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Neues Schulfach in Bayern: Wie sich unsere Leser das Fach "Alltagskompetenz" vorstell
Stephan Görlich/ imago images

In Bayern soll es bald das neue Schulfach Alltagswissen geben. Schüler und Lehrer sehen das kritisch. Lesen Sie hier, was unsere Leser von dem Plan halten - und wie sie den Unterricht gestalten würden.

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Flachlandprophet 02.07.2019, 10:42
20. Auf Kosten von....?

Halte den Grundgedanken und einige der eingebrachten Ideen für sinnvoll, doch die eigentliche Frage ist: welche Lerninhalte "verbannt" man stattdessen von der Schule? Und da wäre mein Vorschlag; den Religionsunterricht - der m.E. Privatsache ist und an einer staatlichen Schule nichts verloren hat.

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freigeistiger 02.07.2019, 10:46
21. Nichts Neues

Ein Teil der Vorschläge war in meiner Schulzeit in die Fächer eingebaut. Anderes gibt es im Außerschulischen Bereich etwa in Volkshochschulkursen, oder durch Arbeiten in Vereinen. Viele davon ist auch einfach Bildung. Kaum Jemand weiß was Bildung ist. Es ist die Erziehungsleistung der Eltern. Schule und Studium sind Ausbildungen. Schule ist nicht für Bildung und Erziehung zuständig, dass kann sie nicht leisten. Schule ist für die Erreichung des Schulziels zuständig. Von meinen Eltern habe ich etwas ganz Wichtiges gelernt, das Lernen lernen.

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zudummzumzum 02.07.2019, 10:46
22. Eingeständnis des Unvermögens ...

Alleine die Tatsache, dass diese Debatte jetzt derart auftaucht, ist doch das Eingeständnis des schieren Bildungsversagens. Wir müssen aufpassen, dass Bildung nach vorne weist und sich nicht daran orientiert, was den Leuten vor 50 oder 60 Jahren ja auch nicht geschadet hat. Das erfordert eine gesellschaftliche Debatte darüber, was in 5 oder 10 Jahren eigentlich "Bildung" ausmachen soll. Einschließlich der Klarstellung, dass nach Ende der Debatte diejenigen, die sich nicht in allen Punkten durchsetzen konnten, auch mal die Schnauze halten und die Ergebnisse mit vertreten sollen! Sonst geraten wir in ein dummes (!) Fahrwasser, in dem Alte bestimmen, was für Junge wichtig sein soll.

Und damit sind wir bei der Frage, was an "altem Wissen" eigentlich aufgegeben werden kann, um Platz für Neues zu machen. Wieder mit den gleichen Anforderungen. Es kann doch nicht sein, dass Einstellungsverantwortliche 2030 den Kids vorwerfen, keine Ahnung von antiken Getreidesorten oder der Schreibweise von völlig verstaubten Wörtern weitab der Alltagssprache zu haben usw.

Wir sollten uns die Frage stellen, wann die Schere zischen - benotbarem - Schulwissen und Alltagskompetenz derart aufgegangen ist, dass wir heute diese Probleme haben. Und dann sehen wir weiter. Aber ob "Steuererklärung ausfüllen" mit einer 4 minus richtig benotet ist, habe ich so meine Zweifel. Mit "Alltagskompetenz" steht auch die ganze Notengeilheit der Schule am Pranger ...

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MatthiasPetersbach 02.07.2019, 10:48
23.

Nun, ich sehe da eher Defizite bei den Eltern als bin der Schule.

Und ich sehe da wenig Themen für ein ganzes Fach. Wie man sich benimmt und daß man jemand die Hand gibt und grüßt, das hat man in 3 Minuten erfahren - und machts dann - oder nicht.

Daß man Medien incl. dem ganzen Internetgedöns mit Skepsis begegnen muß, sollte in den Medienfächern behandelt werden, daß einem viele einfach nur was andrehen wollen, Zinsen und anderes , gehört zu Wirtschaftskunde.

Hatten wir damals alles - aber auch das füllte keine Stunden.

Viel wichtiger wäre z.B. in Ethik - das Lehren von Toleranz und der Erkenntnis, daß niemand "der Feind" ist, nur weil er ne andere Meinung von etwas hat.

OHNE diese endet eine Informationsstunde über die Problematik von z.B. Fleischkonsum nur damit, daß sich die Leute ne schnelle Meinung bilden und sich bis aufs Messer bekriegen. Sieht man in den Foren überall.

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dosmundos 02.07.2019, 10:48
24.

Der Unterricht kann dort ansetzen, wo die Grundthemen in den üblichen Fächern behandelt wurde.
Mathe - Zinsen = wie funktioniert ein Bankkonto? Was passiert, wenn ich etwas auf Raten kaufe? Wie finanziere ich einen Wohnungs- / Hauskauf?
Geschichte - Weg zum Sozialstaat = wie funktioniert Altersvorsorge? Welche Versicherungen gibt es, und warum?
Ich denke, gerade die Alltagsbezogenheit solcher Themen sollte bei den Schülern das nötige Interesse wecken, was dann auch den grundliegenden allgemeinen Themen zugute kommt.

Ob die Schule auch für's Aufstehen in der Straßenbahn zuständig sein sollte? Ich denke nicht. Das ist meiner Meinung nach in erster Linie eine Charakter- und keine Erziehungsfrage. Ein rücksichtsvoller Mensch wird unabhängig vom Elternhaus aufstehen und seinen Platz der gebrechlichen älteren Dame anbieten, und ein Arsch bleibt eben ein Arsch...

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susuki 02.07.2019, 10:49
25.

Nun, ich habe meine drei Patenkinder mit der einfachen Frage:


"Was kostet ein 1 Euro" Smartphone?"


geschult. Interessanterweise konnte ich die Frage in Funktion des Schulstoffes Insgesammt drei mal aufnehmen. Letztmals bei der Zinseszins Rechnung und der Rückverzinsung.

Übrigens kostet das 1 Euro iPhone auf Basis der Rückverzinsung im 9 Schuljahr 2100 Euro.

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SusiWombat 02.07.2019, 10:52
26.

Zitat von Fletsch
Finanzen: Kredite, Baufinanzierung, Zinseszins, Kreditkarten, oder wir internationale Zahlungen funktionieren. Kochen: wir kocht man gesund, was passiert mit dem Essen beim Kochen, etc Versicherungen: was braucht man wann, und was braucht man nicht? Jobsuche: Bewerbungen schreiben, networking. Flora und Fauna, Agrarwirtschaft: wie sehen die verschiedenen Graeser aus, wie unterscheidet man Kartofeln von Steckrueben, wie werden Kuehe und Schweine gross geszogen? DYI: welche Naegel kommen in welche Wand? All solche kleinen Sachen.
Zinsrechnung hatte ich in Mathe.

Zu gesunder Ernährung hatten wir Projekttage - wobei das ein Wahlprojekt war, man hätte auch etwas handwerkliches machen können.

Versicherungen - da wussten die Eltern Bescheid, ist ja auch je nach Lebenssituation anders.

Bewerbungen schreiben war bei uns m. E. auch ein Projekt für die, die nach der 10. abgehen wollten. Ansonsten gibt es heute nichts, was im Internet nicht gibt.

Networking? Wie soll man das lehren? Das nennt man Leben außerhalb der Social Media.

Flora und Fauna hieß damals Biologie.

Beim Renovieren haben wir als Kinder selbstverständlich geholfen. Übrigens auch beim Hausputz, bei der Gartenarbeit und in der Küche. Wobei - so renovierungsbedürftig wie manche Schulen heute sind, könnte ich mir durchaus vorstellen, das als Lernprojekt zu veranstalten.

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static_noise 02.07.2019, 10:55
27.

Oh man, Schule muss heute echt übel sein. Ich erinnere mich an fächerübergreifenden Unterricht, praxisorientiertes Currikulum/Lehrplan. Wer wie in den Zitaten wissen über Impfung und Krankheiten vermisst muss echt einen sch... Biounterricht gehabt haben.
Schulden? Zinsen? Zinseszins? Wie bitte werden negative Zahlen, Prozentrechnung und der Einstieg in Analysis/Differentialrechnung in Mathe vorgenommen.

Spulen da nur noch Fachidioten trockene Lehrpläne ab, ist ja kaum vorstellbar.

Ironie bei Seite: Wir brauchen kein neues Fach, Schule muss reinen Inhalt immer mit Kontext versehen, sonst ist ihr "Wissen" überflüssig.

Wie ging der Spruch (den ich damals blöde fand): Nicht für die Schule, sondern für's Leben lernen wir.

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rainer-rau 02.07.2019, 10:59
28. Es ist kein Verdacht -

Zitat von Affenhirn
Wenn ich die Zuschriften so lese, drängt sich mir der Verdacht auf, dass viel zu viele junge Menschen in ihrer eigenen Familie viele elementare Grundwerte nicht (mehr?) vermittelt bekommen. Da sollte man vielleicht darüber nachdenken, ob es sinnvoll wäre, in der Schule zu vermitteln, welche Verantwortung man damit zu übernehmen hat, wenn man Kinder in die Welt setzt. Da scheint doch eine ungeahnte Verantwortungslosigkeit zu herrschen. Man kann doch nicht selbst elementare Lebenserziehung auf die Schule oder andere Institutionen abwälzen.
es ist eine Tatsache. Ich trainiere Kinder und Jugendliche in einem Sportverein - trotz meiner langjährigen Beobachtungen immer noch. Aber manchmal, leider immer seltener, fällt ein Korn auf fruchtbaren Boden, dann bin ich wieder motiviert. Sehr viele der Eltern sind allerdings an einer guten Erziehung ihrer Kinder nicht mehr interessiert, die Beschäftigung mit ihrem Lebensstandard und die Verlustängste lassen es nicht mehr zu.

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Ein_denkender_Querulant 02.07.2019, 11:02
29. Bock zum Gärtner machen

Es ist absurd, ausgerechnet Lehrer, die von allen Mitmenschen am wenigsten Erfahrung im Alltag jenseits der Schule haben, dieses Fach unterrichten zu lassen. Die Idee ist grundsätzlich hervorragend, Kinder z.B. IKEA Regale aufbauen zu lassen und sie dabei zu unterrichten, Anleitungen zu lesen und kleinme Details auf den Bildern zu erkennen und zu verstehen, oder welchen Bohrer man für welches Material benutzt, ist eine große Hilfe für die erste eigene Wohnung.

Diesen Unterricht sollten aber nicht Lehrer durchführen, sondern engagierte Eltern der Schüler. Jeder, der möchte, sollte 2h seiner Meinung nach wichtiges Wissen weitergeben. Alleine zu beschreiben, welche Vor-und Nachteile es hat, sich innerhalb des sozialen Systems mit angesteller Arbeit, gesetzlicher Kranken- und Rentenversicherung zu befinden oder den Weg der Selbstständigkeit mit privater Vorsorge zu gehen ist so gut wie keinem Kind klar, dabei legt man mit 16 die Wurzeln für sein Leben. Einmal über Sinn und Zweck von Verischerungen zu reden, denn die meisten sind überteuerter Blödsinn, hilft enorm, um z.B. in der ersten Wohnung nicht ohne Haftpflichtversicherung dazu stehen oder nmach Platzen des Waschmaschinenschlauch in Privatinsolvenz zu gehen.

Alltagwissen ist z.B. Datensicherheit, Alltagswissen sind Personaler, die über Bewerbungsprozesse berichten, Alltagswissen ist Hygiene, die in vielen Familien nicht ernst genommen wird, Alltagswissen ist gesunde und ausgewonere Ernährung und das kennenlernen z.B. des Saisonkalenders mit dem Wissen, wann man was frisch und billig kaufen kann. Auch einen Ausflug in die Unwirksamkeit von Homöopathischen Humbug sollte man Kindern geben, damit sie Schlangenölverkäufer erkennen, usw,

Vieles dieses allgegenwärtige Wissen haben schon viele die Eltern der Kinder nicht, wie sollten Sie es also an ihre Kinder wieder geben?

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