interviewten Personen drängt sich der Verdacht auf, dass hier insbesondere die Kinder reicher Leute mit einem schönen Studienplatz in Oldenburg versorgt werden. Die genannten Personen sind offensichtlich großteils mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden.

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aquarelle 03.09.2012, 10:43
2.

Zitat von mats123
Bei den interviewten Personen drängt sich der Verdacht auf, dass hier insbesondere die Kinder reicher Leute mit einem schönen Studienplatz in Oldenburg versorgt werden. Die genannten Personen sind offensichtlich großteils mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden.
Und wo steht das? Nur weil es sich um einen neuartigen Studiengang handelt?
Bis auf die frischen Abiturienten haben zumindest die Krankenschwester oder der Rettungssanitäter bereits eigenes Geld verdient um sich das Studium zu finanzieren.
Immer dieser Neid der Besitzlosen...

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zitronenkuchen 03.09.2012, 10:55
3. Meine Güte...

Wieder eine dieser unnötiogen Studiengangsinnovationen.
'Der Abiturient mit 17' und der Rettungssanitäter können voneinander profitieren...
Aha, seit wann ist das Hauptziel eines Studienganges dass man voneinander profitiert und demnach die Studenten ausgesucht werden?
Das Medizinstudium ist, so wie es klassisch gelehrt wird, eben anspruchsvoll, sehr theoretisch aber bewährt.
Ich denke nicht, dass es Sinn macht bzw. die Studenten davon profitieren direkt nach ein paar Wochen mit Patienten 'konfrontiert' zu werden. Denn letztenendes muss nuneinmal erst ein grosses Wissen von den Profs vermittelt werden bevor man am Patienten irgendetwas ausrichten kann.
Nur mit Einfühlsamkeit wird mit man kein guter Arzt; genauso wenig wie ohne Einfühlsamkeit.
Aber entweder man bringt diese soft skills mit sich, oder nicht.
Aber einen extra internationalen blabla Medizinstudiengang unter dem Deckmäntelchen der verbesserten Ausbildungsstruktur braucht kein Mensch.
Die armen Studenten, die darauf mal wieder reinfallen. Aber was will man erwarten von 17- Jährigen?

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Ist das wirklich so? 03.09.2012, 12:12
4. Nicht ganz von der Hand zu weisen..

.. Ihre Kritik an diesem neuen Studiengang. Ich habe in den letzten Jahren während mehrerer Praktika am Klinikum Oldenburg den Eindruck gewonnen, dass der EMS-Studiengang in erster Linie ein Prestigeprojekt für die Uni Oldenburg darstellt. Gründungsdekan Hahn ist bei weiten Teilen der medizinischen Belegschaft aufgrund von objektiv unhaltbaren Versprechen wenig wohlgelitten.

Zum Thema Praxisorientierung und frühen Patientenkontakt: Ich habe selbst während meines Medizinstudiums an der Uni Göttingen zahlreiche Auslandspraktika unter anderem in Schweden und den USA (also zwei Ländern die für deutsche Medizinabsolventen durchaus potentielle Traumländer sind) absolviert. Überall wurde der hohe Wissensstand und die fundierte Ausbildung der deutschen Medizinstudenten gelobt. Insbesondere in Schweden beginnt der Patientenkontakt im Studium wesentlich früher als in Deutschland und die Studenten müssen auch sehr viel früher eigenverantwortlich arbeiten. Die Ausbildungsqualität der fertigen Assistenzärzte erhöht das nicht!
Prinzipiell ist natürlich eine gute praktische Ausbildung sehr wichtig, die absolute Voraussetzung dafür ist jedoch ein fundiertes theoretisches Wissen. Ich habe Zweifel ob alle, die über den Inhalt eines Medizinstudiums mitdiskutieren wollen wissen, wie groß und umfassend diese Wissensbasis ist.

Ein letzter Punkt noch zu den erhofften "Synergie-Effekten" zwischen z.B. Rettungssanitätern und 17-jährigen Abiturienten. Auch an meiner Universität gab es beide Sorten von Studenten sehr zahlreich, mit dem einzigen Unterschied, dass die Abiturienten damals noch 19 Jahre alt waren. Ein von-einander-profitieren konnte ich zu keinem Zeitpunkt ausmachen, warum sollte das in Oldenburg nun plötzlich anders sein?

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LeToubib 03.09.2012, 12:14
5.

Irgendwie tun mir diese zukuenftigen Medizinstudenten jetzt schon leid, denn sie sind auf Gedeih und Verderben auf diese eine Universitaet angewiesen, mit Wechseln ist nichts - so steht es zumindest auf der Homepage.

Gut, ueber das Zwangsjahr in den Niederlanden kann man trefflich streiten; ich frage mich nur, ob man in diesem Beruf wirklich Hollaendisch beherrschen muss. Brauchen denn die Niederlaender so dringend deutsche Aerzte, weiss das zufaellig jemand?

Und PJ in einem der kleinen Oldenburger Stadtkrankenhaeuser anstatt in einer echten Uniklinik? Ich weiss ja nicht ...

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jackrum 03.09.2012, 12:48
6. Anspruchsvoll?

Zitat von zitronenkuchen
Wieder eine dieser unnötiogen Studiengangsinnovationen. 'Der Abiturient mit 17' und der Rettungssanitäter können voneinander profitieren... Aha, seit wann ist das Hauptziel eines Studienganges dass man voneinander profitiert und demnach die Studenten ausgesucht werden? Das Medizinstudium ist, so wie es klassisch gelehrt wird, eben anspruchsvoll, sehr theoretisch aber bewährt. Ich denke nicht, dass es Sinn macht bzw. die Studenten davon profitieren direkt nach ein paar Wochen mit Patienten 'konfrontiert' zu werden. Denn letztenendes muss nuneinmal erst ein grosses Wissen von den Profs vermittelt werden bevor man am Patienten irgendetwas ausrichten kann. Nur mit Einfühlsamkeit wird mit man kein guter Arzt; genauso wenig wie ohne Einfühlsamkeit. Aber entweder man bringt diese soft skills mit sich, oder nicht. Aber einen extra internationalen blabla Medizinstudiengang unter dem Deckmäntelchen der verbesserten Ausbildungsstruktur braucht kein Mensch. Die armen Studenten, die darauf mal wieder reinfallen. Aber was will man erwarten von 17- Jährigen?
Nach 15 Jahren Erfahrung in einer universitären Klinik und vielen Gesprächen gerade mit jungen Ärzten habe ich nicht den Eindruck, dass der Anspruch des Medizinstudiums so bemerkenswert ist. Es stimmt - man lernt Unmengen, macht eine MC-Klausur und vergisst Unmengen wieder. Gerade die breite theoretische Basis wird dann durch eine erfrischende Ahnungslosigkeit junger Ärzte in der Klinik demonstriert. Das kann ja auch gar nicht anders sein - kein Mensch kann sich sich das heutige medizische Wissen komplett aneignen oder gar merken. Braucht auch niemand - jeder Arzt spezialisiert sich schließlich. (Was - nebenbei bemerkt - dazu führt, dass für jede fachfremde Kleinigkeit ein entsprechender Spezialist dazugezogen werden muss...). Kurz - die Theorielastigkeit des klassischen Studiums nutzt anschließend wenig. Ich sage nicht, dass man keine fundierte Basis benötigt!
Dafür ist es wirklich schlimm, was für Persönlichkeiten hier mitunter auf Patienten und Kollegen losgelassen werden, weil im Studium versäumt wurde 1. den tatsächlichen Alltag eines Arztes/einer Klinik erlebbar zu machen, 2. die Wichtigkeit der Interaktion mit Menschen (Patienten und Kollegen) hervorzuheben und zu schulen (das sind nicht nur "soft skills" die man halt hat oder nicht) und 3. jedem die Grenzen seines Wissens aufzuzeigen - mit dem Ergebnis eines ignoranten Allmachts-Ego einiger (und nicht aller, oder der Mehrheit!) jungen Ärzte. (Das ist bei Lehrern t.w. ganz ähnlich...)
Jedes innovative Studium, das diese Problematik aufgreift, ist zu begrüßen. Dass hier Prestige und Uni-Konkurrenz immer auch eine Rolle spielen, sei unbestritten.
Aber das "klassische" Medizinstudium als nicht zu verbesserbares Optimum zu betrachten, halte ich für sehr fraglich.
J.

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nuelaprofessorin80 03.09.2012, 13:06
7. Wohnungsmangel in der Stadt

1)Mich würde einmal interessieren,wie eine Krankenschwester od ein Rettungsanitäter Medizin studieren kann-ohne Abitur?
In der Fakultät Medizin gilt ein N.C.Und mit einem Zeugnis von wenig er als 13 Punkten dürfte es normalerweise ausgeschlossen sein,Medizin zu" belegen." Und das große Latinum ist Pflicht.
Die sogenannte "Z-Prüfung"-mit der diese Leute offensichtlich an die Uni gelangt sind,reicht dafür niemals aus.....
2)In der Stadt Oldenburg-das sei allen Aspiranten gesagt-herrscht Wohnungsnot.Die GSG hat eine Warteliste von mehr als 4200 Wohnungssuchenden.Die Studis kommen noch dazu.Der freie Markt zählt haarsträubende Wohnungsbesichtigungstermine auf.....
In der Stadt fehlen schon jetzt schon mehr als 6000 Wohnungen-das alles hat der liebe Herr Prof.Dr.Hahn unerwähnt gelassen...
Aber einen Trost gebe ich noch mit:
Der Medizinfakultät-das ist ein grauer,containerartiger Neubau,entsteht jetzt auf dem Campus in Wechloy.Weit genug von der Uni entfernt.
Sozusagen aufm platten Land.Beim Bauern ums Eck.
Und noch eine gute Nachricht gibt es zu vermelden:

1.Die Mensa ist bundesweit spitzenklasse.

2.Medizin soll bis auf 240 Studienplätze ausgeweitet werden.
Wenn die Stadt und Sponsoren für jede Professorenstelle 2,3 mio.€ locker machen.
Die Stadt darf nicht,weil überschuldet.Die Kommunalaufsicht in Hannover hat den eiligen Herrn OB Prof.Dr.Schwandner zurück gepfiffen.
Wo die nötigen Finanzmittel für weitere 6 Professoren aufkreuzen werden,steht noch in den Sternen.

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flame81 03.09.2012, 13:09
8. optional

Wenn ich so über mein Medizinstudium nachdenke (aktuell 3. klin. Jahr), dann frage ich mich was an diesem Studiengang so anders sein soll im Vergleich zu meinem. Wir haben auch schon in der Vorklinik Patientenkontakt gehabt. Genützt hat einem das nicht wirklich, da man die Theorie noch gar nicht mit der Praxis verbinden konnte. Die klinischen Semester beinhalten durchgehend und regelmäßigen Patientenkontakt. Und was eine Hausarztpraxis mit einem Abiturienten, mehr oder weniger, anfangen soll ist mir auch ein Rätsel. In meinem Allgemeinmedizin-Praktikum (im 8. Semester) habe ich Patienten schon alleine betreut (natürlich mit Vor- und Nachbearbeitung), wusste um körperliche Untersuchungstechniken und hatte theoretisches Hintergrundwissen. Die hier angestrebte Variante klingt für mich weder für die Studenten noch für den Lehrarzt erstrebenswert. Zumal man durch das Pflegepraktikum sowieso schon einen ersten Einblick in die Medizinwelt bekommt.

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aquarelle 03.09.2012, 13:24
9.

Zitat von nuelaprofessorin80
1)Mich würde einmal interessieren,wie eine Krankenschwester od ein Rettungsanitäter Medizin studieren kann-ohne Abitur? In der Fakultät Medizin gilt ein N.C.Und mit einem Zeugnis von wenig er als 13 Punkten dürfte es normalerweise ausgeschlossen sein,Medizin zu" belegen." Und das große Latinum ist Pflicht. Die sogenannte "Z-Prüfung"-mit der diese Leute offensichtlich an die Uni gelangt sind,reicht dafür niemals aus.....
Ich tippe mal, dass diese Menschen ebenfalls Abitur gemacht haben, aber anstatt 3 oder 4 Jahre totzuschlagen, sich um eine Ausbildung im medizinischen Sektor bemüht haben, um Erfahrungen und Wartesemester zu sammeln.
Und ich wette, dass diese einen Vorteil gegenüber denen haben, die frisch aus der Schule mit nem 1,0 Abi kommen...

Und Wohnungsnot herrscht doch schon seit spätestes letztem Jahr in allen Universitätsstädten.
Wenn es möglich ist würde ich daher jedem raten, zum SoSe anzufangen.

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