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Papier zur Schulpolitik: Unionsländer machen Front gegen Schulreformen

Mit einem Grundsatzpapier haben die unionsgeführten Länder Gemeinsamkeiten ihrer Schulpolitik herausgestellt. Verbindendes Element ist die Furcht vor einer "Einheitsschule"*und die Ablehung*tiefgreifender Strukturreformen. Doch in einem Punkt ist man sich uneins.

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onkel hape 22.10.2010, 19:18
1. 16 Kultusminister?

Unser Land leistet sich 16 ! Bundesländer, davon einige wie das Saarland oder Bremen, nicht lebensfähig, sondern am Tropf der reicheren Länder hängend. Das allein ist schon unbegreiflich.

Dass es aber 16x eigene Schulsysteme u. Schulpolitik, gesteuert von 16 Kultusministern gibt, ist ein Skandal. Ein Land, dessen Politiker vollmundig die Bedeutung von Bildung predigen, sich aber einen solchen Schwachsinn leistet, stellt sich ein Armutszeugnis aus.

Meines Wissens gibt es diesen Unsinn sonst nirgends auf der Welt, oder?

Fazit: Wir brauchen einen Bundeskulturminister mit umfassenden Kompetenzen, eine einheitliche Schulform, einheitliche Lehrpläne u. Gesamtschulen, wie sie alle bei PISA führenden Länder haben.

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Marshmallowmann 23.10.2010, 00:10
2.

Zitat von sysop
"Das Hauptproblem ist die soziale Ungerechtigkeit, die durch die frühe Trennung auf die verschiedenen Schulformen massiv verstärkt wird


Das ist eine Lüüüüüüüüüüüüüge, wir haben Leeeehrmittelfreiheit. Womit das Argument nichtig ist. Und lächerlich. Und überhaupt, unser Schulsystem ist bis auf die Hauptschule durchaus sinnvoll.

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vantast64 23.10.2010, 00:20
3. CDU/CSU nicht lernfähig

So viele Jahre schon Diskussionen über bessere Schulen und CDU/CSU haben nichts dazugelernt. So viel Ignoranz ist nicht vorstellbar, es muß ein konkreter Sinn dahinter sein: Wollen diese Parteien das gesamte höhere Bildungssystem für ihre Kinder, wollen sie die Konkurrenz anderer vermeiden, indem diese Unterschichten draußen vor bleiben? Ihre Rede über die "Einheitsschule" ist verräterisch, es soll die "Einheitspartei", der "Einheitsbrei" suggeriert werden. Dabei vergessen sie, daß mit dem Bologna-Prozeß eine gewollte große Bildungseinheit, Bildungsnormierung gerade von diesen Parteien über die Bertelsmannstiftung stattfindet, um unkritische, produktionsgeeignete Akademiker zu schaffen.
Wenn diese Parteien schon absolut lernunfähig sind, sollten sie wenigsten die Kultusministerien abschaffen, die haben genügend oft ihre Unfähigkeit hinreichend bewiesen. Aber vermutlich ist selbst deren totale Inkompetenz politisch gewollt.

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VPolitologeV 23.10.2010, 03:14
4. Ein Trauerspiel...

Aus dem Artikel: "Bei der Präsentation kritisierten die Minister die Idee der "Einheitsschule": Sie entstamme der Retropädagogik des vergangen Jahrhunderts, so Spaenle. "Wir wollen Talente sichten, wir wollen sie individuell fördern", sagte Wöller. Nötig sei ein klar strukturiertes, differenziertes Schulsystem."

Ok, dann warten wir, bis wir für jeden Schüler eine Schule haben - denn das ist die Konsequenz. Unser mehrgliedriges Schulsystem ist eine Ausrede, um Schüler zu normieren und weniger Lehrarbeit für sie ausgeben zu müssen (schließlich muß noch etwas eingespart werden!).

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kimba2010 23.10.2010, 03:55
5. nur so ...

16 Schulsysteme, und jetzt soll es auf kommunaler Ebene wie in NRW noch weiter zersplittert werden?

Nein, Danke.

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ensarah 23.10.2010, 09:14
6. .

Onkel Hape, auch die USA und Großbritannien haben föderale Bildungssysteme. Die USA haben folglich 50 Kultusminister, Großbritannien hat 3 (England und Wales haben zusammen einen, Schottland und Nordirland jeweils einen eigenen). Aber zumindest in England haben dann die Grafschaften noch mal extra was zu sagen, also gibt es z.B. in Lincolnshire und Kent staatliche Gymnasien, in London und Cheshire nicht...

@Marshmallowmann: hat halt nichts mit Lehrmittelfreiheit zu tun, sondern dass die Kinder von Leuten, die studiert haben, aufs Gymnasium gehen und die Kinder von Leuten, die nicht studiert haben, eher nicht.

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c++ 23.10.2010, 09:26
7. .

Wieder diese Schwachsinndebatte über Schulstruktur. SPD und GEW sollten mal wieder in der Realität ankommen. Dort, wo ihrer Meinung nach die gerechteste Schulstruktur in D ist, sind die Ergebnisse fürchterlich. Die besten Ergebnisse bringt unser Bildungssystem dort, wo es konsequent gegliedert ist. Leute, legt doch endlich die ideologischen Scheuklappen ab.

Was wir brauchen, ist frühkindliche Förderung, guten Unterricht, gute Lernsituation, gute Lehrer, individuelle Förderung und eine Kommunalisierung der Schulpolitik mit Einfluss von Eltern und Lehrern vor Ort, weil die mehr von Bildung verstehen als Politiker und Verbandsfunktionäre in Berlin, die überhaupt nicht wissen, wie Schule unten funktioniert.

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leonardo01 23.10.2010, 09:39
8. Das gegliederte Schulsystem ist in Deutschland erfolgreicher

Zitat von onkel hape
... Fazit: Wir brauchen einen Bundeskulturminister mit umfassenden Kompetenzen, eine einheitliche Schulform, einheitliche Lehrpläne u. Gesamtschulen, wie sie alle bei PISA führenden Länder haben.
Es ist einfach völlig unwissenschaftlich und unseriös zu behaupten, Länder wie z.B. Finnland als Pisa-Sieger haben ein „Gesamtschulsystem“ und deshalb wollen wir das in Deutschland auch einführen. Auch die Pisa-Verlierer haben Gesamtschulsysteme! Man muss daher viel genauer hinschauen.
Tut man dies, dann findet man beispielsweise zu Finnland Erstaunliches, was leider von rot-grünen Politikern immer verschwiegen wird:
Aufgrund eigener Schulprofile existieren z.B. bei Pisa-Sieger Finnland (zumindest in den Städten) Schulen nebeneinander, die im ihrem Niveau teilweise deutschen Hauptschulen, teilweise eher Gymnasien entsprechen. Eltern wählen für ihre Kinder die Schule aus. Konkret heißt das, dass Eltern, die Wert auf Bildung legen, z.B. Schulen wählen, in denen auch „schwerere“ Fremdsprachen wie Deutsch oder Französisch angeboten werden, während die, die meinen, dass es für ihre Kinder möglichst einfach zugehen soll, genau diese Schulen meiden. Es gibt fast ausschließlich „Frontalunterricht“, was in Deutschland als rückständig gilt. Spätestens ab Klasse 3!!! werden Begabtenkurse angeboten, in die Kinder aufgrund ihrer Leistungen und ihrer Begabungen „hineinselektiert“ werden. Der Migrantenanteil liegt bei ca. 2%, und bevor deren Kinder eine reguläre Klasse besuchen können, müssen sie eine Landessprache erlernen. Die Klassen in Finnland sind daher viel homogener als uns rot-grüne Politiker glauben machen wollen. Daraus aber abzuleiten, dass seine längere gemeinsame Beschulung in Gesamtschulen oder neu Gemeinschaftsschulen für jedes Land vorteilhaft sei, ist unseriös, zumal innerdeutsche Vergleiche (mit eher untereinander vergleichbaren Sozialstrukturen) zeigen, dass die Länder mit gegliederten Schulsystemen bei allen Bildungsstudien deutlich besser abschneiden als die mit Gesamtschulen.
Wir brauchen aus meiner Sicht tatsächlich ein einheitliches Schulsystem in allen Bundesländern und zwar das, das IN DEUTSCHLAND am erfolgreichsten ist. Das ist nun einmal das gegliederte System.

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nethopper01 23.10.2010, 09:46
9. Auswanderungsland Deutschland

Eines der wenigen Argumente für Hochqualifizierte in Deutschland zu bleiben und nicht auszuwandern, sind die Bildungschancen ihrer Kinder. Ein humanistisches Gymnasium mit Latein als erster Fremdsprache ist eine solide Grundlage für das Erlernen mehrer Fremdsprachen und sorgt für eine breite Allgemeinbildung. Es ist zudem ein Hort des Bildungsbürgertums, das soliale Konflikte draussen hält und so die Kinder schützt. Eine homogene Elternschaft sorgt für eine konsequente Förderung der Kinder auch ausserhalb der Schule und somit für ein hohes Leistungsniveau.

Mit Sorge beobachte ich, wie diese Bastion momentan geschleift wird. Längeres gemeinsames Lernen an der Grundschule, wird den eigenen Nachwuchs nur ausbremsen. Die Schaffung eines zweigliedrigen Schulsystems versetzt Eltern von potentiellen Realschülern in Panik. Dadurch schicken diese ihre Kinder auf das Gymnasium, auch wenn ihnen dafür eigentlich die Begabung fehlt. Bildungspolitische Experimente in einzelnen Bundesländern werden den Flurschaden zu Lasten begabter Kinder noch verstärken. Ein Wettlauf zur Senkung des Bildungsniveaus beginnt, um auch bildungsfernen Migranten eine Chance zu geben. Zum Glück lebe ich in Bayern, da ist die Welt noch halbwegs in Ordnung.

Na gut, der eigene Nachwuchs ist bereits über den Berg. Deren Studium ist international ausgerichtet, damit steht diese Generation bereits mit einem Bein im Ausland. Wenn nun auch noch die Bildungsinfrastruktur in Deutschland weiter mit zweifelhaften Experimenten und einer provinziellen Zerfaserung ruiniert wird, fällt ein weiteres Argument weg, im Land zu bleiben. Deutschland wird zum Auswanderungsland für künftige Leistungsträger.

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