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Neues Schulfach in Bayern: Wie sich unsere Leser das Fach "Alltagskompetenz" vorstell
Stephan Görlich/ imago images

In Bayern soll es bald das neue Schulfach Alltagswissen geben. Schüler und Lehrer sehen das kritisch. Lesen Sie hier, was unsere Leser von dem Plan halten - und wie sie den Unterricht gestalten würden.

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grotefend 02.07.2019, 19:19
60. Aha..

Zitat von Ein_denkender_Querulant
Es ist absurd, ausgerechnet Lehrer, die von allen Mitmenschen am wenigsten Erfahrung im Alltag jenseits der Schule haben, dieses Fach unterrichten zu lassen. Die Idee ist grundsätzlich hervorragend, Kinder z.B. IKEA Regale aufbauen zu lassen und sie dabei zu unterrichten, Anleitungen zu lesen und kleinme Details auf den Bildern zu erkennen und zu verstehen, oder welchen Bohrer man für welches Material benutzt, ist eine große Hilfe für die erste eigene Wohnung. Diesen Unterricht sollten aber nicht Lehrer durchführen, sondern engagierte Eltern der Schüler. Jeder, der möchte, sollte 2h seiner Meinung nach wichtiges Wissen weitergeben. Alleine zu beschreiben, welche Vor-und Nachteile es hat, sich innerhalb des sozialen Systems mit angesteller Arbeit, gesetzlicher Kranken- und Rentenversicherung zu befinden oder den Weg der Selbstständigkeit mit privater Vorsorge zu gehen ist so gut wie keinem Kind klar, dabei legt man mit 16 die Wurzeln für sein Leben. Einmal über Sinn und Zweck von Verischerungen zu reden, denn die meisten sind überteuerter Blödsinn, hilft enorm, um z.B. in der ersten Wohnung nicht ohne Haftpflichtversicherung dazu stehen oder nmach Platzen des Waschmaschinenschlauch in Privatinsolvenz zu gehen. Alltagwissen ist z.B. Datensicherheit, Alltagswissen sind Personaler, die über Bewerbungsprozesse berichten, Alltagswissen ist Hygiene, die in vielen Familien nicht ernst genommen wird, Alltagswissen ist gesunde und ausgewonere Ernährung und das kennenlernen z.B. des Saisonkalenders mit dem Wissen, wann man was frisch und billig kaufen kann. Auch einen Ausflug in die Unwirksamkeit von Homöopathischen Humbug sollte man Kindern geben, damit sie Schlangenölverkäufer erkennen, usw, Vieles dieses allgegenwärtige Wissen haben schon viele die Eltern der Kinder nicht, wie sollten Sie es also an ihre Kinder wieder geben?
Mal wieder das alte Märchen, Lehrer haben ja keine Alltagserfahrung. Mit Verlaub, aber: Wer unterstellt, Lehrer könnten keine Ikea-Regale aufbauen, hätten keine Ahnung von Versicherungen, Datensicherheit etc., diese Eigenschaft aber wiederum Eltern zuschreibt, der argumentiert denn auf sehr dünnem Eis. Man könnte auch sagen, dass die Argumentation schlichtweg lächerlich ist. Lehrer sind genauso Teil der Gesellschaft wie jeder andere Berufszweig auch und verfügen somit über das gleiche mehr oder weniger ausgeprägte Alltagswissen wie jeder andere auch.

Widersprechen Sie sich auch nicht, wenn Sie zunächst fordern, Eltern sollten den Unterricht übernehmen, wenn Sie später feststellen, dass heute viele Eltern angeblich nur über ein geringes Alltagswissen verfügen!? Gemäß der aristotelischen Logik ist Ihre Argumentation schlicht unlogisch.

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beefirst 03.07.2019, 00:23
61. Es geht nicht darum, Eltern etwas abzunehmen

...und Eltern sollten natürlich weiterhin ihren “Erziehungsauftrag” leisten, um es mal trocken auszudrücken. “Sollten” heißt aber noch lange nicht, dass es alle tun/ dazu in der Lage sind (auch, wenn man dazu in der Lage sein “sollte”, wenn man Kinder hat). Wir kommen mit dem Wort “sollten” nicht weiter. Die Realität ist eben eine andere und wir wollen doch eine Zukunft, in der ein Miteinander möglich wird. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort:
“It takes a village to raise a child.” Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen.
Manche Kinder haben noch nicht einmal eine Familie, die dazu in der Lage ist, liebevoll zu sein oder eben zu erziehen und auch zu fördern oder auch Grenzen zu setzen. Je nachdem. Da bleibt unserem Staat eigentlich nichts anderes übrig, als zu unterstützen/ Alltagsfähigkeiten zu vermitteln. Die jungen Menschen auf ein Miteinander und auf das Leben vorzubereiten. Das vergrößert übrigens auch die Hoffnung, dass aus diesen von der Schule zusätzlich unterstützten Kindern später bessere Eltern werden!
Ein weiterer Punkt ist ja auch, dass es doch gar nicht zwingend Lehrer*innen übernehmen müssen, diese Alltagsfähigkeiten zu vermitteln:-) Das können je nach Thema auch Psychologen, Achtsamkeitstrainer, Steuerfachleute, Ernährungsberater, Hauswirtschafter*innen, Umweltexperten usw. sein, die zusätzlich geschult sind. Das wäre ja auch lebensnah;-)

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