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Party-Logbuch München: "Man kann hier trotzdem Spaß haben"
Bettina Koller

Ja, Klischees gibt es viele. Nur: Welche stimmen? Judith Liere verbrachte eine Nacht in München, trank Cocktails von Mixologen, bouncte, bis ihre Knie schmerzten und sah am Ende zumindest zwei Vorurteile bestätigt.

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aphexxx 02.06.2014, 02:55
100. Hamburg vs. München 1/2

Von der kleinen Auswahl an Kommentaren, die ich gelesen hab, muss ich albatros321 uneingeschränkt zustimmen. Würde noch folgendes ergänzen:

Ich bin in München geboren und in Giesing, Harlaching und Taufkirchen aufgewachsen. Ich lebe seit einiger Zeit in Hamburg/Altona und traue mir zu einen recht substanziellen Vergleich zu ziehen. Ich denke einer der wesentlichen Gründe für die offensichtlich unterschiedlichen Mentalitäten, etwa zwischen den Münchnern und Hamburgern liegen, neben den sowieso vorhandenen kulturellen Unterschieden, in den subjektiv stark sichtbaren, aber auch objektiv und empirisch erfassbaren Unterschieden in der alltäglichen Konfrontation mit gesellschaftlichen Problemen bzw. Phänomenen, insbesondere Armut, Alkoholismus, Gewalt, Prostitution, usw. Genau dieser, zumindest an der Oberfläche, sichere, saubere und reiche Zustand Münchens wird ja regelmäßig in Rankings zum Städtevergleich zur Lebensqualität hervorgehoben. Dies hat sicherlich auch einen maßgeblichen Anteil an der enormen demografischen Zuwachsrate Münchens. Hinzukommen die schon erwähnten Möglichkeiten der Naherholung und das reichhaltige Jobangebot.

Insoweit trifft auf die Münchner Stadtgesellschaft das zu was auf die Einwohner jeder anderen Stadt auch zutrifft: Du lebst aus bestimmten Gründen dort, ob nun dort geboren oder aus beruflichen oder sonstigen Gründen zugezogen. Du passt dich an das gegebene soziale Umfeld an oder fügst dich zumindest hinreichend ein oder kommst nicht damit klar und wirst über kurz oder lang woanders hinziehen. Diese Mechanismen bedingen ein sich selbst erhaltendes und reproduzierendes soziales Gefüge, das sich meiner Meinung nach auf das gesamte Stadtgebiet und die Peripherie ausdehnt, über die Jahre und Jahrzehnte aber sicherlich auch Veränderungen unterliegt und sich wandeln kann. Diesen Wandelungsprozess habe ich aufgrund meines Alters in München leider nicht bewusst miterleben können. Da müsste man wohl in die 1970er oder gar 1960er Jahre zurückgehen….

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aphexxx 02.06.2014, 02:59
101. Hamburg vs. München 2/2

Ich beobachte hier in Altona zumindest auch Entwicklungen, die schon sehr an bestimmte Stadtviertel in München erinnern (Ober- und Untergiesing, Glockenbachrviertel) nur das hier eine viel größere Mobilisation besteht. Ich denke da, neben den bekannten Protesten, an die Bürgerbegehren gegen den Abriss des Bismarckbads und den Neubau eines Einkaufscenters und gegen den Ikea-Neubau im Vergleich etwa zum Abriss des alten Karstadtgebäudes am Silberhornplatz oder dem Abriss des Bahnhofskinos und dem Neubau des Ärztezentrums am Giesinger Bahnhof. Aber in Altona auch an kleineren Veränderungen, wie dem Zurückdrängen von schummrigen Kneipen, alten Lebensmittelhändlern durch hippe Bars, Biosupermärkte und schicke Boutiquen und dem damit verbunden Anstieg des Mietniveaus in den vergangenen Jahren (Ottensener Hauptstrasse). Ich denke, dass diese Entwicklung, die häufig unter dem etwas abgenutzten Begriff der Gentrifizierung eingeordnet wird, über kurz oder lang etwas im kollektiven Denken der betroffenen Bevölkerung anstellt

Dies kann man für sich nun als positiv, negativ oder sonst wie einstufen. Für mich ist es auf jeden Fall etwas Wunderbares diese Unterschiede aufzugreifen, mir den Kontrast bewusst zu machen und mich nach Lust und Laune zwischen den Städten deren Menschen zu bewegen.



Ich bin in München geboren und in Giesing, Harlaching und Taufkirchen aufgewachsen. Ich lebe seit einiger Zeit in Hamburg/Altona und traue mir zu einen recht substanziellen Vergleich zu ziehen. Ich denke einer der wesentlichen Gründe für die offensichtlich unterschiedlichen Mentalitäten, etwa zwischen den Münchnern und Hamburgern liegen, neben den sowieso vorhandenen kulturellen Unterschieden, in den subjektiv stark sichtbaren, aber auch objektiv und empirisch erfassbaren Unterschieden in der alltäglichen Konfrontation mit gesellschaftlichen Problemen bzw. Phänomenen, insbesondere Armut, Alkoholismus, Gewalt, Prostitution, usw. Genau dieser, zumindest an der Oberfläche, sichere, saubere und reiche Zustand Münchens wird ja regelmäßig in Rankings zum Städtevergleich zur Lebensqualität hervorgehoben. Dies hat sicherlich auch einen maßgeblichen Anteil an der enormen demografischen Zuwachsrate Münchens. Hinzukommen die schon erwähnten Möglichkeiten der Naherholung und das reichhaltige Jobangebot.

Insoweit trifft auf die Münchner Stadtgesellschaft das zu was auf die Einwohner jeder anderen Stadt auch zutrifft: Du lebst aus bestimmten Gründen dort, ob nun dort geboren oder aus beruflichen oder sonstigen Gründen zugezogen. Du passt dich an das gegebene soziale Umfeld an oder fügst dich zumindest hinreichend ein oder kommst nicht damit klar und wirst über kurz oder lang woanders hinziehen. Diese Mechanismen bedingen ein sich selbst erhaltendes und reproduzierendes soziales Gefüge, das sich meiner Meinung nach auf das gesamte Stadtgebiet und die Peripherie ausdehnt, über die Jahre und Jahrzehnte aber sicherlich auch Veränderungen unterliegt und sich wandeln kann. Diesen Wandelungsprozess habe ich aufgrund meines Alters in München leider nicht bewusst miterleben können. Da müsste man wohl in die 1970er oder gar 1960er Jahre zurückgehen….

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aphexxx 02.06.2014, 11:34
102. Hamburg vs. München 2/2 Korrektur

Ich beobachte hier in Altona zumindest auch Entwicklungen, die schon sehr an bestimmte Stadtviertel in München erinnern (Ober- und Untergiesing, Glockenbachrviertel) nur das hier eine viel größere Mobilisation besteht. Ich denke da, neben den bekannten Protesten, an die Bürgerbegehren gegen den Abriss des Bismarckbads und den Neubau eines Einkaufscenters und gegen den Ikea-Neubau im Vergleich etwa zum Abriss des alten Karstadtgebäudes am Silberhornplatz oder dem Abriss des Bahnhofskinos und dem Neubau des Ärztezentrums am Giesinger Bahnhof. Aber in Altona auch an kleineren Veränderungen, wie dem Zurückdrängen von schummrigen Kneipen, alten Lebensmittelhändlern durch hippe Bars, Biosupermärkte und schicke Boutiquen und dem damit verbunden Anstieg des Mietniveaus in den vergangenen Jahren (Ottensener Hauptstrasse). Ich denke, dass diese Entwicklung, die häufig unter dem etwas abgenutzten Begriff der Gentrifizierung eingeordnet wird, über kurz oder lang etwas im kollektiven Denken der betroffenen Bevölkerung anstellt Dies kann man für sich nun als positiv, negativ oder sonst wie einstufen. Für mich ist es auf jeden Fall etwas Wunderbares diese Unterschiede aufzugreifen, mir den Kontrast bewusst zu machen und mich nach Lust und Laune zwischen den Städten deren Menschen zu bewegen.

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albatros321 02.06.2014, 18:26
103. zum Beitrag von aphexxx

Danke aphexx für deinen ausführlichen Input.
Insbesondere zur Bestätigung meiner München vs. Hamburg Darstellung hinsichtlich kultureller Eigenheiten.
Ich habe länger im Norden gewohnt und wohne nun jobbedingt seit fast 2 Jahren in München.
Aufgrund der persönlich empfundenen und in meinem Thread-Beitrag weiter oben dargestellten Phänomene erwäge ich ernsthaft den Schritt, wieder in den Norden zu ziehen - wäre sogar bereit, dafür auf ein paar Prozentpunkte Geld&Karriere zu verzichten und glaube dennoch, ein Plus an (persönlicher) Lebensqualität zu gewinnen. Ich gehöre zu dem Teil der Menschen, die sich nicht 100% an eine fremde Gesellschaft anpassen / verbiegen, nur um dort integriert zu fühlen. Daher bin ich auch mental bereit, mich lokal wieder zu verändern. Ein anderer Teil der Bevölkerung ist da evtl. flexibler. :)


Da du auch in München und später in Hamburg gewohnt hast, hast du selber eine gute Vergleichsbasis. Welcher der oben in meinem ersten Beitrag dargestellten Unterschiede kannst du persönlich so bestätigen bzw. gibts Punkte, die du nicht so siehst ?
Danke!

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