Forum: Leben und Lernen
Oststudentin unter Wessis: "Wie ist es denn bei euch drüben?"

Drei Jahre alt war Antonie Rietzschel, als die DDR starb. Aber die Vorurteile, die leben noch. Beim Studium in Bremen braucht Antonie heute starke Nerven - sie ist Missionarin wider Willen. Denn ihre Heimat kennen andere Politikstudenten nur als Dunkeldeutschland voller Nazis.

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S_W 06.05.2008, 13:25
1. ein Westproblem...

Als Wessi-Studentin in Leipzig macht man übrigens solche Erfahrungen nicht. Wenn dann mit westdeutschen Bekannten, die einem die gleichen blöden Fragen stellen und den Kopf schütteln, wenn man ihnen den Studienort verrät.

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mac_mediendesigner 06.05.2008, 13:27
2. Wessi unter Ostdeutschen...

Hi,
habe das teilweise andersrum erlebt. Ich studiere zwar nicht, war aber 2 Jahre mit einem Mädel aus Leipzig beianand.

Da, wo ich gesagt habe, ich fahre "hoch in den Norden" nach Leipzig, gings bei ihr "rüber in den Osten". Dort war ich schnell mal der arrogante Wessi, der mit Geld klotzt und die Ernsthaftigkeit des Lebens nicht erkennt.
Und wenns hieß: woher kommst du? und ich München geantwortet habe, hieß es mindestens genausooft: "Ah, Wessi."

Teilweise ging das soweit, daß ich mich dann hingestellt hab und gesagt hab: "Hey, ich hab Nachricht für euch: Die Mauer ist weg. Wirklich."
Es geht also auch andersrum... . Schätze, das dauert noch ne Ewigkeit, bis da wirklich zusammenwächst, was zusammengehört... .

Wenn die, die die Wende nicht mehr erlebt haben, selbst Kinder bekommen - die Generation könnte dann wohl weg sein vom Wessi/Ossi-Schema.

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Kalix 06.05.2008, 13:31
3. Daneben

Dieser Artikel ist nicht unbedingt ein Beitrag zur gegenseitigen Verständigung.

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Adran 06.05.2008, 13:33
4. Kenn ik

Zitat von S_W
Als Wessi-Studentin in Leipzig macht man übrigens solche Erfahrungen nicht. Wenn dann mit westdeutschen Bekannten, die einem die gleichen blöden Fragen stellen und den Kopf schütteln, wenn man ihnen den Studienort verrät.
Hier im ort wohnt eine Ex-Kölnerin, die ist ein Schlimmerer Regionalpatriot ala Brandenburg, als ich es je sein könnte.
Und ein bekannter aus BaWü der in Cottbus studiert, will wohl da bleiben, oder zumindest in den Speckgürtel ziehn, und ist auch ehr verwundert, dass es hier so tolerant zu geht! ;)

Aber wenn du sowas hörst, mach es wie wir, und gegene den leute mit Selbstironie!
Habe mir sagen lassen, dass es heute Bananen als Sonderangebot gibt..
muss mal wech!

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gewuerzolive 06.05.2008, 13:37
5. Humorlos, ironiefrei, harmoniesüchtig, altbacken, jammrig

Danke an die Autorin für die Bestätigung dieser schönen Vorurteile gegen Ossis. Komisch, die Leute, die ich in Dresden getroffen haben, waren irgendwie anders.

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Mulharste 06.05.2008, 13:39
6. tja was soll man dazu sagen

Es bestätigen sich, leider mal wieder, alle Voruteile die der Ossi ggü dem Wessi hegt und pflegt und das Desinteresse am Ostdeutschen Gegenüber hat sich nicht geändert.
Idiotien gibt es überall..mag sein, ich habe jedenfalls den Eindruck, "Vernüfitgie gibt es überall" wäre besser formuliert.

Denn das Klischee des Gebrauchtlandbewohners toppt nur noch der Ami aus dem mittleren Westen.

Hier hilft nur: mit ostdeutscher Arroganz zu reagieren und zu sagen: "Meingott, wir habens alleine geschafft und wir wserden auch diesen Staat noch verändern"
Überholen ohne Einzuholen, lasst sie doch....die Unwissenden

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MillenCollin 06.05.2008, 13:39
7. Wie ist es den da in Bremen bei euch?

Liebe Antonie Rietzschel,
ihr Artikel und der heraus zu lesende Frust ist verständlich, aber m.E. falsch interpretiert.
Als "Ossi" haben Sie nicht zwangsläufig etwas mit der DDR zu tun. Aber sie stammen aus einer Region, die eben ihre Eigenheiten hat. Manche dieser Eigenheiten werden positiv, manche negativ betrachtet.

Wenn man die Region aus der man stammt verlässt und in eine neue begibt, dann stoßen eben regionale Eigenheiten auf andere. Diese liegen in Vorurteilen, in der Sprache oder auch nur in der Sichtweise auf bestimmte Dinge.

Als Autorin bei Spiegel Online prägen Sie eine solche Sicht auf eine Region mit. Und der Weg der Konfrontation ist dabei vielleicht nicht der beste.
Aussagen wie: "den arroganten Wessis Toleranz für die Leute beizubringen, die nur ein paar hundert Kilometer entfernt wohnen" sprechen nicht gerade für Kenntnis über (Vor-)Urteile und deren Funktion und erst Recht nicht für eine angemessene Auseinandersetzung mit diesen.

Viel eher sollten Sie ihren Freunden, Bekannten und Kommilitonen ihre Heimat näherbringen. Und sie vielleicht einmal mit ihren Eigenheiten konfrontieren. Unterschiede humorvoll zu thematisieren ist kein Patent der Wessis. Tun Sie es Ihnen gleich. Sie werden wahrscheinlich viele Dinge an ihren Kommilitonen bemerken, die lustig sind und aus regionalen Zusammenhängen stammen, ohne dass sie ihre Kommilitonen für Vollidioten halten.

Mit dem Hinweis das nicht alle Wessis arrogant sind verbleibe ich hochachtungsvoll,

MillenCollin

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Thomas Kummert 06.05.2008, 13:43
8. Nicht so extrem

Die geschilderten Fälle sind schon sehr extrem. Klar, kleine Frotzeleien hab ich auch erlebt, aber schlechte Luft gab es nie. Wenn, dann lag es einfach an der Person, dass man mit ihr nicht konnte.

Die meisten Leute haben ernsthafte Fragen gestellt und ich habe sie so vernünftig wie möglich beantwortet. Ausgegrenzt habe ich mich nie gefühlt. Mir ist es eher befremdlich, wenn ich wieder in der Heimat bin, wo ich sogar mal als Verräter bezeichnet wurde. Na ja, Betrunkenen soll man sowas nicht übel nehmen.

Ein Punkt ist wirklich gravierend, Unwissenheit. Da punktet man am Besten, wenn man eben durch Wissen dagegenhalten kann.

Mein beliebtestes Beispiel ist ebenfalls der Soli-Zuschlag. Eine Freundin war ganz erschüttert, als mein aus Sachsen stammender Mitbewohner und ich ihr sagten, dass der Soli-Zuschlag auch im Osten der Republik gezahlt wird. Er fragte sie nur, was das bringen sollte, wenn nur "eine Seite" zahlt? Was machen Ostdeutsche, die im Westen arbeiten? Zahlen die dann? Und was machen Westdeutsche, die im Osten arbeiten? Zahlen die dann nicht?

Na ja, warten wir 20 Jahre ab, dann wird es dieses Lagerdenken hoffentlich erledigt haben.

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comen 06.05.2008, 13:44
9. Besserwessi/Meckerossi

Soll ich den Artikel glauben? Wirklich? Ich war 6 als die Mauer fiel, komme aus dem schönen Thüringen und studiere in Marburg/Hessen. Seit 5 Jahren. Gut, in der OE gabs mal einen, der sagte: "Ui, du sächselst ja gar nicht!", aber der war geographisch demzufolge sowieso unterbemittelt. (Warum sollte eine Thüringerin denn bitte schön sächseln???)
Ansonsten bekomme ich von meinen Wessi-Freunden nur immer eins auf die Rübe, wenn ich mal sage: "Nun ja, das liegt wohl an der unterschiedlichen Ost/West-Sozialistion". (Bei Themen wie Frauen mit Kindern und Arbeit gibt's da nämlich immer unterschiedliche Meinungen...)
Neulich war ich allerdings geschockt, als mir eine jüngere Komilitonin (und sogar Freundin von mir)sagte: "Als NeoNazi würde sie auch in den Osten gehen, da kommt das ja schließlich alles her." Ha?
Mit der habe ich 2 Stunden tacheless geredet, vor allem da ich das schon von einem Seminar über modernen Rechtsextremismus in Deutschland gewohnt war.

Fazit: Problematisch sind alle Stereotype, die halten sich hartnäckig in allen Köpfen. Auch in meinem. Am Schlimmsten sind allerdings die Vorurteile die in den Medien pausenlos verbreitet werden. Von rechtsradikalen Vorfällen in westdeutschen Städten wird da nämlich nur spärlich berichtet, obwohl es die genauso auch gibt.

Aber ansonsten fühle ich mich in MR gut aufgehoben und keineswegs als Ossi an den Rand der Existenz gedrängt...

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