Forum: Leben und Lernen
Pädagogik - wie streng soll Erziehung sein?

In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Prinzip der antiautoritären Erziehung eines der neuen Ideale. Davon ist man heute in Schulen und Familien wieder weit entfernt, doch die Frage nach den Prinzipien, die eine Erziehung prägen sollen, wird unvermindert diskutiert. Die Grundlinien "Fördern und fordern" sind eine Leitlinie, aber auch die generelle Strenge in der Kindererziehung ist wieder diskursfähig geworden. Wie streng soll Erziehung heute sein?

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leonardo-contra-pisa 23.03.2013, 11:02
1. Wiederholung?

Zitat von sysop
In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Prinzip der antiautoritären Erziehung eines der neuen Ideale. Davon ist man heute in Schulen und Familien wieder weit entfernt, doch die Frage nach den Prinzipien, die eine Erziehung prägen sollen, wird unvermindert diskutiert. Die Grundlinien "Fördern und fordern" sind eine Leitlinie, aber auch die generelle Strenge in der Kindererziehung ist wieder diskursfähig geworden. Wie streng soll Erziehung heute sein?
Die hier angestoßene Diskussion kommt etwas spät. 2007 war die ARD am Ball:

Disziplin-Debatte: "Da geht's lang!"

"Bueb ist erstaunlich vereinfachend"

den der Spiegel 2006 bereits angestoßen hatte:

Erziehung: "Disziplin ist das Tor zum Glück" - SPIEGEL ONLINE

http://forum.spiegel.de/f10/schulerz...iplin-793.html

Gibt es neue Aspekte?

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dickebank 23.03.2013, 11:40
2. antiautoritär vs laissez-faire

Zitat von leonardo-contra-pisa
Die hier angestoßene Diskussion kommt etwas spät. 2007 war die ARD am Ball: den der Spiegel 2006 bereits angestoßen hatte: Gibt es neue Aspekte?
Der Diskurs ist nicht neu. Was der SPON nicht mit bekommen hat - genauso wie einige Foristen -, das ist der Unterschied zwischen antiautoritärer Erziehung aus den 70ern und der fehlenden Erziehung aus heutiger Zeit.

Die 68er hatten ja ein Erziehungsziel, das sie verband; dies war das Infragestellen von Autoritäten. Also nicht irgendetwas zu tun, nur weil es angeordnet war.

Das Problem heutiger Zeit ist, dass es keine gesellschafts-konformen Erziehungsziele mehr gibt, die von einer breiten Mehrheit getragen werden. Die Erziehung ist weitestgehenst individualisiert und beruht auf Absprachen zwischen Eltern und Kindern innerhalb der Familie, die im speziellen Einzelfall gelten und jedesmal neu ausgehandelt werden.
Hierin besteht ja auch das Problem schulischer Erziehung. Es kann nicht zu jeder Stunde mit jedem ein individuelles Erziehungsziel vereinbart werden, stattdessen muss die Schulordnung von allen eingehalten werden - ohne Ausnahme.

antiautoritär ist etwas vollkommen anderes als libertinaire!

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Piri 23.03.2013, 12:17
3.

Zitat von sysop
. Wie streng soll Erziehung heute sein?
So, dass das hier

Bengalos, Krawalle und ein "Amoklauf": "Keine Abi-Streiche, sondern Straftaten"

nicht möglich ist.

Abiturienten? Proleten die wir (Politiker, Eltern, Lehrer und primitive Medien) selbst herangezogen haben!
Diejenigen, die im Kern anders sind und solche Exzesse nicht wollen, machen dennoch mit. Auch, weil ein Teil der Erwachsenen zu feige ist, ihnen den Rücken zu stärken.

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leonardo-contra-pisa 23.03.2013, 13:14
4. Gaudeamus igitur?

Zitat von Piri
So, dass das hier nicht möglich ist. Abiturienten? Proleten die wir (Politiker, Eltern, Lehrer und primitive Medien) selbst herangezogen haben! Diejenigen, die im Kern anders sind und solche Exzesse nicht wollen, machen dennoch mit. Auch, weil ein Teil der Erwachsenen zu feige ist, ihnen den Rücken zu stärken.
Was sich bei diesen "Motto-Wochen" abgespielt hat, kann man eigentlich nur noch mit dem Wort ANARCHIE treffend beschreiben.

Derweil aber übt sich das Schulministerium in guten Ratschlägen, wie man dem Artikel aus Ihrem Link entnehmen kann:

"Ziel muss es deshalb sein, bereits im Vorfeld dafür Sorge zu tragen, dass es nicht zu Eskalationen kommt. Die Schulleitungen sollten Regelungen treffen, auf deren Einhaltung sich die Jahrgänge verpflichten. Andererseits empfehle es sich, dieses Thema im Unterricht aufzugreifen."

hieß es aus der "Führungs"etage.

Dieses Verschieben des "schwarzen Peters" ist ein Skandal: Anstatt klare gesetzliche Regelungen zu treffen (und damit das Risiko einzugehen, junge Wähler zu verprellen) überlässt man den Schulen die unlösbare Aufgabe, die Schüler im Zaum zu halten, obwohl nahezu jede rechtliche Handhabe dafür fehlt.

Die "Appeasement-Politik" des Schulministeriums ist unerträglich, zumal es nach ähnlichen Vorfällen in den Vorjahren längst viele deutliche Warnungen mutiger Lehrer/innen (die dafür z.T. sogar gemaßregelt wurden!!!) an das Ministerium gegeben hat.

Das Verhalten der Schüler/innen hingegen ist ein klares Zeichen fehlender Reife, die ihnen eigentlich mit dem Abiturzeugnis attestiert werden soll. Steht doch darauf „Zeugnis der Reife“.

Gaudeamus igitur?

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discipulus_neu 24.03.2013, 16:18
5. Gaudeamus igitur!

Zitat von leonardo-contra-pisa
... Gaudeamus igitur?
Seit 46 Jahren kenne ich nun "Geudeamus igitur". Es gehorcht dies den strengen Regeln des Comment: "Ad exercitium salamandri! Bibite!" Was in NRW abläuft ist wohl eher das Ergebnis des schülerzentrierten Verhaltens, das die Rotgrünen eher in Verzückung geraten lassen sollte.

Ein Reifezeugnis ist das Abitur seit PISA nicht mehr, eher ein mediocrer Schulabschluss für lau.

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freed&democ 07.04.2013, 18:27
6.

Zitat von leonardo-contra-pisa
... Das Verhalten der Schüler/innen hingegen ist ein klares Zeichen fehlender Reife, die ihnen eigentlich mit dem Abiturzeugnis attestiert werden soll. Steht doch darauf „Zeugnis der Reife“. Gaudeamus igitur?
Ein Grund ist sicherlich, dass die Lehrerauswahl insbesondere an Gymnasien die veränderte Schülerstruktur nicht reflektiert.

Das unter Erziehungswissenschaftlern ebenso altbekannte wie unstrittige Pfeiffersche Gesetz (mit drei f) besagt, das für ein erfolgreiches Lernen/Lehren die Summe aus IQ Lehrer + IQ Schüler nicht unter 200 fallen darf.

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freed&democ 07.04.2013, 18:41
7.

Zitat von discipulus_neu
... Ein Reifezeugnis ist das Abitur seit PISA nicht mehr, eher ein mediocrer Schulabschluss für lau.
PISA ist Vergleich und Evaluation. Da werden auch mal Schwächen aufgedeckt, nicht jedoch erzeugt. Das sollte man auseinander halten können.

Aber zugegeben, solange jemand Katzengold für Gold nimmt, ist es für ihn ebenso wertvoll wie Gold. In seinem Horizont ist er reich.

Kommt es dann zu einer "Wertberichtigung", ist das Geschrei natürlich groß. Das ist zwar unvernünftig, aber menschlich.

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Piri 07.04.2013, 20:17
8.

Zitat von freed&democ
PISA ist Vergleich und Evaluation. Da werden auch mal Schwächen aufgedeckt, nicht jedoch erzeugt. Das sollte man auseinander halten können.
PISA misst so, dass die Ergebnisse herauskommen, die die OECD haben möchte. PISA ist ein Instrument, dem der Plan für einen Paradigmenwechsle zugrundeliegt.

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freed&democ 08.04.2013, 11:16
9.

Zitat von Piri
PISA misst so, dass die Ergebnisse herauskommen, die die OECD haben möchte. PISA ist ein Instrument, dem der Plan für einen Paradigmenwechsle zugrundeliegt.
Eine Verschwörung des bösen bösen internationalen wer auch immer (Kommunismus, Slawentum, Eu, Finanzkapital, Marsmenschen... oder gar alle zusammen?) gegen das gute alte aufrechte Deutschtum also.

Oje. Rette sich wer kann.

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