Forum: Leben und Lernen
Oststudentin unter Wessis: "Wie ist es denn bei euch drüben?"

Drei Jahre alt war Antonie Rietzschel, als die DDR starb. Aber die Vorurteile, die leben noch. Beim Studium in Bremen braucht Antonie heute starke Nerven - sie ist Missionarin wider Willen. Denn ihre Heimat kennen andere Politikstudenten nur als Dunkeldeutschland voller Nazis.

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kdshp 07.05.2008, 16:48
190. Aw: ...

Zitat von bcntos
Hihi, genau richtig, wie doof sich manche Weststudenten anstellen, wenn es um einen Landstrich geht, der angeblich unter großem Jubel ihrer Eltern an ihr geliebtes Vaterland angeschlossen wurde. Lustiges, mehrfach erlebtes Beispiel: Eine Kommilitonin aus Alfeld (Helldeutschland?) fragt mich nach meiner Herkunft, ... ach, meint sie, aus Eisenhüttenstadt? Interessant, wie sie findet, und sie sei auch schon mal in Dresden gewesen. Aha. Selbst nach 20 Jahren gelten Ossis also noch als Quasi-Außerirdische oder Hinterwäldler, die sich alle untereinander kennen und gemeinsame Sache gegen die Reichen machen. Aber die Reichen können sich trösten, die Oststudenten sind auf den heimischen Uni-Kennenlernveranstaltungen keinen Deut toleranter. So wie die Westler bedienen die Ostler eben die Westklischees. Es muss noch lange Zeit vergehen bis die Mauer wirklich bröckelt.
Hallo,

äh moment mal, sicher war es toll das deutschland wieder zueienander gefunden hat (das land) aber kam zu der zeit nicht der druck/wunsch aus der damalgien DDR und deren bevölkerung ("Kommt die D-Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr!").

Gemeinsame sache gegen die reichen ? Es gibt auch viele "ostdeutsche" die reich sind ! Hier höre ich eher die scham raus das der "westen" immer noch zu 80% den "osten" fördert (zb. soli) und zu "wohlstand" verhilft (starßen, gebäude, öffentliche einrichtungen usw.).

Sicher gibts es überall wie hier im osten/westen ewig gestrige oder leute die in diese rolle schlüpfen um sicherheit zu bekommen. ABER die mauer ist weg und NUR die geschichte hält dieses denken bei einigen am leben. Ich erwähnte das beispiel köln-düsseldorf was seit "urzeiten" ein kampf für beide bürger dieser städte ist was viele ähnlichkeiten mit dem ost/west "kampf" hat.

Kölsch oder Alt das ist hier die frage !

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bipolar84 07.05.2008, 17:41
191. Kölsch oder Alt das ist hier die frage? Dabei liegt die Antwort auf der Hand!

Zitat von kdshp
Ich erwähnte das beispiel köln-düsseldorf was seit "urzeiten" ein kampf für beide bürger dieser städte ist was viele ähnlichkeiten mit dem ost/west "kampf" hat. Kölsch oder Alt das ist hier die frage !
Die haben sogar wirklich mal einen Krieg gegeneinander geführt. Da gegen war der Kalte-Stell-Dich-Tot-Krieg West <> Ost Kindergarten ;)

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Adran 07.05.2008, 17:47
192. Düsseldorf rulz

@kdshp:

Also da ist ja wohl eindeutig wer jewinnt!
Düsseldorf
*da grade meine väterliche Seite hoch kommt, da meine Oma in Düsseldorf geboren wurde*

;)

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tutzt 07.05.2008, 18:12
193. Klischeebestätigende Klischeekritik...

Oh weh, mit dieser Nörgelorgie bestätigt sie ja perfekt das Klischee vom humorfreien Meckerossi.
Und beschwert sich gleichzeitig noch darüber, dass ihre Kommilitonen nicht dem erwarteten Klischee des "typischen Politikstudenten" entsprechen. Irgendwas ist ja immer...

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morche 07.05.2008, 18:32
194. langsam kommen wir der Sache näher

Zitat von Mulharste
... wohl aber Erfahrungen der Restriktion in der DDR. Sicherlich ist die BRD deutlich freier, wenn man in die Freiheit materielle Sachzwänge nicht einkalkuliert.
Und wenn doch?

Dumm aber auch, dass man in der BRD für sich selber sorgen muss. Wie ungefähr überall auf der Welt.
Was hätten Sie denn gern - volkseigene Produktionsmittel? Freibier für alle?

Oder hab ich hier die Ironie auch nicht verstanden...

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bipolar84 07.05.2008, 20:06
195. Titel

Zitat von Adran
Also da ist ja wohl eindeutig wer jewinnt!
Natürlich! Wenn Köln nicht mal gegen den Rhein gewinnt, wie dann gegen Düsseldorf?

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der_mitdenker 08.05.2008, 02:27
196. die arme...

Kaum muss sie paar mal das durchmachen was ich als ausländer jahrelang im osten erlebt habe heult sie (typisch ossi halt) rum und schreibt nen artikel drüber: "buu huuu ich bin ossi.."

sie kann zumindest entscheiden ob sie ihre herkunft jedem erzählt, bei mir hat meine haarfarbe alles erledigt
und ich wurde auch nicht gerade freundlich empfangen,
zumindest wurde sie nicht gejagt und verprügelt....
p.s. bitte keine @soundso antworten schreiben, liest sowieso keine sau...

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weather_is_sweet 08.05.2008, 02:29
197. Humor und Politik

Besonders interessant ist ja tatsächlich, dass man anscheinend als Ossi, falls man solche Sprüche hören sollte, diesen bitteschön mit Toleranz und Humor begegnen sollte. Angeblich seien diese ja nicht anders zu verstehen als weitverbreiteter Spott zwischen Nord und Süd, Köln und Düsseldorf, etc. Na dann tun wir das mal eben, kein Problem. Falls sich die Witzereißer damit begnügen, die DDR (d.h. inklusive Diktatur, gefälschter Wahlen, Mauertoten, Mangelwirtschaft, nicht existierender Pressefreiheit usw.) auf Karnevalsniveau zu kritisieren, und ihre, wohlgemerkt ehemaligen, Bewohner gleich mit, sollte man sich wohl damit arrangieren können. Selbstironie schadet ja nicht.

Nun ist aber die Frage ob es nicht tatsächlich einen qualitativen Unterschied gibt, in Bezeichnungen wie "Fischkopp" oder Bewohner "Dunkeldeutschlands". Es gibt ein Indiz dafür. Begegnet man den Bemerkungen nämlich nicht mit Humor, sondern in frei geübter Kritik oder zeigt man sich einfach betreten oder beleidigt, gilt man als Spielverderber, der dieses Selbstbewusstsein doch irgendwie gar nicht verdient hat. Man kommt doch aus dem Osten, also sollte man sich das doch alles unter der schönen Überschrift "Humor" gefallen lassen. Nein. Dafür gibt es keinen Grund. Oder nennen sie mir doch einen.

Wer diese "humorvolle Kritik" nicht verträgt, hat scheinbar die geschichtliche Entwicklung nicht so ganz mitbekommen. Gegenwehr, ja eventuell gar Meinung zu äußern, dass die DDR auch gute Seiten hatte, wird fast mit Mißachtung aufgenommen und vor allem nicht verstanden.

Das Problem steckt dabei schon in der Formulierung, die auch oft in Umfragen verwendet wird. Es geht nicht um "die DDR" als ein politisches System, das gute Seiten hatte [Das kann durchaus eine vertretene und vertretbare Meinung (Meinungsfreiheit) sein]. Viele Menschen meinen einfach, dass ihr Leben nunmal nicht "dunkel" war. Es war auch nicht vollständig politisiert. Man hat im Osten gearbeitet, gefeiert, Kinder aufgezogen, studiert, ist in den Urlaub gefahren, hat Bücher gelesen, Freunde besucht, whatever. Und den politischen Teil, die Unterdrückung und auch Gewalt der Staatsmacht, die Bespitzelung usw., gab es auch. Aber das war nicht alles. Darum geht es. Fragen sie doch mal einen Bundesbürger wie sein Leben in den letzten fünfzig Jahren war - der wird Ihnen so einiges erzählen. Aber wie vielen Leute fallen wohl zuerst Begriffe wie Rechtsstaat, Demokratie und Meinungsfreiheit ein? Die Nostalgie oder Ostalgie, die so gern kritisiert wird, ist zu einem großen Teil, allein der Ausdruck davon, dass Menschen gerne leben und eben auch gern darauf zurückschauen. Das dieses in der DDR stattgefunden hat, war für die meisten Ostdeutschen Zufall.

Als Ostbürger, der in der DDR gelebt hat, weiß man sehr wohl, was es zu kritisieren gilt. Man braucht keinen großen Horizont um die Einhaltung von Menschenrechten als unabdingbares Ziel anzuerkennen oder Demokratie einer Diktatur vorzuziehen (auch wenn Platon nichts davon hielt). Vielleicht braucht man einen größeren Horizont um Menschen nicht nur als politische Witzfiguren wahrzunehmen, sondern auch als Individuen.

Die im erwähnten Artikel, seien sie noch so unrepräsentativ, haben eine politische und nicht nur eine humorvolle Komponente. Sie zeigen, dass die Bürger als ehemalige Bewohner der DDR nicht immer als gleichberechtigte Bürger wahrgenommen werden. Sie werden auf einen Teil ihrer Vergangenheit reduziert. Das ist Unsinn. Wir leben im hier und jetzt.

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kdshp 08.05.2008, 13:19
198. Aw: ...

Zitat von bipolar84
Die haben sogar wirklich mal einen Krieg gegeneinander geführt. Da gegen war der Kalte-Stell-Dich-Tot-Krieg West <> Ost Kindergarten ;)
Hallo,
hatten ? Haben ! Das ist ja was ich meine das dieser "kampf" nie aufhören wird genauso wie der ost-west "kampf".

Der heutige kampf findet ja auf einer ironisch/lustigen basis statt und das sehe ich hier im forum auch so bezogen auf ost/west.
Es werden kuriose geschichten/erfahrungen erzählt mit menschen von der "anderen" seite. Da fällt mir ein : Ich war mal in D-dorf.....
Es gibt in D ja viele dieser "konflikte" :
-> preussen - bayern
-> bayern - gegen den rest der republik
-> westerwälder - rheinländer
-> spiegel leser - focus leser
-> frauen - männer
usw.
Und das geht dann ja weiter wo man wieder gemeinsamm "stark" ist :

-> käsköpp (NL-er) - gegen deutsche
-> sauerkrautfresser - engländer/amerikaner
usw.
Auch ist das menschlich habe ich festgestellt so hat mein italienischer pizzabäcker als sizilianer mal ganz heftig gegen die festland italiener gewettert.
Vieleicht ist das ja alles noch so eine ursprüngliche art des menschen um sich in einer gruppe zu festigen/zu schützen usw.
In diesem sinne : Kölsch und Alt für alle. Wohl bekomm`s.

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Hagbard 08.05.2008, 14:37
199. Geschichte

Zitat von kdshp
... Kölsch und Alt für alle. Wohl bekomm`s.
Wobei mir eine Geschichte einfällt:

Ein Kumpel von mir war mit ein zwei Kollegen unterwegs. Der eine ein Kölner, der andere ein Düsseldorfer. Der Kölner bestellt ein Kölsch, der Düsseldorfer ein Alt. Mein Kumpel hat sich 'ne Cola bestellt.
Die beiden haben schön verständnislos geschaut und gefragt, warum er Cola trinkt. Hat er gesagt: "Wenn Ihr kein Bier trinkt, trink ich auch keins."

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