Forum: Leben und Lernen
Pädagogen-Burnout: So entkommen Lehrer der Stressfalle
Corbis

Erschöpft, deprimiert, krankgeschrieben: Kaum eine Berufsgruppe leidet so häufig unter Burnout-Symptomen wie Lehrer - obwohl sie ihren Beruf durchaus mögen. Der Aktionsrat Bildung warnt vor Auswirkungen auf den Unterricht. Was Lehrern besonders zusetzt - und was ihnen hilft.

Seite 5 von 7
Da Chef 09.04.2014, 05:21
40. Lehrer - pro und contra

Ich habe 4 Lehrer in meiner Familie, darunter auch meine Frau, habe selbst ein paar Semester Lehramt studiert und finde beide Argumentationsseiten oftmals hahnebüchen. Die Probleme der Lehrer liegen oftmals woanders.

Die Probleme:

- Zu große Klassen (28-34 Schüler, meiner Meinung nach das Hauptproblem unserer Schulsystems)
- eine aktuell problematischere und desinteressierte Generation von Schülern und Eltern (das mag subjektiv sein und könnte man lange diskutieren)
- Mehr oder minder fähige Schulleitungen
- Mehr oder weniger angenehmes Kollegium
- Oftmals falsches Einsetzen des Schulbudgets
- Ein Lehramststudium, bei dem oftmals Pädagogik oder Konfliktbewältigung viel zu kurz kommt.

Dies findet man aber teilweise auch in allen anderen Berufszweigen. Als Lehrer hat man es allerdings nicht so leicht, die "Firma" oder gar die Branche zu wechseln oder einen "Kunden" auch mal abzulehnen. Hier ist man den Gegebenheiten (und wenn es nur ein Schüler/Kollege/Rektor ist, der einem das Leben zur Hölle macht) mehr ausgeliefert als in den meisten anderen Berufssparten.


Die Vorteile:

- Ferien
- Wochenstunden
- Gehalt
- Beamtenstatus (den nicht jeder Lehrer hat)


Lehrer an sich - rein subjektiv:

Die meisten Lehrer, die ich kenne, meinen sie hätten einen der härtesten Jobs der Welt und müssten wesentlich mehr arbeiten als alle anderen.

Das ist aus meiner Sicht Unsinn, gerade die Mehr-/Heimarbeit als Argument lasse ich nicht gelten. Nach jahrzehntelanger Beobachtung kann ich nur sagen, dass es im Studium, Referendariat und in den Anfangsjahren (bis man seiner Unterrichte in den Jahrgangsstufen gestaltet hat) durchaus eine sehr stressige Berufsvorbereitung ist, dann allerdings nicht mehr.
Ich kenne keinen Lehrer der mehr als 10 Stunden in der Woche zusätzlich zu Hause arbeitet und damit sind Korrekturen in den Ferien eingeschlossen. Die meisten machen ausser Korrekturen nämlich gar nichts zusätzlich und das wird dann ziemlich überschaubar.

Wenn man dann die geleisteten Wochenstunden mit den Ferien gegenrechnet und im Bezug auf das Gehalt sieht - so leid es mir tut - ich kenne niemanden der so einen Stundenlohn bekommt.

Aber ich will dieses Jammern den Lehrern auch nicht verübeln, denn sie kennen es meisten nicht anders. Durch die Karriere Schule-Uni-Schule hat man eben keinen Einblick in andere Arbeits-Realitäten oder erkennt diese nicht an, weil man nicht an seinem Selbstbild rütteln will.

Doch der Beruf hat natürlich Schattenseiten und ich denke viele die sich für den Lehrberuf entscheiden, werden erstmal von den vielen Ferien und dem guten Gehalt angelockt. Das ist eben auch nicht alles im Leben, die Ernüchterung kommt später.

Außerdem gibt es tatsächlich andere Berufszweige, wo man ebenfalls mit vielen Menschen Tag ein Tag aus zu tun hat oder als unterbezahlter Pädagoge mit schwierigen Fällen zu tun. Das machen eben nicht nur Lehrer. Erstaunlicherweise jammern die Sonder- oder Förderschullehrer, die ich kenne am wenigsten - das verwundert am meisten die "normalen" Lehrer in meinem Umkreis.


Dennoch, für mich käme den ganzen Tag vor einer Rasselbande den Alleinunterhalter machen nicht in Frage.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kapamb 09.04.2014, 05:40
41. Vielfach ungeeignet,

das ist glaube das Problem. Es müsste viel intensiver untersucht werden ob ein Bewerber überhaupt für den Lehrerberuf geeignet ist. Es gibt sicherlich hervorragende Pädagogen, aber leider viel mehr Luschen. Diese haben keinerlei Beziehung zu ihren Schülern, haben entweder kein- oder ein übersteigertes Selbstbewusstsein und meinen die Weisheit mit dem Löffel gegessen zu haben. Dass diese dann nicht kündigen, wenn sie merken dass sie gescheitert sind liegt daran, dass es kaum Beruf gibt in dem man vergleichsweise so viel Freizeit hat. Dazu kommt noch eine recht gute Bezahlung. Leid aber können einem die Lehrer in den Problemschulen tun, welche Unterstützung benötigten diese aber nicht bekommen, weder von der Politik noch von den Eltern der Schüler.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Vermonter 09.04.2014, 06:48
42. Unterschiede

Wenn ein Lehrer den Ehrgeiz hat, seinen Job gut zu machen, dann ist der Arbeitsaufwand so gross, dass er jegliche Freizeit aufbraucht (Korrigieren, persoenliche Beziehung zu den Schuelern, Unterrichtsvorbereitung, etc. etc. etc.). Leider haben aber nicht alle Lehrer die Motivation.
Als ich letztes Jahr in Krefeld Abitur gemacht habewaren hoechstens 1/2 bis 3/4 meiner Lehrer tatsaechlich engagiert. Der Rest hat sich auf jahrelang im Voraus vorbereiteten Materialien ausgeruht (wieso auch modernisieren - es gibt ja keine Kontrolle) und hat jegliche Behoerdengaenge und dergleichen vormittags absolviert, und das in der Vorabizeit! Es faellt mir schwer, das so zu sagen, da es den wenigen Engagierten Lehrern Unrecht tut, aber zumindest an meinem ehemaligen Gymnasium in Krefeld tendierten die meisten Lehrer dazu, sich uebermaessig und unverhaeltnismaessig zu beschweren. Ein Arzt in der Psychatrie verdient weniger, hat mehr psychische Belastung und trotzdem hoere ich seltener Beschwerden von der Aerztelobby ueber die Arbeitsbedingungen.
Es klingt hart, aber die Lehrer, die sich in diesem Forum beschweren, weisen offenbar nicht die fuer ihren Beruf erforderliche Kompetenz im Umgang mit Jugendlichen und Inhalten vor; wenn Sie ihren Kurs nicht unter Kontrolle halten koennen sollten Sie sich ueberlegen, ob Sie nicht den falschen Beruf ergriffen haben. Die Lehrer, die fair bewertet und gut unterrichtet haben (trotzdem streng!) wurden auch von Schuelerseits stets mit Respekt behandelt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dieda0803 09.04.2014, 08:20
43.

Wenn ich, als Lehrergattin, immer diese albernen Kommentare höre, was die Lehrer doch für ein tolles Leben haben. ..so viel Ferien, früh Feierabend. ..blablabla
Fakt ist, bis auf die Sommerferien sind diese dazu da, Klausuren zu korrigieren. Desweiteren möchte wohl niemand mit meinem Mann tauschen, wenn dieser 2 Monatd am Stück jedes Wochenende damit verbringt, Berge von Klausuren zu korrigieren und nach Feierabend noch bis spät abends zuhause weiterzuarbeiten. Rechnet man die anfallenden Stunden mal auf das Gehalt um, dann ist das echt ein Witz!
So, , das musste mal gesagt werden!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ftester 09.04.2014, 08:47
44. Hhmm

Zitat von berufsjammerer
Gerne würde ich nun Dieter Nuhr zitieren, aber ich bleibe in der Rolle und verweise freundlich darauf, dass ich SEHR GERNE die Arbeitsbedingungen meiner Kolleginnen und Kollegen aus Singapur hätte. Mehr dazu unter und
Überaus interssante Links. Was da abgebildet ist scheint auch nicht die Norm vor etwa 10 Jahren gewesen zu sein, meine singapurianischen Kollegen(allesamt Ing's der MINT-Fächer) erzählen etwas von hartem lernen von Grundlagen während ihrer anstrengenden Schul- und Studienzeit. Vielleicht können Sie ja nochmal recherchieren wieviel Wochenstunden eine Lehrkraft dort hat und was sie dabei verdient, meine Kollegen wissen es leider nicht auf die Schnelle...
Und zu dem nicht wirklich erfolgreichen Herrn Nuhr, wenn Sie den da zitieren iss eher Schluß mit lustig und ich bin mir sicher der Zugang zum Lehramtsstudium wäre Ihnen da eher nicht geglückt...:-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
masterofeducation 09.04.2014, 09:05
45. Immer diese Diskussion,

dass der Job ja wirklich seine Daseinsberechtigung habe und man als Lehrer wirklich viel arbeiten muss.
Das wissen die meisten Deutschen. Der Lehrerberuf hat ein recht gutes Standing in der Gesellschaft.
Die die hier das Gegenteil schreiben gehören einer Minderheit an.

Mal was zum eigentlichen Thema.
Ich denke, dass bei der Ausbildung/ dem Studium der Grund gesucht werden muss. Bessere affektive Einstellung der Sache gegenüber = bessere Selbstwirksamkeit = besserer Unterricht = kein Burnout ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
didio 09.04.2014, 09:32
46. Die

Großmama hat recht. Die meisten Eltern kümmern sich nicht um Erziehung und bei den heutigen Vaterluschen, die sich fern der Familie in Arbeit flüchten kann nix aus den Kids werden. Die Lehrer sollen die Erziehung übernehmen und haben es dann mit inkompetenten Eltern zu tun. Den Lehrern fehlt es oft an Selbstbewusstsein - woher auch, siehe oben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
quabah 09.04.2014, 10:08
47.

Eine hohe Arbeitsbelastung und Überstunden sind für Akademier normal, dass kann nicht das Problem sein.
Als Außenstehender fällt mir oft die fehlende Struktur auf, was ist Arbeitszeit, was Freizeit?
EIn Lehrer sollte sich selbst feste regelmäßige Arbeitszeiten geben, überlegen ob er besser zu Hause oder in der Stadtbücherrei arbeitet, während der Arbeit nicht privat telefonieren, im i-Net sürfen oder neben bei kochen. Für Elterngespräche einen festen Termin in der Woche abends freihalten, einmal die Woche an einem Stammtisch mit anderen Lehrern Probleme besprechen, andere Lehrer haben vielleicht eine Idee, wie Sie mit Schüler XY umgehen. In den Ferien Fortbildungen besuchen, fachlicher Art aber auch Joga- und "Psycho-"Seminare. Unterlagen systematisch ablegen um Zeit für Unterrichtsvorbereitung zu sparen.
Und wenn Sie dann nach Ihrer Planung freihaben, dann machen Sie Ihren Haushalt, gehen zum Sport...Das Mischmasch aus Freizeit und Beruf muss dazu führen, dass Sie denken Sie haben nie frei.
Der Kontakt mit Kunden, Patienten, Schülern und Eltern immer das anstrengendste an einem Job.
...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Max2008 09.04.2014, 10:21
48. Verstärkt Bourn-out bei Pädagogen?

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, das dieses scheinbare Problem wohl nicht durch die besonderen Berufs-Belastungen hervorgerufen wird, sondern schlicht der Tatsache geschuldet ist, dass dieser Job verstärkt "Sicherheit suchende Frührentner" anzieht, sorry. Ein wie auch immer organisierter "Fähigkeits- check Enter zu Beginn der Karriere ist dringend notwendig. Einmal verbeamtet, wird man diese "Glück- suchenden" nicht wieder los, auch wenn sie später für alle sichtbar gescheitert sind. Die Zeche zahlen unsere Kinder.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
raykat 09.04.2014, 10:24
49.

Es wäre jedem geholfen, wenn wirklich jeder Lehrer nach bestem Wissen und Gewissen seiner Arbeit GERNE nachgehen würde... So hätte man weniger Überlastung einzelner engagierter Personen. Bei Resignation ist weder dem Lehrer noch den Schülern geholfen...dann würde ich mich von dem Beruf verabschieden...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 7