Forum: Leben und Lernen
Nur die Leistung zählt?

Nur Leistung, Leistung, Leistung zählt, hämmern Manager dem Nachwuchs ein. Wirklich? Oder entscheidet über beruflichen Erfolg am Ende die soziale Herkunft und die Mitgliedschaft in elitären Netzwerken?

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Frank Werner 26.06.2008, 08:50
260.

"Die Frage ist: Warum werden die Zulagen derart breit gestreut?"

Die Antwort haben Sie sich selbst schon gegeben: weil die Kommunen bisher (personell) nicht in der Lage waren, entsprechende Ziele zu formulieren. Und daher wird eben IMMER gezahlt, wie der TVöD regelt.

Man bekommt im Leben leider immer nur das, was man bereit ist, zu bezahlen. Vielleicht sollte man der Finanzdiskussion endlich mal eine Aufgabendiskussion voran stellen. Der Lösung käme das näher.

Frank Werner

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KB1111 26.06.2008, 10:07
261. Leistung im oeffentlichen Dienst

laesst sich zugegebenermassen in vielen Bereichen schlecht messen, aber eine gewisse Bewegung hin in Richtung Effizienz und Wirtschaftlichkeit und somit auch Leistungsorientierung des Einzelnen waere schon moeglich und hilfreich.

Dem stehen aber als unueberwindliche Hindernisse die de-facto-Unkuendbarkeit der Bediensteten und die Konkurrenzlosigkeit der Organisation, d.h. Monopolstellung der staatlichen Verwaltung, entgegen.

In solchen Biotopen gedeiht natuerlich leicht die Geisteshaltung, dass die Leistung mit der schlichten Anwesenheit im Dienst schon nahezu uebererfuellt ist, denn man koennte ja auch - folgenlos - in den Krankenstand treten und zu Hause bleiben...

Unter diesen Umstaenden ist es klar, dass die sogenannten Leistungspraemien breit gestreut werden, um Unfrieden zu vermeiden und die Anwesenheit der Mitarbeiter nicht aufs Spiel zu setzen.

Das ist die Realitaet, da braucht es keine Beraterfirma zur Ursache- Wirkungserkennung.

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orno 26.06.2008, 10:17
262. Wir reden vom öffentlichen Dienst Leute

Ist es hier noch niemandem aufgefallen das wir hier das Beamtentum diskutieren ? Da läuft doch der Hase lang, es ist und bleibt ein Selbstbedienungsladen und es geht wohl kaum darum was diese Menschen leisten sondern was Sie sich leisten dürfen...!

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sushi607 26.06.2008, 10:20
263. Letztens in der Personalversammlung

Ein interessanter Artikel. Gerade letztens saß ich in der Personalversammlung und habe mir erklären lassen, wie man denn zu so einer Leistungsvergütung kommt. Im Endeffekt kam es darauf raus, dass keiner so richtig wusste nach welchen Kriterien die Vergütungen zu vergeben sind. Es müssen außergewöhnliche Leistungen bestehen, aber was sind außergewöhnliche Leistungen? Als Lehrstuhlsekretärin müssten die Leistungen über die normalen Sekretariatsaufgaben hinausgehen. Allerdings stammt die offizielle Tätigkeitesbeschreibung noch von 1975 oder so und wurde nie an die Anforderungen eines Sekretariats im Jahr 2008 angeglichen. Sind das nun besondere Leistungen oder nur der ganz normale Sekretariatsbetrieb? Nach welchen Kriterien wird bestimmt? Ein Beispiel wurde genannt, in dem der Hausmeister ungewöhnlich viel Rasen mäht. Dafür bekommt er eine Prämie. Aber was ist ungewöhnlich viel Rasen und wird das nicht eh von ihm erwartet? Und was wenn im Jahr darauf wieder so viel Gras da ist, ja dann hat er halt nicht Rasen gemäht sondern Schnee geschippt. Nach der Versammlung bin ich dann zu meinem Chef gegangen und habe ihm gesagt, dass diese außergewöhnlichen Leistungen auf mich nicht zutreffen, da ich als Sekretärin nichts außergewhönliches leiste. Obwohl ich das Geld dringend brauchen könnte, fällt mir beim besten Willen nichts ein, was eine Prämie rechtfertigen würde. Meiner Meinung nach wäre eine detaillierte Aufstellung der "besonderen Leistungen" dringend nötig, aber dann würden viele der Kollegen und Kolleginnen in die Röhre gucken. Meine Meinung ist fair bleiben und die Prämie nur beanspruchen, wenn wirklich eine besondere Leistung vorliegt, zumal nur 20% der Kollegen an unserer Uni in den Genuss kommen.... und nach welchen Kriterien diese unter den eingegangenen Anträgen ausgesucht werden bleibt ein Mysterium.

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Feerix 26.06.2008, 11:05
264.

Es wird doch noch viel abstruser: in der Tarifvereinbarung wurde festgelegt, dass die Leistung innerhalb der normalen Arbeitszeit zu erfolgen hat. Man darf auch nichts berücksichtigen, was über die Stellenbeschreibung hinausgeht. Selbstverständlich sind besondere Gesundheit etc. auch kein Kriterium.

Die Bewertung soll eigentlich transparent erfolgen und der Arbeitnehmer soll auch Verbesserungsmöglichkeiten haben.

Das Problem ist doch letztendlich, dass prinzipiell jeder dagegen klagen könnte, daher das Gießkannenprinzip. Wie soll man auch fair beurteilen? Entweder es ist subjektiv und damit leicht einklagbar oder es ist objektiv und damit meist ineffizient, bürokratisch und eigentlich undurchführbar.

Es ist ja toll, dass man individuelle Leistungsziele festlegen soll, aber wie soll das denn in der Praxis ausschauen? Turnierbester im landesweiten Behördenvergleich im 100 m Schwimmen im Freistil? Klar, in den Bereichen, wo ein Leistungsziel klar zu definieren ist, ist es auch sinnvoll. Aber das lässt sich eben nicht überall einsetzen.

Und wer schützt die Beurteilenden vor Klagen?

Fragen über Fragen.

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arbusto 26.06.2008, 11:10
265.

Das grundsätzliche Problem ist daß im ÖD nirgendwo eine objektive Preisbildung existiert, niemand weiß was die angebotenen Dienstleistungen dem Kunden tatsächlich wert sind. In weiten Teilen des ÖD kommen die "Kunden" nicht weil sie etwas haben wollen sondern weil das Gesetz sie dazu zwingt dort "einzukaufen". Inwieweit eine reale Nachfrage existiert läßt sich nicht bestimmen. Folglich schwierig bis unmöglich das Kundenverhalten zu objektivieren und daran orientierte Ziele abzustecken. Objektivieren läßt sich im ÖD nur die Kostenseite. Daher läuft man Gefahr daß Effizienzvorgaben einseitig auf Sparmaßnahmen ausgerichtet sind und die Qualität der angebotenen Leistungen darunter leidet (der Kunde muß ja so oder so kommen, er hat keine Wahl). Der ÖD ist ein Umfeld in dem dieser selbst beurteilt was eine qualitativ gute Leistung ist oder nicht, der Kunde hat hier nicht im Allerentferntesten soviel mitzureden wie in der Privatwirtschaft. Insofern gründen Leistungsüberlegungen im ÖD viel zu sehr auf eigener Nabelschau.

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Robert B. 26.06.2008, 11:52
266.

Zitat von Feerix
Es wird doch noch viel abstruser: in der Tarifvereinbarung wurde festgelegt, dass die Leistung innerhalb der normalen Arbeitszeit zu erfolgen hat. Man darf auch nichts berücksichtigen, was über die Stellenbeschreibung hinausgeht. Selbstverständlich sind besondere Gesundheit etc. auch kein Kriterium.
So ist es.

Wer besonders oft Überstunden, Zusatzschichten oder Nachtdienst oder Vertretung macht, wird in diesem komischen Leistungsprämiensystem nicht berücksichtigt.

Übrigens, für die Neider

Die Prämie gibt es nicht zusätzlich.
Die wurde vorab schon im vorletzten Tarifvertrag abgezogen von der Erhöhung.

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forumgehts? 26.06.2008, 11:54
267.

Zitat von Feerix
Es wird doch noch viel abstruser: in der Tarifvereinbarung wurde festgelegt, dass die Leistung innerhalb der normalen Arbeitszeit zu erfolgen hat. Man darf auch nichts berücksichtigen, was über die Stellenbeschreibung hinausgeht. Selbstverständlich sind besondere Gesundheit etc. auch kein Kriterium. Die Bewertung soll eigentlich transparent erfolgen und der Arbeitnehmer soll auch Verbesserungsmöglichkeiten haben. Das Problem ist doch letztendlich, dass prinzipiell jeder dagegen klagen könnte, daher das Gießkannenprinzip. Wie soll man auch fair beurteilen? Entweder es ist subjektiv und damit leicht einklagbar oder es ist objektiv und damit meist ineffizient, bürokratisch und eigentlich undurchführbar. Es ist ja toll, dass man individuelle Leistungsziele festlegen soll, aber wie soll das denn in der Praxis ausschauen? Turnierbester im landesweiten Behördenvergleich im 100 m Schwimmen im Freistil? Klar, in den Bereichen, wo ein Leistungsziel klar zu definieren ist, ist es auch sinnvoll. Aber das lässt sich eben nicht überall einsetzen. Und wer schützt die Beurteilenden vor Klagen? Fragen über Fragen.
Darauf gibt es eigentlich nur eine Antwort: Die Giesskanne bekommt kein Wasser mehr.

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schaberlaber 26.06.2008, 12:27
268. Der TVÖD ist eben nicht der Stein der Weisen

Als seinerzeit der BAT abgeschafft und mit großem Getöse der TVÖD eingeführt wurde hatten die Erfinder eine 'geniale' Idee: ein Teil der zukünftigen Gehaltssteigerungen (heute 1-2 %, im Endausbau 8% der Gehaltssumme) werden einbehalten und nach Leistungskriterien ausgegeben. Dabei muss man wissen: es geht um Gehaltsbestandteile nicht um Zulagen oder Prämien. Der Unterschied ist wichtig, denn es bedeutet:
(a) die gesamte einbehaltenen Gelder MÜSSEN vollständig
ausgeschüttet werden und
(b) der Kram ist mitbestimmungspflichtig.

Aus Sicht der Arbeitnehmer sieht das also so aus: von meinem erarbeiteten Geld wird mir ein Betrag x vorenthalten. Wenn ich meinen Job mache wie geplant (also nicht mehr und nicht weniger) bekomme ich den Betrag x, sonst mehr oder weniger. Bei der Verteilung redet der Betriebsrat mit, also gehe ich davon aus, dass der Arbeitgeber schon um endlose Diskussionen zuvermeiden die Gelder im Range zwischen 60% und 140 % von x ausschütten wird. Komplette Arbeitsverweigerung und Supermänner gibt es ja nur selten.
Konkret: bei 30.000 € Jahreseinkommen reden wir momentan über x=600 € (2%) p.a. und eine Ausschüttung zwischen 360 € und und 840 €. Die Differenz zwischen gemütlich Dienst nach Vorschrift machen und Mr. Outperformer liegt also bei 480 € pro Jahr, netto vielleicht bei 250 €. Die Differenz zur Gießkanne (jeder bekommt x) liegt bei gerade mal 125 €. Toller Gestaltungsspielraum. Im Endausbau, wenn wirklich 8% einbehalten werden kämen wir auf das vierfache. Naja.

Die motivatorische Wirkung des Instruments ist also sehr begrenzt. Im Gegenzug handelt man sich eine Menge overhead ein: Zielvereinbarungen, Leistungsmessung, ggf. Ärger mit Mitarbeitern die sich ungerecht bewertet fühlen, etc. Leistung lässt sich in vielen Bereichen ohnehin nicht sinnvoll messen (Beispiel Forschung: was will man da messen - Anzahl von Veröffentlichungen und Vorträgen? Dann wird in Zukunft noch mehr Schrott in allen erdenklichen Käseblättern publiziert, ... Oder im Finantamt: messen wir da die bearbeiteten Steuererklärungen: toll, dann werden die StErkl. künftig einfach durchgewunken ... die Menschen finden doch immer einen Weg das System zu pervertieren). Da ist es doch kein Wunder dass die Dienststellen lieber mit der Gieskanne ausschütten und sich Aufwand und Ärger sparen.

Die Sache sähe anders aus, wenn die Institutionen als Ganzes nach Leistung gemessen werden und daran orientiert ein Budget bekämen, dass sie ausschütten können. Dann würde ich auch Leistung im Team lohnen: wenn alle ranklotzen gibt es am Jahresende mehr zu verteilen. Im TVÖD ist das dzt. anders: ein Team aus Outperformern würde allen MA nur den Betrag x zugestehen können. Hier hat der einzelne nicht den Anreiz gut zu sein, es genügt besser als die anderen zu sein.

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die8lacht 26.06.2008, 12:43
269.

Zitat von sysop
Nur Leistung, Leistung, Leistung zählt, hämmern Manager dem Nachwuchs ein. Wirklich? Oder entscheidet über beruflichen Erfolg am Ende die soziale Herkunft und die Mitgliedschaft in elitären Netzwerken?
Es entscheiden einzig und alleine die guten Beziehungen und ob jemand gut labern, sülzen, schnattern, daherreden kann, sonst nix !!!

Die, die sich nach oben labern, dies sind gut 95% aller Führungskräfte, haben null Plan, aber Quatschen, das können die alle gut ... und das kleine Rädchen in der Firma muß es ausarbeiten oder ausbügeln ... so und nicht anders ist das und ich weiß, die Wahrheit tut immer weh !

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